Die Top 3: Mark Webber, Polesetter Sebastian Vettel und Lewis Hamilton

Formel 1 2011

— 27.08.2011

Vettel in turbulentem Qualifying auf Pole-Position

Während Michael Schumachers Jubiläum daneben ging, sicherte sich Sebastian Vettel vor Hamilton und Webber den ersten Startplatz in Spa-Francorchamps

Geburtstagskind Mark Webber (heute 35 Jahre alt) hatte das bisherige Wochenende in Spa-Francorchamps dominiert, aber letztendlich war im Qualifying dann doch wieder der "richtige" Red-Bull-Pilot voran: Sebastian Vettel knallte im letzten Moment eine Zeit von 1:48.298 Minuten hin und sicherte sich damit für das zwölfte Saisonrennen seine neunte Pole-Position.

"Typisch Vettel. Er kann auf Befehl eine schnelle Runde hinlegen. Das hat er wieder einmal geschafft", ist 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer verblüfft über die Nervenstärke des Weltmeisters, der mit Spa-Francorchamps noch eine Rechnung offen hat - schließlich ist Vettel im Vorjahr nach einer fast peinlich aussehenden Kollision mit Jenson Button ausgeschieden. Das möchte er morgen am liebsten mit einem Sieg gutmachen.

Schleppender Start für Vettel

Dabei begann der Nachmittag für ihn, der auf zunächst noch nasser Strecke in Q1 und Q2 jeweils Vierter geworden war, alles andere als nach Wunsch: "Am Anfang fühlte ich mich nicht wohl", gibt Vettel zu, "aber ab Q2 lief es besser. Ich habe neue Linien gefunden, das war ein wichtiger Schritt." Entscheidend im Finish dann, dass er bei abtrocknender Strecke auf Slicks als Letzter über die Ziellinie fuhr: "In der letzten Runde habe ich alles gegeben!"

Vettels schärfster Gegner war (nachdem sich Webber hinter einem Sauber nicht mehr steigern konnte) Lewis Hamilton (McLaren), der letztendlich jedoch um fast eine halbe Sekunde das Nachsehen hatte und nur für wenige Sekunden provisorischer Polesetter war. Doch den höchsten Puls dürfte der Brite eher schon am Ende von Q2 gehabt haben, als es zu einem denkwürdigen Zwischenfall mit Pastor Maldonado (Williams) kam.

Denn Hamilton, außerhalb der Top 10 akut ausfallgefährdet, lief auf seiner letzten schnellen Runde auf eine Dreiergruppe mit Maldonado auf. In der neuen Bus-Stop-Schikane quetschte er sich vor den Venezolaner - und erzielte trotzdem noch die rettende zweitbeste Zeit hinter Fernando Alonso (Ferrari). Allerdings zog Maldonado ausgangs La Source, als alle schon längst abgewunken waren, wieder an Hamilton vorbei - und dann kam es zur Kollision!

Hamilton weist Schuld von sich

"Ich sah Maldonado von hinten sehr schnell kommen. Ich habe mich nicht bewegt, aber er ist mir reingefahren", schildert der McLaren-Pilot seine Sicht der Dinge. "Ich weiß nicht, ob es absichtlich war oder nicht. Wenn die rote Ampel einmal leuchtet, sollte es keinen Zwischenfall mehr geben. Leider war das aber der Fall." Nun liegt es an den FIA-Rennkommissaren um Nigel Mansell, etwaige Strafen gegen einen oder beide Beteiligte auszusprechen...

Martin Whitmarsh rechnet nicht mit ernsthaften Konsequenzen für seinen Schützling: "Ein außergewöhnlicher Zwischenfall, den die Kommissare sicher untersuchen werden. Ich glaube, dass Maldonado dafür bestraft wird, aber es ist nicht meine Entscheidung", hofft der McLaren-Teamchef, den zweiten Startplatz behalten zu dürfen. Aber Experte Surer ist sich da nicht ganz so sicher, denn: "Lewis war auf der Auslaufrunde und hätte Platz machen müssen."

Button verschenkt möglichen Aufstieg

Überhaupt war heute kein McLaren-Tag in den belgischen Ardennen, denn am Ende von Q2 schaute Jenson Button schon von der Box aus zu, als sich seine Konkurrenten bei abtrocknender Piste immer weiter steigerten und ihn noch auf Platz 13 verdrängten. Grund für das frühe Ausscheiden war offensichtlich ein Missverständnis, denn rein vom Speed her machte der Regenspezialist über weite Strecken sogar den stärksten Eindruck von allen 24 Teilnehmern.

"Es war ein Missverständnis", bestätigt er und schildert: "Ich habe meine erste Runde gedreht und dann die Reifen abgekühlt, ohne zu wissen, dass ich keine Runden mehr übrig hatte. Ich war Zweitschnellster, als ich meine Zeit gefahren bin, aber dann hatte ich keine weitere Chance mehr." Denn als Button zur finalen Attacke blasen wollte, waren die 15 Minuten schon abgelaufen und er wurde von der McLaren-Box hereinbeordert...

