Der Eindruck täuscht: Die Pressekonferenz von Belgien war durchaus unterhaltsam...

Formel 1 2011

— 25.08.2011

FIA-PK: Die Fahrer schwärmen von Spa

Ein Fahrer-Sextett um Michael Schumacher und Sebastian Vettel stellte sich in der offiziellen FIA-Pressekonferenz den Fragen der Medien

Wenige Stunden vor dem Trainingsauftakt in Belgien fanden sich Sebastien Buemi (Toro Rosso), Jerome D'Ambrosio (Marussia-Virgin), Witali Petrow (Renault), Michael Schumacher (Mercedes), Bruno Senna (Renault) und Sebastian Vettel (Red Bull) im Medienzentrum von Spa-Francorchamps ein, um sich den Fragen der Journalisten zu stellen. In der offiziellen Pressekonferenz der FIA sprach das Sextett unter anderem über das Jubiläum von "Schumi" und über die "Ardennen-Achterbahn".

Frage: "Bruno, wie bereit bist du für deine Rückkehr in die Formel 1? Wie ist es für dich, auf einer so besonderen Rennstrecke wieder Rennen zu fahren?"

Bruno Senna: "Nun, es wird sicherlich eine Herausforderung darstellen, zur Saisonmitte wieder einzusteigen - oder ein bisschen nach der Jahreshälfte. Ich habe bisher aber an allen Meetings mit den Ingenieuren teilgenommen und bin daher darüber im Bilde, was im Team vor sich geht."

"Der Freitag in Ungarn war sehr nützlich für mich, um ein Gefühl für das Auto zu entwickeln und zu erkennen, was das Fahrzeug leisten kann. Vor mir liegt eine steile Lernkurve, wenn ich es auf das Niveau der anderen Jungs schaffen will, die 2011 bereits elf Grands Prix bestritten haben. Dass es hier in Spa passiert, ist etwas Spezielles."

"Es ist meine Lieblingsstrecke und ein Kurs, auf dem ich schon immer sehr gut war. Ich freue mich also richtig darauf. Ich hoffe, ich kann rasch Fortschritte machen und hoffentlich gute Arbeit für unsere Jungs abliefern. Das ist nun einmal die beste Art und Weise, wie ich mich für diese Möglichkeit bei ihnen erkenntlich zeigen kann."

Frage: "Erst im Mai warst du hier mit einem Formel-1-Auto unterwegs. Wenn ich mich nicht irre, gibt es davon sogar einige Fotos..."

Senna: "Ja, das war ebenfalls eine gute Sache. Jedes Mal, wenn du das Auto fahren kannst, ist es einfacher für dich, etwas zu lernen. Damals war es nur eine Demofahrt und ich absolvierte nur wenige Runden. Trotzdem ist es eine bessere Referenz als alles Vorhergehende. Hoffentlich kriege ich dieses Mal ein paar mehr Runden zustande."

Frage: "Was kannst du an diesem Wochenende von dir erwarten?"

Senna: "Schwer zu sagen. Der Freitag von Ungarn war richtig schwierig. Allerdings hatte ich dabei nur einen Reifensatz zur Verfügung. Mir ist klar: Ich muss lernen, wie ich mit den Reifen umgehen muss. Das beginnt beim ersten Satz und führt über die Pneus, die ich in der Qualifikation nutze."

"Ich muss auch lernen, wie ich die Reifen im Rennen rannehmen kann. Ich werde meine ersten Erfahrungen mit den Pirelli-Pneus bei anfangs voller Spritladung machen. Über all diese Erfahrungen verfüge ich noch nicht. Wenn ich also irgendwo in der Nähe von Petrow landen würde, wäre das ein guter Referenzpunkt."

Frage: "Jerome, der Große Preis von Belgien ist dein Heimrennen. Wie lauten deine Erwartungen?"

Jerome D'Ambrosio: "Nun, für mich ist dieses Rennen zweifelsohne etwas Besonderes. 17 Jahre lang gab es keine belgischen Fahrer in der Formel 1. Hier in Spa zu sein ist also sehr speziell. Ich fühle das. Die vergangenen Tage waren durchaus stressig für mich. Schon am 10. August stand die erste Pressekonferenz für diesen Rennevent auf dem Programm."

