Mark Webber scheint während der Sommerpause Kraft getankt zu haben

Formel 1 2011

— 26.08.2011

Regen im Freitagstraining: Webber vor Alonso

Weltmeister Sebastian Vettel Zehnter, Jubilar Michael Schumacher auf Platz elf - Mark Webber und Fernando Alonso geben in Spa-Francorchamps den Ton an

Genau wie heute Morgen (und getreu dem Wetterbericht) präsentierte sich das Ardennenwetter in Spa-Francorchamps auch während des zweiten Freien Trainings zum Grand Prix von Belgien von seiner unberechenbaren Seite. Freitagsschnellster war am Ende Mark Webber (Red Bull), doch dessen Bestzeit sollte aufgrund der Bedingungen nicht überbewertet werden.

Denn die Session begann auf nasser Strecke, aber ohne Regen, sodass die Führung praktisch im Minutentakt wechselte, weil das Asphaltband immer mehr Grip bot. Durch die legendäre Senke Eau Rouge näherten sich die Formel-1-Stars langsam der 300-km/h-Marke an, geknackt wurde diese aber nicht, weil es knapp eine halbe Stunde vor Schluss wieder zu regnen begann. Von da an ließen die Bedingungen keine Zeitenverbesserungen mehr zu.

Vettel nur auf Platz zehn

Zu jenem Zeitpunkt lag Webber in Führung, 0,140 Sekunden vor Fernando Alonso (Ferrari), der es ein paar Minuten zuvor als Erster gewagt hatte, die Intermediates gegen Slicks auszutauschen und dadurch zwischenzeitlich um fast fünf Sekunden schneller war als der Rest der Welt. Weltmeister Sebastian Vettel (Red Bull) wurde hingegen nur Zehnter und hatte auf seinen Teamkollegen fast eineinhalb Sekunden Rückstand.

Wegen des Wetters hat Vettel heute nur "wenig Erkenntnisse" gewonnen: "Es ist schwer, ein paar Runden am Stück zu kriegen. Wir hatten heute Nachmittag ein paar Runden im Trockenen, leider in meinem Fall nur auf den harten Reifen. Wir wollten einen Frontflügel probieren und hatten auch nur eine Runde. Ich glaube, es war für alle ziemlich wenig Zeit. Wenn sich die Strecke ständig ändert, ist es sowieso schwer, in den Rhythmus zu kommen und daraus wirklich etwas zu lesen."

Dafür habe Eau Rouge "mehr Spaß als im ganz Trockenen" gemacht, "denn wenn es ein bisschen feucht ist, wird sie wieder zu einer richtigen Kurve. Die Strecke ist einfach etwas ganz Besonderes, geht auf und ab. Es wird einiges vom Fahrer verlangt. Jetzt freue ich mich auf den Rest des Wochenendes und hoffe, dass wir ein bisschen mehr zum Fahren kommen. Heute konnten wir mit den Reifen, die wir hatten, bei den nassen Bedingungen leider nicht viel fahren."

Chance für Webber?

Aber: "Webber hat das Wochenende besser begonnen, das kann man jetzt schon so behaupten", analysiert 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer. "Denn am Vormittag im Nassen wie auch jetzt war er schneller." Auch bei McLaren hatte die vermeintliche Nummer zwei die Nase vorne: Jenson Button (3./+0,449) war um ein paar Hundertstelsekunden schneller als Lewis Hamilton, allerdings drehten beide nur je neun Runden auf der 7,004 Kilometer langen Strecke.

Noch "fauler" war nur Paul di Resta (Force India), doch das lag vor allem an den notwendigen Reparaturarbeiten nach seinem Crash am Vormittag. "Pauls Auto war nicht allzu stark beschädigt, daher sollte er rechtzeitig für das zweite Training wieder bereit sein", kündigte das Team via Twitter an, hielt aber nicht Wort: Es dauerte rund 40 Minuten, bis di Resta auf die Strecke gehen konnte. Umso bemerkenswerter, dass er mit eineinhalb Sekunden Rückstand Neunter wurde.

Hülkenberg statt Sutil im Auto

Übrigens knapp hinter seinem Teamkollegen Nico Hülkenberg, der gerade mal um 26 Tausendstelsekunden schneller war. Die Session sei "nicht so schlecht" gewesen, findet der deutsche Testfahrer: "Unser Auto fühlt sich recht gut an hier. Keine großen Mängel, aber die übliche Detailarbeit, um die letzten Zehntel zu finden. Ich habe ganz am Anfang einen Aerodynamiktest gefahren und jetzt die zwei verschiedenen Reifencompounds getestet."

Vor den beiden Force-India-Piloten reihte sich Sergio Perez (Sauber/+1,334) ein, der mit 298 km/h den Bestwert durch Eau Rouge erzielte - übrigens ex aequo mit Vettel und Michael Schumacher (11./Mercedes/+1,601), dem Schnellsten von heute Morgen. "Wir waren so ziemlich die Ersten, die mit den Option-Reifen gefahren sind", erklärt Mercedes-Sportchef Norbert Haug. "Da war die Strecke sicher noch nicht ganz optimal. Es war einer der besseren Freitage, würde ich sagen."

In den hinteren Regionen gab es keine nennenswerten Überraschungen, sieht man einmal vom letzten Platz von Witali Petrow ab, der wegen eines Lenkungsdefekts an seinem Renault nur zwölf Runden absolvieren konnte. Sein neuer Teamkollege Bruno Senna musste indes die ersten paar Minuten zuschauen, als sein Auto noch repariert wurde, lag dann aber zwischenzeitlich sogar für ein paar Sekunden in Führung.

Ordentlicher Einstand von Senna

Das brachte ihm Lob ein: "Wow, das war stark! Damit hat er ein Highlight gesetzt", findet Experte Surer und ergänzt: "Er hat mir gefallen, war gut unterwegs." Sogar Nick Heidfeld, der wegen der Beförderung von Senna an diesem Wochenende zuschauen muss, empfindet wegen Sennas Patzer im Vormittagstraining keine Schadenfreude: "Es ist ein schwieriger Kurs. So etwas kann hier passieren, wenn man nicht aufpasst."

Die Wettervorhersage ist übrigens auch für morgen durchwachsen: "Das Gleiche wie heute. Ich glaube, es ist alles drin - vom Sonnenschein bis zum Donnerwetter. Typisch Spa", vermutet Vettel, und Haug meint: "Am Sonntag wird's vielleicht besser, aber darauf kann man sich auch nicht verlassen." Wer heute im Regen geübt hat, könnte jedoch in einem möglicherweise nassen Qualifying im Vorteil sein...

Fotoquelle: xpb.cc

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