"I'm happy it's you": Sebastian Vettel und Co. in der Loge des Fürsten

Formel 1 2011

— 29.05.2011

Formel-1-Roulette in Monaco: Erster Sieg für Vettel!

56 Runden auf einem Reifensatz: Sebastian Vettel gewinnt einen echten Klassiker in Monaco vor Alonso und Button - Petrow nach Unfall im Krankenhaus

Nach dem Sieg von Rene Rast im Porsche-Supercup wurde heute in Monaco auch nach dem Formel-1-Rennen die deutsche Bundeshymne angestimmt: Sebastian Vettel (Red Bull) setzte seinen derzeitigen Erfolgsrun mit seinem ersten Sieg im sonnigen Fürstentum fort und gewann einen atemberaubenden Grand Prix vor Fernando Alonso (Ferrari) und Jenson Button (McLaren).

Doch die wichtigste Nachricht zuerst: Witali Petrow (Renault) geht es nach seinem schweren Unfall am Schwimmbad den Umständen entsprechend gut. "Er ist okay", gibt Renault-Teamchef Eric Boullier Entwarnung. "Er klagt lediglich über Beinverletzungen, doch die Ärzte sagen, dass nichts gebrochen ist. Sie nehmen ihn mit ins Krankenhaus, um ihn über Nacht zu beobachten. Er scheint sich jedoch lediglich seine Beine geprellt zu haben."

Petrow nach schwerem Unfall unverletzt

Sechs Runden vor Schluss hatte nämlich eine Massenkarambolage am Hafen für eine Unterbrechung des Rennens gesorgt, als es gerade am spannendsten war. Zuerst überholte Lewis Hamilton (McLaren) mit einem waghalsigen Manöver Petrow. Praktisch zeitgleich küsste Adrian Sutil (Force India) unmittelbar vor den beiden die Leitplanken und schlitzte sich dabei den rechten Hinterreifen auf. Doch damit war die Kettenreaktion noch nicht beendet...

Denn gemeinsam mit Hamilton quetschte sich auch noch Jaime Alguersuari (Toro Rosso) an Petrow vorbei - und segelte eingangs Schwimmbad über den Randstein hinweg in die außenstehende Mauer. Petrow wurde dadurch ebenfalls in die Leitplanken geschleudert, allerdings in einem sehr ungünstigen Winkel. Im ersten Moment soll er sogar bewusstlos gewesen sein, später stellte sich der Unfall aber zum Glück als relativ harmlos heraus.

Besonders brisant war diese Situation, weil sie beinahe das Rennen entschieden hätte. Ab der 62. von 78 Runden lagen an der Spitze Polesetter Vettel, Alonso und Button innerhalb von weniger als einer Sekunde - und Button (drei Stopps) hatte viel frischere Reifen als Alonso (zwei Stopps) und Vettel (ein Stopp). Der McLaren-Pilot hatte zuvor innerhalb von 14 Runden fast 20 Sekunden Rückstand auf das Führungsduo wettgemacht!

Hochspannung auf den Rängen

"Es war vor Spannung schon fast nicht mehr auszuhalten", schildert Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko den "flotten Dreier" in der Schlussphase. "Wir wussten nicht, in welchem Zustand Sebastians Reifen waren, denn wir wollten ihn nicht anfunken, um ihn nicht zu stören." Vettel hatte seinen ersten Boxenstopp bereits in Runde 16 absolviert und hatte dementsprechend einen 62-Runden-Run (!) mit den Pirelli-Primes vor sich.

Die im Nachhinein betrachtete rennentscheidende Szene ereignete sich in Runde 34, als das Safety-Car zum ersten Mal auf die Strecke kam. Button und Alonso nutzten diese Gelegenheit, um an die Box zu kommen und Reifen zu wechseln, während Vettel draußen blieb. "Wir wollten eigentlich auch reinkommen", erinnert sich Vettel an jene Phase, "aber dann habe ich gesagt: 'Probieren wir es mit einem Stopp!'"

