Fernando Alonso stand bei beiden bisherigen Rennen auf dem Podium

Formel 1 2011

— 21.09.2011

Dancing in the Dark in Singapur

Vorschau auf das Flutlichtrennen: Über Geschichte, Land und Leute des asiatischen Stadtstaates Singapur - 1.500 Leuchten für Helligkeit wie am Tag

2011 ist das 62. Jahr seit Gründung der Formel-1-Weltmeisterschaft, aber die Formel 1 wäre nicht die Formel 1, wenn sie sich nicht immer wieder etwas Neues einfallen lassen würde. Und so kam Bernie Ecclestone auf die Idee, dass es doch eine feine Sache wäre, einen Grand Prix bei Nacht zu fahren - 2008 war es schließlich soweit: Singapur wurde in den Kalender aufgenommen und richtet seither das einzige Formel-1-Nachtrennen aus.

Der geschäftstüchtige Brite schlägt so zwei Fliegen mit einer Klappe, denn einerseits erschließt er mit dem Flutlichtrennen in der asiatischen Metropole Singapur weiter den so lukrativen Markt im Fernen Osten, aber andererseits geht das nicht auf Kosten der traditionellen europäischen TV-Zuschauer, denn die sechs Stunden Zeitverschiebung nach Mitteleuropa wird durch die um sechs Stunden nach hinten verlegte Startzeit vor Ort (20:00 Uhr) ausgeglichen.

Viermal so hell wie ein Fußballstadion

Das macht freilich eine Flutlichtanlage erforderlich, die viermal so hell (3.000 Lux) leuchtet wie die eines großen Fußballstadions, um die 5,073 Kilometer lange Strecke ausreichend beleuchten zu können. Der Auftrag für die Errichtung dieser Flutlichtanlage wurde der italienischen Firma Valerio Maioli erteilt, die bereits Monate vor der Premiere 2008 ihre mit Philips-Leuchten ausgestatteten Masten aufgestellt und diese Ende März 2008 erstmals getestet hat.

Die Halogenprojektoren mit je 2.000 Watt Leistung sind im Abstand von vier Metern auf den zehn Meter hohen Trägern angebracht. Insgesamt bedeutet dies eine Gesamtleistung der Flutlichtanlage von 3,18 Millionen Watt. Energiequelle dafür sind zwölf Doppelgeneratoren, von denen jeder einzelne das gesamte System im zugewiesenen Bereich aufrechterhalten könnte. Das Risiko einer plötzlichen Verdunkelung wegen eines Stromausfalls geht also gegen null Prozent.

Hinsichtlich des Fahrens bei Nacht gab es vor der Premiere 2008 vielerorts Bedenken. In Wahrheit haben die Veranstalter in Singapur einen hervorragenden Job gemacht, sodass die Sicht niemandem größere Probleme bereitet. Spezielle Vorbereitung erforderte jedoch das Gefahrenpotenzial von Reflektionen bei nasser Fahrbahn - jeder Autofahrer weiß, wie unangenehm die Straßenbeleuchtung sein kann, wenn es regnet. Doch darauf haben die Helmhersteller mit entspiegelten Visieren reagiert.

"Vor dem ersten Singapur-Grand Prix glaubten wir noch, die Boxenmannschaft müsste mit Bergarbeiterlampen auf den Helmen arbeiten", lacht Renault-Teammanager Steve Nielsen. "Aber das Licht ist dermaßen hell und wird so gut gestreut, dass wir solche Lösungen getrost vergessen können. Du merkst gar nicht, dass es tiefe Nacht ist - außer, du schaust zwischendurch mal in den Himmel." In der Tat: Lichtmessungen in der Boxengasse ergaben Werte um die 2.200 Lux, heller als die Beleuchtung eines normalen TV-Studios mit rund 1.000 Lux. Die Garagen werden mit etwa 800 Lux ausgeleuchtet, was dem Doppelten einer durchschnittlichen Bürobeleuchtung entspricht.

Eine weitere Herausforderung stellt der Jetlag dar. Reisen die Fahrer normalerweise mindestens eine Woche vor dem Event zu den Überseerennen an, so erübrigt sich eine derart akribische Vorbereitung in Singapur. Stattdessen empfiehlt es sich, einfach in der Europazeit weiterzuleben, weil die Startzeiten vor Ort dann ohnehin nach hinten versetzt sind. "Ich stelle meine Uhr gar nicht um", sagen einige Formel-1-Fahrer.

Vor- und Nachteile des veränderten Zeitplans

Bei den Arbeitszeiten für die Teams ist in Singapur natürlich auch einiges anders, denn die Mechaniker schlafen vormittags länger, beginnen etwas später und arbeiten dafür noch tiefer in die Nacht hinein als sonst. Das hat Vor- und Nachteile: Einerseits verliert man abends Zeit, wenn man vor dem nächsten Tag noch etwas reparieren oder umbauen muss, andererseits hat man dafür am nächsten Morgen mehr Zeit als sonst.

