Webber steht 2011 ganz klar im Schatten von Weltmeister Vettel

Formel 1 2011

— 28.06.2011

Ist Webber die perfekte Nummer zwei?

Johnny Herbert stellt Mark Webbers Qualitäten in Frage, doch womöglich ist der Aussie dieses Jahr für Red Bull deutlich wertvoller als im Vorjahr

Im Vorjahr zeigte Mark Webber gehörig seine Zähne, doch dieses Jahr ist der 34-Jährige ein Schatten seiner selbst. Bei keinem einzigen Rennen war der Red-Bull-Pilot eine Gefahr für Weltmeister Sebastian Vettel - viele fragen sich, warum der "Aussie", der zwar immerhin WM-Dritter ist, aber 77 Punkte hinter seinem Teamkollegen liegt, dieses Jahr nicht so recht auf Touren kommt. Kein Wunder, dass in Valencia einmal mehr die Gerüchte aufflammten, Webber könnte in der kommenden Saison durch McLaren-Star Lewis Hamilton ersetzt werden.

"Das ist nicht das erste Mal, dass ein Team den Rest des Feldes dominiert, aber es wird zum Problem, wenn nur einer der Fahrer Rennen gewinnt und seinen Teamkollegen regelmäßig schlägt", meint Ex-Formel-1-Pilot Johnny Herbert gegenüber 'The National'. "Das ist aber genau das, was dieses Jahr passiert, denn Vettel beendete bisher jedes Saisonrennen vor Webber. Im Großteil des Vorjahres war Webber eher auf Augenhöhe mit dem Deutschen - das sorgte für Konflikte im Team. Dieses Jahr sehe ich diese aggressive Herangehensweise hingegen überhaupt nicht."

Was wollte Hamilton bei Red Bull?

Gut vorstellbar, dass Hamilton bereits den Braten riecht, schließlich betont man bei Red Bull regelmäßig, dass man die zwei besten Fahrer im eigenen Team haben will. Es ist bekannt, dass sich der McLaren-Pilot zu den absoluten Toppiloten zählt, in den vergangenen Jahren fehlte ihm aber der Bolide, um dies regelmäßig zu zeigen.

Dennoch staunten einige Fahrerlager-Gäste nicht schlecht, als der Brite in Montreal plötzlich in der Red-Bull-Hospitality auftauchte und durchaus exponiert mit Red-Bull-Teamchef Christian Horner plauderte. Doch worüber sprachen die beiden wirklich? "Er kam zu uns wegen eines Red Bulls - ich war aber nicht ganz sicher, ob es ihm um das Getränk oder um das Auto ging", scherzt Horner gegenüber 'ServusTV'.

Der Teamchef bestätigt zudem, dass Hamilton derzeit nicht der einzige Fahrer ist, auf den die Boliden aus der Feder von Stardesigner Adrian Newey eine besondere Anziehungskraft ausüben: "Wir haben ein fantastisches Auto und ein fantastisches Team und jeder Fahrer hätte gerne ein Red-Bull-Auto, weil wir diese tollen Ergebnisse hinlegen."

Hamilton oder gar Räikkönen zu Red Bull?

Horner erteilt Hamilton, dessen McLaren-Vertrag noch in der kommenden Saison gilt, eine äußerst vorsichtige Absage: "Lewis geht es derzeit nicht so gut, durch seine Situation ist er etwas frustriert, aber das bedeutet doch nicht, dass er sofort bei uns einen Platz bekommt. Ich glaube nicht, dass blau seine Farbe ist - das steht ihm nicht so richtig."

Dass sich die Gerüchte auf Hamilton konzentrieren, darf nicht verwundern, schließlich ist Doppel-Weltmeister Fernando Alonso langfristig an sein Ferrari-Team gebunden. Doch was ist eigentlich mit Ex-Champ Kimi Räikkönen, der seine Formel-1-Karriere nie wirklich beendete und in der Rallye-WM Mühe hat, sich in Szene zu setzen?

Horner stellt klar, dass der Finne für ihn keine Option ist, und lacht: "Nein. Kimi ist ein großartiger Fahrer, aber seine Tage in der Formel 1 liegen glaube ich hinter ihm. Er hat sich auf das Rallyefahren konzentriert, jetzt konzentriert er sich auf die NASCAR-Serie, habe ich gehört. Ich glaube nicht, dass er sich überhaupt für die Formel 1 interessiert."

Horner legt auf Harmonie wert

Doch will man weiterhin auf Webber setzen? Herbert rätselt über den Leistungsabfall des "Aussies": "Ich weiß nicht, ob er ein Problem mit dem Auto oder mit dem Setup hat, aber er ist seit seiner Niederlage in der Fahrer-WM in Abu Dhabi nicht mehr der Gleiche. Er brachte dort keine Leistung und er bringt dieses Jahr keine Leistung - im Vergleich mit Vettel ist er für mich eine große Enttäuschung."

