Ex-BRDC-Präsident Damon Hill übt Kritik an der Struktur der Formel 1

Formel 1 2011

— 14.09.2011

Hill klagt an: "Die Veranstalter werden ausgesaugt"

Ex-Weltmeister Damon Hill befürchtet das Aus vieler Traditionsrennen, sollte sich die Einnahmenstruktur der Formel 1 nicht bald ändern

Die Formel 1 befindet sich seit rund einem Jahrzehnt in einer Umbruchphase. Während viele Traditionsrennen wie der bei Fahrern und Fans so beliebte Grand Prix von Belgien in Spa-Francorchamps ums Überleben kämpfen, werden vor allem in Asien überdimensionale Retortenpisten aus dem Boden gestampft. Die Königsklasse entfernt sich somit zunehmend von ihren Wurzeln. Eine Entwicklung, die bei vielen Fans auf Kritik stößt, doch Veranstalter in Abu Dhabi sind bereit, Renngebühren in Höhe von kolportierten 45 Millionen Euro zu zahlen, um einen Grand Prix austragen zu dürfen. Kosten, die durch die Eintrittsgelder nicht gedeckt werden können.

Damit können Veranstalter in Europa längst nicht mehr mithalten. Damon Hill, der bis August 2011 als Präsident des British Racing Drivers Club BRDC fungierte, ist der Meinung, dass es so nicht weitergehen kann. Dem Weltmeister 1996 ist es mit dem Umbau des Kurses in Silverstone zwar gelungen, die Formel 1 zu halten, dennoch ortet er dunkle Gewitterwolken am Horizont: "Ich mache mir Sorgen, wie Veranstalter bei den von der Formel 1 gestellten Anforderungen überleben können. Die Formel 1 würde sich einen Gefallen tun, wenn sie darüber nachdenken würde."

"Wenn man die Veranstalter zu sehr aussaugt", fürchtet Hill, "dann werden sie irgendwann zusammenbrechen." Der Brite ist der Ansicht, dass es sich die Königsklasse des Motorsports langfristig nicht leisten kann, auf Traditionsstrecken wie Silverstone, wo 1950 das erste Formel-1-Rennen der Geschichte stattfand, zu verzichten. "Ich spreche nicht über Orte, wo es nie Formel-1-Rennen gegeben hat", meint er. "Es geht hier um einen Ort, der für die Formel 1 eine sehr große Rolle spielt."

Der Fan kommt laut Hill zu kurz

Bei der aktuellen Entwicklung handelt es sich um einen Teufelskreis. Durch die hohen Renngebühren sehen sich die Rennstrecken-Besitzer dazu gezwungen, die Ticketpreise anzuheben, zumal dies ihre einzige Einnahmequelle ist - daher zahlt man für eine Eintrittskarte teilweise an die 500 Euro. Kein Wunder, dass die Zuschauer den Rennstrecken zunehmend fern bleiben, wodurch die Ticketpreise weiter steigen.

Hill fordert: "Man muss eine Balance zwischen dem VIP-Niveau und dem normalen Fan finden, der nicht sehr vermögend ist und dem man trotzdem Zugang zu diesem Sport bieten sollte. Auch er muss das Gefühl haben, dass er für seine Hingabe entlohnt wird. Fußball hatte das gleiche Problem. Die Tickets müssen erschwinglich bleiben."

Veranstalter sind das schwächste Glied

Seiner Meinung nach krankt es an der Struktur der Formel 1. "Die Managementstruktur dieses Sports ist ziemlich einzigartig", so Hill auf die Frage, ob ein Zusammenschluss der Veranstalter deren Position stärken könnte. "Ehrlich gesagt wollen sie nicht, dass sich Gruppen organisieren", spielt er auf Bernie Ecclestone & Co. an. "Die Formel-1-Teams haben sich inzwischen organisiert, aber sie profitieren ebenfalls von den Veranstaltern."

Michael Schumachers langjähriger Rivale fordert nun: "Es muss einen vernünftigen Ausgleich geben, damit Menschen Einrichtungen anbieten können, nach denen der Sport verlangt, und gleichzeitig auf einer wirtschaftlichen Basis überleben können. Die Zeiten sind längst vorbei, als Staatsfonds in Europa Sportarten finanziert haben, die so viel Geld lukrieren. Dieser Sport lukriert viel Geld, weil einige Leute, einige Länder die Veranstaltungen subventionieren."

Verwunderung über Ecclestones TV-Deal

Ob die Zuschauer Interesse an Rennen in Bahrain, Abu Dhabi oder China haben, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Ähnliches gilt für Ecclestones TV-Deal in Großbritannien, den der Formel-1-Boss als großen Erfolg verkaufte. Im Mutterland der Formel 1 wird der Fan ab der kommenden Saison kräftig zur Kasse gebeten, will er alle Grands Prix live im Fernsehen erleben. Die öffentlich-rechtliche 'BBC' überträgt nur noch die Hälfte aller Rennen live, die komplette Saison ist über den Pay-TV-Kanal für 600 Pfund pro Jahr via 'Sky' verfügbar.

Hill wundert sich, warum die 'BBC' den Formel-1-Fans nicht die Möglichkeit anbietet, für einen zusätzlichen Geldbetrag die komplette Saison anzusehen. "Wir leben im digitalen Zeitalter - und bei sechs Millionen Menschen wäre es nicht so schwer gewesen, das nötige Geld aufzutreiben, um die Differenz zu bezahlen. Außerdem gibt es inzwischen bereits für viele Dinge zusätzliche Gebühren. Wenn man schneller ins Flugzeug will, dann zahlt man halt einen Aufschlag."

Leidet Silverstone unter TV-Deal?

Ob die Zuschauer nun bereit sind, für 'Sky' zu zahlen, um alle Rennen in voller Länge live zu erleben, traut sich Hill nicht zu beurteilen: "Ich glaube, dass niemand die Antwort kennt, ob die Leute das Geld zahlen oder nicht, und ob es die Zuschauerzahlen beeinträchtigen wird. Es wird mit ziemlicher Sicherheit die Spitzen-Zuschauerzahlen beeinträchtigen."

Er glaubt allerdings nicht, dass dadurch die Begeisterung nachlassen wird, sich den Grand Prix von Großbritannien an der Rennstrecke anzuschauen. Sein Argument: "In England hatte der Motorsport schon immer eine starke Anhängerschaft - die Leute wollen etwas berühren, riechen und hören."

Fotoquelle: Alastair Staley/GP2

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