Der Formel-1-Verkauf zwischen 2005 und 2006 hat immer noch Nachwehen

Formel 1 2011

— 05.09.2011

Ecclestone: Wer mich umbringen will, sollte abdrücken

Der Streit um Schmiergelder, zu niedrige Bewertungen und undurchsichtige Deals mit Banken geht weiter: Bernie Ecclestone ist nach wie vor gelassen

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hat gesagt, dass die Klage, die vor kurzem wegen dem Verkauf des Sports an die private Eigenkapitalfirma CVC gegen ihn erlassen wurde, eine leere Drohung ist, um Druck auf ihn auszuüben.

Constantin Medien, ein früherer Teil-Eigentümer der Formel 1, hatte die Klage im vergangenen Monat eingereicht, nachdem Ecclestone formal beschuldigt wurde, 44 Millionen US-Dollar Schmiergelder gezahlt zu haben, um den Wert des Sports zu drücken, als der 2006 an CVC verkauft wurde. Diese zwei Ereignisse sind eng miteinander verbunden.

Die Vorgeschichte

2000 und 2001 kaufte Constantin, damals unter dem Namen EM.TV bekannt, eine 75-prozentige Beteiligung an der Formel-1-Muttergesellschaft SLEC, bevor es durch die Rezession der folgenden Jahre beinahe zu einem Kollaps kam. Durch Kirch, ein weiteres Medienunternehmen, das 58,3 Prozent der Formel-1-Anteile von EM.TV kaufte, wurde man gerettet. Dazu war ein 1,6 Milliarden US-Dollar (1,13 Milliarden Euro) hoher Kredit von drei Banken notwendig: BayernLB, JP Morgan und Lehman Brothers.

Kirch selbst ging 2002 in Konkurs und die Banken übernahmen seine Formel-1-Anteile, durch die das Darlehen gesichert war. EM.TV vereinbarte dann mit den Banken den Verkauf der Anteile von 16,7 Prozent, die hinterlassen wurden. Die Anteile hatten einen Papierwert von 204 Millionen Euro. Laut Firmenunterlagen wurden sie für 8,5 Millionen Euro verkauft. Die Bedingung dafür war, dass das Medienunternehmen beim bankseitigen Verkauf der gesamten 75 Prozent einen "anteiligen Zins für den Mehrbetrag, der den geliehen Betrag übersteigt" erhält. Die Reduzierung des Wertes seiner Formel-1-Anteile brachte EM.TV 2002 einen Nettoverlust von 310 Millionen Euro ein und das Wagnis zahlte sich nicht aus.

Drohende Piratenserie drückte den Preis

Zu der Zeit, als CVC die Formel 1 gekauft hat, haben durch den finanziellen Konflikt begründet, fünf oder sechs Automobilhersteller mit der Einführung einer Piratenserie gedroht. Der Wert des Sports stürzte ab und versetzte CVC in die Pole-Position als höchsten Bieter.

Der in Hong-Kong ansässige Konzern Hutchison Whampoa bot Berichten zufolge eine Milliarde US-Dollar (704 Millionen Euro). Zusammen mut der privaten Aktienfirma Clearbrook Capital machte man ein Gebot von 1,5 Milliarden US-Dollar (1,06 Milliarden Euro). CVC zahlte 1,7 Milliarden US-Dollar (1,2 Milliarden Euro). Ecclestone erzählt, dass "ein sehr guter Preis gezahlt wurde. Sie haben die Anteile nicht unter Wert gekauft. Im Gegenteil. Vier oder fünf ernstzunehmende Leute haben deutlich weniger geboten. Durch die Teams hätte es ein großer Fehlschlag sein können. Es war sehr knapp und hätte leicht Wirklichkeit werden können."

CVC's Angebot verschaffte den Banken zwischen 1,2 Milliarden US-Dollar (845 Millionen Euro) und 400 Millionen US-Dollar (282 Millionen Euro) weniger ein, als sie Kirch ausgeliehen hatten. Es war dennoch immer noch mehr, als die Banken seit ihrer schrittweisen Reduzierung des betriebsinternen Wertes der Investition durch die Ungewissheit über die Formel-1-Zukunft erwartet haben.

