Fernando Alonso weiß, dass der WM-Titel in weiter Ferne liegt

Formel 1 2011

— 07.07.2011

Alonso: "Vettel muss Fehler machen"

Fernando Alonso in Interview: Warum er in Silverstone auf die Wende hofft, wieso ein gutes Auto nicht reichen wird und was die neue erste Kurve bewirken wird

Fernando Alonso weiß, dass er dringend Siege benötigt, will er den Titelkampf gegen den bisher überlegenen Red-Bull-Piloten Sebastian Vettel noch einmal spannend machen. Doch bisher gelang es dem Spanier dieses Jahr noch gar nicht, ganz oben zu stehen. Im Interview spricht er über den Siegzwang, die Reglementänderungen und über die neue erste Kurve in Silverstone.

Frage: "Fernando, wir haben jetzt acht Rennen hinter uns. Ist diese Situation für dich überraschend?"
Fernando Alonso: "Ja, zu Beginn der Saison dachten wir, dass wir um die Führung kämpfen würden. Wir waren in Australien aber nicht schnell genug und dann folgten einige schwierige Rennen in Malaysia und in China. In den letzten drei Rennen haben wir uns etwas erfangen, aber der Punkteabstand zur Spitze ist ziemlich groß - fast 100 Punkte."

"Das ist nach acht Rennen nicht die Position, in der wir sein wollten, aber es ist wie es ist. Wir müssen härter arbeiten und das Auto weiterhin verbessern, denn wir sind derzeit nicht schnell genug."

Frage: "Wir haben diese Saison bereits gesehen, dass Vettel schlagbar ist. Hast du einen Plan dafür?"
Alonso: "Wir müssen abwarten, ob McLaren oder Ferrari ein deutlich verbessertes Auto haben, um gegen Red Bull kämpfen zu können. Ihr Auto ist bisher zu dominant und nach acht Rennen sollten wir - wenn wir die Fehler in Kanada und in China, wo sie etwas konservativ waren, außer Acht lassen - über acht Siege sprechen. Ich kann mich nicht erinnern, dass jemand seit 2004 und Michael Schumacher so dominant war."

"Es ist schwer, dagegen anzukämpfen, und - ohne große Verbesserungen beim Auto - darüber nachzudenken, wie man ihn schlagen kann. Hoffentlich sehen wir hier in Silverstone in Sachen Performance die Wende dieser Situation. Es gibt immer Hoffnung und auch die Motivation, jedes Rennen gewinnen zu wollen. Wir brauchen aber vor allem einen Schritt vorwärts."

Frage: "Ab diesem Rennen gibt es beim Diffusor eine große Änderung. Hast du dir die Simulationen angesehen? Wie stark wird das die Performance von Ferrari und speziell von dir beeinträchtigen?"
Alonso: "Ja, es gibt das Zwischengas-Verbot. Es wird jeden betreffen - mehr oder weniger. Wir alle haben das Zwischengas verwendet, wir werden also sehen. Wir haben natürlich ein paar Simulationen gemacht, die ergaben, dass uns das etwas Rundenzeit kosten wird. Alle werden darunter leiden."

"Wir haben aber keine Ahnung, welches Team mehr und welches weniger betroffen sein wird. Wir müssen wahrscheinlich bis Samstag warten, denn morgen wird es schwer, Rückschlüsse zu ziehen. Am Samstag und am Sonntag werden wir aber hoffentlich etwas mehr wissen."

Frage: "Hättest du es für möglich gehalten, dass Vettel und Red Bull dominanter als Schumacher und Ferrari sein könnten?"
Alonso: "Über ein Jahr schon."

Frage: "Über mehrere Jahre hinweg?"
Alonso: "Hoffentlich nicht."

Frage: "Felipe hat diese Woche gesagt, dass Vettel verrückte Dinge tun muss, um den Titel noch zu verlieren. Stimmst du zu?"
Alonso: "Ja, natürlich ist es wahr, dass wir Rennen gewinnen, unsere Performance verbessern und viel konkurrenzfähiger werden müssen, als wir es jetzt sind. Gleichzeitig muss aber auch Sebastian Fehler machen, damit wir den Abstand verringern können. Ohne Ausfälle und Probleme bei Vettel ist es schwierig, die derzeitige Lücke zu schließen. Er muss also Fehler machen, damit wir hoffen können."

"Wir haben aber in China und in Kanada gesehen, dass das passieren kann. Wir müssen uns also auf unsere Rennen konzentrieren, müssen versuchen, an jedem Wochenende zu gewinnen, auch wenn es schwierig ist. Wir brauchen aber sicher auch etwas Hilfe."

Frage: "Kannst du uns deinen Eindruck von einigen Streckenabschnitten in Silverstone mitteilen? Welche Abschnitte machen Spaß und welche sind schwer zu fahren?"
Alonso: "Normalerweise macht die gesamte Strecke recht viel Spaß. Es gibt überall Hochgeschwindigkeits-Kurven. Ich glaube, dass wir alle gerne hier fahren."

"Es macht aber nicht wirklich Spaß, wenn es regnet, denn es ist eine schöne Strecke bei trockenen Bedingungen, und es ist toll, die Fliehkräfte bei hoher Geschwindigkeit zu erleben. Wenn es aber regnet, dann vermisst man diesen Grip und diese Geschwindigkeit in die Kurve hinein. Es regnet hier oft und man versucht immer, eine trockene Runde zu erwischen, damit man die Strecke genießen kann."

Frage: "Die Runde beginnt hier mit neuen Kurven. Deine Gedanken zur ersten Runde und zu möglichen Überholpunkten?"
Alonso: "Die erste Kurve ist sehr schnell und daher glaube ich nicht, dass wir in der ersten Kurve viele Überholmanöver sehen werden. Das wird eher in der dritten Kurve passieren, wo es den großen Bremspunkt gibt. Es gibt mehr Möglichkeiten als in der Vergangenheit, denn da war die erste Kurve sehr schnell und dann gab es die Hochgeschwindigkeitskurven. Es gab keinen großen Bremspunkt nach dem Start, wo man ein Überholmanöver riskieren hätte können."

"Jetzt gibt es die Möglichkeit, und ich bin sicher, dass es nun mehr Action nach dem Start geben wird. Ich bin froh und denke, dass es jetzt durch die neue Startziel-Gerade spannendere Rennen geben sollte."

Fotoquelle: xpb.cc

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