Domenicali meint, dass man mit "Schumi" nicht so dominant war wie Red Bull

Formel 1 2011

— 15.06.2011

Domenicali: Red Bull dominanter als einst Ferrari

Stefano Domenicali erklärt, wieso Ferrari Mühe hat, an alte Glanzzeiten anzuschließen und behauptet dass Red Bull dominanter ist als Ferrari einst mit Schumacher

Die Herangehensweise hat sich bei Ferrari auch nach der Ohrfeige in Montreal nicht geändert: Nach dem Rennen in Silverstone entscheidet sich, ob sich das Team aus Maranello weiterhin auf die Saison 2011 konzentriert, oder ob man aufgrund der aussichtslosen Lage alle Ressourcen auf die kommende Saison verschiebt. Daher ist es nun wichtig, bei Fernando Alonsos Heimrennen in Valencia ein gutes Ergebnis zu erzielen, denn der Spanier liegt in der Gesamtwertung bereits 92 WM-Punkte hinter Leader Sebastian Vettel auf Platz fünf.

Teamchef Stefano Domenicali hat die Alarmsignale längst erkannt und bestätigt gegenüber der 'Welt': "Ferrari befindet sich an einem entscheidenden Moment der Saison. In den nächsten zwei Rennen bis nach dem Grand Prix von England entscheidet sich, ob wir weiter um den WM-Titel mitfahren oder uns entschließen müssen, schon für das nächste Jahr zu arbeiten." Ob ihn der Druck, mit der erfolgsverwöhnten Scuderia bald wieder auf die Siegerstraße zurückkehren zu müssen, nicht zermürbe? "Die Situation motiviert mich eher und macht mich noch stärker", übt sich der Italiener in Durchhalte-Parolen.

Wieso Costa gehen musste

Aus diesem Grund zog er nach dem Grand Prix von Spanien die Notbremse und reagierte nach dem enttäuschenden Saisonstart mit Konsequenzen: Technikchef Aldo Costa musste im Zuge einer Umstrukturierung gehen, Ex-McLaren-Mann Pat Fry übernahm seinen Posten. Zu übermächtig war Red Bull mit Stardesigner Adrian Newey geworden.

Domenicali spricht von einem "sehr schwierigen, aber dennoch notwendigen Wechsel", den man trotz des großen Risikos während der Saison durchführen musste: "Es gab keine andere Lösung. Der Schritt war notwendig, um die Mitarbeiter neu zu motivieren und um ihnen zu zeigen, dass es keine Entschuldigungen gibt, dafür aber Konsequenzen."

Ferraris Wochen der Wahrheit

Auch wenn sich Maranello in Alarmzustand befindet und man so rasch wie möglich den verlorenen Boden aufholen muss, hält Domenicali dies nicht für unmöglich, "wenn wir in den nächsten Rennen die notwendigen Resultate erzielen. Wir haben zwar nicht das beste Auto, aber im Renntrimm waren wir in der Türkei, China, Malaysia und auch in Monte Carlo von Red Bull nicht so weit entfernt." Er sei also zuversichtlich, "aber ich lebe auch nicht auf dem Mond. Red Bull ist ein sehr starker Gegner - das Auto inklusive."

Die Großbaustellte bleibt wie schon im Vorjahr die Performance im Qualifying, bestätigt er: "Unser Auto baut mit den aktuellen Reifen aerodynamisch zu wenig Abtrieb auf, um die Reifen, vor allem im Qualifying, schnell auf die richtige Betriebstemperatur zu bringen."

Testlimit schadet Ferrari

Obwohl Ferrari seit Kimi Räikkönens überraschendem WM-Triumph beim Saisonfinale 2007 keinen Titel mehr geholt hat, sieht der Teamchef seinen Rennstall nicht in der Krise: "Man muss aufpassen, dass man die Dinge nicht zu negativ sieht." Der Italiener hat aber eine Theorie, warum die Roten aus Maranello nicht mehr an die Glanzleistungen der Schumacher-Ära herankommen.

"Entscheidend ist, dass sich die Formel 1 dramatisch verändert hat", analysiert er die Gründe für die Ferrari-Schlappe. "Früher hatten die größten Teams die meisten Mittel und konnten fast ohne finanzielle Limits arbeiten. Beim Testen gab es keine Restriktionen. Das entschied über Siege oder Niederlagen."

Was die Red-Bull-Dominanz von der "Schumi"-Ära unterscheidet

Tatsächlich ließ Ferrari damals keine Gelegenheit aus, um Reifen zu testen - die Bridgestone-Pneus waren perfekt an die Vorlieben Michael Schumachers angepasst. Doch inzwischen gibt es während der Saison ein Testverbot, dazu kommt das Ressourcen-Restriktions-Abkommen, durch das sich die Teams daran binden, Geld zu sparen.

"Für ein großes Unternehmen wie Ferrari ist es schwierig, unter den neuen Bedingungen zu arbeiten. Für Red Bull ist es dagegen einfacher", behauptet Domenicali. "Trotzdem sehe ich Ferrari in der Organisation oder Logistik nicht hinter Red Bull, erkenne aber an, dass die Red-Bull-Techniker ein überragendes Auto gebaut haben." Damit spielt er auf das herausragende Talent von Stardesigner Newey an, gegen das derzeit kein Rennstall ein Rezept findet.

Laut Domenicali ist die Dominanz durch die überlegene Red-Bull-Technik derzeit sogar noch größer, als während "Schumis" Solofahrten Anfang dieses Jahrtausends: "Der Red Bull ist sogar so gut, dass bei einem Sieg zumeist das Auto zuerst genannt wird und nicht der Fahrer. Als wir noch dominierten, war immer erst die Rede von Schumacher und dann von Ferrari. Jetzt heißt es Red Bull, erst dann Vettel."

Fotoquelle: xpb.cc

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