Bienvenue au Quebec: Sebastian Vettel in der "Wall of Champions"

Formel 1 2011

— 10.06.2011

Montreal: Vettel küsst die "Wall of Champions"

Ein schwerer Unfall von Sebastian Vettel überschattete im ersten Freien Training die Bestzeit von Nico Rosberg vor Fernando Alonso

So hatte sich Sebastian Vettel den Trainingsauftakt in Montreal sicher nicht vorgestellt: Zwar gehört er nun quasi auch offiziell dem Klub der Weltmeister an, doch seine Mitgliedschaft in eben diesem hätte er wahrscheinlich lieber anders besiegelt als mit einem intensiven Kuss der berühmt-berüchtigten "Wall of Champions" ausgangs der Schikane bei Start und Ziel.

"Ein Fahrfehler - mehr ist dazu eigentlich nicht zu sagen", analysiert 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer den Abflug gut eine halbe Stunde vor Schluss. Vettel, zu jenem Zeitpunkt unterwegs zu einer Verbesserung vom elften Platz in die Top 5, war lange an der Box gestanden, doch dann ging ihm plötzlich das Talent aus - rote Flagge! "Ich habe den Randstein getroffen, rutschte von der Strecke und krachte in die Mauer. Mir geht es gut", funkte er an die Box.

Fahrfehler endet in der Mauer

"Er bremst spät, das Heck geht weg und er hat keine Chance mehr, die Linkskurve zu kriegen. Er kracht in ungünstigem Winkel in die Mauer", schildert Surer den Unfallhergang. "Er nimmt übrigens nicht einmal die Hände vom Lenkrad, was gefährlich sein könnte für seine Handgelenke. Und weil das Auto noch den Randstein erwischt hat, hüpft es noch. Man sieht, dass die Gummispur nicht gleichmäßig ist, sondern dass er noch weniger verzögern konnte, als er hätte tun sollen."

Der Red-Bull-Pilot überstand den Crash zum Glück unverletzt, allerdings könnten die Auswirkungen verheerender sein als zunächst angenommen. Denn weil sich das rechte Vorderrad ungünstig zwischen Frontpartie und Mauer verkeilt hat, könnte das Chassis beschädigt worden sein. Sollte das wirklich der Fall sein, blüht den Mechanikern ein arbeitsreicher Freitag - im schlimmsten Fall müssen sie ein Auto komplett neu aufbauen.

Im Schatten des Vettel-Zwischenfalls wurde 90 Minuten lang Freies Training gefahren. Schnellster war am Ende bei trockenen Bedingungen Nico Rosberg (Mercedes) in 1:15.591 Minuten, womit er Vettels Freitagsbestzeit von 2010 um mehr als eine Sekunde unterbot. Rosberg nahm Fernando Alonso (Ferrari) eine halbe, seinem Mercedes-Teamkollegen Michael Schumacher und Felipe Massa im zweiten Ferrari je eine ganze Sekunde ab. Bedeuten muss das aber noch nicht viel.

Rosberg für Montreal optimistisch

Schon vor der Session hatte der Deutsche anklingen lassen, dass Montreal ein gutes Wochenende werden könnte: "Schlechter als in Monaco kann es nicht laufen, es wird also auf jeden Fall vorwärts gehen. Ich bin guter Dinge, dass wir hier wieder da hinkommen, wo wir hingehören. Wir haben aus dem, was wir in Monaco falsch gemacht haben, gelernt, und wir haben neue Entwicklungsteile hier, die uns helfen werden", sagte Rosberg und kündigte an: "Top 6 muss das Ziel sein!"

Aus dem Ergebnis jetzt schon den Schluss zu ziehen, dass Mercedes einen ordentlichen Schritt nach vorne gemacht hat, wäre aber verfrüht: "Sie sind definitiv besser unterwegs als auch schon, aber es ist sehr früh, jetzt schon eine Prognose zu stellen - wegen der Reifenwahl und der schwierigen Strecke", analysiert Experte Surer, der auch Vettels Team trotz Crash weiterhin auf der Rechnung hat: "Red Bull muss man immer mit einberechnen."

Allerdings sprechen die Zahlen zunächst gegen den österreichisch-britischen Rennstall: Vettel wurde nach nur acht Umläufen als 16. gewertet, aber auch Mark Webber, der ohne Probleme über die Runden kam, hatte als Zwölfter mehr als zwei Sekunden Rückstand. Festgehalten werden muss jedoch, dass die Session ganz im Zeichen von Tests und Rennvorbereitungen stand - übrigens auch mit einer dritten Experimental-Medium-Mischung von Pirelli.

McLaren in Lauerposition

Das McLaren-Duo Jenson Button und Lewis Hamilton, im Vorjahr immerhin Doppelsieger auf dem Circuit Gilles Villeneuve, landete auf den Positionen fünf und sechs, gefolgt von Rubens Barrichello (Williams), Paul di Resta (Force India), Nick Heidfeld (Renault) und Nico Hülkenberg (Force India). Der Rückstand des zehntplatzierten Deutschen, der am Nachmittag wieder an Adrian Sutil übergeben muss, betrug schon fast zwei Sekunden.

Sergio Perez (Sauber) belegte nach bestandenem Fitnesstest zunächst Rang elf, Witali Petrow (Renault) wurde 14. Letzterer konnte allerdings erst zwölf Minuten vor Ablauf der Zeit sein Programm aufnehmen, weil es davor mehrere technische Probleme gab - unter anderem mit dem Boxenfunk. Jarno Trulli (18./Lotus) hatte nach einer Kollision mit einem Vogel während der Installationsrunde einen lädierten Frontflügel.

Das Klassement des ersten Freien Trainings zum Grand Prix von Kanada zu deuten, ist nahezu unmöglich. Mercedes scheint etwas besser aufgestellt zu sein als zuletzt und die Befürchtung, dass Red Bull mit den langen Geraden leichte Probleme hat, dürfte ebenfalls nicht von ungefähr kommen. Aber ein klares Bild wird es erst am Samstag im Qualifying geben. Bis dahin stehen noch zwei weitere Sessions auf dem Programm.

Fotoquelle: xpb.cc

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