Trendwende: Schafft Renault wieder den Anschluss ans vordere Mittelfeld?

Formel 1 2011

— 17.09.2011

Renault: Stimmt die Richtung?

Nach dem Durchhänger zur Mitte der Saison scheint es bei Renault wieder aufwärts zu gehen: Wo stehen Bruno Senna und Witali Petrow in Singapur?

Im Vorjahr war Singapur kein besonders gutes Pflaster für Renault. Robert Kubica sicherte mit seinem siebten Platz ein paar Punkte, während Witali Petrow als Elter leer ausging. Kubica-Ersatz Bruno Senna bestreitet sein drittes Formel-1-Rennen für Renault und möchte die Lernkurve fortführen: "Wir kommen gut voran. Allmählich fühle ich mich im Auto und im Team immer wohler. Es gibt aber immer noch eine Reihe von Bereichen, in denen ich Fortschritte machen muss."

"So muss ich zum Beispiel mein technisches Wissen vom R31 verbessern. Zudem muss ich einige Bereiche meines Fahrstils aufbessern. Ich bin immer noch nicht zu einhundert Prozent da. Ich sauge jede einzelne Information auf, die ich an den Wochenenden bekomme. Ich hoffe, dass wir als Team weitermachen können, Punkte zu sammeln und im Qualifiying unter die ersten zehn zu fahren. Unsere Namen sollten jeden Samstagnachmittag im Q3 gesetzt sein", so der Brasilianer.

"Hoffentlich werde ich mit der Zeit voll vertraut mit dem Auto, damit ich noch mehr Punkte fürs Team holen kann", erklärt Senna optimistisch. "Monza hat Spaß gemacht, weil ich bereits die Erfahrung von einem Rennen hatte. Ich konnte dieses Jahr bereits einige Male den R31 fahren. Dennoch hatte ich nicht die Erfahrungen der Rennwochenenden, die alle anderen Piloten im Feld hatten."

Senna und die Reifen

Die ersten WM-Punkte von Monza hat der Renault-Pilot mit dem bekannten gelben Helmdesign freudig in Empfang genommen. "Ich habe im Rennen viel gelernt. Es hat Spaß gemacht und ich denke, dass es ein sehr ermutigendes Ergebnis war, wenn man bedenkt, in welchen Schwierigkeiten ich in der ersten Kurve gesteckt habe. Wir haben bewiesen, dass das Auto gut lief und das Team eine gute Strategie gewählt hat. Das sind zwei ermutigende Zeichen."

Die Hauptsorge sind nach wie vor die Reifen. Während die anderen Piloten zu Saisonbeginn zu kämpfen hatten, musste Senna ins kalte Wasser springen und ohne Erfahrungen im Wettbewerb bestehen. "Es ist nicht einfach, das Maximum aus den Pirellis herauszuholen. Die Lernphase ist da sehr lang", schildert er. "Sie haben sehr viel Potenzial. Ich hoffe, dass ich das für die kommenden Rennen im Griff habe."

"Singapur wird eine echte Probe werden. Es wird eine Neuheit für mich sein. Es wird sehr anspruchsvoll werden, das Maximum aus dem Auto herauszuholen. Aber ich bin gespannt auf das, was mich erwartet. Mein Ansatz wird ähnlich wie in Monza sein. In den Trainingssitzungen möchte ich soviel wie möglich Runden drehen. Hoffentlich hilft das mir dabei, am Samstag ins Q3 zu fahren", so Senna.

"Singapur ist eine sehr anstrengende Strecke. Es gibt sehr viele Kurven und man muss auf der Hut sein, damit man keine Fehler macht. Die Abstimmungsarbeit ist nicht einfach. Physisch ist es auch recht schwierig, weil es sehr feucht ist und der Kurs von Kurve zu Kurve sehr viel Konzentration verlangt", ist sich der Brasilianer bewusst und hat bereits eine passende Taktik: "Ähnlich wie in Malaysia verlangt auch Singapur, dass man etwas eher anreist, um sich ans Klima zu gewöhnen."

Mehr Glück für Petrow?

Sennas Teamkollege hatte in Monza ein weniger positives Rennen. Von Startplatz sieben aus erhoffte man sich im Team einige Punkte. Doch bereits in der ersten Schikane war das Rennen für den Russen beendet: "Ich denke, dass Vitantonio versteht, wo er einen Fehler gemacht hat. Wir haben mittlerweile einen Strich unter den Vorfall gezogen und blicken positiv nach vorn. Es gibt keinen Zweifel, dass die Stimmung im Team gut ist", erklärt Petrow.

