2012 soll die Formel 1 wieder in den Golfstatt Bahrain zurückkehren

Formel 1 2011

— 12.07.2011

Bahrain-Chef schießt gegen Teams, Webber & Mosley

Der Vorsitzende des Grand Prix von Bahrain, Zayed Alzayani, stellt sein Rennen über Silverstone und reagiert auf die kritischen Stimmen aus der Formel 1

Eine Zeitlang war es ruhig um den Grand Prix von Bahrain, doch jetzt sorgt das kleine Insel-Königreich im persischen Golf wieder für Schlagzeilen. Und zwar durch ein Interview des Vorsitzenden des Grand Prix von Bahrain, Zayed Alzayani. Der Bahrainer stattete dem Rennen in Silverstone am vergangenen Wochenende einen Besuch ab. Der Klassiker im "Home of British Motor Racing' lockte 100.000 Besuchern an - ein neuer Rekord in dieser Saison.

Dennoch hielt sich bei Alzayani die Euphorie für das Rennen in Grenzen. "Es war ein sehr gutes Rennen mit einem fairen Resultat und die neuen Einrichtungen haben einen großen Unterschied gemacht", machte er gegenüber dem Londoner 'Evening Standard' das obligate Kompliment. Daraufhin verglich er Silverstone mit dem diese Saison wegen der blutigen Zusammenstöße abgesagten Bahrain-Grand-Prix. Bei Protesten am Perlenplatz in der Hauptstadt Manama waren vor dem geplanten Saisonstart in Bahrain 31 Demonstranten getötet worden.

"In Silverstone bemerkt man das Rennen nur an der Strecke. Man sieht nichts am Flughafen, vielleicht ein kleines Transparent, nichts in London. Man kommt in die Oxford Street und keiner weiß, dass der Grand Prix stattfindet", übt er Kritik."Wenn das das Renn-Wochenende in Bahrain wäre, dann würde man in jedem Shoppingcenter Plakate, Flyer und Werbung sehen."

Steht Bahrain über Silverstone?

"Für uns ist der Grand Prix definitiv die größte Veranstaltung des Jahres, so der Bahrainer. "Wir freuen uns das gesamte Jahr lang darauf, es bringt Bahrain auf die große Landkarte, verwandelt die Nation und verändert die Stimmung der Leute. Es ist größer als Silverstone, der FA Cup, das Derby und das Grand National gemeinsam."

Eine gewagte Aussage, zumal die Tribünen in Bahrain im Gegensatz zu Silverstone meist dürftig gefüllt sind. Man spürt: Dem Vorsitzenden des Rennens ist die Absage immer noch ein Dorn im Auge, auch wenn man sich schließlich selbst dazu entschlossen hatte, weil keiner der Formel-1-Akteure sein Gesicht verlieren wollte.

Alzajani vergleicht Menschenrechts-Lage mit den USA

Dass die Menschrechts-Lage in seinem Land schlimmer ist als in anderen Nationen, wo ein Formel-1-Rennen stattfindet, will Alzayani nicht gelten lassen. "Nächstes Jahr geht die Formel 1 in die USA. Was ist mit Guantanamo? Gibt es dort keine Menschenrechts-Verletzungen?", spielt der 42-Jährige auf die Bilder aus dem Gefangenenlanger für mutmaßliche Terroristen an, die vor einigen Jahren aufgrund der menschenunwürdigen Bedingungen die Welt erschütterten. US-Präsident Barack Obama hatte die Schließung bereits angekündigt, durchgezogen wurde sie allerdings noch nicht.

Alzayani fordert, dass die Öffentlichkeit differenziert: "Bahrain sollte nicht mit dem Kampf um Demokratie in anderen Teilen des mittleren Osten verwechselt werden." Er verweist auf zwei Arten des mittleren Ostens: "Es gibt Tunesien und Ägypten, die nationalistische Bewegungen sind. Dann gibt es Libyen, Jemen und Syrien, wo die Führer alles tun, um die Macht zu behalten. Dort werden jeden Tag Menschen getötet, in Bahrain ist es anders. Seine Majestät ist nicht Gaddafi oder Assad. Bei uns gibt es einen nationalen Dialog." Eine Aussage, die den Stimmen von Oppositionellen in Bahrain widerspricht.

Die Teams im Fadenkreuz

Alzayani macht die Teams dafür verantwortlich, dass es nicht wie geplant zu einer Neuaustragung des Rennens am 30. Oktober gekommen ist. Der Termin war bereits beschlossen, als sich Menschenrechts-Organisationen einschalteten - durch die mediale Erschütterung wurde der Druck schließlich so groß, dass das Rennen wieder in Frage gestellt und schließlich endgültig abgesagt wurde.

