Die FIA wollte einen Vierzylinder und bekommt einen V6-Turbo-Kompromiss

Formel 1 2011

— 01.07.2011

Motoren ab 2014: Die FIA erklärt

Der Automobil-Weltverband FIA beantwortet Fragen zur Einführung der V6-Turbos ab 2014: Effizienz und Technologie stehen im Vordergrund des Konzeptes

Die Formel 1 hat den Schritt zum Vierzylinder abgewendet. In einer Abstimmung am Mittwoch hat der Motorsport-Weltrat nicht nur die Einführung von V6-Turbos beschlossen, sondern man verschaffte den Herstellern auch gleich noch mehr Zeit für die Entwicklung. Erst 2014 wird die Königsklasse von den neuen Motoren angeschoben - ursprünglich wollte man schon 2013 ein neues Antriebskonzept sehen.

Viele derzeit in der Formel 1 engagierte Motorenhersteller waren eindeutig gegen den Plan zur Einfühung von Vierzylinder-Triebwerken. Die FIA wollte allerdings unbedingt an dem Konzept festhalten. Letztlich einigte man sich auf einen Kompromiss. Die FIA gab nun die Antworten auf wichtige Fragen zum neuen Motorenreglement. Dabei nutzte man jede Chance, um darauf hinzuweisen, dass man vom grundsätzlichen Wunsch nach mehr Effizienz nicht abgerückt sei.

Frage: "Der Motorsport-Weltrat hat am 29. Juni 2011 abgestimmt. Was wurde entschieden?"
Antwort: "Nach Beratungen mit den verschiedenen Anteilseignern der Formel 1 sowie den aktuellen Formel-1-Motorenherstellern, hat der Motorsport-Weltrat die Einführung von V6-Turbomotoren zu Jahr 2014 beschlossen. Dies machte Änderungen an den ursprünglich am 3. Juni vom Motorsport-Weltrat abgesegneten Regeln nötig. Das komplette Regelwerk für die Saison 2014 wird möglichst schnell veröffentlicht."

Frage: "Wird der V6-Motor im Vergleich zu den ursprünglich vorgeschlagenen Triebwerken mehr Benzin verbrauchen?"
Antwort: "Nein. Um die Ingenieuere zu Effizienz zu zwingen, beinhaltet der Regelvorschlag eine Begrenzung der Benzin-Durchflussmenge. Als dem Wunsch der Motorenhersteller nun nachgekommen wurde, hat man diesen ursprünglichen Plan nicht angetastet. Die Anforderungen bezüglich Effizienz sind also unverändert."

Frage: "Warum wurde die Drehzahlobergrenze von 12.000 U/min auf 15.000 U/min angehoben. Dient dies einzig dem Ziel, den Sound der Formel 1 zu verbessern?"
Antwort: "Nein. Dieser Parameter wurde angehoben, um den Ingenieuren bezüglich Leistungsmanagement mehr Möglichkeiten zu verschaffen. Durch die neue Motorenbauart (V6) und die Veränderungen beim Drehzahllimit wird das Triebwerk zwar anders klingen, aber immer noch der Formel 1 angemessen sein."

Frage: "Sorgt die höhere Drehzahl für höheren Verbrauch?"
Antwort: "Absolut nicht. Wie zuvor bemerkt, wird die Benzin-Durchflussmenge gleich bleiben. Die grundsätzliche Technologie bleibt gleich. Als Konsequenz des höheren Drehzahllimits müssen die Ingenieure nun noch intensiver nach Möglichkeiten zu Verringerung der Reibung suchen, um die Effizienz zu erreichen. Die Herausforderung wird dadurch noch größer als beim ursprünglichen Plan. Gleichzeitig kann die Formel 1 ihre Vorreiterrolle in Sachen Technologie besser unterstreichen."

Frage: "Hält die FIA an den Regelungen zur Energie-Rückgewinnung genau so fest, wie man sie ursprünglich für den Vierzylindermotor geplant hatte?"
Antwort: "Ja, das Konzept bleibt unangetastet. All die Technologie, die für den Vierzylinder geplant war, ist noch vorhanden. Das neue Triebwerk wird bezüglich Effizienz und Energie-Management ein gewaltiger Schritt nach vorne sein."

Frage: "Werden jene Motorenhersteller, die bisher am Vierzylinder gearbeitet haben und nun auf den V6 umschwenken müssen, höhere Entwicklungskosten erwarten müssen?"
Antwort: "Nach unserer Kenntnis haben fünf Hersteller an einem Vierzylinder-Triebwerk entwickelt. Alle müssen nun ihre Projekte anpassen, was sicherlich zusätzliche Kosten erzeugen wird - abhängig vom Stand der bisherigen Entwicklung. Die Veränderungen wurden von allen vier bisher in der Formel 1 engagierten Herstellern vorgeschlagen und unterstützt."

Frage: "Warum wurde die Einführung der neuen Triebwerke um ein Jahr verschoben?"
Antwort: "Diese Verschiebung kommt auf Wunsch der bislang vier vertretenen Motorenhersteller zustande. Dieser Wunsch hat mit der Veränderung in der Motorenbauart zu tun und damit, dass die Hersteller mehr Chancen bekommen möchten, ihre Projekte entsprechend zuverlässig darzustellen (ein Ziel ist es, die Laufleistung der Motoren auf 4.000 Kilometer zu erhöhen)."

Frage: "Werden die Entwicklung von Energie-Rückgewinnungssystemen und Effizienz-Elementen letztlich Auswirkungen auf die Entwicklung von Straßenautos haben?"
Antwort: "Ja. Der eindeutige Wunsch nach Reduzierung der CO2-Emissionen hat zur Folge, dass das Energie-Management zunehmend ein Schlüssel auf dem Weg zu effizienteren Antriebskonzepten sein wird."

"Die Rückgewinnung kinetischer Energie ist in der Formel 1 bereits etabliert, die Einfühung von Systemen zur Rückgewinnung von Abgasenergie bietet einen weiteren Weg, den man nun ebnen wird. Die Formel 1 wird außerdem wieder zum Vorreiter in Sachen Turbolader-Technologie. Diese Forschung wird auch im normalen Leben Früchte tragen, man verschafft sich für die Entwicklung von Straßenautos wichtiges Wissen."

Motoren-Spezifikation ab 2014:

Bauart: V6-Motor mit 1.600 ccm
Drehzahllimit: 15.000 U/min
Einspritzung: Direkteinspritzung mit maximal 500 bar Druck
Aufladung: Ein einzelner Turbolader
Benzinsystem: begrenzter Benzindurchfluss

KERS ab 2014: Kinetisches System mit maximal 120 kW an der Hinterachse, Verwendung von Abgasenergie über den Turbolader

Fotoquelle: xpb.cc

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