Teamchef Christian Horner kann mit dem Montreal-Ergebnis gut leben

Formel 1 2011

— 13.06.2011

Horner: "Immer noch ein phänomenales Ergebnis"

Christian Horner im Gespräch: Warum er mit Sebastian Vettel trotz Fahrfehler zufrieden ist und welche positiven Erkenntnisse er aus Montreal mitnimmt

68 von 70 Runden geführt, aber trotzdem nicht gewonnen: Sebastian Vettel ist der tragische Held des Grand Prix von Kanada. Der Weltmeister hat sich die knappe Niederlage gegen Jenson Button in Montreal selbst zuzuschreiben, rettete aber trotz des Fahrfehlers im Drama-Finish auf der Ile de Notre Dame noch einen zweiten Platz ins Ziel. Mark Webber wurde Dritter. Insofern fällt auch die Bilanz von Teamchef Christian Horner überwiegend positiv aus - wenn auch zugegebenermaßen mit ein klein wenig Wehmut...

Frage: "Christian, was für ein Kanada-Grand-Prix!"
Christian Horner: "Wow, ja! Ein stressiger Nachmittag. Sebastian ist unter enorm schwierigen Bedingungen ein phänomenales Rennen gefahren. Er war so ziemlich der Einzige, der den ganzen Nachmittag nichts falsch gemacht hatte."

Die magische DRS-Sekunde...

"Jenson war am Ende sehr schnell. Seb wusste, wie wichtig DRS in diesen zwei Zonen ist, daher hat er alles versucht, um Jenson außerhalb dieser magischen Sekunde zu halten. Als sie das letzte Mal über die Linie gefahren sind, waren es 0,9 Sekunden. Jenson war also in Reichweite und Seb wusste, dass er alles geben muss. Dabei hat er die Hinterachse leicht blockiert - und das war heute der Unterschied zwischen Sieg und Niederlage."

"Wenn du ziemlich den ganzen Grand Prix angeführt hast und dann zwei Kilometer vor der Zielflagge verlierst, ist das einerseits frustrierend, aber andererseits ist es auf einer Strecke, die wir nicht zu unseren stärksten zählen, eigentlich ein ziemlich gutes Teamergebnis, Zweiter und Dritter zu werden, wenn weder Lewis noch Fernando gepunktet haben. Als Führender in die letzte Runde zu gehen und dann nicht zu gewinnen, tut aber natürlich ein bisschen weh."

Frage: "Warst du überrascht über Buttons Pace?"
Horner: "Seb hat den Abstand zu Michael kontrolliert. Er hatte fünf Sekunden Vorsprung. Als Jenson vorbei war, war er wirklich sehr schnell. Seb hat darauf reagiert, aber aus irgendeinem Grund lief der McLaren in diesem letzten Rennabschnitt ungeheuer gut. Jenson war phänomenal schnell. Seb hat alles versucht, um ihn in Schach zu halten."

"Wer weiß, was auf dieser letzten Gerade mit DRS geschehen wäre? Es kam nie so weit, weil er davor einen Fehler gemacht hat, aber es war ein Fehler an einem Tag, an dem viele Fahrer viele Fehler gemacht haben. Nach sieben Rennen nur 14 Punkte vom Maximum entfernt zu sein, ist für das Team und für Seb immer noch ein phänomenales Ergebnis."

Frage: "Sebastian hat in Spanien und Monaco immensem Druck standgehalten. Da ist ein Fehler in einer Runde nicht viel, oder?"
Horner: "Das ist nichts. Schaut euch doch nur an, was in den vier Stunden, die dieser Grand Prix gedauert hat, sonst passiert ist! Es gab viele Fehler unter wirklich schwierigen Bedingungen. Er sollte nicht zu enttäuscht sein, denn er ist bis zum Rennende sehr gut gefahren."

Frage: "Die WM-Führung hat er ja trotzdem ausgebaut..."
Horner: "Ja. Und wenn der Grand Prix abgebrochen worden wäre, hätte er nicht 18, sondern nur 12,5 Punkte gemacht. Man kann da viel Positives herausziehen."

Horner sieht auch das Positive

Frage: "Diese Strecke gilt nicht als eure beste. Was bedeutet es für die Weltmeisterschaft, dass ihr trotzdem beinahe gewonnen hättet? Die Zwischengas-Mappings für den angeströmten Diffusor sollen ja erst nach Valencia verboten werden..."
Horner: "Wir hatten uns hier auf ein schwieriges Wochenende eingestellt. Wir haben uns auf Pole qualifiziert und wir haben 99,9 Prozent des Rennens angeführt, sind mit beiden Autos auf dem Podium ins Ziel gekommen."