"Es gibt viel Enthusiasmus, wo ich doch nun hier am Start bin. Andererseits konzentrierte ich mich auf meine Arbeit und achtete darauf, den Fokus nicht zu verlieren. Ich werde einfach nur versuchen, mein Bestes zu geben. Sehr viel mehr können wir nicht tun. Ich konzentriere mich darauf, das Maximum aus dem Auto herauszuholen. Hoffentlich spielt uns das Wetter ein bisschen in die Karten. Dann schauen wir einmal."

Frage: "Welche Wünsche hast du an das belgische Wetter?"

D'Ambrosio: "Naja, ein leichter Nieselregen im Rennen wäre sicher nicht schlecht für uns."

Frage: "Was denkst du über die zweite Phase dieser Saison? Könntest du dir vorstellen, auch im kommenden Jahr für Marussia-Virgin anzutreten?"

D'Ambrosio: "Erst einmal muss ich sagen, dass die Pause sehr gut war. Als Neuling nimmt man in kurzer Zeit sehr viele Informationen auf. Da ist es schön, in einer Pause einmal nicht über die Formel 1 nachdenken zu müssen. Danach geht es einfach nur darum, die in ein paar Monaten gesammelten Informationen zu verarbeiten."

"Vor den acht noch ausstehenden Saisonläufen ist das so schlecht nicht. Ich freue mich daher sehr auf diese Grands Prix. Ich wünsche mir sehr, einen weiteren Schritt machen zu können, um zu zeigen, was ich in den vergangenen elf Rennen gelernt habe. Ich bin sehr zufrieden bei diesem Team. Ich glaube, sie sind auch mit mir recht zufrieden. Im Augenblick sprechen wir über die Zukunft. Hoffentlich können wir auch 2012 wieder zusammenarbeiten."

Frage: "Sebastien, du warst im August in den Vereinigten Staaten von Amerika. Was kannst du uns darüber berichten?"

Sebastien Buemi: "Ja, ich war in Orlando und dann noch für ein paar Tage in Miami. Am 14. August kehrte ich zurück, um zumindest eine Woche lang zu trainieren, damit ich bestmöglich vorbereitet nach Spa reisen konnte. Wie wir alle wissen, wird die restliche Saison um Singapur und alle weiteren Rennen ziemlich heiß. Da musst du wirklich fit sein. Es war eine tolle Pause und ich konnte mich etwas entspannen. Es ist aber schön, wieder hier zu sein, denn Spa ist ein toller Kurs."

Frage: "In den vergangenen zwei bis drei Rennen lief es besser für euch. Kannst du das erklären? In den vergangenen Jahren standest du hier stets auf Startplatz 16 und wurdest zweimal Zwölfter. Das möchtest du sicherlich verbessern, aber erzähle uns doch bitte von den Verbesserungen am Auto..."

Buemi: "Gemeinsam mit dem Team arbeiteten wir sehr hart daran, das Fahrzeug so gut wie möglich zu optimieren. Budapest war ein richtig gutes Rennen für uns, würde ich sagen. Wir kamen auf den Positionen acht und zehn ins Ziel und holten damit viele Punkte für das Team."

"Hoffentlich haben wir auch hier in Belgien wieder ein gutes Wochenende. Wir wissen: In Spa ist alles möglich, denn das Wetter kann sich blitzschnell verändern. Wir haben wieder ein paar neue Teile am Auto, die uns helfen sollten. Hoffentlich können wir das Maximum aus unserem Rennwagen herausholen und erneut in die Punkte fahren."

Frage: "Du klingst recht zuversichtlich, besser sein zu können als die Positionen 16 und zwölf..."

Buemi: "Ja. Wir alle wissen, dass die Qualifikation sehr wichtig ist, aber so wichtig wie früher ist sie eben nicht mehr. Vor uns liegt ein langes Rennen und alles ist möglich. Ich freue mich sehr auf das Rennen und möchte Punkte holen. Selbst wenn ich den Grand Prix von ganz hinten oder aus keiner guten Position aus in Angriff nehmen muss, werde ich mich davon nicht kirre machen lassen. Wichtig ist, eine gute Basis zu haben. Gelingt dir das, kannst du auch gut abschneiden."

