Mark Webber und Sebastian Vettel standen gemeinsam auf dem Podium

Formel 1 2011

— 28.08.2011

Red Bull dominant: Vettel siegt vor Webber

Sebastian Vettel holt in einem trockenen, aber turbulenten Grand Prix seinen ersten Sieg in Spa-Francorchamps - Michael Schumacher zeigt tolle Aufholjagd

Vor dem Start hat es hitzige Diskussionen über den Austausch von 17 Pirelli-Reifen mit Blasenbildung gegeben, angeblich auf Wunsch des Red-Bull-Teams. Doch auf der Strecke gaben Sebastian Vettel und Mark Webber die beste Antwort, indem sie sich bei trockenen Bedingungen in Spa-Francorchamps einen Doppelsieg beim Grand Prix von Belgien sicherten.

"Das war eines unser dominantesten Rennen überhaupt", jubelt Teamchef Christian Horner, während 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer lobend feststellt, dass sie jetzt auf einer Strecke gewonnen haben, "die nicht für sie gemacht ist". Und das noch dazu mit einem (wegen der Mischbedingungen im Qualifying) extremen Radsturz, durch den die Reifen so früh Blasen zogen, dass beide "Bullen" schon nach wenigen Runden an die Box kommen mussten.

Vettels erster Sieg in Belgien

"Das wird Red Bull schon Zeit gekostet haben, aber nicht so immens, dass sie das Rennen verloren hätten", analysiert Force-India-Testfahrer Nico Hülkenberg. Unterm Strich war die Performance dominant und Vettel feierte nach 44 Runden seinen ersten Sieg in Spa-Francorchamps, 3,7 Sekunden vor Webber. Jubilar Michael Schumacher (Mercedes) zeigte heute eine starke Leistung und belegte nach grandioser Aufholjagd Platz fünf.

"Ich bin glücklich über den fünften Platz", so der 42-Jährige. "Ich habe sehr viel Spaß gehabt, weil ich sehr viele Möglichkeiten hatte, mich in Szene zu setzen, zu überholen und das Feld zu jagen. Nach der negativen Situation gestern, als wir Letzter waren, war das heute positiv." Dass sich Rosberg nur wegen des Benzindefizits nicht wehren konnte, bestreitet er: "Ich bin mir sicher, dass er in dem Moment voll am Gas war, insofern denke ich nicht, dass das eine Rolle gespielt hat."

Schumacher landete sogar vor seinem Teamkollegen Nico Rosberg, der im Finish Benzin sparen musste und dem siebenfachen Weltmeister keine ernsthafte Gegenwehr leisten konnte. Für Rosberg ist Platz sechs unterm Strich eine kleine Enttäuschung, hatte er das Rennen doch zu Beginn angeführt. Ausschlaggebend dafür war sein Raketenstart von fünf auf zwei - und das, obwohl seine Bremsen am Vorstart ordentlich rauchten.

Sensationelle erste Runde für Mercedes

Auch Schumacher schnappte sich am Start gleich mal neun Konkurrenten, wohingegen Webber auf Rang 15 abrutschte. Rosberg fuhr indes innen durch La Source, saugte sich durch Eau Rouge an Vettel an und ging dank des hervorragenden Topspeeds sogar in Führung! "Das hat er ganz ausgefuchst gemacht", lobt Sportchef Norbert Haug. Zumal der Deutsche den ersten Platz sogar ein paar Runden lang verteidigen konnte.

Nach der ersten Runde führte Rosberg vor Vettel, Felipe Massa (Ferrari), Lewis Hamilton (McLaren), Fernando Alonso (Ferrari) und Sensationsmann Sebastien Buemi (Toro Rosso). Letzterer profitierte von einer Fehleinschätzung Bruno Sennas, der seinen Renault in der ersten Kurve viel zu spät abbremste und direkt in den Toro Rosso von Jaime Alguersuari rauschte ("Habe mich verschätzt"). Weiter hinten räumte auch Timo Glock (Marussia-Virgin) ein bisschen ab.

In der dritten Runde übernahm Vettel dann endlich die Führung, die er zwei Runden später beim Boxenstopp wieder an Rosberg abgeben musste. Der Mercedes-Pilot findet es "schön", endlich mal wieder ein Rennen angeführt "und den Stau mit den Red Bulls" hinter sich gehabt zu haben. Dass er in den letzten Runden noch von Schumacher geschnupft wurde, kann er verkraften: "Michael hatte die weichen Reifen, ich die harten - da konnte ich ihn nicht mehr hinter mir halten."

Hamilton sieht die Schuld nicht bei sich

Nach der turbulenten Anfangsphase kristallisierte sich heraus, dass die beiden Red Bulls, der nach einer problematischen ersten Runde stark aufholende Button und Alonso den Sieg unter sich ausmachen würden. Hamilton war zu jenem Zeitpunkt schon aus dem Rennen, hatte sich nach einer Kollision mit Kamui Kobayashi (Sauber) in Les Combes verabschiedet. Der Einschlag war so hart, dass der Brite zunächst sogar ein bisschen benommen wirkte.

