Marc Surer ist dankbar für die vielen Zweikämpfe in Monza: Spannung pur!

Formel 1 2011

— 11.09.2011

Surer: "Ich hätte im Auto durchgedreht..."

'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer analysiert den Großen Preis von Italien, den Titelkampf und das Duell zwischen Schumacher und Hamilton

Der Große Preis von Italien bot reichlich Spannung, denn rund um die Spitze kam es zu sehr vielen Zweikämpfen: Sebastian Vettel (Red Bull) überholte Fernando Alonso (Ferrari), Michael Schumacher (Mercedes) nahm es mit Lewis Hamilton (McLaren) und Jenson Button (McLaren) auf. Im Interview schildert 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer seine Sicht zu diesen Duellen und spricht auch über die Vormachtstellung von WM-Spitzenreiter Vettel. Der Deutsche ist fast schon Weltmeister.

Frage: "Marc, jetzt darf man Sebastian Vettel im Prinzip schon zum Titelgewinn gratulieren, oder? Es deutete sich ja schon von langer Hand an, aber jetzt scheint er wirklich uneinholbar zu sein..."
Marc Surer: "Er hat viereinhalb Siege Vorsprung. Bei fünf Rennen (es sind noch sechs Grands Prix; Anm. d. Red.) kann eigentlich nichts mehr passieren. Im Prinzip ist es gelaufen, doch rechnerisch darf man ihm noch nicht gratulieren. Er ist aber praktisch schon jetzt Weltmeister."

Frage: "Dies krönte er heute mit der Fahrt eines Weltmeisters. Er kontrollierte das Rennen nicht nur von der Spitze aus sehr souverän, sondern ging auch auf sensationelle Art und Weise in Führung..."
Surer: "Ja, es war sehr mutig, wie er an Fernando Alonso vorbeizog. In der Curva Grande mit zwei Rädern im Gras zu sein, das war schon sehr stark. Dieses Risiko hätte er eigentlich nicht eingehen müssen, denn Punktesammeln hätte für ihn ja ausgereicht. Er wollte aber auch zeigen, dass er sich nicht unterkriegen lässt. Das war stark."

Frage: "War das auch ein psychologischer Fingerzeig in Richtung Ferrari? Er überholte Alonso in Monza - und das sehr sehenswert, obwohl er es im Hinblick auf die WM nicht hätte tun müssen..."
Surer: "Ich glaube nicht, dass man als Rennfahrer so weit denkt. Die Situation ist: 'Ich bin schneller, ich will an ihm vorbei, ich habe Schwung.' Man fährt einfach weiter und kommt mit zwei Rädern aufs Gras. Dann bleibst du natürlich auf dem Gas, weil du nicht nachgeben willst."

Frage: "Weshalb fällt Mark Webber in diesem Jahr so deutlich gegenüber Sebastian Vettel ab? Was ist da los? Ist das nur der psychologische Weltmeister-Bonus bei Vettel?"
Surer: "Einerseits das, andererseits scheint Webber mit den Pirelli-Reifen etwas mehr Mühe zu haben. Er ist nur schnell, wenn alles stimmt. Das ist halt nicht immer der Fall."

Schumacher begeistert erneut

Frage: "Sprechen wir über das spektakulärste Duell im Rennen: Michael Schumacher gegen Lewis Hamilton. Es gibt einige Stimmen, die sagen: Schumacher war zu hart. Wie schätzt du das ein?"
Surer: "Ich sehe das ebenfalls so. Das Verteidigen war schon hart am Limit. Ich meine: Wir befinden uns hier auf einer Strecke, auf der mit Höchstgeschwindigkeit gefahren wird. Es gibt nicht viele Auslaufzonen. Bei 300 km/h wurde es manchmal wirklich eng zwischen den Autos, als er rüberzog."

Frage: "Die fahrerische Leistung von Schumacher war aber grundsätzlich nicht schlecht, oder?"
Surer: "Er verteidigte sich mit allen Mitteln. Das war sicherlich grenzwertig, aber ich kann auch nicht sagen, dass er irgendwann einmal klar gegen das Reglement verstoßen hätte. Manchmal war es jedoch so knapp, dass ich mich frage: 'Weshalb geht er dieses Risiko ein?' Er sagt, er genießt es, in der Formel 1 zu fahren. Ist es wirklich Genießen, wenn er so viele Risiken eingeht?"

Frage: "Spa-Francorchamps war auch schon ein starkes Rennen von Schumacher. Siehst du eine Tendenz zum Besseren beim Deutschen? Ist das die Leistung, die man von ihm erwartet hat? Beginnt hier die Wende? Der Vergleich ist schwierig, weil Nico Rosberg war rasch außen vor..."
Surer: "Richtig. Der Vergleich hinkt, weil Nico nicht fuhr. Beim vergangenen Rennen hatten die beiden aufgrund der Reifen unterschiedliche Voraussetzungen."

"In den Trainings war Nico in der Regel aber wieder schneller als Michael. Man hätte Nico fahren sehen müssen, um einen direkten Vergleich zu haben. Aber: Michael gefiel mir - auch schon in Spa. Er kämpft, er fightet, er sorgt für Unterhaltung. Dank ihm gab es einen spannenden Sonntag, ansonsten wäre es fade geworden, denkt man einmal das Duell zwischen ihm und Lewis weg."

Frage: "Dieser Zweikampf lebte ein Stück weit vom verstellbaren Heckflügel (DRS). Lewis Hamilton konnte auf diese Weise heranfahren und seine Manöver starten. Es war knapp, reichte für ihn aber doch nicht ganz..."
Surer: "Lewis hatte nur das Problem, dass er offensichtlich in den Begrenzer fuhr."

"Dadurch konnte er nicht überholen. Das heißt: Ihm nutzte DRS nichts. Wenn du im Begrenzer bist, kannst du so flach stellen, wie du willst, es geht nicht mehr schneller. Das war natürlich frustrierend. An seiner Stelle hätte ich im Auto durchgedreht."

Button geht wieder überlegter zu Werke

Frage: "Hast du darauf gewartet, dass Lewis Hamilton irgendwann die Brechstange herausholt?"
Surer: "Ich bin mir sicher: Wenn er irgendwo einen Schalter gefunden hätte, um den Drehzahl-Begrenzer auszumachen, dann hätte er ihn betätigt - selbst, wenn er ein Kabel hätte abreißen müssen. Wenn du schneller bist, aus dem Windschatten herausfährst und dann im Begrenzer landest, ist das schon ein Frust. Ich kann verstehen, dass er wütend ist."

Frage: "Es scheint auch eine Typenfrage gewesen zu sein: Jenson Button hielt sich hinter Michael Schumacher und Lewis Hamilton auf und wartete ab, plötzlich war er an beiden vorbei..."
Surer: "Er schonte natürlich seine Reifen, weil er nicht kämpfte. Als er schließlich dran war, hatte er einen Reifenvorteil. Wieder einmal typisch für ihn, dass er alles richtig macht. In diesem Jahr scheint er einfach besser unterwegs zu sein als Hamilton. Nicht schneller, aber besser."

Frage: "Wie bewertest du die beiden Überholzonen in Monza?"
Surer: "Ich denke, in Monza hat man das gebraucht. Wir sahen in der GP2, dass überhaupt nicht überholt wird. Diese Rennen waren ja grausam. Deshalb gab es in der Formel 1 doch ein paar Manöver. Ich glaube, in Monza war es richtig, zwei Überholzonen zu haben. DRS brachte nämlich nicht so viel, wie man es erwartet hatte."

Fotoquelle: xpb.cc

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