Red-Bull-Teamchef Christian Horner im Gespräch mit Sebastian Vettel

Formel 1 2011

— 11.07.2011

Red-Bull-Stallregie: Hill plädiert für offenes Racing

Damon Hill hätte gehofft, dass Red Bull keine Stallorder gegen Mark Webber ausspricht - Jackie Stewart nimmt Red Bull in Schutz

Dass ausgerechnet Red Bull gestern kurz vor Ende des Rennens in Silverstone eine Stallorder ausgesprochen hat, um Mark Webber davon abzuhalten, den an zweiter Stelle liegenden Sebastian Vettel anzugreifen, dürfte viele überrascht haben. Bisher war für die Marke von Dietrich Mateschitz stets Gleichberechtigung im Vordergrund gestanden, unabhängig von den Umständen.

Als Webber im Vorjahr eine Stallorder zu seinen Gunsten forderte, kam das für Red Bull nämlich nicht in Frage: "Im schlimmsten Fall werden wir eben nicht Weltmeister - dann können wir es noch immer nächstes Jahr werden", hatte sich Mateschitz damals klipp und klar gegen Rennmanipulation ausgesprochen. Außerdem spielte er auf die Ferrari-Stallorder von Hockenheim an: "Das, was Ferrari gemacht hat, machen wir ganz sicher nicht!"

Stallorder nur für Vettel?

Die gestrige Stallorder hat einen schalen Beigeschmack: Wenn es um Webber geht, ist ein Eingriff ins Rennergebnis selbst in der allerheißesten Phase des WM-Kampfs offenbar kein Thema, aber wenn es um Vettel geht, wird Webber zurückgepfiffen, obwohl noch nicht einmal die Hälfte der Rennen absolviert ist und Vettel im Gesamtklassement ohnehin 80 Punkte Vorsprung hat. Viele verstehen Webber, wenn er sich diesbezüglich benachteiligt fühlt.

Auch Damon Hill bedauert das Verhalten von Red Bull: "Ich muss für die Fahrer sprechen", so der BRDC-Präsident in der Nachberichterstattung der 'BBC'. Direkt an Teamchef Christian Horner gewandt ergänzt er: "Ich weiß, dass du deinen Job machen musst, aber die Fahrer haben auch ein Recht darauf, gegeneinander zu racen, wann immer sie wollen. Es ist ihre eigene Entscheidung, ob sie sich zutrauen, den Teamkollegen zu überholen, ohne ihn abzuschießen."

"Ich glaube, die Fans wollen Racing sehen", sagt Hill und wünscht sich eine erneute Diskussion über die Handhabung des Themas Stallorder durch das Reglement: "Daher sollte man in diesem Sport darüber diskutieren, wie man das managt, denn mir ist das Investment bewusst und mir sind die Entschlossenheit, die Zeit und die Arbeit bewusst, aber letztendlich kann man Rennfahrer nicht davon abhalten, gegeneinander Rennen zu fahren."

Horner kontert auf Kritik

"Das haben wir auch nicht, bis zu den letzten drei, vier Runden", kontert Horner und schießt zurück: "Du warst doch in genau der gleichen Position! Ich erinnere mich, dass Jacques Villeneuve in Melbourne einmal die ganze Zeit hinter dir herfahren musste." Das war 1996, als Williams einen sicheren Doppelsieg nicht aufs Spiel setzen wollte, obwohl der führende Hill mit Ölverlust kämpfte und Villeneuve knapp hinter ihm auf seine Chance hoffte.

"So, wie die Regeln derzeit sind, musst du dich so entscheiden", hakt Hill nach. "Aber ich glaube, man könnte etwas ändern, sodass dem Team oder dem Teamchef nicht mehr die Schuld daran gegeben wird, den Fahrern nicht auf die eine oder andere Art und Weise Befehle zu erteilen - weil verstanden wird, dass die Fahrer berechtigt sind, gegeneinander zu racen. Das ist ja unterm Strich der Grund, aus dem die Leute Eintrittskarten kaufen."

Auch David Coulthard nimmt Horner ins Gebet: "Wie ist die Situation hinsichtlich der Fahrerverträge und Anweisungen? Ist es eine Möglichkeit, Anweisungen zu ignorieren, oder werdet ihr darüber hinter verschlossenen Türen sprechen? Oder lasst ihr es einfach sein, weil es in der Hitze des Gefechts passiert ist?", fragt der ehemalige Red-Bull-Pilot. Antwort seines Ex-Teamchefs: "Es ist ein Gespräch, das wir hinter verschlossenen Türen führen werden."

Niemand größer als das Team

Übrigens behauptet Horner, dass es die Stallorder auch gegeben hätte, wenn Webber Zweiter und Vettel Dritter geworden wäre: "Absolut, absolut", unterstreicht er. "Wir sind all den Menschen verpflichtet, die so hart gearbeitet haben, um diese Autos zu bauen. Denen sind wir es schuldig, das beste Ergebnis für Red Bull und das Team zu holen. Die Fahrer sind nicht größer als das Team - keine Einzelperson ist das. Wenn es andersrum gewesen wäre, hätten wir genauso gehandelt."

Daher sieht Jackie Stewart das Vorgehen von Red Bull auch relativ entspannt: "Es gab immer Stallorder in der Geschichte des Grand-Prix-Sports. In den frühen Tagen waren es Mercedes-Benz, Alfa Romeo, Ferrari oder Maserati. Da gab es Teamorder", erklärt der ehemalige Weltmeister in einem Interview mit 'talkSPORT'. Dass sich Red Bull für Vettel entschieden hat, versteht er, denn: "Im Moment hat Sebastian Vettel die WM im Griff."

Ebenso kann er verstehen, dass Webber die Anweisungen über Funk zunächst ignoriert hat: "Mark wollte den Erfolg aus dem Vorjahr wiederholen", weiß Stewart. "Doch ich verstehe auch die Entscheidung von Red Bull. Ich habe keine Zweifel daran, dass Mark zu dem Zeitpunkt mehr Tempo hatte als Sebastian. Aber das lag an einer strategischen Entscheidung." Und daran, dass Vettels KERS nicht mehr richtig funktionierte.

Fotoquelle: xpb.cc

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