Adam Parr macht sich weiter seine Gedanken über die Zukunft der Formel 1

Formel 1 2011

— 14.07.2011

Parr fordert: Formel 1 muss Twitter und Co. nutzen

Laut Williams-Geschäftsführer Adam Parr sollte die Formel 1 mehr auf das Internet setzen - Bernie Ecclestone verweist auf Probleme wegen der TV-Rechte

Die Zeiten haben sich gewandelt - und die Mediennutzung ebenfalls. Die so genannten "neuen sozialen Netzwerke" wie Facebook, Twitter oder YouTube gehören für viele bereits zum Alltag. Und Williams-Geschäftsführer Adam Parr fordert, dass die Formel 1 diese Netzwerke verstärkt nutzt, um noch mehr Präsenz zu erlangen. Der Brite äußert sich immer wieder über die Zukunft der Formel 1 und über die Wege, die diese beschreiten sollte.

Parr äußerte in den vergangenen Wochen mehrfach Kritik an Bernie Ecclestone. Und nun fordert er den Formel-1-Zampano auf, auf die Veränderungen in der Mediennutzung zu reagieren. "Was Bernie bei den Veranstaltungen geschaffen hat, wo wir hingehen, unsere Standards, das haut jeden um. Was die Medien angeht, ist unglaublich, welche Zuschauerzahlen wir haben und wie gut die Übertragungen. Das ist Weltklasse", wird Parr unter anderem von 'Autosport' und 'ESPN' zitiert.

Aber die neuen sozialen Netzwerke, das Internet und sogar das Pay-TV würden die Medienlandschaft verändern. "Dabei geht es nicht nur darum, wie man mit Leuten kommuniziert und wie man die Inhalte an die Leute weitergibt, sondern auch darum, was ökonomisch möglich ist."

Parr macht das am Beispiel von Williams-Pilot Rubens Barrichello und dem Motorenvertrag mit Renault fest. "Rubens hat bei Twitter eine Million Follower, und ich nehme an, dass ein Großteil davon aus Brasilien kommt", sagt er. "Für Renault ist Brasilien ein Schlüsselmarkt. Als Rubens also mitgeteilt hat: 'Wir fahren wieder mit Renault, das sind fantastische Neuigkeiten' - bang! Eine Million Leute bekommen eine Empfehlung für Renault, ohne dass es dabei einen kommerziellen Hintergedanken gibt."

"Er schreibt einfach, was er über das Unternehmen und die Marke denkt", so Parr weiter. "Wie kann man den Wert davon beziffern? Wie viele Werbespots für einen Clio ist das wert? Jemand, den sie bewundern, von dem sie persönlich beschlossen haben, ihm zu folgen, sagt, dass Renault ein Weltklasse-Motor ist und dass er so glücklich über den Vertrag ist. Er hat dafür nichts in Rechnung gestellt, das kostet einen gar nichts. Aber das zeigt, was möglich ist. Und das hat nichts mit den Rennübertragungen im Fernsehen zu tun."

"Wir müssen uns überlegen, was die Zukunft ist. Wir müssen von uns selbst und von Bernie fordern, zu schauen, was möglich ist. Denn er hält die kommerziellen Rechte", so Parr. Er betont aber, dass seine Aussagen keine Angriffe auf Ecclestone seien - und dass er den Zampano nicht untergraben will: "Ich sehe das nicht als Krieg der Worte, ich sehe das auch nicht als Beleidigung. Er ist ein faszinierender Kerl und ich habe großen Respekt vor ihm, aber wir können nicht hier sitzen und uns auf unseren Lorbeeren ausruhen. Wenn wir uns unterhalten, ist das sehr freundlich. Und er weist mich sanft zurecht. Er erinnert mich daran, wie wenig ich verstehe. Und ich akzeptiere das. Aber das wird mich nicht daran hindern, weiter Fragen zu stellen."

Ecclestone selbst betont, dass er gern mehr im Bereich Internet machen würde, vor allem was Videos angeht. Doch ihm seien wegen der TV-Verträge, die er mit den Sendern hat, die Hände gebunden. "Wenn wir mit einem Sender einen Vertrag schließen, dann geben wir ihm das Recht, in seinem Land auf die Art und Weise zu übertragen, wie er will", sagt Ecclestone in einem Interview mit 'Channel 10' in Australien. "Wenn sie also auf Mobiltelefone senden wollen - was ja wie ein kleiner Fernseher ist - oder auf Pads, dann können sie das tun. Aber sie scheinen es nicht zu wollen. Die Leute wollen immer noch den Fernseher anschalten. Alles, was wir tun können, tun wir. Wir haben uns all diese verschiedenen Übertragungsmöglichkeiten angeschaut. Aber sobald wir anderen Leuten erlauben, über andere Wege zu übertragen, würden wir die Leute verärgern, mit denen wir TV-Verträge haben."

Das ist auch der Grund, warum Ecclestone kürzlich in einem Brief an McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh davor gewarnt hat, Formel-1-Videos auf YouTube zu stellen. Er bezog sich dabei auf ein Video, das Rapper Ice-T als Gast beim Kanada-Grand-Prix in der McLaren-Box aufgenommen hat, und das im Internet ein Renner wurde. Der Brief wurde in Kopie auch an alle anderen Teams verschickt.

"Ich bin sicher, dass ihr darauf aufmerksam gemacht wurdet, dass einer eurer Gäste die Aktivitäten in der Box gefilmt und auf YouTube gestellt hat", so Ecclestone in dem Brief. "Ihr werdet verstehen, warum ich so streng bin, wenn es darum geht, den Zugang und Leute mit Kameras in den Boxen zu erlauben. Vielleicht stellt ihr sicher, dass so etwas nicht passiert, da das zu unvorhergesehenen Problemen führen könnte."

Dafür zeigt Williams-Geschäftsführer Parr Verständnis, doch Videos seien schließlich nicht die einzige Möglichkeit, das Internet zu nutzen. "Er hat dafür gesorgt, dass unser Material Seltenheitswert hat. Aber vielleicht ist das eine Strategie - und vielleicht gibt es andere Optionen", sagt er und verweist auf das Beispiel der britischen 'BBC', die die Rechte für Großbritannien hält: "Die 'BBC'-Webseite ist meiner Meinung nach sehr gut, der iPlayer ist ein fantastisches Produkt, und die Qualität der Übertragungen ist toll. Aber bedeutet das, dass sie das alles auf iPhone und iPad optimieren? Ich denke nicht."

Fotoquelle: xpb.cc

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