Peter Sauber ist sehr stolz auf den modernen Windkanal in Hinwil

Formel 1 2011

— 25.08.2011

Sauber: "Die Ziele sind unverändert"

Doppelinterview mit Teamchef Peter Sauber und Geschäftsführerin Monisha Kaltenborn über den aktuellen Stand der Dinge beim Sauber-Team

Frage: "Monisha, es sind nun etwa zwei Drittel der Saison vorbei. Was sind die Ziele für das letzte Drittel?"
Monisha Kaltenborn: "Die Ziele sind seit Anfang der Saison unverändert. Da haben wir gesagt, dass wir regelmäßig Punkte holen möchten. Das bleibt nach wie vor so. Wir haben in den letzten Rennen gesehen, dass der Vorsprung, den wir hatten, kleiner geworden ist. Umso mehr gilt es, diesen Vorsprung zumindest zu halten, wenn nicht zu vergrößern. Und dann schaut man einfach, wie weit man nach vorne kommen kann, denn das Endziel muss ja sein, die Platzierung in der WM deutlich zu verbessern."

Frage: "Wie weit sind eure Pläne mit dem neuen Auto für nächstes Jahr? Wann beginnt ihr damit, es zu bauen?"
Kaltenborn: "Wir haben wie alle Teams mit der Arbeit begonnen und sind auch gut im Plan. So werden wir die Konzeptphase beenden und dann beginnen."

Frage: "Der aktuelle C30 ist der erste Sauber, den James Key gebaut hat. Habt ihr vor, auf dieser Basis weiterzumachen oder soll ein völlig neues Konzept kommen?"
Peter Sauber: "Das Reglement ändert sich nach meinem Wissensstand nicht groß. Insofern ist ein neues Auto immer eine Weiterentwicklung. Ein neues Auto ist immer irgendwo eine Weiterentwicklung, auch wenn sich das Reglement deutlich ändert. Die deutlichsten Änderungen werden im Bereich des Auspuffs sein, weil es da ein neues Reglement gibt."

Noch keine neuen Reifendaten

Frage: "Beim aktuellen Auto wusstet ihr vorher nicht, was euch in Sachen Pirelli-Reifen erwartet, jetzt schon. Werdet ihr deswegen irgendetwas ändern?"
Sauber: "Da muss man den Stand Ende Saison abwarten, denn bei Pirelli ist ja auch eine permanente Entwicklung da. Ich hoffe, dass man dann auch Informationen über die nächstjährigen Reifen bekommt. Die werden sich ändern. Grundsätzlich ist es so, dass man mit dem Auto so flexibel sein muss, dass man das Auto den Reifen anpassen kann."

Frage: "Das diesjährige Auto ist im Vergleich zum C29 ein großer Fortschritt. Was ist der größte Unterschied?"
Sauber: "Das Auto ist wesentlich unempfindlicher auf die Bodenhöhe. Man musste das alte Auto sehr tief fahren, damit es genug Downforce hatte. Man kann das jetzige Auto höher fahren und dadurch kann man es weicher fahren. Dadurch sind wir weniger empfindlich auf die Curbs. Das ist die eine Seite, die mechanische. Aber auch die aerodynamische Effizienz des neuen Autos ist besser."

Frage: "Derzeit liefert Ferrari nicht nur den Motor, sondern auch KERS und Getriebe. Werdet ihr in Zukunft euer eigenes KERS entwickeln?"
Sauber: "Wir haben in der Vergangenheit das eigene Getriebe entwickelt, was sicher Sinn macht. Nachdem das Getriebe aber in den letzten drei Jahren in München gebaut wurde und wir keine Getriebekonstruktionsabteilung mehr in Hinwil hatten, hat es keinen Sinn gemacht, das aufzubauen. Schon aus Kostengründen ist es vermutlich billiger, wenn man das Getriebe von Ferrari bezieht. Im nächsten Jahr wird das so bleiben. Auch bei KERS."

Frage: "2014 wird sich das Reglement komplett ändern. Ist der Plan, dann ein eigenes KERS zu bauen?"
Sauber: "Ich glaube, es ist zu früh, so weit zu blicken, aber grundsätzlich macht es schon Sinn, dass man das KERS dort bezieht, wo man den Motor oder die Antriebseinheit bezieht. Das siehst du auch so, oder?"
Kaltenborn: "Ja."

Frage: "Gibt es intern irgendwelche Pläne, das Team in den nächsten zwei, drei Jahren zu erweitern?"
Sauber: "Nein. Wir haben eine Infrastruktur, die auf einem sehr hohen Niveau ist - da muss man nichts aufbauen. Wir sind das Personal zurückgefahren. Ich hoffe, dass man mit diesem Personalbestand auskommt."