Frage: "Witali, du hast hier einen neuen Teamkollegen. Inwiefern beschäftigt dich das? Beschäftigt dich das überhaupt?"

Witali Petrow: "Zunächst einmal möchte ich Bruno gratulieren. Ich weiß, dass er für zwei Rennen beim Team unterschrieben hat. Für mich spielt es keine Rolle, wer mein Stallgefährte ist. Ich weiß, was ich zu tun habe und wie ich das Auto verbessern muss. Ich werde einfach nur meine Arbeit machen."

Frage: "Was sagst du zu dieser Strecke? Renault stand hier 2010 auf dem dritten Startplatz. Du fuhrst im vergangenen Jahr von Platz 23 auf Rang neun nach vorne. Was hältst du von Spa?"

Petrow: "Ich mag diese Strecke. Ich hatte hier im vergangenen Jahr ein gutes Duell mit den Mercedes von Michael und Nico. Jetzt ist es schwierig zu sagen, wo wir stehen werden. Wir haben hier einige neue Teile dabei und bringen ein paar Updates an den Start. Wir hoffen, diese Elemente funktionieren. Wir wissen: Unser Auto kommt auf diesem Kurs gut zurecht. Dementsprechend werden wir unser Bestes versuchen."

Frage: "Michael, vor dir liegt ein großes Wochenende. Es ist dein 20-jähriges Jubiläum in der Formel 1. Hättest du dir vor 20 Jahren vorstellen können, dass du noch immer hier sein würdest?"

Michael Schumacher: "Hättest du dir das vorstellen können? Du warst doch ebenfalls schon vor 20 Jahren hier mit dabei, oder nicht?"

Frage: "Leider, ja. Ich muss ja aber auch nicht so fit sein wie du..."

Schumacher: "Nun, es ist eine ungewöhnliche Situation. So etwas kannst du am Anfang natürlich nicht erwarten. Ich bin aber stolz und froh darüber, heute hier zu sein. Ich nenne Spa ja oft mein Wohnzimmer. Es ist ein Ort, an dem viele großartige und besondere Dinge geschehen sind. Es ist ein perfektes Szenario, um diesen Augenblick zu feiern."

Frage: "Sprechen wir über deine Siege auf diesem Kurs, wo du interessanterweise nur einmal auf der Pole-Position warst. Gibt es einen Grund dafür oder ist das den Umständen geschuldet?"

Schumacher: "Unterm Strich gibt es keinen Grund dafür. Auch auf anderen Strecken nicht, wo ich einige Pole-Positions mehr erzielte. Es geht meiner Meinung nach nur um gewisse Charakteristiken der Fahrzeuge, die besser zu machen Kursen und weniger gut zu anderen Kursen passen."

"Was die Statistik oder die Anzahl der Pole-Positions und Rennsiege anbelangt: Ich denke nicht, dass es am Fahrer liegt, wenn man in einer dieser Kategorien besonders stark ist. Es geht vielmehr darum, sich anzupassen und das richtige Paket zu haben, um das eine oder andere umzusetzen."

Frage: "Bei deinen sechs Siegen hier in Spa scheint es also prima funktioniert zu haben..."

Schumacher: "Jepp."

Frage: "Im Hinblick auf dieses Wochenende sagte dein Team, es sei zuversichtlich, dass das Auto gut zu dieser Rennstrecke passe. Wie siehst du das?"

Schumacher: "Nun, das fühlen wir immer. Und so ist es auch. Wir müssen der Realität ins Auge sehen. Die Realität ist: Im Augenblick sind wir in etwa das viertstärkste Team und die Lücke nach vorne ist leider zu groß, als dass wir es mit diesen Jungs aufnehmen könnten - zumindest, wenn es keine ungewöhnlichen Umstände gibt."