"Singapur ist etwas ungewöhnlich, weil wir nachts fahren und am Tag schlafen. Man muss also seinen Zeitplan umstellen und sich darauf einstellen, ein nachtaktiver Rennfahrer zu sein. Ich reise am Montag an und stelle mich von da an auf die Bedingungen ein", berichtet der beckenende Stadtkurs-Fan: "Ich mag Strecken, die maximale Konzentration verlangen und auf denen man sich keine Fehler leisten kann. Man muss nicht erwähnen, dass die Strecke nicht einfach ist. Die Traktion ist sehr wichtig. Das hat uns in der Vergangenheit Schwierigkeiten bereitet."

"Die Strecke hat 23 herausfordernde Kurven. Ich freue mich zurückzukommen und unsere Leistung aus dem Vorjahr zu verbessern. Die Strecke ist recht wellig. Das Auto springt recht viel und dadurch blockieren die Räder recht schnell", analysiert Petrow. "Es ist nicht einfach, sich auf das Rennen einzustellen. Die Bedingungen werden genauso wie in Malaysia sein. Wir können diese Wetterbedingungen nicht in England simulieren."

"Ich mag die Tatsache, dass wir in der Nacht arbeiten und am Tag schlafen. Ich glaube, dass ich dadurch mehr schlafen kann. Die optimale Vorbereitung besteht darin, so zeitig wie möglich nach Singapur zu reisen, um sich zu akklimatisieren. Es wird für alle gleich sein. Deshalb habe ich da keine Angst", schildert der WM-Neunte.

Boullier ist Singapur-Fan

Eric Boullier betrachtet das Rennen in Monza mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
"Das wirklich Positive, was wir aus Italien mitnehmen, ist der Fakt, dass das Auto mehr leistet. Brunos Rennen zu beobachten, war sehr befriedigend. Sein Resultat schenkt ihm zweifellos Glaubwürdigkeit", erklärt der Renault-Teamchef.

Die Paarung Senna-Petrow bereitet Boullier Freude am Kommandostand: "Ich denke, dass sich beide recht gut ergänzen. Es ist ein Vorteil für das Team, zwei unterschiedliche Charaktere zu haben, die im und außerhalb des Autos sehr beliebt im Team sind."

Die Reise nach Singapur stößt bei Boullier ebenfalls auf Zustimmung. "Es ist ein großartiges Rennen mit einer exzellenten Organisation. In den letzten Jahren hat sich Singapur zu den beliebtesten Veranstaltungsorten entwickelt. Die Leute sind sehr freundlich und zuvorkommend. Um es kurz zu machen: Alle lieben den Singapur Grand Prix", so der Renault-Teamchef.

Hält der Trend an?

Auf der technischen Seite war Monza recht wichtig für Renault. Das Team kam mit neuen Teilen zum Traditionsrennen. Diese scheinen sich bewährt zu haben. James Allison zeigt sich erleichtert: "In den vergangenen zwei Grand Prix sah es so aus, als ob das Auto hinsichtlich des Tempos etwas besser aussah. Das bestärkt unsere Überzeugung, dass wir uns in die richtige Richtung entwickeln."

Das anstehende Rennen in Singapur ist für den Technischen Direktor des Teams kein Problem. "Es ist witzig, um die halbe Welt zu fliegen und dabei nicht die Zeit umzustellen", berichtet Allison. Die Teams stellen ihre Uhren nicht um, weil sie nach der britischen Sommerzeit arbeiten. "Ebenso ist es interessant, auf einer Strecke zu fahren, deren Temperaturen sinken, sobald die Sonne untergeht. Normalerweise haben wir immer das umgekehrte Problem", so Allison.

"Das Fahren unter Scheinwerfern, maximaler Abtrieb, vernünftige Anforderungen an die Bremsen und einige interessante Bodenwellen ergeben den Reiz der Strecke. Monaco und Ungarn waren keine guten Rennen für uns. Singapur teilt einige Charakteristiken dieser zwei Strecken. Wir glauben, dass wir uns seitdem verbessert haben und für Singapur aussichtsreicher dastehen", erläutert Allison. "Dennoch bin ich ein wenig besorgt."

"Sollten wir ein gutes Rennen haben, dann sind wir bereit für die letzten fünf Rennen. Denn damit würde der Beweis stehen, dass wir unsere Performance auf drei sehr unterschiedlichen Strecken verbessert haben", erklärt er.

Fotoquelle: Renault

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