"Bernie hat mir gesagt: 'Wenn die Menschenrechte ein Kriterium für Formel-1-Rennen wären, dann würden wir nur in Belgien und der Schweiz fahren'. Alle 26 Weltrats-Mitglieder waren einstimmig dafür", verteidigt er sein Rennen und schildert die Geschehnisse aus seiner Sicht: "Bernie stimmte dafür. Am 8. Juni hatte ich ihn hier in London getroffen. Er sagte mit, dass es Widerstand von den Teams gibt, er aber für das Rennen kämpft, wenn ich es will. Man werde das hinkriegen. Er gab uns sogar die Möglichkeit, das Rennen am 4. Dezember abzuhalten. Da ging es nie darum, dass Bernie Geld verlieren könnte."

Doch an den Rennställen lässt er kein gutes Haar: "Sie waren sehr launisch. Ich bin enttäuscht, denn die Meinung kann nicht von einem Ende des Spektrums - 'Oh, ihr seid unser liebster Austragungsort, wir lieben es hier und fühlen uns ihr zuhause' - zum anderen - 'Wir wollen nicht nach Bahrain fahren' - gehen. Ja, dazwischen sind Dinge vorgefallen, aber man kann nicht so launisch reagieren." Am Ende habe man aber freiwillig zurückgezogen, "um keinen Streit mit den Teams heraufzubeschwören."

Alzayani vermutet Retourkutsche durch Mosley

Nicht nur die Teams bekommen ihr Fett weg, auch Ex-FIA-Boss Max Mosley. Der Brite hatte sich in die Debatte um das Rennen in Bahrain eingeschaltet und argumentiert, dass der FIA-Beauftragte Carlos Gracia bei seiner Reise nach Bahrain aufgrund mangelnder Fremdsprachen-Kenntnisse nicht fähig war, ein entsprechendes Urteil über die Menschrechts-Situation abzugeben, und von den Verantwortlichen in Bahrain beeinflusst wurde. Es wurde vermutet, dass sich Mosley mit seiner Stellungnahme gegen eine Neuaustragung für die Ausladung durch den Kronprinz von Bahrain nach seinem Skandal revanchierte.

Alzayani reagiert nun auf Mosleys Fremdsprachen-Argument: "Das zeigt nur, wie naiv Mosley ist. Es gab ja Übersetzer. Ich muss nicht Chinesisch sprechen, um in China Geschäfte machen zu können. Max ist immer sehr lautstark und ungenau. Er spricht über Moral - wenn ich er wäre, würde ich das Wort Moral wahrscheinlich nicht in den Mund nehmen. Ich denke, dass Max einen Groll gegen Bahrain hat, weil er vom Kronprinzen offiziell gebeten wurde, den Grand Prix nicht zu besuchen."

Mosley lässt sich durch Alzayanis Aussage nicht erschüttern und stellt seine Sicht der Dinge noch einmal klar: "Natürlich gab es Übersetzer, aber Gracia ist kein Anwalt. Die FIA hätte einen Menschrechts-Anwalt nach Bahrain schicken müssen. Die Formel-1-Welt schien es nicht zu befürworten, dass die Regierung in Bahrain den Grand Prix benutzen wollte, um die Unterdrückung der Menschenrechte zu unterstützen."

Alzayani: Webber soll vor eigener Tür kehren

Der Großteil der Fahrer hielt sich in der Debatte um die Austragung des Rennens in Bahrain mit klaren Aussagen zurück - Red-Bull-Pilot Mark Webber, der für seine Offenheit bekannt ist, stellte sich als einer von wenigen ganz klar gegen das Rennen. Auch das ging an Alzayani nicht vorbei: "Ja, er sprach über die Menschenrechte und all diese Dinge. Aber hat nicht Australien Probleme mit den Aborigines? Ich weiß nicht, warum Webber gegen Bahrain ist. Er fuhr mehrmals in Bahrain und hat es immer geliebt. Bei den vergangenen sieben Grands Prix gab es nie Kritik."

Doch wird es ein achtes Rennen geben? Alzayani deutet an, dass er über die Absage 2011 noch nicht hinweggekommen ist: "Er gibt keinen Anlass eines Problems und keinen Grund, warum der Bahrain-Grand-Prix nicht in den Kalender 2011 zurückkehren sollte. Ich weiß nicht, wann das Rennen nächstes Jahr stattfindet. Es liegt nicht an uns." Geht es nach dem Kalender, dann wird die Formel 1 am 13. März ihr Renn-Comeback in der Wüste feiern - das hat der FIA-Motorsport-Weltrat längst beschlossen. So wie die Neuaustragung am 30. Oktober 2011 - die schließlich doch noch verhindert wurde.

Fotoquelle: xpb.cc

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