"Diese Strecke hat vielleicht das Potenzial, uns ein bisschen mehr zu liegen. Die Abstände sind aber zu groß. Die Plätze sieben und acht sind daher das mögliche Ziel für uns. Das können wir erreichen und darauf haben wir es abgesehen."

Frage: "Sebastian, hattest du eine gute Sommerpause? Dürfen wir fragen, wie du deine Akkus wiederaufgeladen hast?"

Sebastian Vettel: "Ich denke, ich tat, was die meisten Leute in ihrem Urlaub taten. Ich arbeitete nicht und verbrachte eine gute Zeit damit, zu versuchen, die Formel 1 ein bisschen zu vergessen. Es ging einfach darum, normale Dinge zu tun, die Sonne und das Wetter zu genießen, tolles Essen zu haben, viel herumzukommen. Ja, ich genoss die frische Luft und den Sommer. Nach Ungarn, einem ungewöhnlichen Rennen, und speziell nach dem Nürburgring und Großbritannien war das eine gute Entscheidung."

Frage: "Ist Spa eine Strecke, an der Red Bull wieder auf die Siegerstraße einbiegen kann?"

Vettel: "Das werden wir sehen. Der Kurs zählt nicht zu unseren Lieblingsstrecken, denn es gibt hier sehr viele Geraden - mehr als auf den meisten anderen Pisten. Spa bietet zwar einige Kurven, doch diese befinden sich fast alle im zweiten Sektor. Die Abschnitte eins und drei sind daher recht schwierig für uns. Das konnten wir in der Vergangenheit sehen."

"Insgesamt hatten wir hier in den vergangenen beiden Jahren aber doch ein gutes Auto. Ich freue mich daher auf das Wochenende. Es ist eine tolle Strecke. In den zurückliegenden Rennen waren wir vielleicht nicht ganz auf der Höhe, wissen nun aber, weshalb das so war. Ich denke, wir haben die Situation verstanden und konnten einiges lernen. Schauen wir einmal, wo wir an diesem Wochenende stehen."

Frage: "Michael, wie groß ist der Schritt zwischen deinen Gedanken über die Formel 1 in Spa 1991 und dem, was du in Spa 2011 darüber weißt? Kannst du das erklären?"

Schumacher: "Im Prinzip möchtest du also wissen, welche Entwicklung es von Anfang an genommen hat?"

Frage: "Was auch immer du vor dem Rennen über die Formel 1 gedacht hast und was du bereits darüber wusstest..."

Schumacher: "Nun, das Wichtigste, wenn du kein Formel-1-Fahrer bist, war zumindest für mich, dass ich Zweifel hatte, ob meine Qualität ausreichen würde, um es mit diesen Jungs aufzunehmen. Du hältst sie für unantastbar. Vor allem zu Zeiten von Senna, Prost, Mansell und so weiter. Ich dachte nicht, dass ich ebenso gut sein könnte."

"Als ich hier meine ersten Erfahrungen machte und das Auto fuhr, sammelte ich rasch an Selbstvertrauen, dass es sehr wohl möglich sein würde. Den Rest der Geschichte kennen wir alle. Unterm Strich sind wir alle nur Menschen. Jeder von uns hat Grenzen. Innerhalb dieser fährst du herum."

"Es gibt keinen Grund, warum es unmöglich gewesen sein sollte, diese Jungs in der Vergangenheit zu schlagen. Genau so verhält es sich jetzt auch mit den aktuellen Spitzenreitern. Das ist das Tolle an der Formel 1. Es ist immer eine Herausforderung da. Diese Motivation ist der große Spaß daran."

Frage: "Eine Frage an die beiden Renault-Piloten: Das Auto ist hier ganz anders. Der Auspuff ist mehr nach hinten als zur Seite ausgerichtet, also folgt das Fahrzeug einem anderen Konzept. Dafür war das Auto ursprünglich nicht ausgelegt und ihr konntet die Neuerung nicht testen. Könnt ihr euch wenigstens vorstellen, wie die Auswirkungen dessen sind?"

Petrow: "Wer sagt, dass wir ein anderes Auto haben? Es ist kein großer Unterschied."

Frage: "Werdet ihr wieder eine unterschiedliche Strategie an den Tag legen, dass ein Fahrer die neuen Teile testet und der andere nicht?"

