Lenkrad-Artist Ken Block ist einer der großen Helden der Generation YouTube

Formel 1 2011

— 14.06.2011

'YouTube'-Star Block macht die Formel 1 unsicher

Wie Pirelli mit der Verpflichtung von 'YouTube'-Star Ken Block als Formel-1-Tester ein genialer Schachzug gelang und was der Lenkradartist in Monza vorhat

Ken Block ist kreativ, furchtlos und hat Benzin im Blut. Dazu kommt, dass er ein auergewhnliches Talent zur Selbstdarstellung besitzt. Der 43-Jhrige mauserte sich mit seinen spektakulren Motorsport-Actionvideos zum Star der 'YouTube'-Generation und begeistert damit Millionen von Menschen, die sonst wenig Zugang zum Motorsport haben.

Kein Wunder, denn die bewegten Bilder sorgen fr Gnsehaut: Fliegende Autos vor teils atemberaubenden Kulissen, aber auch Manver, wo man das Fahrtalent des Mitbegrnders der Kult-Schuhmarke DC Shoes erkennt, zeichnen seine Gymkhana-Videos aus. Dass er aber nicht nur ein Mitglied der Spagesellschaft ist, bewies Block mit seinen Rallye-Einstzen in den USA und auch in der Rallye-Weltmeisterschaft.

Auch fernab seiner Heimat mauserte sich der Mann aus Long Beach als WRC-Ass schnell zum absoluten Publikumsliebling - mutige Vollgas-Artisten mit einem spektakulren Fahrstil kommen eben auch in der Welt der Driftknige an. Doch jetzt stellt sich Block, der gerne Neues ausprobiert, einer vllig fremden Herausforderung. Am 5. August 2011 wird er zum ersten Mal in seinem Leben am Steuer eines Formel-1-Boliden sitzen. Aufregende Szenen scheinen vorprogrammiert, zumal er seine Premiere auf der Hochgeschwindigkeits-Strecke in Monza feiern wird - der schnellste Kurs im Formel-1-Kalender.

Pirellis genialer Marketing-Schachzug

Hinter der Aktion steht Blocks Sponsor und Formel-1-Reifenlieferant Pirelli. Den Motorsport-Selbstdarsteller in den Toyota-Testboliden der italienischen Reifenfirma zu setzen, ist ein genialer Schachzug von Sportchef Paul Hembery & Co. - so erschliet man mit dem Formel-1-Engagement vllig neue Kreise.

"Wir kennen einander natrlich durch die World-Rally-Championship und auch durch seine Gymkhana-Aktionen. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um die berhmteste Online-Downloadaktion aller Zeiten", erklrt Hembery, wie es zur Zusammenarbeit mit Block kam. "Wir dachten, dass es ihm vielleicht langweilig ist, also gaben wir ihm eine andere Beschftigung. Im Leben bentigt es neue Herausforderungen."

Auch Block besttigt, dass sein Sponsor die Idee hatte, ihn in ein Formel-1-Auto zu setzen: "Es war eigentlich die Idee von Pirelli. Ich dachte gar nicht, dass so etwas berhaupt mglich ist. Sie wollten aber etwas Einzigartiges, etwas ganz Anderes mit mir machen. Fr mich geht ein Traum in Erfllung." Der Motorsport-Tausendsassa betritt somit einmal mehr komplettes Neuland: "Ich bin alle mglichen Autos gefahren - von den Rage-Buggys bis zu Autos beim Baja 2000. Ich hatte auch schon das Glck, in meiner Karriere einige spektakulre Stunts zu machen, aber das ist etwas ganz Anderes. Ich sa noch nie in einem Einsitzer auf Asphalt."

Block zeigt Respekt vor Formel-1-Boliden

Dabei ist die Formel 1 fr ihn freilich kein komplett unbeschriebenes Blatt: "Jeder spricht ber die Formel 1 als Knigsklasse des Motorsports, daher kann ich es gar nicht mehr erwarten, das fr mich selbst zu entdecken. Ich bin Pirelli dafr sehr dankbar." Trotz der Vorfreude berwiegt derzeit der Respekt: "Diese Autos sind so speziell, daher muss ich realistisch sein, was meine Mglichkeiten angeht. Ich wei aber, dass wir jede Menge Spa haben werden."

Block wird dabei nicht komplett ins kalte Wasser geschmissen, schlielich fhrt Pirelli-Testfahrer Lucas di Grassi den TF109 an den ersten zwei Testtagen in Monza, ehe der Neuling am letzten Tag bernimmt. Der Brasilianer wird ihm dann mit Rat und Tat zur Seite stehen. Auch das Programm steht bereits fest: Zunchst kommt Block in den Genuss der weichen Reifenmischungen supersoft und soft, um sich an den 700-PS-starken Boliden zu gewhnen.

