Lewis Hamilton in Monaco: Zu viel Adrenalin oder weit übers Ziel hinausgeschossen?

Formel 1 2011

— 31.05.2011

Fahrerstimmen: Verständnis für Hamilton

Manchmal kochen die Emotionen eben hoch: Timo Glock, David Coulthard und Allan McNish können die Aussagen von Lewis Hamilton durchaus verstehen

Lewis Hamilton sorgte beim Großen Preis von Monaco für reichlich Aufregung. Erst ging der McLaren-Pilot auf der Strecke überaus aggressiv zu Werke und verstrickte sich in einige Zwischenfälle, danach legte der britische Rennfahrer auch abseits der Rennbahn einen heißen Tanz hin. Hamilton kritisierte die Rennleitung für die Strafen, die ihm auferlegt worden waren, und zeigte sich mehr als aufgebracht.

Dass er einmal mehr bei den Stewards habe vorsprechen müssen, bezeichnete der 26-Jährige als "absolut blöden Witz" und stufte seine Kollisionsgegner von Monaco als "so was von lächerlich ein". Woran sich die meisten Beobachter störten: Auf die Frage, weshalb er so oft zur Rennleitung müsse, antwortete Hamilton schlicht mit "vielleicht liegt es daran, dass ich eine dunkle Hautfarbe habe".

Hamilton selbst hatte dies im Hinblick auf die Komik-Figur Ali G. als Scherz verstanden, der nach Ansicht der großen Mehrheit allerdings in die Hose ging. Noch am Sonntagabend wurde Hamilton daher noch einmal bei der Rennleitung vorstellig, um sich für sein Verhalten und seine Aussagen in einem Live-Interview bei der 'BBC' zu entschuldigen. Die Situation wurde damit ad acta gelegt.

Glock: Wird in der Formel 1 zu viel bestraft?

Timo Glock (Marussia-Virgin) bringt indes Verständnis für seinen Fahrerkollegen auf. Es sei immer schwierig, einen "eindeutigen Schuldigen" zu finden, sagt der Deutsche bei 'Servus TV' in Bezug auf die Zwischenfälle um Hamilton. "Lewis war aggressiv und versuchte es. Man muss bei der Beurteilung vorsichtig sein. Man bekommt in Monaco immer nur ein einziges Mal die Chance", erklärt Glock.

"Natürlich ist Lewis übermotiviert und vielleicht auch genervt, weil er sich in Monaco etwas ganz anderes vorgestellt hat. Da ist es normal, dass einem irgendwann der Kragen platzt und man es versucht", meint der 29-Jährige und merkt an: "Ich frage mich auf der anderen Seite oft, ob wir mit den Bestrafungen in der Formel 1 nicht manchmal zu weit gehen." Ist es also zu viel des Guten?

Glock erläutert seinen Standpunkt: "Wir wollen alle überholen, wollen eine gute Show sehen. Sobald einer mal überholt und es fliegt ein Teil weg, dann wird bestraft. Es ist für die FIA und die Stewards nicht einfach, da immer die richtige Entscheidung zu treffen." Zumal es bei einem Unfall mit zwei Beteiligten in den meisten Fällen mindestens zwei unterschiedliche Sichtweisen der Dinge gäbe.

Coulthard lobt McLaren für die Offenheit

"Natürlich wird ein Lewis Hamilton nicht sagen: 'Ich bin Felipe Massa ins Auto gefahren'. Er wird sagen: 'Ich war es nicht, sondern er ist mir vorne reingefahren'. Und Felipe Massa sagt natürlich das Gegenteil", bringt es Glock auf den Punkt. Auch der frühere Formel-1-Pilot und jetzige TV-Experte David Coulthard kann gut verstehen, dass es in Hamilton innerlich brodelte, als er ausgestiegen war.

"Es muss ein sehr frustrierendes Wochenende für Lewis gewesen sein. Für ihn war es schon in der Qualifikation nicht gut gelaufen und im Rennen gab es einige Zwischenfälle", sagt der Schotte bei der 'BBC'. "Eigentlich sollte man McLaren und seinen Fahrer allerdings dafür loben, dass sie sagen, was sie sagen, statt auf das Wesentliche reduzierte Pressemitteilungen zu versenden", sagt Coulthard.

"Immerhin wissen wir jetzt, was er fühlt. Rennfahren ist manchmal nämlich eine sehr frustrierende Sache. Du siehst die Welt ja schließlich nur durch den schmalen Schlitz in deinem Helm. Da hast du nicht den Vorteil, dir die Wiederholung auf Video anzusehen. Ich bin mir sicher: Wenn sich Lewis diese Szenen noch einmal anschauen würde, würde er vielleicht eine andere Sichtweise entwickeln."

Schiedsrichter liegen nicht immer richtig...

"Er wurde halt nach einer fast zweistündigen Fahrt auf einer der anspruchsvollsten Rennstrecken überhaupt interviewt und war noch immer voller Adrenalin. Ich kenne das von mir. Rückblickend sagst du dann: 'Nun ja, möglicherweise war ich da ein bisschen zu hart.' Alles, was wir tun, wird heutzutage aber genau analysiert", erklärt Coulthard. Manche Äußerung lande zu rasch auf der Goldwaage.

"Wenn jemand etwas sagt, was kontrovers sein könnte, sind wir sehr schnell dabei, Kritik zu äußern. Du hast aber nun einmal das Recht auf deine eigene Meinung", stellt "DC" heraus und fügt hinzu: "Wie oft haben wir es schon erlebt, dass Schiedsrichter Entscheidungen gefällt haben, die sie im Hinblick auf eine mögliche Wiederholung so vermutlich nicht getroffen hätten?", fragt Coulthard.

"Die Szene selbst ist schon längst vorbei. Das sind aber solche Dinge, die den Sport so aufregend machen. Deshalb spricht man darüber", sagt der Formel-1-Experte. Auch Allan McNish setzte sich am Sonntag mit dieser Thematik auseinander. Der schottische Landsmann von Coulthard fungierte in Monte Carlo als vierter Rennsteward und unterstützte seine Kollegen bei der Urteilsfindung.

McNish: Der vierte Rennsteward als Fortschritt

Der Langstrecken-Spezialist teilt die Ansicht seiner Vorredner, wie er bei 'PA' zu Protokoll gibt. "Jeder Fahrer ist voller Leidenschaft und Adrenalin", meint McNish. "Vor allem auf hohem Niveau kommt auch noch die Entschlossenheit dazu. Manchmal kochen die Emotionen über, was auf oder neben der Rennstrecke passieren kann. Das kommt immer wieder mal vor - und nicht nur im Motorsport."

"Wenn du um einen WM-Titel kämpfst, steht auch sehr viel auf dem Spiel. Man steckt viel Energie hinein, um zu probieren, bei jedem Rennen erfolgreich zu sein. Monaco stellt dabei einen Höhepunkt dar, was es für die Fahrer und die Teams noch verschärft. Dort sieht man die Erleichterung auf den Gesichtern der Leute, die Erfolg haben, und die Reaktion der anderen, die nicht erfolgreich waren."

"In Monaco gab es zudem noch nie einen ruhigen Grand Prix", sagt der frühere Formel-1-Pilot. Die Bemühungen der FIA seien aber aller Ehren wert. "Wenn man all die Möglichkeiten der Rennleitung bedenkt, sind der FIA gute Fortschritte in diesem Bereich gelungen", findet McNish. "Dass ein Fahrer bei den Kommissaren mithilft, ist sicherlich positiv. Du kennst die Szenen ja aus eigener Erfahrung."

Fotoquelle: McLaren

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