Petrow: "Nein, nein. Das ist hier das erste Mal der Fall. Wir planen zwar, den nach hinten gerichteten Auspuff vielleicht auszuprobieren, doch beide Autos werden absolut identisch sein."

Frage: "Eine allgemeine Frage zu dieser Strecke: Ist es eine andere Herausforderung, mit der längsten Bahn im Rennkalender klarzukommen? Wie schwierig ist es in der Qualifikation, alle drei Sektoren perfekt hinzukriegen und dabei noch die Reifen zu schonen?"

Vettel: "Michael hat mich gerade aus dem Konzept gebracht."

Frage: "Ich sprach darüber, dass Spa der längste Kurs im Kalender ist. Wir schwierig ist es da, dieser langen Runde Rechnung zu tragen - speziell in der Qualifikation? Wie bekommt man unter diesen Umständen alle Sektoren zusammen und kann nebenbei noch auf die Reifen achten?"

Petrow: "Gerade weil es eine lange Runde ist, hast du viel Zeit, um darüber nachzudenken, ob du hereinkommen und deine Reifen wechseln lassen willst. Vielleicht liegt das aber auch nur daran, dass ich diese Strecke mag. Es gibt hier sehr viele interessante Kurven, die mit hohem Tempo durchfahren werden."

"In der Eau Rouge musst du mit Vollgas unterwegs sein. Im vergangenen Jahr hatten wir dort noch den F-Schacht im Einsatz, jetzt musst du das Lenkrad wieder mit beiden Händen umfassen. Ich mag diesen Kurs. Manchmal kann es hier ganz schön interessant zugehen. In einem Sektor kann es regnen, im anderen komplett trocken sein. Es ist immer interessant, hier zu fahren."

Frage: "Ist die Länge dieser Strecke also ein Problem? Sebastian, ist das eine normale Sache oder ein großes Thema?"

Vettel: "Ich mag diese Strecke. Eine Runde ist ziemlich lang, doch sie könnte sogar noch länger sein. Das ist in gewisser Weise der Grund, weshalb wir uns darüber freuen würden, auf dem alten Nürburgring anzutreten - sofern das möglich wäre. Dass die Runde hier länger ist als sonst, macht keinen großen Unterschied."

"Wir haben einige Geraden, lange Geraden. Da ist genug Zeit, um sich zu erholen. Sektor zwei macht aber am meisten Spaß, weil dort alle Kurven angesiedelt sind. Wie ich schon sagte: In den Abschnitten eins und zwei gibt es eigentlich nur eine wahre Kurve, also ist Spa eine der besten Strecken des Jahres. Ich denke, wir alle lieben es, hierher zu reisen."

Schumacher: "Unterm Strich gelingt es uns, die Konzentration über ein komplettes Rennen, also 300 Kilometer, aufrecht zu erhalten. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Kurs fünf oder sieben Kilometer lang ist. Für uns ist das kein großes Problem."

Frage: "Bruno, was hat dir der Renault-Chef im Hinblick auf die restliche Saison gesagt? Wirst du das Cockpit bis zum Jahresende innehaben?"

Senna: "Nun, bislang bin ich für dieses und das nächste Rennen bestätigt. Es gibt noch ein paar rechtliche Themen zu klären und deswegen ist alles Weitere noch offen. Die Intention ist, dass ich im Cockpit bleibe, doch das kann noch nicht bestätigt werden."

Frage: "Michael, du bist nun schon 20 Jahre lang dabei. Wie stehen die Chancen, dass du in zehn Jahren im Management oder in welcher Funktion auch immer noch immer in der Formel 1 involviert sein wirst?"

Schumacher: "Ganz ehrlich: Das strebe ich im Augenblick nicht an, denn ich konzentriere mich voll und ganz auf meine derzeitige Tätigkeit, die mir viel Freude macht. In der Vergangenheit war es nie mein Wunsch, in der operativen Ebene oder im Management oder dergleichen tätig zu sein. Das ist eigentlich nicht der Bereich, den ich mag. Das könnte sich in der fernen Zukunft ändern. Ich kann aber nicht so weit in die Zukunft schauen, um zu sagen, ob und wann das passieren könnte."