Frage: "Der Windkanal in Hinwil war zum Zeitpunkt des Baus sehr modern, aber die Zeit bleibt nicht stehen. Ferrari und Renault hatten auch Probleme und mussten nachrüsten..."
Sauber: "Ich will nicht unbescheiden wirken, aber Ferrari und Renault müssen noch stark nachrüsten, um den Stand von uns zu erreichen."

Frage: "Ist euer Windkanal der beste oder einer der besten in der Formel 1?"
Sauber: "Das will ich jetzt nicht sagen. Ich glaube, Toyota hatte einen vergleichbaren Kanal. Bei uns ist es nicht nur die Dimension, sondern auch die Qualität des Kanals."

Frage: "Unter BMW lief der Windkanal im Dreischichtbetrieb. Wie sieht das jetzt aus?"
Kaltenborn: "Wir haben zwei, aber da haben wir sicher noch Potenzial auszubauen, was wir vielleicht auch tun werden."

Frage: "Mit mehr Personal?"
Kaltenborn: "Das müssen nicht zwingend viel mehr Leute sein. Es ist auch eine Frage, wie man es einteilt, aber wir haben ja generell auch unter dem RRA (Ressourcen-Restriktions-Abkommen; Anm. d. Red.) noch Möglichkeiten aufzubauen."

Dreischichtbetrieb wäre viel teurer

Frage: "Mehr Schichten bedeutet auch, dass ihr mehr Modelle bauen müsst und so weiter..."
Sauber: "Sehr teuer."
Kaltenborn: "Es ist kein Ziel, weil wir aus der Vergangenheit heraus gesagt haben, dass wir bei dieser Größe sehr wohl effizient sein können. Wenn wir aber sehen, dass hier ein Bedarf bestünde, können wir das im Rahmen des RRA."

Frage: "Das Team hat mit Oerlikon einen neuen Sponsor gewonnen. Besteht die Chance, noch mehr Schweizer Firmen zu gewinnen?"
Kaltenborn: "Wir haben bislang nicht viele Schweizer Firmen als Partner gehabt, die man sieht. Wir haben natürlich viele Partner, gerade auch in der Umgebung, aber eben nicht solche, die man hier im Moment sieht. Es ist bei uns keine klare Zielsetzung, uns nur auf Schweizer Partner zu fokussieren - und dass die Schweizer Partner nicht zu uns kommen, ist deren Entscheidung. Wir sind für alle Partner offen. Wenn es ein Schweizer ist, freut es uns natürlich mehr, weil dann meistens die räumliche Nähe eher gegeben ist als bei anderen Partnern. Dann kann man auch die Infrastruktur für Events nutzen, denn wir haben ja auch - integriert in den Windkanal - eine einzigartige Eventfläche. Da könnte man vielleicht auch mehr machen. Es freut uns natürlich, wenn es Schweizer sind, aber wir würden nicht nur Schweizer Unternehmen sehen."

Frage: "Zu BMW-Zeiten wurden die Rennen in diesem Eventbereich im Windkanal live übertragen. Geschieht das noch?"
Sauber: "Live-Viewing, ja."
Kaltenborn: "Das haben wir noch. Für Gäste und Partner."

Frage: "Und wie sieht der Sauber Club One aus?"
Kaltenborn: "Ich finde, der sieht gut aus!"

Frage: "Aber das Logo befindet sich nicht mehr auf dem Auto."
Sauber: "Weil wir den Platz nicht mehr haben. Der Club läuft auf jeden Fall weiter. Die Akquisition ist zeitintensiv. Das ist natürlich auch wieder ein personelles Problem."
Kaltenborn: "Und was uns natürlich mit der Zeit immer mehr hilft, ist, dass wir Erfahrungen damit sammeln. Am Anfang war es ja mehr oder weniger Kaltakquise. Wir hatten keine Erfahrungen. Je mehr wir die haben, desto mehr können wir Partnern zeigen und desto mehr hilft es auch, sie zu überzeugen. Es ist nach wie vor ein Konzept, an das wir fest glauben."

Frage: "Dann muss man sich aber fragen, warum das nicht hier steht..."
Kaltenborn: "Die Intention des Clubs ist es ja gerade, nicht plakativ zu sein."

Frage: "Der Club schon, aber nicht seine Mitglieder."
Kaltenborn: "Der Club braucht das auch nicht. Der ist einfach da, der Name gibt die Assoziation zu uns und dadurch, dass das Logo des Clubs, die Marke, auch nicht nach außen für alles verwendet werden kann und soll, ist das eigentlich gar nicht notwendig."

Fotoquelle: Sauber

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