Mark Webber scheint nach Silverstone weiter gemischte Gefühle zu haben

Formel 1 2011

— 21.07.2011

Webber hofft: "Teamorder war eine Ausnahme"

Laut Mark Webber dürfen er und Sebastian Vettel auch weiter frei gegeneinander fahren, "meistens" zumindest - Ein gewisser Frust ist aber weiter vorhanden

Im Titelkampf 2010 hatte Red Bull seinen beiden Piloten Sebastian Vettel und Mark Webber noch freie Fahrt gegeben. Doch seit dem Silverstone-Grand-Prix 2011 sorgt das Team plötzlich wegen einer Teamorder für Schlagzeilen. Webber war in den letzten fünf Runden zurückgepfiffen worden. Er sollte als Drittplatzierter den auf Platz zwei liegenden Teamkollegen Vettel nicht mehr angreifen. Dies ignorierte der Australier, was zunächst teamintern für Dissonanzen und dann in den weltweiten Medien für Gesprächsstoff gesorgt hat.

Nun steht mit dem Deutschland-Grand-Prix auf dem Nürburgring das nächste Rennen an, und Webber betont im Vorfeld, dass die Teamorder von Silverstone wohl eher eine Ausnahme war. Ihm ist aber anzumerken, dass er immer noch ein bisschen mit dem Geschehenen hadert, auch wenn Teamchef Christian Horner ihm versichert hat, dass Vettel ebenfalls zurückgepfiffen worden wäre, falls er hinter Webber gelegen habe.

"Christian hat mir seine Sicht erläutert, wie es zu der Situation und zu seiner Entscheidung gekommen ist, und ich habe meine Sicht der Situation dargelegt", so Webber am Nürburgring. "Wir dachten beide, dass wir die richtige Entscheidung treffen. Er als derjenige, der im Interesse des Teams handelt und ich als jemand, der versucht hat, weiter nach vorn zu kommen. Wir haben darüber gesprochen, und er hat mir garantiert, dass es andersherum genauso gewesen wäre. Wenn Seb auf mich aufgeschlossen hätte, hätte er zurückstecken sollen. Das Gespräch war wirklich schnell beendet."

Zudem komme es ohnehin nicht oft vor, dass man in den letzten Runden eines Rennens so auf den Teamkollegen aufschließt, betont Webber. "Wir dürfen weiter die meiste Zeit frei gegeneinander fahren. Das war eben das eine Mal, in der wir in einer so unangenehmen Situation waren. So etwas kommt zu einer solchen Phase im Rennen nicht oft vor - und bis dahin werden wir gegeneinander racen."

Ein Grund, warum er Horners Anweisungen ignoriert habe, seien dessen Äußerungen nach dem Deutschland-Grand-Prix 2010 in Hockenheim gewesen. Damals hatte Ferrari für viele Diskussionen gesorgt, als Felipe Massa Teamkollege Fernando Alonso überholen lassen musste. Horner hatte damals erklärt, dass er seine Fahrer nie davon abhalten würde, gegeneinander zu fahren. Das habe auch dazu beigetragen, warum er sich in Silverstone entschieden habe, Vettel weiter anzugreifen, so Webber.

Vor allem habe er aber einfach versucht, an Vettel vorbeizukommen: "Er hatte nicht den bestens Stint, und ich war recht gut unterwegs. Also habe ich einfach versucht, ihn zu überholen." Wie Horner jetzt über das Thema Teamorder denke, müsse man ihn selbst fragen. "Doch für mich ändert sich nichts. Ich fühle mich gut mit dem, was ich in Silverstone getan habe", so Webber.

Rückendeckung bekommt der Australier dabei von seinem Teamkollegen Vettel. Dieser hat erklärt, er hätte an Webbers Stelle genauso getan. Auf die Frage, ob es zwischen den Fahrern und der Teamführung bei Red Bull unterschiedliche Meinungen gibt, antwortet Webber aber nur ausweichend: "Ich denke, dass Seb und ich uns sehr gut kennen. Deshalb wurden in den vergangenen Jahren mehrere Entscheidungen im Cockpit getroffen, denke ich."

Doch ein gewisses Maß an Frustration ist dem Australier immer noch anzumerken. Schließlich wäre eine weitere Option für Red Bull gewesen, die Fahrer einfach die Positionen tauschen zu lassen, nachdem Webber der Schnellere war. "Zu einem anderen Zeitpunkt in dem Rennen wäre es gar keine Frage gewesen, es so zu machen. Die Frage ist, warum sie mich nicht an Sebastian vorbeigewinkt haben, wenn dem Team die Punkte wichtig waren. Aber in einer gewissen Phase des Rennens wäre es wesentlich eindeutiger gewesen. Ich kenne die Antwort auf diese Frage, aber die sage ich euch heute nicht....", sagt er mit einem gewissen Unterton.

Wäre er - gegebenfalls auch mit Hilfe des Teams - an Vettel vorbeigekommen, hätte er drei Punkte mehr geholt. "Ja, aber um die Punkte allein geht es gar nicht", betont Webber. "Die Punkte sind wichtig, aber es geht auch darum, dass ich gut unterwegs war und vielleicht noch die Chance gehabt hätte, noch weiter nach vorn zu kommen, falls Fernando in der letzten Runde stehengeblieben wäre. Das wäre zwar ungewöhnlich, aber wer weiß?... Und das macht die Sache noch etwas schwieriger. Da gibt es einige Fragen, die ihr Christian stellen solltet, die ich nicht beantworten kann."

Was seine Verhandlungen mit Red Bull für das nächste Jahr angeht, bekräftigt Webber erneut, dass er beim Team bleiben möchte. Die Ereignisse von Silverstone hätten "null Einfluss" auf die Verhandlungen. Er habe jedoch keine Eile, einen neuen Vertrag zu unterschreiben. "Ich möchte weiter Formel 1 fahren, und nicht nur mit dem Serienwagen zum Supermarkt fahren", sagt der Australier. "Ich sehe das im Moment entspannt. Ich spreche mit dem Team und bin in einer guten Position. Ich bringe eine sehr, sehr gute Leistung, und das Team macht auch einen guten Job. Es besteht also keine Eile. Ich lass es euch wissen, wenn wir eine Entscheidung getroffen haben."

Fotoquelle: xpb.cc

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