David Coulthard musste sich in seiner Karriere ebenfalls der Stallorder beugen

Formel 1 2011

— 14.07.2011

Coulthard verteidigt Red-Bull-Stallorder

David Coulthard kennt die Stallorder aus seiner eigenen Karriere - Die Red-Bull-Anweisung in Silverstone findet der ehemalige Formel-1-Pilot in Ordnung

Die Red-Bull-Stallorder in Silverstone hat hohe Wellen geschlagen. Mark Webber wurde in den letzten Runden von Teamchef Christian Horner angewiesen, dass er Platz drei hinter Sebastian Vettel halten soll. Stallorder ist seit dem Vorjahr wieder offiziell erlaubt. Bemerkenswert war daran allerdings, dass ausgerechnet Red Bull Teamorder nutzte, obwohl sie sich im Saisonendspurt 2010 klar dagegen ausgesprochen hatten und damit den WM-Titel riskierten. David Coulthard musste in seiner Karriere ebenfalls Stallorder über sich ergehen lassen. In Jerez 1997 und in Melbourne 1998 ließ er beispielsweise seinen damaligen McLaren-Teamkollegen Mika Häkkinen passieren, der dann auch beide Rennen gewann.

Die Red-Bull-Situation in Silverstone verteidigt der Schotte. "Man kennt meine Sicht der Dinge. Sie ist simpel und reduziert sich auf zwei Punkte. Stallorder muss erlaubt sein, weil man nie verhindern kann, dass Teams sie nutzen. Schließlich ist es nur eine Frage, wann es vernünftig ist, sie anzuwenden", findet Coulthard. "Ich finde, dass es zwei Runden vor dem Ziel - beim Heimrennen des Teams - und nur drei Punkten Unterschied zwischen den Plätzen zwei und drei, ein vernünftiger Moment war, sie anzuwenden."

"Ich fand es von Ferrari auch richtig, die Teamorder bei Felipe Massa in Hockenheim 2010 anzuwenden, weil der Brasilianer praktisch keine Titelchancen mehr hatte. Das Problem ist, dass die Formel 1 viel zu sehr ein Geschäft ist, um ein richtiger Sport zu sein. Aber auch zu sehr Sport ist, um ein richtiges Geschäft zu sein. Man kann nicht erwarten, dass Teams, die millionenschwere Sponsorenverträge haben, wichtige Punkte zu diesem Zeitpunkt im Rennen wegwerfen."

"Ich glaube, dass Red Bull die Stallorder auch bei Sebastian Vettel angewandt hätte, wäre die Situation umgekehrt gewesen. Ich sage das nicht, weil ich mit dieser Firma verbunden bin", stellt Coulthard klar. "Ich kann auch die Enttäuschung der Fans verstehen, die hunderte Euro ausgegeben haben und ein spannendes Finale sehen wollten. Sie haben das mit Lewis Hamilton und Felipe Massa gesehen, zwei Fahrern aus unterschiedlichen Teams. Unter dem Strich kommt das Team zuerst."

Webber hielt sich nicht an die Stallorder, doch die Linie überquerte der Australier hinter Vettel. "Er hat gesagt, dass er die Anweisungen ignoriert und bis zum Ende angegriffen hat. Ich glaube aber, dass er zurückgesteckt hatte", findet Coulthard. "Ich kann seine Frustration verstehen. Mark ist ein Kämpfer und will weiter im WM-Rennen bleiben. Es wäre eine größere Sorge, wenn er nicht frustriert wäre."

Wer im kommenden Jahr an der Seite von Vettel fahren wird, steht derzeit noch nicht fest. Webber und Red Bull befinden sich in Gesprächen über eine Vertragsverlängerung. Coulthard kennt die beteiligten Personen gut und findet: "Ich glaube nicht, dass das die Vertragsverhandlungen beeinflussen wird. Besitzer Dietrich Mateschitz will einen Kämpfer. Er will, dass zwei Fahrer gegeneinander kämpfen. Er möchte keine Miezekatze. Mark ist das bestimmt nicht. Es war im wichtig, dass seine Fans wissen, dass er mit der Situation nicht glücklich war. Es wird ihn aber nicht beeinflussen."

Fotoquelle: xpb.cc

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