Gribkowsky und die BayernLB

Im Jahr 2004 berichtete Sylt, dass der damalige BayernLB-Vorsitzende Werner Schmidt erklärte, dass der Wert der Anteile "viel niedriger" als 650 Millionen Euro sei und Ecclestone ergänzte, dass "der Preis, den ich für die verfluchten Anteile bekam, doppelt so hoch war, wie in den Büchern". Die BayernLB kündigte in ihren Ergebnissen von 2006 eine Rendite von 328 Millionen Euro an und erklärte, dass der Verkauf der Formel-1-Anteile "entscheidend zum positiven Ergebnis beigetragen hatte". EM.TV war darüber nicht so glücklich.

Da die Banken weniger bekamen, als sie Kirch für das Darlehen gegeben haben, gab es für EM.TV keinen Überschuss. Im Januar wurde Gerhard Gribkowsky, der Risikomanager der BayernLB, wegen dem Verdacht auf Erhalt Schmiergeldern im Wert von 44 Millionen US-Dollar festgenommen. Er hatte die Bank über den Verkauf beraten und steht im Verdacht, die Anteile zu gering bewertet zu haben.

Vergangenen Monat beschuldigte die deutsche Staatsanwaltschaft Ecclestone formell, die Zahlung der Schmiergelder getätigt zu haben. Ecclestone antwortete und gab zu, die Zahlung getätigt zu haben. Er schilderte aber, dass Gribkowsky ihm gedroht hätte, dem Fiskus bei Nichtzahlung unbegründete Anschuldigungen über dessen Finanzen zu melden.

Die Klage

Die Forderungen der Staatsanwaltschaft führten Constantin dazu, die Klage gegen Ecclestone und seinen Familienkonzern Bambino Holdings, seinen Anwalt Stephen Mullens und Gribkowsky auszufüllen. Constantin fordert, dass sie die Schuld für den Verkauf der Formel 1 unter Wert bekommen und 100 Millionen US-Dollar zahlen sollen. Eine Gerichtsverhandlung gegen Gribkowsky in Deutschland wird untersuchen, ob die Formel 1 unter Wert verkauft wurde. Der Beginn wird aber erst im Herbst sein.

"Sie haben gesagt, dass ich Gribkowsky Geld gezahlt habe, damit die Anteile billig verkauft werden. Wenn sie zum richtigen Preis verkauft worden wären, hätten sie Prozente abbekommen", berichtet Ecclestone und fügt hinzu: "Das ist Schwachsinn. Die Anteile wurden nicht unter Wert verkauft. Wer weiß, was sie wert sind? Das ist der springende Punkt."

Ecclestone zeigt mit dem Finger auf ein Vorstandsmitglied von Constantin, dass sagt: "Er verklagt und verursacht so viele Probleme, wie er nur kann. Er wird sagen 'Ich gebe mich mit der Hälfte zufrieden, um den Gang zum Gericht zu sparen.' Wenn mir jemand droht, dass er mich umbringen will, dann sollte der besser auch abdrücken. Wenn er also vor Gericht gehen will, dann kann er das machen. Kein Problem."

Constantins Vereinbarung, die vorgesehen hatte, dass man Erlöse aus dem Verkauf erhält, wurde mit den drei Banken ausgemacht. Aber diese sind in der Klage nicht vermerkt. Ecclestone meint, dass es nichts mit ihm zu tun hat: "Ich habe zu dem Zeitpunkt nichts von dem Deal gewusst, dass EM.TV Prozente abbekommt, wenn die Anteile für mehr Geld verkauft werden, als für sie bezahlt wurde. Über die Beteiligung habe ich keine Ahnung. Ich habe nie von einem Vertrag gehört, habe den Vertrag nie gesehen und habe nichts über den Vertrag gewusst."

Die BayernLB, Constantin und Keith Oliver, der Vertreter der Kanzlerei Peters & Peters, lehnten eine Stellungnahme ab. Zufälligerweise ist es nicht das erste Mal, dass Peters & Peters eine Firma vertritt, die versucht, Geld aus Bambino herauszuziehen. Im Jahr 2006 vertrag man Kamos, ein Unternehmen aus der Schweiz, welches das Recht für eine Rückzahlung von einem 313 Millionen US-Dollar umfassenden Darlehen besaß. Der Kredit wurde von SLEC im Jahr 2001 zum Kauf der Formel-1-Rechte für 100 Jahre verwendet. Niemand weiß, wer hinter Kamos steckt. Schlussendlich bekam er sein Geld. Es bleibt abzuwarten, ob Constantin das gleiche Ergebnis erreichen wird.

Fotoquelle: xpb.cc

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