Nick Heidfeld will sich mit guten Leistungen für ein Cockpit empfehlen

Formel 1 2011

— 28.07.2011

Heidfeld und 2012: "Gut genug"

Renault-Pilot Nick Heidfeld über seine Hoffnungen für 2012, die Entwicklungen im Windkanal und Zwischenfälle im bisherigen Saisonverlauf

Für Nick Heidfeld wird es im Renault-Team offenbar etwas ungemütlich. Teamchef Eric Boullier hatte zuletzt deutlich zum Ausdruck gebracht, dass er sich vom Deutschen mehr erhofft hatte. Die Zukunft des Mönchengladbachers ist offen. Heidfeld wird bezüglich dessen das Gespräch mit Boullier suchen, sagt er im Vorfeld des Grand Prix in Ungarn.

Frage: "Nick, du bist sehr spät ins Renault-Cockpit geschlüpft. Wie bewertest du deine bisherige Saison?"
Nick Heidfeld: "Es gab ein paar gute Leistungen, vor allem die Fahrt auf das Podest. Aber auch bei anderen Rennen. Zum Beispiel in Barcelona, wo ich wegen eines Fahrzeugbrands das Qualifying nicht fahren konnte und dennoch Achter wurde. Insgesamt denke ich, dass es gut war. Im Qualifying habe ich vielleicht nicht immer das Maximum herausgeholt, aber ich habe gelernt und es wird besser."

"Das vergangene Wochenende war sehr schwierig für mich. Erst im Qualifying habe ich den Wagen erstmals mit der für das Rennen passenden Aerodynamikvariante bewegt. Freitag haben wir am angeblasenen Diffusor gearbeitet, am Samstagmorgen auch etwas anderes ausprobiert. Wenn man das bedenkt, dann war das Qualifying ganz okay."

"In Silverstone gab es Probleme am Unterboden. Es sind immer nur Kleinigkeiten, aber das kann meine Probleme durchaus etwas erklären. Ich fühle mich jetzt im Qualifying schon deutlich wohler, aber dennoch ist das jener Bereich, in dem ich mich weiterhin steigern muss."

Keine Auspuffexperimente in Ungarn

Frage: "Am Nürburgring habt ihr zum Samstag an deinem Auto ein anderes Auspuffsystem verbaut. Fühlt sich das an, als sei es ein ganz anderes Auto?"
Heidfeld: "Ja, es war komplett neu. Auch deswegen, weil wir uns am Freitag einzig auf diesen Auspuff konzentriert hatten, also keine Setuparbeit gemacht haben. So etwas ist sinnlos in Bezug auf Samstag, wenn du dann wieder umbaust. Hinzu kam, dass ich am Samstag nochmal eine aerodynamische Komponente gefahren bin, von der wir uns etwas erhofft hatten. Die hat aber auch nicht so funktioniert."

Frage: "Wer trifft die Entscheidung, dass du derjenige bist, der den Auspuff ausprobieren soll?"
Heidfeld: "Das Team hat gesagt, dass ich den Auspuff am Freitag fahren soll. Ich selbst habe mich gefreut und habe dem zugestimmt. Mit der Pace, die wir im Moment an den Tag legen, muss man etwas probieren. Wenn man neue Teile hat, diese neu aus dem Windkanal kommen, dann freue ich mich. Dann muss man es halt testen."

Frage: "Werdet ihr hier wieder etwas probieren?"
Heidfeld: "Nein, wir werden hier den Auspuff vorne behalten. Wir haben das System aber bestimmt nicht aufgegeben. Das wird derzeit weiter erforscht."

Frage: "Du hattest den Crash mit Buemi. Kann man sich auf so etwas vorbereiten, überhaupt noch etwas machen, wenn man erstmal in der Luft ist?"
Heidfeld: "Nein, vorbereiten kann man sich nicht. Ich habe mir das Rennen später angeschaut. Ich habe auch Manöver gesehen, wo Leute rechts daneben gefahren sind und die anderen in der Mitte geblieben sind. Das geht also recht problemlos. Als er aber nach rechts herüberzog, da war es zu spät. Ich bin möglichst lange noch auf dem schmalen Asphalt geblieben, aber als er mich berührte, da war Ende."

