Sebastian Vettel, Polesetter Mark Webber und Fernando Alonso

Formel 1 2011

— 09.07.2011

Regen verhindert zweiten Q3-Run: Webber vor Vettel!

Das Wetter spielte im Silverstone-Qualifying eine entscheidende Rolle und verhalf Mark Webber zur Pole-Position vor Vettel und den beiden Ferraris

Das ist die richtige Antwort auf die Diskussionen um die erst heute zurückgezogene Ausnahmeregelung der FIA für Motorenhersteller Renault: Red Bull ließ sich von den sportpolitischen Diskussionen im Hintergrund nicht ablenken, wurde der Favoritenrolle trotz Regelpräzisierung voll gerecht und sicherte sich im Silverstone-Qualifying die erste Startreihe für den britischen Grand Prix!

Auf Pole-Position steht diesmal allerdings nicht Seriensieger Sebastian Vettel, sondern dessen Teamkollege Mark Webber. Dem Vorjahressieger (Zitat 2010: "Nicht schlecht für eine Nummer zwei") gelang im ersten Run des Top-10-Finales eine fehlerfreie Runde. "Mark hat es auf den Punkt gebracht, als es drauf ankam. Er verdient heute die Pole", lobt Red-Bull-Teamchef Christian Horner seinen australischen Schützling.

Webber: Zweite Pole 2011, achte insgesamt

"Es war wichtig, jede Runde hinzubekommen, denn du hast vorher nie gewusst, ob nicht vielleicht die nächste Runde schon für die Startaufstellung zählen könnte", schildert Webber selbst den Kampf gegen das ständig wechselnde Wetter, den er am besten kämpfte: 1:30.399 Minuten auf weichen Slicks im ersten Run, dann einsetzender Regen, als die meisten Fahrer gerade den zweiten Run beginnen wollten - das war die Entscheidung.

So hatte Vettel keine Gelegenheit mehr, die 32 Tausendstelsekunden Rückstand doch noch aufzuholen: "Schade, dass wir keinen zweiten Run hatten, denn ich hätte Mark gerne herausgefordert, aber er hat eine sehr gute Runde hinbekommen", gratuliert der Vorjahres-Polesetter seinem Nachfolger auf dem ersten Startplatz und erklärt: "Wenn es hier zu regnen beginnt, sind manchmal unterschiedliche Streckenteile betroffen. Das sieht man oft nicht, daher war es schwierig."

Während man bei Red Bull darüber jubelt, die Konkurrenz auch nach Einführung des Zwischengas-Verbots weiterhin im Griff zu haben, ist auch bei Ferrari die Freude groß: Fernando Alonso sicherte sich mit nur 0,117 Sekunden Rückstand Platz drei, der immer besser in Form kommende Felipe Massa rundete das starke Teamergebnis als Vierter ab. "Ich bin sehr glücklich, denn so nahe waren wir noch nie an der Pole-Position dran", strahlt Alonso über das Abschneiden.

Alonso schöpft eine Menge Mut

Dabei hatte der Nachmittag für den Spanier mit einer Schrecksekunde begonnen, denn in Q1 kam er von der Strecke ab - und beim Zurückfahren wäre er beinahe mit einem Gegner kollidiert! Angesichts der Wettervorhersage ("Sehr leichter Regen zieht fünf Minuten lang mit Intensitätsgrad eins über die Strecke") aber auch kein Wunder, dass sich Alonso verschätzt hat - und am Ende ging ja alles gut und er war schnellster Red-Bull-Verfolger.

"Dabei ist Silverstone vom Layout her keine perfekte Strecke für uns. Hier nur eine Zehntelsekunde Rückstand zu haben, ist ein gutes Zeichen", begründet er das breite Grinsen in seinem Gesicht. "Die neuen Teile scheinen zu funktionieren. Ich hoffe, dass wir auch im Rennen Druck ausüben können." Technikchef Pat Fry analysiert bei 'Sky': "Die Änderungen am Motorenmapping haben wohl auch ihren Beitrag geleistet, schätze ich."

Wie sieht es im Rennen aus?

Vettel kontert auf diese Bemerkung: "Schön zu sehen, dass wir es trotzdem noch im Griff haben!" Aber für Red Bull könnte es morgen eng werden, wenn man bedenkt, dass das Qualifying bisher immer die große Stärke des Boliden von Adrian Newey war. "Morgen kann alles passieren", weiß Vettel. "Diese Strecke ist sehr reifenmordend." Webber gibt sich als Polesetter ganz entspannt und sagt: "Das ist eine sehr gute Ausgangsposition für das Rennen."

Die hat aber auch Jenson Button (McLaren/+1,499), als Fünfter bester Brite in der Startaufstellung - eine Ehre, die ihm um ein Haar Paul di Resta (Force India/+1,530) streitig gemacht hätte, denn der Force-India-Pilot steht sensationell in der dritten Startreihe! Ein anderer Lokalmatador musste dafür eine bittere Schlappe einstecken: "Ich habe keine Entschuldigungen parat. Es hat einfach nicht gepasst", ärgert sich der zehntplatzierte Lewis Hamilton.

