Nach einem Rennen bei Jordan wechselte Michael Schumacher zu Benetton

Formel 1 2011

— 28.08.2011

Jordan: War Frentzen besser?

Michael Schumachers erster Teamchef Eddie Jordan erinnert sich an Spa 1991 und erklärt, was am jungen Deutschen damals so besonders war

Vor 20 Jahren hat Michael Schumacher in Spa-Francorchamps sein Formel-1-Debüt gegeben. Der junge Deutsche kam, sah und siegte: Startplatz sieben im Mittelfeldauto Jordan, im Rennen Ausfall wegen eines Kupplungsschadens - und schon ein Rennen später saß er dank der Hilfe von Bernie Ecclestone in Flavio Briatores Benetton.

Dabei hätte die Aufgabe, ein erfolgreicher Deutscher in der Formel 1 zu sein, genauso gut ein anderer Mercedes-Junior erfüllen können: "Frentzen war im Sportwagen genauso schnell, wenn nicht sogar schneller. Aber Michael hatte das Geld", erinnert sich Eddie Jordan im Interview mit 'Motorsport-Total.com'. Genauer gesagt 80.000 US-Dollar für den ersten Test in Silverstone und 450.000 für die Grand-Prix-Premiere in Spa-Francorchamps.

Wäre ein Sieg möglich gewesen?

20 Jahre später ist Jordan davon überzeugt, dass "kein anderes Team" Schumacher genommen hätte: "Deutsche Fahrer waren wegen der Begeisterung für Sportwagen eher kein Thema. Bin ich stolz darauf? Ja, aus Teamsicht schon. Aber es war ehrlich gesagt auch Geld involviert, das ich gebraucht habe." Und hätte er Schumacher halten können, wäre die Jordan-Story vielleicht anders verlaufen: "Vielleicht hätten wir Mercedes-Motoren haben können..."

Dass der junge Deutsche etwas Besonderes ist, wurde ihm spätestens klar, als Schumacher in Silverstone erstmals im Cockpit saß und als Ersatz für den inhaftierten Bertrand Gachot in Betracht gezogen wurde. "Beim Test in Silverstone war er umwerfend, sensationell", erinnert sich Jordan. "Ein paar Jahre davor hatte ich Senna. Michael war das nächste Mal, dass mir klar wurde, dass da etwas enorm Talentiertes in meinem Auto sitzt."

Spa-Francorchamps 1991 hätte Schumacher ohne Kupplungsdefekt "vielleicht sogar gewinnen" können: "Zwei oder drei Runden vor Schluss war de Cesaris Zweiter und hat auf Senna aufgeholt. Senna hatte ein Motorenproblem. Wir haben von Cosworth einen neuen Motor mit anderen Ölabstreifringen gegeben, was man uns nicht gesagt hat, und deswegen ging uns das Öl aus. Jetzt kann man leicht spekulieren, wo Michael gelandet wäre, wenn er die Kupplung nicht zerfetzt hätte."

Allerdings wehrt sich der Ire gegen den Vorwurf, man habe schon nach dem Warmup einen Defekt erahnt, diesen Hinweis des Rookies aber nicht ernst genug genommen: "Andy Stevenson ist heute Teammanager von Force India und man kann ihn jederzeit fragen", so Jordan. "Wenn man ihn fragt, ob er nach dem Warmup, wo Michael etwas erwähnt hat, die Kupplung gewechselt hat, dann wird er natürlich mit einem Ja antworten."

Sanfte Kritik an Schumacher

Schumacher sei heute, mit 42, "in jeder Hinsicht sensationell, aber mit der Zeit ist er sanfter geworden und er hat eine menschliche Seite entwickelt", spricht Jordan seinem früheren Fahrer ein Kompliment aus. Allerdings merkt man, dass er sich bemühen muss, nicht kritisch zu sein, wenn er Dinge sagt wie: "Kann jemand je wieder sieben Titel gewinnen? Meiner Meinung nach kommt es darauf gar nicht an. Er wird immer eine Legende sein."

"Ich erkläre meinen Kindern immer, dass es wichtig ist, wie man in etwas einsteigt - genau so, wie man etwas verlässt. Du weißt den richtigen Zeitpunkt", findet Jordan. "Wenn du die Chance hast, in die Formel 1 zu gehen, nimmst du sie wahr, aber du musst aufpassen, wie du deinen Glauben, deine Fähigkeit, die Ideale deiner Familie und das Vermächtnis, das du hinterlässt, maximierst. Wenn jemand in dieser Hinsicht so mächtig und stark wie Michael ist, hoffe ich, dass er weiß, wann er aufhören soll."

"Die Gesetze der Wissenschaft diktieren gewisse Dinge. Jemand mit 42 kann nicht genauso schnell sein und die gleichen Voraussetzungen haben wie ein 20-Jähriger", outet er sich als Comeback-Kritiker. Doch das sei nicht Schumachers Schuld, sondern: "Meiner Meinung nach hätte jemand Michael sagen müssen, dass er nicht zurückkommen soll. Aber er will wieder racen, gewinnen, es noch einmal wissen."

"Er ist eine fantastische Person und ich schaue ihm gerne zu", lobt er den siebenfachen Weltmeister, der seiner Meinung nach eine große Schwäche hat: "Er ist nicht daran gewöhnt, sich im Mittelfeld zu qualifizieren, und als Konsequenz fehlen ihm Fähigkeiten, die er früher nicht haben musste, weil er immer vorne war." Auch vor dem Teamkollegen, was heute nicht mehr der Fall ist: "Ich weiß nicht, wie schnell Rosberg ist", findet Jordan.

Fotoquelle: Ford

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