Cosworth-Boss Mark Gallagher hat Angst vor einem teuren Wettrüsten

Formel 1 2011

— 30.05.2011

Neue Motoren: Wer soll das bezahlen?

Hersteller und FIA rangeln weiter: Cosworth klagt über hohe Entwicklungskosten der künftigen Turbos - Schnelle Lösungen sind nun gefragt

In den Sommermonaten finden die größten Kämpfe der Formel 1 oft nicht auf der Strecke statt, sondern eher auf dem politischen Schlachtfeld. Vor allem in diesem Jahr dürfte wieder scharf geschossen werden. Einerseits wird um das neue Concorde-Agreement gefeilscht, das die kommerziellen Beziehungen zwischen Teams, FIA und Rechteinhaber regelt. Auf der anderen Seite rangelt man um die Einführung der Turbomotoren.

2013 sollen die Formel-1-Autos von kleinen 1,6-Liter-Vierzylinder-Turbos angeschoben werden. So will es die FIA. Jean Todt ist fest entschlossen, die bisherigen V8-Motoren zu verbannen. Die Königsklasse soll "grüner" werden, der Faktor Effizienz mehr in den Vordergrund rücken. Aber um welchen Preis?

Die Klagen der Triebwerkshersteller sind laut. Die Entwicklungskosten für die neuen Motoren sollen - zumindest bei den großen Herstellern Mercedes, Ferrari und Renault - bei rund 100 Millionen Euro liegen. Cosworth könnte das Projekt für deutlich weniger Geld umsetzen, müsste aber alle Kosten auf die Kunden umlegen, um profitabel agieren zu können.

Natürlich sind die Teams, die letztlich die Rechnung begleichen müssten, nicht gerade glücklich über diese Aussichten. In einem Brief wendete sich Cosworth-Boss Mark Gallgher noch einmal an die FIA. "Wir können einen solchen Motor bauen, haben schon daran gearbeitet. Wir hätten überhaupt kein Problem mit dem Bau eines Vierzylinders", so der Brite gegenüber 'Autosport'.

"Aber unsere Kunden wollen es nicht bezahlen", klagt Gallagher. Vor allem jene kleinen Teams, die von Cosworth beliefert werden, hätten keinen finanziellen Spielraum für solche zusätzlichen Kosten. Unter den geplanten Voraussetzungen für 2013 könne man das Geschäft für keine Seite profitabel gestalten. "Und das habe ich versucht der FIA klarzumachen", so der Chef der britischen Motorenschmiede.

"Ein Jahr lang haben wir über die technischen Rahmenbedingungen debattiert, aber überhaupt nicht über die finanziellen Folgen gesprochen" sagt Gallagher. "Wir haben nun mit den Teams gesprochen. Die Zahl der Motoren pro Saison wurde von 16 über zehn auf nun acht reduziert. Daher erwarten die Teams, dass sie weniger zahlen müssen und nicht mehr."

"Ein Teamchef sagte zu mir: 'Wenn es bald vier statt acht Zylinder sind, dann ist es auch nur der halbe Preis!' Das ist natürlich nicht so", erklärt Gallagher. Nach eigenen Angaben könnte Cosworth ein Produkt herstellen, das nur rund ein Drittel der Entwicklungskosten verschlingt, die von den großen Herstellern aufgewendet werden. "Aber die Hersteller pumpen enorm viel Geld in die Entwicklung."

"Jetzt ist eingetreten, was eigentlich alle verhindern wollten: ein Wettrüsten. Es wird viel Geld investiert. Etwas, was vor einem Jahr noch als unverantwortlich galt. Man muss da auf die Bremse treten", meint der Brite. Um Cosworth den Weg zum Turbomotor etwas zu erleichtern, ließ FIA-Präsident Jean Todt durchblicken, dass er sich eine Übergangsphase vorstellen könnte.

Der Franzose hält es über eine "Balance of Performance" für möglich, den V8 für eine Übergangszeit neben dem neuen Vierzylinder laufen zu lassen. Eine Lösung, die jedoch von allen bislang beteiligten Motorenherstellern der Formel 1 abgelehnt wird. "Man schaut sich derzeit im Dialog zwischen Teams und FIA denkbare Lösungen für eine Übergangszeit von einem oder zwei Jahren an."

"Man schaut auf mittelfristige Lösungen, um alles etwas zu stabilsieren", sagt Gallagher. Allerdings drängt die Zeit. "Die Chassisregeln stehen so gut wie fest. Man muss bezüglich der Motoren nun zu einer raschen Lösung kommen. Aus Sicht der FIA mag die Umsetzung der neuen Regeln 2013 vielleicht schon feststehen, aber man muss sich fragen: Wie soll das kommerziell funktionieren?"

Fotoquelle: xpb.cc

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