Frage: "Sebastian, du meintest vorhin, in der Sommerpause etwas Zeit gehabt zu haben, um zu verstehen, was in den vergangenen drei Rennen passiert war. Wie lautet deine Schlussfolgerung?"

Vettel: "Nun, ich denke, da ist kein Geheimnis. Ich kann verstehen, dass ihr recht neugierig seid, zu erfahren, was die Gründe dafür waren. Da gab es aber nichts, kein Geheimnis, das zu enthüllen wäre. Was die Bedingungen anging, waren die drei jüngsten Rennen einfach anders. Vor allem der Grand Prix am Nürburgring war angesichts der sehr kühlen Temperaturen eine Überraschung."

"In der Vergangenheit waren wir dort immer sehr konkurrenzfähig, doch jetzt war es sehr kühl. Damit schienen wir mehr zu kämpfen zu haben als die anderen. Das ist eine grundlegende Hausaufgabe. Es ging nichts schief beim Auto und das Fahrzeug hatte auch keinen Fehler. Es ging einfach nur darum, alles schnell genug auf Temperatur zu bringen."

"Damit schienen wir gewisse Probleme zu haben, wie ich schon sagte. Ich denke, in Ungarn gelang uns ein Fortschritt. Jetzt sehen wir weiter. Wir hatten zwischendurch natürlich keine Zeit, um zu testen. Wir können also nur analysieren und über die Dinge nachdenken, die mehr Sinn machen. All dies müssen wir aber auf der Strecke bestätigen."

Frage: "Eine Frage an alle Fahrer außer Michael: Es geht über ihn. Könnt ihr euch an das erste Rennen erinnern, das ihr gesehen habt und in dem Michael dabei war? War das vor dem Fernseher oder als Zuschauer an der Strecke? Zweite Frage: Werdet ihr am Sonntag ein bisschen respektvoller mit ihm umgehen?"

Senna: "Nun, das erste Mal sah ich Michael in Spa 1991, als er in der Formel 1 debütierte. Ich kann mich recht deutlich daran erinnern, dass er einen richtig..."

Schumacher: "Wie alt warst du denn damals?"

Senna: "Äh, acht."

D'Ambrosio: "Wie alt bist du?

Senna: "27, also nicht mehr gar so jung. Ich sah damals jedenfalls eine großartige Leistung in der Qualifikation. Leider hatte er danach einen Defekt auf der Anfahrt zur Eau Rouge und er konnte kein gutes Ergebnis einfahren. Er zeigte aber offensichtlich ein großes Potenzial auf, das er in den folgenden Schritten seiner Karriere umsetzen konnte."

Frage: "Werdet ihr euch nun also respektvoll verhalten?"

Senna: "Wir fahren Rennen, oder nicht? Schauen wir einmal, ob wir ein direktes Duell oder eher ein Fernduell austragen. Wir kämpfen aber um jeden Zentimeter der Strecke. Es ist ein großes Privileg für mich, dass ich mit ihm fahren kann. Hoffentlich befindet er sich dann in einer guten Position, um Punkte zu holen."

Frage: "Es war nicht gerade das beste Wochenende. Ich war am Samstag von Imola 1994 im Fahrerlager. Das war mein erstes Formel-1-Wochenende - und Michael war natürlich am Start."

Senna: "Wirst du ihm Respekt zollen?"

D'Ambrosio: "Nun, ich werde sicherstellen, dass er kein Zehntel verliert, wenn es zu einer blauen Flagge kommt. Ich werde mich an diesem Wochenende schwer für ihn ins Zeug legen."

Buemi: "1991 liegt für mich schon unheimlich lange zurück. Ich war noch sehr jung, also kann ich mich daran gar nicht erinnern. Die ersten Rennen, die mir in Erinnerung geblieben sind, waren 1994 oder 1995, als er für Benetton fuhr."