Dabei weiß der McLaren-Pilot ganz genau, woran es gelegen hat: "In Q3 haben alle anderen neue Reifen aufgezogen, nur wir sind mit gebrauchten rausgefahren. Ich weiß nicht warum", so Hamilton, der seinen frischen Reifensatz nicht mehr nutzen konnte, weil es vor dem zweiten Run zu regnen begann. Mit Kritik am Team will er nicht schon wieder negativ auffallen, aber auf die Frage, ob es seine eigene Entscheidung war, entgegnet er klipp und klar: "Nein."

Maldonado wird immer stärker

Begünstigt durch das Wetter konnten in den Top 10 einige Überraschungsfahrer aufzeigen, etwa Pastor Maldonado (Williams) als Siebter oder Kamui Kobayashi (Sauber) als Achter. Maldonado hatte seinen routinierteren Teamkollegen Rubens Barrichello (15.) die ganze Session hindurch erstaunlich sicher im Griff, während Sergio Perez im zweiten Sauber als Zwölfter nicht allzu weit (0,036 Sekunden) vom Top-10-Cut entfernt war.

Pech hatte Adrian Sutil, denn di Restas Force-India-Stallgefährte lag nach seiner letzten Q2-Runde auf dem rettenden zehnten Platz, wurde aber in letzter Sekunde noch von Button verdrängt, der sich auf Rang vier nach vorne schob. Am Ende fehlten 29 Tausendstelsekunden. Michael Schumacher (Mercedes) wurde gar nur 13. und verlor damit ein weiteres Mal sein Stallduell gegen Nico Rosberg (9.), obwohl ihm solche Wetterbedingungen eigentlich liegen müssten.

Zumindest weiß der siebenfache Weltmeister genau, was er falsch gemacht und wo er die gut drei Zehntelsekunden auf Rosberg verloren hat: "In Kurve sechs. Ich war mit meinen Reifen zwei schnelle Runden unterwegs und in der zweiten waren sie nicht mehr so gut wie in der ersten. Mein Teamkollege hat es anders angehen lassen. Das hat ihm geholfen", erklärt Schumacher, ohne das allerdings als Ausrede stehen zu lassen.

Kein Mercedes-Pilot fehlerfrei

Zumal auch Rosbergs Runde alles andere als perfekt war: "Ich hatte in der letzten Runde in Kurve 15 leider eine nasse Piste, sonst wäre ich eine halbe Sekunde schneller gewesen", gibt der Deutsche zu Protokoll und fügt an: "Dann wäre wie in Q2 ein Platz unter den Top 5 drin gewesen. Es ist natürlich schön zu sehen, dass wir so etwas jetzt erreichen könnten. Das ist das Positive, aber leider haben wir nicht das Beste herausgeholt."

Bereits in Q2 war Nick Heidfeld (16.) ausgeschieden, dessen Team schon das ganze Wochenende keine positiven Akzente gesetzt hatte. "Ich bin überzeugt davon, dass es die mit ihrem Front-Auspuff härter getroffen hat als andere", vermutet 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer das Zwischengas-Verbot hinter der blassen Renault-Vorstellung an diesem Wochenende, schließlich kam auch Witali Petrow nicht über Rang 14 hinaus.

"Ich denke, es sieht heute etwas anders aus von der Pace her", seufzt Heidfeld. "Ich bin aber nicht ganz davon überzeugt, dass wir heute alles aus dem Auto herausgeholt haben. Wir hatten gestern Probleme mit dem Heckflügel. Ich bin erst im Qualifying zum ersten Mal auf einem hoffentlich besseren Flügel gefahren. Das müssen wir noch analysieren und ich bin mir nicht ganz sicher, warum es so schlecht war."

Kovalainen der große Glückspilz

Hinter "Quick Nick" landete Heikki Kovalainen sensationell auf Startplatz 17 - sensationell deshalb, weil der Lotus-Pilot das erste Qualifying (sogar als 16.) überstanden hatte. "Die Bedingungen haben uns geholfen und wir haben die Chance genutzt", gesteht Kovalainen. Hintergrund: Kurz vor Ende der 20-minütigen Session setzte (genau wie später auch in Q3) Regen ein, sodass die meisten Fahrer ihre bis dahin gesetzte Zeit nicht mehr verbessern konnten.

Opfer dieses Umstands wurden beide Toro-Rosso-Youngsters; dafür schrammte diesmal niemand an der 107-Prozent-Hürde vorbei - auch nicht HRT-Rookie Daniel Ricciardo, der im ersten Qualifying seiner Formel-1-Karriere um über eine halbe Sekunde langsamer war als Vitantonio Liuzzi (23.). Timo Glock (Marussia-Virgin) sicherte sich Platz 20 und gewann sein Stallduell gegen Jerome D'Ambrosio (22.) um fast eine Sekunde.

Für das morgige Rennen wird aufgrund des hohen Reifenverschleißes (sofern es - wie angekündigt - trocken bleibt) jede Menge Spannung erwartet, denn die Dominanz von Red Bull war an manchen Samstagen schon viel deutlicher als heute. Zudem darf man gespannt sein, wie das austro-britische Team damit umgehen wird, sollte Webber den Start gewinnen. Bekanntlich sind Stallorder in dieser Saison wieder erlaubt...

Fotoquelle: xpb.cc

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