Ab der 59. Runde hatte er Alonso formatfüllend im Windschatten, ab der 62. war dann auch Button dran. Vettels Glück war, dass er trotz seiner verschlissenen Reifen in der Zielkurve bessere Traktion hatte als Alonso, der zwischendurch sogar versuchte, einen Gang höher zu fahren, um die durchdrehenden Räder des Ferrari zu beruhigen. So konnte der Spanier seinen DRS-Vorteil nicht ausspielen. Buttons DRS wurde kompensiert, weil Alonso den Knopf ja auch drücken durfte.

Reifenwechsel rettet Vettels Sieg

Sechs Runden vor Schluss dann das bereits beschriebene Chaos am Hafen, das de facto die Entscheidung brachte. Während der Unterbrechung durften nämlich die Reifen gewechselt werden, sodass Vettel für den finalen Sprint ins Ziel, der hinter dem Safety-Car gestartet wurde, fast frische Supersofts aufziehen konnte. "Ich glaube, ansonsten wären es schwierige sechs Runden geworden", gibt der glückliche Sieger unumwunden zu.

"Das Safety-Car hat geholfen, aber er hat den ersten Platz gut verteidigt. Ich glaube, er hätte es auch so geschafft", ist Teamchef Horner überzeugt. Das sieht Alonso ein bisschen anders: "Sebastian hatte in den letzten zehn Runden mehr Probleme mit den Reifen. Ich habe die Reifen geschont, um am Ende zu attackieren, aber die letzten zehn Runden sind dann wegen des Safety-Cars nicht gekommen. Er führt in der WM und hat mehr zu verlieren als ich. Ich wollte es probieren."

Button, der unter normalen Umständen am Ende die besten Reifen gehabt hätte, grummelte vor der Siegerehrung: "Verdammtes Safety-Car!" Der Brite hatte seine beste Phase nach dem ersten Boxenstopp, durch den er in Führung gegangen war. Auf Supersofts konnte er sich gegen Vettel auf Softs mühelos absetzen. "Einmal war ich Zweiter, 19 Sekunden hinter Jenson. Da schien der Sieg weit weg zu sein, aber Monaco ist einfach ein verrückter Ort", kann Vettel im Nachhinein lächeln.

Safety-Car durchkreuzt Buttons Strategie

Button ist naturgemäß weniger gut aufgelegt: "Bis zum ersten Safety-Car sah es wirklich gut aus. Wir haben drei Stopps gemacht, weil ich im ersten Stint mit den Hinterreifen Probleme hatte. Mit den Supersofts hatten wir eine tolle Pace. Dann hat uns wehgetan, dass Seb nicht reingekommen ist, aber wir schon", analysiert der McLaren-Pilot. "In Monaco musst du immer mit einem Safety-Car rechnen, aber natürlich hoffst du in so einer Situation, dass es nicht dazu kommt."

Unmittelbar nach dem gewonnenen Start hatte es für Vettel fast ein bisschen nach einem Sololauf gerochen. Nach einer Runde führte er 2,4 Sekunden vor Button, nach drei 3,8, nach fünf schon 4,6. Doch dann schrumpfte der Abstand wieder auf unter vier Sekunden - und weil Button eine Runde früher zum Service kam und Red Bull bei Vettels Boxenstopp patzte, verlor er trotz der furiosen Anfangsphase auf einmal die Führung.

"Unser Boxenstopp war nicht der beste", so Red-Bull-Konsulent Marko. "Es war ein Fehler, zu entscheiden, dass beide gleichzeitig hereinkommen sollen. Deshalb waren beide Boxenstopps außergewöhnlich schlecht." So wurde auch Vorjahressieger Mark Webber (Red Bull) vom vierten auf den 14. Platz zurückgeworfen. Der Australier mischte von da an nur noch im Kampf der Verfolger hinter den drei Sieganwärtern mit.

Sutil kann Platz vier nicht halten

In diesem schien plötzlich Sutil auf Platz vier auf, doch der Deutsche konnte diesen wie schon 2008 (unverschuldete Kollision mit Kimi Räikkönen) nicht ins Ziel retten: Erst musste er den mit der Brechstange agierenden Sauber-Japaner Kamui Kobayashi in Mirabeau vorbeilassen, dann auch noch Webber und später Hamilton. Letzterer meinte nach seinem sechsten Platz: "Das war wahrscheinlich das schlechteste Wochenende meiner Karriere."