Frage: "Habt ihr danach miteinander gesprochen?"
Heidfeld: "Ja, wir haben uns danach bei den Stewards gesehen. Wir haben beide unsere Meinung vorgetragen. Wie so oft: Der eine sieht es so, der andere eben anders. Manchmal bist du derjenige, der bestraft wird, manchmal aber auch nicht. Zum Beispiel wurde ich für den Zwischenfall in der ersten Runde bestraft. Das muss man einfach so hinnehmen."

Senna stellt keine Gefahr dar

Frage: "Wie siehst du deine Chancen für 2012?"
Heidfeld: "Wie gesagt: Ich fand die Leistungen nicht schlecht. Zumindest gut genug, damit ich um ein Cockpit für das kommende Jahr kämpfen kann. Ich gebe weiterhin mein Bestes und dann schauen wir mal, was passieren wird."

Frage: "Aber das hängt am allermeisten auch davon ab, wie es mit Robert Kubica weitergeht, oder?"
Heidfeld: "Ja, natürlich bin ich davon abhängig, was mit Robert passiert. Ich kann jetzt nicht in die Details meines Vertrages gehen, aber es ist wirklich so, dass ich meine Augen für das kommende Jahr offen halte."

Frage: "Also schaust du bei anderen Teams?"
Heidfeld: "Man ist doch immer irgendwie in Kontakt. Ich bin seit langer Zeit in der Formel 1. Ich kenne viele Leute. Zumindest Gespräche gibt es immer mal wieder."

Frage: "Hast du Kontakt zu Robert?"
Heidfeld: "Ich habe in letzter Zeit nicht mit ihm gesprochen, aber ich sende ihm ab und zu mal eine SMS, in der ich ihm eine gute weitere Genesung wünsche. Ich weiß aber ehrlich nicht genau, wie sich die Situation derzeit darstellt."

Frage: "Am Freitagmorgen sitzt Bruno Senna in deinem Auto. Machst du dir Sorgen, dass dein Platz in Gefahr sein könnte?"
Heidfeld: "Nein. Das war schon seit längerer Zeit mal angedacht, dass er vielleicht mal eine Session lang im Auto sitzt. Natürlich würde ich lieber selbst im Wagen sitzten - das ist klar. Aber Sorgen mache ich mir keine. Je mehr Sessions du am Wochenende fahren kannst, umso besser ist es. Das hilft in der Vorbereitung. Auf der anderen Seite verstehe ich das Team, dass der Testfahrer auch mal eine Chance bekommen muss, im Auto zu sitzen."

Frage: "Vor allem, wenn der Testfahrer Geld mitbringt..."
Heidfeld: "Ob das der Fall ist, das weiß ich nicht."

Freitag in Budapest: Gespräch unter Männern

Frage: "Teamchef Eric Boullier hat sich erneut recht negativ über die geäußert..."
Heidfeld: "Ja, es war viel zu lesen. Aber man weiß nie, was wer wirklich gesagt hat und wie es möglicherweise interpretiert wurde. Wir haben uns für morgen Vormittag zu einem Gespräch verabredet. Bevor ich auf irgendetwas anworte, möchte ich mit ihm direkt sprechen."

Frage: "Nimmt man Witali Petrow am Nürburgring, dann bekommt man den Eindruck, als sei euer Rennspeed nicht mehr so gut. Ist das ein Trend?"
Heidfeld: "Ich kann das nicht einschätzen, weil ich nicht das ganze Rennen gefahren bin. Normalerweise bin ich im Rennen meist etwas besser als Witali. Was für mich eindeutig war: Sein Qualifying war besser. Es ging da in die richtige Richtung. Ich weiß ehrlich gesagt nicht genau, was ich hier erwarten soll, weil ich eigentlich auf mehr Updates gehofft hatte. Die Streckencharakteristik ist deutlich anders."

