Sebastian Vettel würde am liebsten auch am Sonntag einen Formel-1-Sieg bejubeln

Formel 1 2011

— 07.07.2011

Vettel: "Es sind noch viele Punkte zu holen..."

Red-Bull-Fahrer Sebastian Vettel stapelt vor dem Silverstone-Rennen der Formel 1 betont tief und rechnet mit einem weiteren spannenden Grand Prix

77 Punkte trennen Sebastian Vettel in der Fahrerwertung der Formel 1 derzeit von seinen schärfsten Verfolgern, doch auf seinen Lorbeeren möchte sich der junge Deutsche nicht ausruhen. Trotz sechs Siegen und zwei zweiten Plätzen aus acht Rennen hält Vettel noch immer vieles für möglich, weshalb sich der 24-Jährige nicht einfach nur auf das Punktesammeln beschränken will, wie er im Interview vor dem Großbritannien-Event zu Protokoll gibt. In Silverstone möchte Vettel wieder siegen.

Frage: "Sebastian, wie ist es vor dem Großen Preis von Großbritannien um deine Erwartungshaltung bestellt?"
Sebastian Vettel: "Es ist immer schwierig zu sagen, was man erwarten darf. Wir hatten einen guten Start und einige sehr gute Rennen. Diese brachten uns sehr viele Punkte ein. Das war auch unser Ziel."

"Erwartungen kann man aber nur schwer formulieren, denn sonntags kann so viel passieren. Ich denke, im Vergleich zu den vergangenen Jahren sind uns aber große Fortschritte gelungen. Wir lernten eine Menge. Vielleicht sieht es 2011 aus diesem Grund insgesamt besser aus für uns."

Frage: "Was bedeutet dein großer Vorsprung in der Fahrer-WM für dich? Wirst du nun bewusst konservativ fahren, weil du nicht siegen musst? Oder legst du es jetzt erst recht darauf an, zu gewinnen, weil du so schnell nicht von der Tabellenspitze verdrängt werden kannst?"
Vettel: "Um ehrlich zu sein: An den Abstand denke ich überhaupt nicht. Als man mir am Mittwoch eine ganz ähnliche Frage stellte, wusste ich nicht einmal, wie groß mein Vorsprung genau ist."

"Es ist ja auch nicht wichtig, zum jetzigen Zeitpunkt die Gesamtwertung anzuführen. Erst nach dem Rennen kommt es genau darauf an. Ich denke, das hat uns das vergangene Jahr gezeigt. Im Vergleich zu 2010 befinden wir uns jetzt allerdings in einer etwas anderen Situation."

"Noch liegt aber ein langer Weg vor uns. Viele Punkte sind noch zu vergeben. Das aktuelle Punktesystem mag dich vielleicht dazu verleiten, dich in Sicherheit zu wähnen. Ich nehme die Dinge einfach Rennen für Rennen und Schritt für Schritt. Ich konzentriere mich jetzt erst einmal auf das Freie Training am Freitag und denke nicht viel weiter in die Zukunft."

Trotz Vettel-Dominanz: Die Spannung stimmt

Frage: "Wusstest du wirklich nicht, wie groß dein Vorsprung derzeit ist?"
Vettel: "Ja, weil es mich nicht weiter beschäftigt. Was hilft das schon? Was kann ich daraus lernen? Mir ist schon klar, dass wir derzeit vorne sind, denn daran werde ich ja von den Medien erinnert."

"Es spielt aber keine Rolle, ob ich nun um einen Punkt vorne liege oder um einhundert Zähler. Es sind noch viele Punkte zu holen, denn noch haben wir nicht einmal die Saisonhälfte erreicht. 2010 konnte man sehen, wie rasch sich die Dinge änderten und wie viele Fahrer um den Titel kämpften. Ein mancher war schien schon raus zu sein, war dann plötzlich aber doch wieder im Titelrennen."

Frage: "War dir die Punktesituation 2010 bewusst?"
Vettel: "Ja. Damals war ich einer der Jäger, vielleicht deshalb."

Frage: "Du scheinst die Formel 1 derzeit gut im Griff zu haben, sodass trotz der neuen Regeln eine gewisse Portion an Langeweile aufkommt, weil du schon jetzt einen großen Vorsprung hast. Wie siehst du das?"
Vettel: "Meiner Meinung nach hatten wir bisher einige tolle Rennen. Ich kann die Läufe zwar nicht live verfolgen, doch ich schaue sie mir im Nachhinein stets an. Im Vergleich zu den Rennen der vergangenen Jahre sind die aktuellen Rennen einfach großartig."