Herbert vermisst bei Webber "das Feuer" des Vorjahres, das ihm dabei half, die WM interessant zu machen, und hält ihn derzeit weder für sieg-, geschweige denn für titelfähig. "Solange er das Feuer nicht findet, wird er nicht um Siege fahren."

Beziehung zwischen Vettel und Webber 2011 einfacher

Doch wer weiß? Womöglich ist es den Entscheidungsträgern bei Red Bull gar nicht so unrecht, dass Webber dieses Jahr keine Gefahr für den Nummer-eins-Piloten Vettel ist. "Sebastian ist bei Red Bull aufgewachsen, er wird stärker und stärker. Das Wichtigste ist für uns die Harmonie - und die haben wir im Moment. Auch mit Mark."

Horner deutet an, dass ihn die geklärten Verhältnisse zwischen den Piloten nicht stören: "Wir erwarten, dass sich die Fahrer gegenseitig pushen und antreiben, aber die Harmonie ist wichtig. Dieses Jahr hat sich diese natürliche Lücken zwischen den Fahrern geöffnet, weil Sebastian so dominant ist. Das hat die Beziehung zwischen den beiden auch einfacher gemacht."

Hängt Webber noch ein Jahr an?

Horner spielt damit auf das Vorjahr an, als Webbers Leistungen zwar deutlich besser waren, der WM-Titel durch einen Konkurrenzkampf der beiden Red-Bull-Piloten aber in ernsthafte Gefahr geriet. Ein ähnliches Konfliktpotenzial würde auch eine Fahrerpaarung aus Vettel und Hamilton bergen - das hat der McLaren-Pilot im Stallkrieg gegen seinen Ex-Teamkollegen Fernando Alonso 2007 bereits bewiesen. Angesprochen auf das Duo Vettel-Hamilton, meint Ex-Formel-1-Pilot Karl Wendlinger gegenüber 'ServusTV': "Vielleicht würde es funktionieren, aber es würde nicht so funktionieren wie jetzt - es würde die Ruhe stören."

Aufgrund seines Alters erhält Webber bei Red Bull keine langfristigen Verträge mehr. Der Kontrakt des Australiers wird stets für ein Jahr verlängert - noch ist gar nicht hundertprozentig geklärt, ob er 2012 überhaupt weiterfährt, obwohl er bereits andeutete, möglicherweise noch eine Saison anhängen zu wollen.

Auch Horner rechnet damit, dass Webber weitermacht. "Es ist sehr wahrscheinlich. Es ist zwar noch früh in der Saison, aber er hat uns gesagt, er möchte das Schritt für Schritt machen. Er wird im August 35 und wir waren uns einig, dass wir uns Ende des Sommers zusammensetzen und uns dann auf das nächste Jahr konzentrieren. Wir haben derzeit niemand anderen im Blick und sind zufrieden mit der Arbeit, die er im Moment macht."

Optimaler Vettel-Teamkollege

Tatsächlich sprach Webber nach dem Grand Prix von Europa von seinem bisher besten Saisonrennen, obwohl er den zweiten Platz hinter seinem Teamkollegen schließlich an Alonso verlor. Doch der 34-Jährige erhält von seinem Teamchef Rückendeckung: "Valencia war sein bestes Saisonrennen, wenn man sieht, wie nahe er an seinem Teamkollegen dran war. Da war er unter den gleichen Bedingungen näher dran als bei den Rennen davor. Meist lag er nur drei Sekunden zurück. Er hat Fortschritte gemacht und das haben wir in Valencia gesehen."

Während Webbers Fahrstil im Vorjahr perfekt mit den Bridgesone-Reifen harmoniert, hat er dieses Jahr laut Horner "mehr Probleme, sich mit den neuen Reifen zurechtzufinden." Das könnte die Ursache dafür sein, warum der Routinier dieses Jahr so selten auftrumpfen kann. Dennoch wundert sich Herbert über die positiven Aussagen von Webber und Horner nach Valencia: "Womöglich hat ihn ja die Public-Relations-Linie beeinflusst, aber der Webber aus dem Vorjahr wäre über einen dritten Platz und eine weitere Zielankunft hinter seinem Teamkollegen nicht so erfreut gewesen."

Die Ergebnissen des älteren Red-Bull-Piloten sorgen laut Herbert dafür, dass die Weltmeisterschaft an Attraktivität verliert: "Es schadet der WM, dass der bestplatzierte Herausforderer des Weltmeisters letzten Endes keine Konkurrenz bietet." Der Brite könnte damit durchaus recht haben, doch man darf davon ausgehen, dass Red Bulls Interesse, für eine spannende Saison zu sorgen, nach dem Vorjahr endenwollend ist. Und so nimmt Webber Vettels Rivalen brav Punkte weg, ohne für interne Unruhe zu sorgen - eine optimale Situation.

Fotoquelle: xpb.cc

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