Petrow: "Wie ihr wisst, fing ich erst spät damit an, die Formel 1 zu verfolgen. Zuhause schaute ich quasi nie Motorsport im Fernsehen an. Ich fuhr zwar selbst Rennen, hatte aber keine Ahnung von der Formel 1. Ich denke, ich war erstmals richtig dabei, als Michael mit Alonso kämpfte. Es war wohl zu dieser Zeit. Dann hörte ich, dass er aufhören würde. Ich war ein bisschen, naja... Ich fragte mich, weshalb? Ich wollte doch so gerne gegen ihn antreten."

Vettel: "Michael bat mich darum, respektvoll zu sein. Ich bin mir aber nicht sicher. Ich denke, erstmals kam ich 1991 oder 1992 mit Michael in Berührung - wahrscheinlich durch ein Spielzeugauto im Kindergarten."

"Ich kann mich an meinen ersten Besuch in Hockenheim erinnern, als ich mit meinem Vater das Freie Training verfolgte. Wir gingen bis zur ersten Schikane. Es regnete furchtbar und Michael fuhr damals in seinem gelben Benetton. Ein Formel-1-Auto und Michael vorbeifahren zu sehen... Er war wahrscheinlich nur auf einer Installationsrunde und es war nicht weiter spektakulär, doch es war etwas Besonderes. Leider ging niemand sonst hinaus, weil es so heftig regnete."

"Es fuhren nur eine handvoll Autos, doch das ist meine erste Erinnerung. Danach kamen natürlich einige Rennen... Als ich Kartsport betrieb, war Michael der Held aller Kids. Zum Saisonende hatten wir einmal ein Rennen in Kerpen und er übergab die Pokale. Es war sehr speziell, ihn zu sehen, ihn zu treffen, ihm die Hand zu geben und die Trophäe von ihm zu erhalten. Es gibt noch ein paar Bilder aus dieser Zeit."

"Es ist einfach verrückt, wenn man bedenkt, was seither geschehen ist, und dass wir jetzt in der Formel 1 gegeneinander antreten. Ich habe natürlich sehr viel Respekt vor ihm. Für mich ist das etwas Besonderes. Wie ich schon sagte: Er war der Held meiner Kindheit. Ich kann ihn jetzt nicht in den Himmel heben, aber er ist ein ganz guter Fahrer."

Frage: "Kürzlich sprachst du über das Limit und dass du gelegentlich darüber hinaus gingst, als du zu Beginn deiner Karriere mit Damon Hill kämpftest. Kannst du das Limit nach wie vor finden und darüber hinausgehen - wie damals? Oder gibt es nun andere Grenzen wie beispielsweise dein Körper, die Psyche?"

Schumacher: "Es gibt nun andere Grenzen, ja - durch das Regelwerk. Das Regelwerk lässt dir immer gewisse Grauzonen und an anderer Stelle glasklare Richtlinien. An diese und an Veränderungen daran musst du dich anpassen. Diese Limits suchst du und gelegentlich gehst du darüber hinaus. Dann wirst du möglicherweise dafür bestraft."

Frage: "Sebastian, Force India und McLaren stellten einige Reifenexperten von Bridgestone an. Fehlt Red Bull etwas in diesem Bereich?"

Vettel: "Nun, die Reifen sind sehr wichtig für uns, kein Zweifel. Wie ich aber herausgefunden habe, fahren wir in diesem Jahr mit Produkten von Pirelli. Ein paar Leute haben ein gutes Verständnis, was Reifen ganz allgemein betrifft. Wir haben einige Leute an Bord und ich bin sehr zufrieden mit den Personen, die wir in diesem Bereich haben. Wechsel wird es immer geben. Wenn nicht bei den Fahrern, dann halt auf Seiten der Ingenieure. Das ist normal."

Frage: "Eine Frage an alle: Im Frühjahr waren wir in Istanbul und alle Fahrer schwärmten von diesem Kurs, doch nächstes Jahr wird diese Strecke nicht im Kalender sein. Viele Piloten lieben Spa, aber auch hier gibt es Zweifel um die Zukunft der Bahn. Ist es nicht enttäuschend für euch, dass die Qualität einer Strecke keine große Rolle zu spielen scheint, sondern dass es vielmehr darauf ankommt, wie viel eine Strecke für das Rennen bezahlen kann?"