"Es gibt viel Action und Spannung bis zum Ende. Die Rennen sind nicht schon nach Kurve eins oder der ersten Runde entschieden. Vor allem aufgrund der Reifenstrategie ist bis zum Schluss eigentlich nicht klar, wie es ausgeht. Es kommt natürlich immer auf den jeweiligen Rennverlauf an. Natürlich sind manche Läufe aufregender als andere. Das ist aber normal."

"Es kommt selbst im Fußball vor, dass sich die besten Klubs der Welt gegenüber stehen und am Ende gibt es ein Unentschieden ohne Tore. Da schalten die Leute ihre Fernseher ab, verlassen das Stadion und sagen: 'Das war langweilig.' Beim nächsten Mal sehen sie vielleicht das beste Spiel aller Zeiten. Es ist hart, die Show zu verbessern, wenn man es immer nur aus dieser Warte sieht."

"Die Verantwortlichen helfen uns sehr dabei, das Überholen zu erleichtern und die Rennen interessanter zu gestalten. In gewisser Weise funktioniert das auch prima. Es liegt natürlich in der menschlichen Natur, immer mehr und mehr zu wollen. Man sollte aber auch darauf bedacht sein, nicht zu viel auf einmal zu verändern."

Red-Bull-Duell um den Sieg in Silverstone?

Frage: "Dein Teamkollege Mark Webber zeigt sich vor dem Silverstone-Event recht angriffslustig. Kann er dir in Großbritannien und den folgenden Rennen gefährlich werden?"
Vettel: "In den bisherigen Rennen hatten wir stets die Chance, gegeneinander und gegen den Rest zu kämpfen. Ich sehe nicht, dass es in Silverstone anders laufen wird."

"Es ist eine unterhaltsame Strecke und ich komme gerne hierher. Mark macht es hier ebenfalls viel Spaß. Er gewann 2010, 2009 hatte ich gesiegt. Wenn ich mich recht erinnere, kam mir im vergangenen Jahr ein Plattfuß dazwischen. Es ist ein tolles Rennen und bedeutet uns sehr viel, weil es der Heimevent des Teams ist."

"Die Fabrik liegt nahe an der Strecke, was aber auch bei anderen Rennställen der Fall ist. Es ist für alle von uns etwas Besonderes. Für uns gilt das Gleiche wie an jedem anderen Wochenende auch: Wir versuchen, unser Bestes zu geben. Es geht darum, alle anderen zu schlagen. Dass wir in Silverstone sind, verändert da überhaupt nichts."

Frage: "Stellt die Verlegung der Boxengasse ein Problem für den Rennstart dar?"
Vettel: "Das kann ich vermutlich erst am Sonntag sagen. Vorab würde ich meinen, dass Kurve eins voll gehen dürfte. Danach kommt es ganz auf den Sprint bis zur dritten Kurve an."

"Wir werden sehen. Üblicherweise ist es eine Hilfe, erst einmal ein paar schnelle oder einfachere Kurven zu haben, bevor die erste harte Bremszone ansteht. Damit geht man dem Problem aus dem Weg, dass zu viele Autos um dieselbe Streckenposition kämpfen."

Platz eins ist immer das Ziel

Frage: "Wie wichtig wird es sein, schon direkt nach dem Start in Führung zu liegen?"
Vettel: "Sehr wichtig. In der Vergangenheit war es immer eine Hilfe, direkt nach dem Start als Erster durch die Kurvenkombination vor der Hangar-Straight zu fahren."

"So konntest du dir einen kleinen Vorsprung erarbeiten. Jetzt ist es aber anders, weil wir zunächst mit einer langsamen Kurve konfrontiert werden. Es kommt auf jeden Fall darauf an, von welcher Position du losfährst, wie gut du den Start erwischst und mit wem du kämpfst. Erst einmal geht es also um den Startplatz, alles Weitere wird sich zeigen."

Frage: "Hast du dich bereits mit der Position der Red-Bull-Garage in der neuen Boxengasse vertraut gemacht? Es könnte ein bisschen eng werden, oder nicht?"
Vettel: "Die Einfahrt scheint etwas enger zu sein als die Ausfahrt. Man hat wirklich großartige Arbeit geleistet. Der einzige Nachteil ist vielleicht, dass die Leute nicht die Boxenstopps aller Teams verfolgen können."

"Alles in allem ist es eine große Verbesserung, denn wir haben viel mehr Raum. Das hilft uns bei der Arbeit. Alles ist modern und neu. Es ist etwas ungewöhnlich, wenn man ins Fahrerlager fährt. Normalerweise geht es geradeaus, doch jetzt biegt man rechts ab. Daran wird man sich aber schnell gewöhnen. Wir werden sehen. Wie ich schon sagte: Die Einfahrt zur Boxengasse sieht etwas kniffliger aus als die Ausfahrt."

Fotoquelle: xpb.cc

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