Die meisten Formel-1-Debtanten klagen darber, dass sie die Reifen nicht auf die gewnschte Betriebstemperatur bringen - ein Problem, das teils sogar gestandene Profis zur Verzweiflung bringt. Wenn sich Block dann im Cockpit wohlfhlt, mchte man ihm auch die hrteren, aber haltbaren Mischungen medium und hard zur Verfgung stellen - Reifen, mit denen er auch seine legendren Gymkhana-Donuts machen kann.

Block als Reifentester

"Wir sind wirklich gespannt, was er von unseren Formel-1-Reifen hlt", sagt Hembery, der auf einen groen Marketing-Erfolg hofft. "Ich bin sicher, dass es Millionen von Fans auf der ganzen Welt gar nicht erwarten knnen, ihn hinter dem Steuer eines Grand-Prix-Autos zu sehen. Ken scheint ein Mensch zu sein, der bereits fast alles in seiner Karriere gemacht hat. Ich bin froh, dass wir ihm eine neue Erfahrung bieten knnen."

Damit diese Erfahrung Block in Monza nicht vllig berfordert, setzt er sich bereits jetzt mit der Materie Formel 1 auseinander. "Ich hatte bereits Trainingseinheiten mit Formel-1-Fahrtechnik-Instruktoren. Daher verstehe ich das Konzept, diese Autos zu fahren, aber ich denke, dass es anders sein wird, in diesem Sitz Platz zu nehmen und dieses Ding dann zu fahren. Zumindest verstehe ich das Konzept der Linienfhrung und wei, wie man das Auto auf die Strecke bringt."

Die Leistung der Boliden wird Block vermutlich nicht so sehr berraschen, wie das Fahrverhalten. Er hat bereits Erfahrung mit Boliden, die von 700 PS starken Triebwerken befeuert werden. "Ja, das habe ich", besttigt er. "Bei einem meiner Gymkhana-Autos. Das bentigt man bei dieser Art des Fahrens." Dennoch ist das Fahrgefhl kaum zu vergleichen. "Man hat Allradantrieb - es unterscheidet sich also extrem in Sachen Kraftbertragung und Fahrverhalten von der Formel 1."

Wie sich Block auf die Formel 1 vorbereitet

Doch wie wird er sich nun auf seine Formel-1-Premiere vorbereiten? "Viele Nackenbungen", grinst er schelmisch. Im Vordergrund stehen aber auch die technischen Eigenheiten eines Formel-1-Boliden: "Ich werde zwei Tage im Simulator in Deutschland verbringen, um mich mit dem Lenkrad und mit dem Verhalten des Autos vertraut zu machen."

Block erweist sich auf die Frage, worauf man beim Fahren eines Formel-1-Autos achten muss, als durchaus fachkundig: "Man muss das Auto geradestellen, bevor man aufs Gas steigt, dazu steigt man am Kurvenausgang gefhlvoll aufs Gas. Ich mchte alle Lektionen, die ich dabei lerne, auch bei meinen anderen Dingen, die ich so mache, anwenden."

Wichtig sind freilich auch die Streckenkenntnisse, obwohl er sich mit dem Kurs in Monza eine der leichter zu lernenden Strecken ausgesucht hat. Zudem hofft er, dass ihm die Charakteristik des Kurses liegt: "Es ist eine alte, einzigartige Strecke und ich hoffe, dass sie meinem Fahrstil entgegenkommt. Glcklicherweise mag ich die schnellen Strecken. Ich mchte die Strecke vor meinem Formel-1-Ausflug kennenlernen."

Kunststcke nicht ausgeschlossen

Und zwar auf seine ganze eigene Art und Weise. Es wre nicht Block, wrde er nicht sogar aus einem simplen Erlernen des Kurses eine PR-Aktion machen: "Vielleicht werde ich mein WRC-Auto mitbringen, weil der Test zwei Wochen vor der Deutschland-Rallye stattfindet. Das ist eine Asphalt-Veranstaltung. Vielleicht vergleichen wir ein WRC-Auto mit diesen Gerten."

Bleibt die Frage, welche verrckten Ideen Block fr seinen Formel-1-Auftritt noch im Kopf herum spuken. Werden wir ein paar Kunststcke sehen? Der US-Amerikaner gibt die Frage an Pirelli weiter: "Ich werde mal schauen, ob sie sich dazu berreden lassen. Das ist ein sehr teures Auto und ich habe bereits ein paar Fragen gestellt und sie haben mich komisch angeschaut. Wir werden sehen, was mglich ist." Ob man das Video seiner Formel-1-Premiere dann auf 'YouTube' bewundern kann? "Natrlich." Jede andere Antwort htte uns berrascht.

Fotoquelle: xpb.cc

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