Vettel: "Ich denke, das wäre wirklich schade, wenn wir diese Strecke verlieren würden. Es ist ein sehr geschichtsträchtiger Ort. Michael ist das beste Beispiel: Die Formel 1 ist hier schon seit langer, langer Zeit zu Gast. Es wäre sehr schade, einen Kurs wie diesen zu verlieren. Spa hat in den vergangenen Jahren viel in die Verbesserung der Sicherheit investiert. Aus Fahrersicht verdient es vollkommen, noch viel länger im Kalender zu bleiben als mancher von uns in der Formel 1 fahren wird."

D'Ambrosio: "Ich kann mich dem, was Sebastian sagte, nicht anschließen. Ich bin vielleicht voreingenommen, aber es ist die beste Strecke der Welt. Mit fällt nur ein Kurs ein, mit dem ich Spa vergleichen kann - und das ist Suzuka. Das sind die zwei Rennstrecken, die über allen anderen stehen. Die Freude, die man hier bei einer Qualifikations-Runde oder im Rennen erfährt... Ich kann mich nicht an ein langweiliges Rennen in Spa erinnern, in dem es an Überholmanövern oder dergleichen gefehlt hätte."

"Da wären zum Beispiel der Kampf zwischen Mika und Michael am Ende der langen Gerade oder der Regen im vergangenen Jahr. Irgendetwas Nettes passiert hier einfach immer. Ich wünsche mir daher, dass die Strecke noch lange im Kalender bleibt. Solange ich in der Formel 1 bin, würde ich nur zu gerne jedes Jahr hier fahren. Es ist schließlich mein Heimkurs. So gesehen wäre das eine tolle Sache."

Buemi: "Ich denke, Sebastian und Jerome haben das gut formuliert. Es wäre schade, diese Strecke zu verlieren, denn sie zählt zu den besten. Unterm Strich fahren wir aber, wo auch immer wir fahren müssen, und konzentrieren uns auf den Job. Es ist allerdings ganz klar ein Vergnügen, hier zu sein. Hier passiert immer etwas. Spa ist definitiv einer der besten Kurse der Welt. Es wäre wirklich schade..."

Schumacher: "Tatsache ist doch: Wenn du durch das Fahrerlager gehst, wollen alle hierher zurückkehren. Es hat so viel Tradition, eine so tolle Atmosphäre und wir alle lieben diese Strecke. Wir würden wirklich furchtbar gerne wieder hier antreten. Leider liegt es aber nicht an uns, eine solche Entscheidung zu treffen. Wenn unser Wort etwas zählt, dann habt ihr es."

Frage: "Sebastian, eine ganz andere Frage: Im vergangenen Jahr fragte ich dich nach deinem Geburtstagsgeschenk für deinen Teamkollegen Mark Webber. Du wolltest ihm Schampon aus dem Hotel schenken. Mit was für einem Geschenk wirst du ihn am Samstag überraschen?"

Vettel: "Ich weiß es nicht. Vielleicht mit Bodylotion."

Frage: "Michael, in deiner Karriere gab es viele Freuden und Höhepunkte. Bedauerst du rückblickend auch etwas, was die Jubelmomente anbelangt? Gab es dabei einen besonderen Höhepunkt oder einen besonderen Tiefpunkt?"

Schumacher: "Sicherlich sieht man sich die Karriere jeder Person an, fasst zusammen, was geschah und zieht gewissermaßen Bilanz. In meinem Fall sind es 20 Jahre. Wenn ich bedenke, was ich alles tat... Sicher würde ich gewisse Dinge anders machen, wenn ich nun zurückdenke."

"Im Leben musst du aber manche Fehler machen, um zu verstehen, dass es ein Fehler war. Du musst dir selbst gewisse Richtlinien setzen. Alles in allem denke ich, dass die Weste, die ich im Inneren trage, ziemlich weiß ist. Damit bin ich recht zufrieden. Ich bedauere nicht vieles und insgesamt fühle ich mich aufgeregt und stolz über all das, was bisher geschah."

Fotoquelle: xpb.cc

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