"Leider ist sie Monaco ähnlich, wo es für uns gar nicht ging. Allerdings haben wir das Auto seit Monaco deultich verändert. Ich mag den Hungaroring gern, ich freue mich darauf. Wie immer: Wir haben das, was wir haben. Und wir müssen dann das Beste daraus machen. In Spa kommt dann hoffentlich ein großer Schritt."

Frage: "Einige Teams stellen ihre Autos ähnlich wie Red Bull an, also hinten hoch und vorne tief. Bei Ferrari funktioniert das, Force India kommt auch voran. Muss man diesen Weg gehen?"
Heidfeld: "Diese Überlegung gab es bei uns auch, speziell mit dem angeblasenen Diffusor. Das ist etwas, was wir im Windkanal, beim Geradeaustest und auch am Freitag am Nürburgring getestet haben. Wir sammeln da unsere Erkenntnisse."

Frage: "Ist Renault ein Team, mit dem man 2012 siegen oder sogar Weltmeister werden könnte?"
Heidfeld: "Nichts ist schwieriger zu beantworten als das. Wer hätte vor einigen Jahren gedacht, dass Red Bull dominiert und Weltmeister wird? Das ist schwierig abzuschätzen. Renault hat auf jeden Fall gezeigt, dass sie es in der Vergangenheit schon geschafft haben. Die wissen, wie es gehen kann. Aber dann haben wir Ferrari und McLaren, dazu noch Mercedes, die theoretisch an die Spitze drängen sollten."

"Man kann es also nicht so einfach beantworten. Es ist nicht wie bei Red Bull, McLaren und Ferrari, wo man irgendwie automatisch vorne mit dabei ist. Die Ambistionen sind natürlich noch groß. Mal schauen, wohin es geht."

Windkanal-Umbau soll bald helfen

Frage: "Geht es bei euch nach dem Umbau des Windanals besser?"
Heidfeld: "Ja, wir denken, dass es besser geht. Wir haben große Fortschritte im Windkanal gemacht, aber es geht nocht so schnell, diese Teile ans Auto zu bekommen. Wir sollten in Spa das nächste größere Update haben. Für hier sind es nur Kleinigkeiten. Also: Im Windkanal sehen wir stetige Verbesserungen, aber es dauert halt, bis so etwas an die Strecke kommt."

Frage: "Die Daten sind aber schon besser?"
Heidfeld: "Wir denken, dass die Übertragbarkeit vom Windkanal auf das echte Auto besser ist. Wir haben auch andere Dinge gefunden, die wir im dem 50-Prozent-Modell vorher nicht gefunden haben. Im Moment sind alle sehr positiv gestimmt, dass es ein wichtiger und richtiger Schritt war. Der hat uns zwar kurzfristig etwas nach hinten gesetzt, weil wir den Windkanal ein paar Tage lang nicht nutzen konnten, aber es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Jetzt arbeiten wir mit 60-Prozent-Modellen."

Frage: "Wie werden die Reifen hier funktionieren? Kann man sich mit dem superweichen Pneu in die Qualifikation wagen?"
Heidfeld: "Wir müssen mal schauen und die Daten abwarten. Dann wissen wir, ob es vielleicht besser ist, sich die weicheren Reifen aufzusparen. In Barcelona ging das. Dort konnte ich auf der langen Geraden gut überholen und auf frischen Reifen nach vorne kommen. Aber hier wird das Überholen - trotz DRS - nicht so einfach sein."

"So etwas muss man im Hinterkopf behalten. Du hast im Rennen vielleicht Reifen, die länger halten und schneller sind. Aber wenn du an den anderen nicht vorbeikommst, dann bringt es auch nichts. Theoretisch ist die Startposition hier am wichtigsten, aber wir müssen morgen erst einmal die Daten abwarten. Wir wissen noch nicht, wie stark die Reifen abbauen. Das Qualifying ist zwar wichtig, aber man kann heutzutage im Rennen mehr aufholen, weil das Überholen leichter geworden ist. Auch in Ungarn ist das so, wenn auch weniger als anderswo."

Fotoquelle: xpb.cc

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