Karl-Josef Schmidt war noch bis vor kurzem am Hockenheimring tätig

Formel 1 2011

— 22.07.2011

Nürburgring glaubt trotz Rot-Grün an Formel-1-Zukunft

Nürburgring-Geschäftsführer Karl-Josef Schmidt hat keine Angst vor den Grünen und kündigt baldige Verhandlungen mit Bernie Ecclestone an

Der Grand Prix am kommenden Sonntag ist der letzte, der noch durch den aktuellen Vertrag zwischen dem Nürburgring und Bernie Ecclestone abgedeckt ist. Danach muss neu verhandelt werden, doch zuletzt hatte sich seitens der Grünen, die in Rheinland-Pfalz seit Mai gemeinsam mit den Sozialdemokraten regieren, Widerstand gegen eine Subvention der Formel 1 aus öffentlicher Hand geregt.

"Die rot-grüne Koalition hat sich klar auf die Reduzierung der Förderung der Formel-1-Rennen verständigt. Es wird keine Formel 1 um jeden Preis geben", heißt es in einer Presseaussendung des rheinland-pfälzischen Ministeriums für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung. "Ob das Rennen am Wochenende das letzte sein wird, hängt damit maßgeblich von den Forderungen von Bernie Ecclestone ab", hält Ministerin Eveline Lemke fest.

Doch Karl-Josef Schmidt, erst seit einigen Wochen neuer Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Nürburgring Automotive GmbH, lässt sich von der grünen Anti-Formel-1-Kampagne nicht einschüchtern: "Natürlich" gebe es Widerstand, "aber ich bin an solche Situationen gewöhnt. In Baden-Württemberg hat die schwarze Regierung der Formel 1 alle Subventionen gestrichen", erinnert sich der ehemalige Geschäftsführer der Hockenheim-Ring GmbH.

Bauen auf sozialdemokratische Unterstützung

"Jetzt haben wir eine rot-grüne Koalition. Natürlich sind die Grünen gegen Motorsport, aber die Sozialdemokraten sind dafür", so der Deutsche im Interview mit 'Motorsport-Total.com'. "Das lässt mich hoffen, dass wir eine Lösung finden werden, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass die Grünen ihren Wunsch, der Formel 1 alle Subventionen zu streichen, durchsetzen können. Ich hoffe, dass wir einen Kompromiss finden werden."

Ministerin Lemke sei "Teil einer Koalition und wird sich mit dem größeren Partner arrangieren müssen", sagt Schmidt, der genau weiß: "Die Sozialdemokraten bekennen sich eindeutig zur Formel 1. Gut, nicht zu dem Preis wie bisher - die Verluste für den Steuerzahler waren zu hoch, das ist klar -, aber der Nürburgring ist ja nicht nur eine Rennstrecke, sondern auch ein infrastruktureller Impuls für die gesamte Eifelregion."

Indes sagt der sozialdemokratische Minister für Inneres, Sport und Infrastruktur, Roger Lewentz: "Es gibt keine Anfragen der Betreibergesellschaft Nürburgring Automotive GmbH für eine finanzielle Unterstützung des Landes zu einem Umbau am Nürburgring." Tatsächlich wären die Betreiber schon zufrieden, wenn das Land Rheinland-Pfalz lediglich die an Ecclestone zu überweisende Grand-Prix-Gebühr übernehmen würde. Diese wird auf knapp 20 Millionen Euro pro Event geschätzt.

Schmidt hofft, dass sich Ecclestone auf ein ähnliches Modell wie in Hockenheim einlassen wird, wo die Kosten gesenkt werden konnten und der Formel-1-Geschäftsführer sogar einen Teil des Risikos trägt, dafür aber auch an etwaigen Gewinnen mitnaschen darf: "In Hockenheim waren wir erfolgreich, warum also nicht hier?" Außerdem ergänzt der neue "Herr des Rings": "Die Rotation zwischen Hockenheim und dem Nürburgring ist eine sehr clevere Maßnahme."

Dieses Wochenende kein langes Meeting

"Alle Argumente sprechen dafür, so weiterzumachen. Ich glaube, das sehen alle so", betont er und erklärt, dass man sich "in naher Zukunft" mit Ecclestone treffen werde, um über einen neuen Vertrag zu sprechen, aber nicht unbedingt dieses Wochenende: "Ein Formel-1-Rennen ist nicht der richtige Ort, um einen Vertrag zu verhandeln. Für richtige Verhandlungen braucht man Zeit und Ruhe, wenn man an einem runden Tisch zusammensitzt."

Warum er von Hockenheim an den Nürburgring gewechselt ist, sei "nicht einfach zu erklären", gibt sich Schmidt geheimnisvoll, fühlt sich aber in seiner neuen Aufgabe wohl - auch wenn er sich eigenen Angaben nach "noch in der Aufwärmphase" befindet. Die von ihm geleitete Nürburgring Automotive GmbH mietet den Nürburgring und seine Anlagen von der Nürburgring GmbH, befindet sich aber im Privatbesitz (Jörg Lindner und Kai Richter).

Schmidts Wechsel an den Nürburgring sollte nicht als "kriegerischer Akt gegenüber Hockenheim" missverstanden werden, betont er: "Ich habe dort lange und erfolgreich gearbeitet und habe mit allen Beteiligten gut zusammengearbeitet. Aber ich habe ein Angebot vom Nürburgring erhalten und es gab einen Disput mit einigen Mitgliedern des Stadtrats von Hockenheim, was kostensparende Maßnahmen anging, die ich nicht akzeptieren wollte. Also haben wir entschieden, getrennte Wege zu gehen."

Die erste Feuertaufe hat der neue Geschäftsführer schon am kommenden Wochenende zu überstehen. Bis heute konnten im Vorverkauf 62.000 Eintrittskarten für den Renntag abgesetzt werden: "Das ist für den Nürburgring sehr viel", sagt Schmidt und räumt ein, dass die Zahlen in der Vergangenheit oftmals geschönt wurden. Und er kündigt an: "Ich glaube, wir werden am Sonntag ungefähr 64.000 oder 65.000 Zuschauer haben."

Fotoquelle: Hockenheimring

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