"Alles in allem war der Montreal-Grand-Prix ein sehr starkes Wochenende für uns - an einem Tag, an dem unsere Rivalen keines ihrer Autos in die Punkte bekommen haben oder nur eines. Das ist zufriedenstellend. Valencia ist erneut eine Strecke mit langen Geraden, aber dann geht es in Silverstone, am Nürburgring weiter. Das sollte uns gut liegen. Insgesamt war es ein guter Tag für das Team."

Frage: "Mark lag zwischenzeitlich schon an 14. Stelle und wurde noch Dritter. Was sagst du zu seinem Rennen?"
Horner: "Mark hatte einen stressigen Nachmittag. Lewis hat ihn in der ersten Kurve mit einem leicht optimistischen Manöver umgedreht. Ich glaube nicht, dass er das mit Absicht gemacht hat, aber unterm Strich hat er es gemacht."

"Dann musste er sich durch das Feld zurückkämpfen. Eine gute Strategie, gute Reifenwahl, gute Kommunikation brachten ihn zurück. Einmal sah es so aus, als könnten wir Erster und Zweiter werden. Leider lief das Überholen von Michael nicht ganz nach Plan und er musste den Platz zurückgeben."

Frage: "Geschah das auf Anweisung der Kommissare oder habt ihr es einfach so gemacht?"
Horner: "Ich bin mir ziemlich sicher, dass Charlie (Whiting, FIA-Rennleiter; Anm. d. Red.) am Funk war, aber für den Teammanager war klar, dass Mark die Position zurückgeben muss. Ich weiß nicht genau, ob es eine Anweisung von Charlie war, aber wir haben es selbst auch so gesehen. Jenson ging dann an ihm vorbei und verschwand in der Ferne, aber nach einem ereignisreichen Tag gestern ist ein Podium ein gutes Ergebnis."

Frage: "Die Kommissare haben die Kollision zwischen Mark und Hamilton nicht geahndet. Stimmst du dieser Entscheidung zu?"
Horner: "Es sah schon optimistisch aus."

Frage: "Zu optimistisch?"
Hamilton: "Es hat nicht funktioniert, also..."

Weiterhin Probleme mit KERS

Frage: "Funktionierte Marks KERS heute?"
Horner: "Ohne Probleme."

Frage: "Mark hat gesagt, dass es mal an, mal aus war..."
Horner: "Wir haben es gemanagt, denn wir wollten nicht zu viel Risiko eingehen. Im Regen ist die Wirkung sowieso limitiert, aber wenn wir es brauchten, hatten wir es."

Frage: "Das ist immer noch eine Schwachstelle, nicht wahr?"
Horner: "Es ist ein Bereich, an dem wir nach wie vor hart arbeiten. Wir werden besser. Wir haben für die nächsten Grands Prix signifikante Verbesserungen. Die Tatsache, dass wir das System im Grand Prix einsetzen können, ist im Vergleich zu vor zwei Monaten schon ein Fortschritt."

Frage: "Wie besorgt bist du über das mögliche Verbot von Zwischengas-Mappings?"
Horner: "Es gibt zwei Faktoren. Erstens die Auswirkung, die uns wahrscheinlich auch nicht mehr oder weniger treffen wird als irgendein anderes Team. Zweites der Mechanismus und das Verständnis des Technischen Direktors. Das wird im Rahmen der Technischen Arbeitsgruppe nächste Woche auf jeden Fall diskutiert - und das ist auch das richtige Forum, um über dieses Thema zu diskutieren."

Frage: "Ist das Verbot schon so gut wie durch?"
Horner: "Es gibt bestimmte Fragen, die wir hinsichtlich der technischen Direktive haben. Wir brauchen Klarstellung."

Frage: "Ihr habt mehr Grands Prix gewonnen als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr, aber ihr musstet für diese Siege härter kämpfen. Macht es dieses Jahr mehr Spaß?"
Horner: "Einen Grand Prix zu gewinnen macht immer Spaß. Die Siege dieses Jahr waren hart umkämpft. In einer Position zu sein, jeden Grand Prix gewinnen zu können - wir haben es in China nur knapp nicht geschafft und hier haben wir vor der letzten Runde noch geführt -, ist eine phänomenale Leistung des Teams. Und dass Seb nur 14 Punkte vom Maximum entfernt ist, während zwei seiner Hauptrivalen gar nicht gepunktet haben, ist überwiegend positiv."

Fotoquelle: Red Bull

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