Alonso nur mit Glück im Finale

Beinahe hätte es auch Alonso schon in Q2 erwischt, aber der Ferrari-Pilot hatte in den verbleibenden 6:53 Minuten nach der einzigen roten Flagge Glück, dass der Regen nachließ, die Strecke schneller wurde und er sich noch vom elften Platz verbessern konnte. Viel mehr wurde aber nicht mehr daraus, denn Alonso sicherte sich in Q3 nur Rang acht. Langsamer waren noch Sergio Perez (Sauber) und Witali Petrow (Renault).

Der größte Pechvogel war aber mit Sicherheit Michael Schumacher: Mit großen Erwartungen ins 20-jährige Formel-1-Jubiläum gestartet, war für den Mercedes-Piloten schon während der ersten Runde Endstation. "Jungs, ich weiß nicht, was da passiert ist, aber auf jeden Fall war es etwas Unerwartetes", funkte er seinem neuen Renningenieur Peter Bonnington, nachdem er sich zwischen Les Combes und Rivage in die Leitplanken verabschiedet hatte.

"Es fühlte sich so an, als würde ein Schalter umgelegt - und dann brach mir das Heck aus", analysiert Schumacher. "Ich hatte keine Vorwarnung. Irgendwann sah ich dann, wie das Rad an mir vorbeikullerte. Ich wunderte mich, warum die Seite, mit der ich eingeschlagen war, noch da war, und die andere fehlte." Aufklärung lieferten die TV-Bilder: Das rechte Hinterrad des sechsfachen Spa-Francorchamps-Siegers war einfach kollabiert.

Sutil: Schrecksekunde in Eau Rouge

Mit Adrian Sutil (Force India) verabschiedete sich in Q2 ein weiterer Deutscher wegen eines Unfalls aus der Entscheidung: Der letzten Endes 15. der Startaufstellung kam ausgangs Eau Rouge etwas zu stark auf den Randstein und flog - zum Glück nur leicht - ab. Erst wollte er sich sogar zurück an die Box schleppen, doch das war ein hoffnungsloses Unterfangen. Am Ende kann er froh sein, dass bei rund 280 km/h nicht mehr passiert ist.

"Es war nur ein leichter Einschlag, aber leider genug, um das Auto zu beschädigen", ärgert sich Sutil, zu jenem Zeitpunkt starker Fünfter des Klassements. Die Enttäuschung sei "schon groß, aber zum Glück ist es nur das Qualifying. Wir haben ein schnelles Auto auf den Geraden und hier kann man gut überholen. Ist natürlich schade, aber ich kann es eh nicht mehr ändern. Die Bedingungen waren schwierig. Hinterher ist man immer schlauer."

Toro Rosso: Training lohnt sich

Zweitbester Deutscher hinter Vettel war heute Nico Rosberg (Mercedes) auf Platz fünf, unmittelbar hinter Felipe Massa (Ferrari), aber vor Sensationsmann Jaime Alguersuari. Für den Toro-Rosso-Youngster hat sich wohl bezahlt gemacht, dass er am Vormittag bei nassen Bedingungen extrem viel trainieren durfte. Auch sein Teamkollege Sebastien Buemi war stark unterwegs, verpasste aber als Elfter den Top-10-Cut knapp.

Bärenstark dafür Bruno Senna, der im Heidfeld-Renault - übrigens genau wie Schumacher vor 20 Jahren - auf den siebten Startplatz fuhr und um mehr als eine Sekunde schneller war als Petrow. "Er macht einen Superjob! Das hätte ich ihm nie zugetraut, muss ich ehrlich zugeben", lobt Experte Surer und spricht in Zusammenhang mit dem relativ unvorbereiteten Einstand des jungen Brasilianers sogar euphorisch von einer "Sensation".

Kamui Kobayashi (Sauber) sowie die beiden Williams-Piloten mussten erwartungsgemäß in Q2 die Segel streichen, ebenso wie Heikki Kovalainen (Lotus), der bei Regen die sich ihm bietenden Chancen perfekt nutzte und guter 17. wurde. Paul di Resta hingegen rundete den schwarzen Tag für Force India ab, indem er schon in Q1 als 18. scheiterte - für das Team, das an diesem Wochenende eigentlich gut in Form ist, eine unnötig vergebene Großchance.

Vier Fahrer ohne 107-Prozent-Zeit

Timo Glock (Marussia-Virgin) wurde trotz Handlingproblemen 20., mehr als zwei Sekunden vor seinem Teamkollegen, dem Belgier Jerome D'Ambrosio. "Leider Gottes haben wir heute Morgen eine Änderung gemacht, die sich sehr negativ ausgewirkt hat. Ich hatte starkes Untersteuern", seufzt der Deutsche, fügt aber an: "Ich war der einzige von den vier Nachzüglern, der sich qualifiziert hat, und damit kann ich ganz zufrieden sein."

Denn D'Ambrosio und die beiden HRT-Piloten scheiterten an der 107-Prozent-Hürde, die die Rennkommissare allerdings aufgrund der regnerischen Bedingungen diesmal nicht ganz so streng auslegen dürften. Auch eine Teilnahme von Schumacher am morgigen Grand Prix ist reine Formsache, obwohl keine Zeit für ihn zu Buche steht. Favorit ist aber mit Vettel wieder einmal ein anderer Deutscher - auch in "Schumis Wohnzimmer"...

Fotoquelle: xpb.cc

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