Angeströmte Diffusoren werden ab 2012 der Vergangenheit angehören

Formel 1 2011

— 12.06.2011

Angeströmte Diffusoren: FIA schreitet ein

Schon ab Silverstone will die FIA Zwischengas-Mappings verbieten, ab 2012 dann generell die aerodynamische Nutzung von Auspuffgasen

Die abgasangeströmten Diffusoren sind in dieser Saison das große Thema, was die technische Seite der Formel 1 angeht, doch nun setzt die FIA diesem Kapitel ein Ende. Schon ab Silverstone sollen Zwischengas-Motorenmappings verboten werden, ab kommender Saison dann generell das Konzept, die aerodynamische Wirkung der Diffusoren durch das Anströmen mit Auspuffgasen zu verbessern.

Am Samstagmorgen erreichte die Teams ein offizielles Schreiben von FIA-Cheftechniker Charlie Whiting, in dem die beiden Verbote angekündigt werden. "Die FIA hat ihre Position sehr deutlich gemacht", bestätigt Williams-Technikchef Sam Michael. "Sie wollen am Donnerstag über die feinen Details sprechen, aber unterm Strich sagt Charlie, dass beide Varianten ab dem Silverstone-Grand-Prix verboten sein werden."

Mit "beide Varianten" meint Michael heißes und kaltes Anströmen des Diffusors. Die heiße Variante gilt als effizienter. Dabei wird auch Benzin in die Brennkammer gepumpt, wenn der Fahrer nicht auf dem Gas steht, und durch den Brennvorgang wird die Energie der Strömung auf den Diffusor erhöht. Über komplexe Motorenmappings wird gesteuert, dass die Energie nur in den Auspuff geht, nicht aber auf die Räder übertragen wird.

Bei der kalten Variante wird zwar auch Luft auf den Diffusor geströmt, allerdings ohne "leeren" Brennvorgang. Neben den drei Cosworth-Teams (Williams, Marussia-Virgin und HRT) verwenden nur Sauber und Toro Rosso dieses Konzept, während alle anderen schon heißes Anströmen praktizieren. Generell ist klar: Je stärker der Luftstrom auf den Diffusor, desto mehr Anpressdruck wird über den Unterboden generiert.

Die FIA hat jedoch Angst, dass diese Zwischengas-Mappings ausufern könnten, und wird sie daher voraussichtlich verbieten. Eigentlich war das ja schon vor einigen Wochen geplant. Nächstes Jahr geht es dann noch einen Schritt weiter: "2012 muss das Auspuffsystem hinter der Hinterachse austreten, 330 Millimeter dahinter, also aus dem hinteren Diffusor heraus. Das bedeutet, dass der Auspuff keinen Einfluss auf den Diffusor haben kann", erläutert Michael.

Seiner Aussage nach sei die Grundsatzentscheidung bereits gefallen; beim Treffen der Technischen Arbeitsgruppe am Donnerstag in London gehe es "nur noch um die Umsetzung". Sauber-Technikchef James Key stellt sich jedoch auf ein lebhaftes Meeting ein, denn: "Ich schätze, da werden viele Meinungen aufeinanderprallen, wie man was machen sollte." Innovationsführer Red Bull wird wohl stärker gegen das Verbot intervenieren als die Cosworth-Teams...

Martin Whitmarsh blickt der Entscheidung recht gelassen entgegen: "Ich glaube nicht, dass es sich entscheidend auf das Kräfteverhältnis auswirken wird, aber es wird einigen mehr wehtun als anderen", sagt der McLaren-Teamchef, der wohl insgeheim auf eine Wende im WM-Kampf hofft, sollte Red Bull der Zwischengas-Vorteil genommen werden: "Ich bin Optimist genug, anzunehmen, dass es die anderen mehr treffen wir als uns (lacht; Anm. d. Red.)!"

"Es könnte etwas daran ändern, wer dieses Feld am besten ausschöpft. Es gibt da viel Bewegung", erklärt er und fügt an: "Man kann dieses Wochenende bei einigen Teams Unterschiede hören. Das wird es ab Silverstone nicht mehr geben." So hat in Montreal zum Beispiel Ferrari ein (hörbar) neues Motorenmapping eingeführt - das möglicherweise schon nach nur zwei Renneinsätzen wieder ad acta gelegt werden muss...

Fotoquelle: xpb.cc

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