Zumal er wohl für seine Kollision mit Pastor Maldonado (Williams) unmittelbar nach dem zweiten Restart eine weitere Strafe kassieren wird. Maldonado hatte bis dahin eine fantastische Performance abgeliefert und wurde seinem Ruf als Monaco-Spezialist voll gerecht. Die ersten Williams-Punkte der Saison holte dafür Rubens Barrichello, der trotz eines eher farblosen Auftritts mit einer Runde Rückstand Neunter wurde.

Maldonado war aber nicht das einzige Hamilton-Opfer des Tages - bereits in Runde 33 krachte der Monaco-Sieger von 2008 in der Loews-Haarnadel mit einer sehr optimistischen Attacke ins Ferrari-Heck von Felipe Massa. Der knallte Hamilton brutal die Tür zu, sodass der McLaren-Pilot am Boxenfunk fluchte: "Das hat er mit Absicht gemacht!" Die Rennkommissare beurteilten die Situation freilich anders und brummten ihm eine Durchfahrstrafe auf.

Mercedes ohne jede Chance

Wie man in Loews überholen kann, zeigte Michael Schumacher (Mercedes) vor, als er an seinem Teamkollegen Nico Rosberg vorbeiging und dabei innen über den Bürgersteig fuhr. Rosberg spielte bei dem Manöver fair mit, schließlich hatten die beiden Silberpfeile zu jenem Zeitpunkt ohnehin keine Chance mehr. Zwar hatte Rosberg einen guten Start erwischt - ganz im Gegensatz zu Schumacher (von fünf auf zehn) -, doch den fünften Platz der ersten Runden konnte er nicht halten.

Punkte gab es stattdessen für diejenigen, die unauffällig unterwegs waren und keine Dummheiten machten: Nick Heidfeld (Renault) etwa, der Achter wurde, Barrichello oder auch Sebastien Buemi (Toro Rosso). Rosberg landete unterm Strich mit zwei Runden Rückstand auf Rang elf vor Paul di Resta (Force India), der sich in Loews gleich zweimal am Heck eines Vordermanns einen Teil des Frontflügels abrasiert hatte.

Insgesamt sahen 17 Autos die Zielflagge, 18 (inklusive Maldonado) wurden gewertet. "Das Rennen heute war auch im Cockpit sehr unterhaltsam", spricht Sieger Vettel Millionen Fans auf der ganzen Welt von der Seele und jubelt: "Es ist eine große Ehre, meinen Namen in die Siegerliste einzutragen. Hier haben Größen wie Ayrton Senna gewonnen. Ich bin überglücklich und freue mich riesig - ein ganz besonderer Sieg!"

Von wegen Überholverbot!

Ganz besonders auch, dass im DRS-, KERS- und Pirelli-Zeitalter plötzlich auch in Monaco überholt wurde. Grandios etwa Hamiltons Manöver gegen Schumacher in Sainte Devote ('Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer: "Das war mutig von ihm!") oder Barrichellos Überraschungsangriff in Mirabeau, ebenfalls gegen Schumacher - und wie Massa in der schnellen Tabak-Kurve Rosberg zum Statisten degradierte, hatte es ohnehin in sich.

Massa hatte dann später alle Schutzengel auf seiner Seite, als er im Zweikampf mit Hamilton nach der bereits erwähnten Loews-Kollision auf die schmutzige Fahrbahnseite des Tunnels kam und bei fast 300 km/h in die Leitplanken knallte. Der Brasilianer löste damit die erste Safety-Car-Phase aus. Interessant: Nur Sekunden später blieb Schumacher wegen eines Airbox-Feuers stehen - unmittelbar vor der Einfahrt in die Boxengasse...

In der Weltmeisterschaft führt Vettel nach fünf Siegen in sechs von voraussichtlich 19 Rennen überlegen mit 143 Punkten vor Hamilton (85), Webber (79), Button (76) und Alonso (69). Bei den Konstrukteuren hat Red Bull (222) die Nase vor McLaren (161) und Ferrari (93). Aber: "Es ist noch ein langer Weg", winkt Vettel ab. "Wir haben einen guten Run, aber wir nehmen es Rennen für Rennen." Das nächste Mal übrigens in zwei Wochen im kanadischen Montreal.

Fotoquelle: xpb.cc

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