"Ich habe einen Fahrer gesehen, der nicht von seiner Linie abgefahren ist", nimmt Teamchef Martin Whitmarsh seinen Fahrer in Schutz, doch Experte Surer widerspricht dieser Einschätzung und kritisiert Hamilton: "Sorry, aber der ist ihm nicht hinten draufgefahren, sondern Lewis hat rübergezogen. Es war leider Lewis' Fehler. Er hat das im Rückspiegel falsch eingeschätzt, hat geglaubt, dass er vorne ist - war er aber nicht."

Button holt erneut ein Podium

Und wie sieht es Hamilton selbst? "Aus meiner Sicht heraus war ich vor meinem Konkurrenten", erklärt er. "Ich wurde getroffen und damit war mein Rennen zu Ende. So ist das im Motorsport. In diesem Jahr war ich schon oft nicht im Ziel. In diesem Grand Prix war das wieder einmal der Fall." In der Weltmeisterschaft hat er damit bereits mehr als 100 Punkte Rückstand, "aber das war schon vorher gelaufen", meint Hamilton achselzuckend.

"Ein Podestplatz wäre drin gewesen", ist er allerdings überzeugt. Den holte aber nicht Hamilton, sondern Button, der nach dem Chaos in der ersten Runde nur noch an 19. Stelle gelegen war. "Wenn ich nach dem Start auch noch 13. gewesen wäre, wäre es viel einfacher gewesen, die Jungs herauszufordern", grinst der McLaren-Pilot, dem am Ende nicht einmal zehn Sekunden von Sieger Vettel trennten.

Button war nach seinem späten Reifenwechsel der schnellste Mann im Feld und schnappte sich daher noch den bis dahin drittplatzierten Alonso. Der hatte zuvor schon einen Platz an Webber verloren, der seinerseits zwei Stints auf den härteren Pirelli-Primes fuhr und von dieser ungewöhnlichen Strategie profitierte. Als Webber in Eau Rouge an Alonso vorbeiging, blieben im Paddock einige Herzen stehen. Alonso sieht es gelassen: "Das war schon okay. Aggressiv, aber es hat Spaß gemacht."

Vettel: Rennen mit Hirn

Auch Vettels Reifen hielten am Ende gut. "Wir waren vor dem Rennen sehr besorgt und sind früh an die Box gekommen", erinnert sich der Sieger und überlegene WM-Leader. "Erstaunlicherweise war die Pace sehr gut und ich konnte nach dem ersten Stopp wieder die Führung übernehmen. Als ich Fernando überholt hatte, konnte ich mir einen Vorsprung aufbauen, aber ich musste das Rennen mehr managen als sonst."

Genau wie Rosberg, der Benzin sparen musste, was Experte Surer "komisch" findet, "weil es ja eine Safety-Car-Phase gegeben hat, während der man Sprit sparen kann". Mercedes lieferte mit den Positionen fünf und sechs aber ein starkes Teamergebnis ab, auch wenn es bei weitem nicht reichte, um mit den drei Topteams mitzuhalten. Nur den anfangs starken, dann aber glück- und zahnlosen Massa (Achter) konnten sie hinter sich lassen.

Siebter wurde nach einer ebenso unauffälligen wie effizienten Performance Adrian Sutil (Force India), der sich damit für seinen Fahrfehler im Qualifying rehabilitieren konnte. Auf Rang neun landete Witali Petrow (Renault), Zehnter wurde Pastor Maldonado (Williams). Sutils Teamkollege Paul di Resta schrammte um 6,3 Sekunden an einem WM-Punkt vorbei, landete aber noch vor Kobayashi und Senna, der heute enttäuschte.

Senna gesteht Fahrfehler ein

"Ich bin die erste Kurve noch nie zuvor mit viel Benzin gefahren, daher habe ich mich verschätzt", sagt er über den Crash in der ersten Kurve, für den er mit einer Durchfahrstrafe belegt wurde. "Sorry an Alguersuari, aber zumindest war meine Radaufhängung nicht kaputt, sodass ich weiterfahren konnte. Unsere Pace war ganz okay, finde ich, und ich konnte mit beiden Reifensätzen gute Erfahrungen sammeln. Jetzt freue ich mich auf Monza!"

Pech hatte HRT-Rookie Daniel Ricciardo, der an 15. Stelle lag, als er seinen Dallara-Cosworth abstellen musste. Der fünfte Ausfall neben den beiden Toro Rossos und Hamilton war Sergio Perez, der kurz nach Halbzeit direkt die Sauber-Box ansteuerte und mit technischem Defekt aufgab. Aber von 24 Startern sahen auf der motorenmordenden Ardennenstrecke immerhin stattliche 19 Autos die schwarz-weiß karierte Zielflagge.

In der Weltmeisterschaft führt Vettel (259) nun mit 92 Punkten Vorsprung auf Webber (167) - die "Privatparty" von Vater Norbert in der Red-Bull-Box erinnerte daher schon ein bisschen an ein WM-Tänzchen. Vettel kann die WM-Führung damit frühestens Mitte Oktober verlieren. Auch bei den Konstrukteuren hat Red Bull schon eine Hand am Pokal. Weiter geht's in zwei Wochen mit dem Grand Prix von Italien in Monza.

Fotoquelle: xpb.cc

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