Obwohl Singapur der mitteleuropäischen Zeit sechs Stunden voraus ist, verzichten alle Teammitglieder auf eine Akklimatisierung und bleiben auf ihrem europäischen Rhythmus. Das wiederum bedeutet, dass die Mechaniker zwar Nachtschichten schieben müssen, diese aber gar nicht als solche empfinden, weil sie zu den europäischen Kernarbeitszeiten stattfinden. "Wir steigen aus dem Flugzeug und bleiben einfach auf europäischer Zeit", erklärt Nielsen. "Der Abstecher nach Singapur belastet uns alle deshalb viel weniger als beispielsweise der Trip nach China, denn wir umgehen den Jetlag komplett."

Das Singapur-Rennen wie einen europäischen Lauf zu behandeln, spart auch eine Menge Zeit: "Für Überseerennen in Asien planen wir normalerweise einen Extratag ein, damit sich das Team an die Zeitumstellung gewöhnen kann. Da das vor dem Nachtrennen nicht nötig ist, können wir einen ganzen Tag später losfliegen", verdeutlicht er.

Wie sehen die Arbeitszeiten in Singapur denn genau aus? Gegenüber den Europarennen ist der lokale Zeitplan um sieben bis acht Stunden nach hinten geschoben. Anstatt um 8:00 Uhr morgens beginnt der Arbeitstag also erst um 15:00 Uhr nachmittags und endet am frühen Morgen. "Manchmal sehen wir auf dem Weg ins Hotel die Sonne aufgehen", berichtet Nielsen.

Dieser Kunstgriff, durch die Verlegung des Rennens in die Nacht die übliche Startzeit von 14:00 Uhr in Mitteleuropa zu erzielen, funktioniert nur an einem Ort wie Singapur, der sich voll auf das Abenteuer Formel 1 einlässt und die Voraussetzungen bietet. Als "24-Stunden-City" bietet der Zwergstaat zu jeder Zeit offene Restaurants. Auch die Hotels leisten ihren Beitrag, zum Beispiel, indem sie den Teams das Frühstück zwischen 14:00 und 16:00 Uhr lokaler Zeit servieren.

Was für die Mechaniker gilt, trifft auch auf die Piloten zu: Der Zeitplan stellt sie vor keine körperlichen Probleme. Eher schon die sehr hohe Luftfeuchte, wie Renault-Teamarzt Riccardo Ceccarelli erklärt: "Obwohl das Rennen in der Nacht stattfindet, ist die Luft noch sehr feucht, sodass die Fahrer kaum Abkühlung finden. Der Schweiß bleibt auf der Haut statt zu verdunsten und dadurch Wärme vom Körper abzuführen. Die Körpertemperatur kann deshalb bedenklich ansteigen. Bei Überhitzung gehen Kraft und Konzentration verloren und die Reaktionszeiten werden langsamer."

Diese körperliche Herausforderung - kombiniert mit dem keine Fehler verzeihenden Marina-Bay-Street-Circuit - erklärt, warum Singapur als eines der anspruchsvollsten Rennen der Saison gilt. Ceccarelli bringt es auf den Punkt: "Für die Fahrer fühlt es sich an wie die mentale Herausforderung von Monaco in Verbindung mit dem kräftezehrenden Tropenklima von Sepang."

Singapur ist der 67. neue Austragungsort in der Geschichte der Formel-1-Weltmeisterschaft - und mit Sicherheit der bisher spektakulärste. 2008 debütierte in Valencia noch ein anderer Stadt-Grand-Prix, aber der asiatische Stadtstaat Singapur wartet mit einem weitaus spektakuläreren Angebot auf. Die City hat sich herausgeputzt und stellt eine beeindruckende Kulisse dar, die sogar die Skyline von Monte Carlo übertrifft, aber auch sonst hat man sich einiges einfallen lassen.

So führt die Strecke beispielsweise über die Anderson-Bridge auf eine kleine Insel, die über die Marina-Bay-Bridge bei Tempo 260 wieder verlassen wird. Im letzten Sektor folgt dann noch die Unterfahrt durch eine Tribüne - das Zuschauererlebnis, die Autos direkt auf sich zukommen zu sehen, ehe sie unter einem durchbrausen, gibt es sonst nirgendwo. Abschluss ist dann ein langer Linksbogen, durch den man viel Geschwindigkeit für Start und Ziel mitnehmen muss.

Eine der besten Überholmöglichkeiten ist gleich die erste Kurve: "Die Autos liegen nach dem Start direkt nebeneinander. Dort haben auch zwei Boliden gleichzeitig Platz. Wer links, also innen, fährt, hat Vorteile, denn es handelt sich um eine Links/Rechts/Links-Kombination", erläutert "Motorsport-Total.com"-Experte Marc Surer, der bei Kurve sieben an der Stamford-Tribüne eine weitere Überholmöglichkeit sieht.

Mischung aus Melbourne und Valencia

"Vom Charakter her", analysiert der ehemalige Formel-1-Pilot aus der Schweiz, "ist Singapur ein Mix aus den Stadtkursen in Valencia und Melbourne. Es gibt mit zwei Brücken eine mehr als in Valencia und eine wunderbare Parkanlage wie in Melbourne." Und: "Die Formel 1", hält Surer durchaus erfreut fest, "braucht einfach Abwechslung. Viele Strecken sehen gleich aus. In Singapur gibt es etwas Neues für die Fans."

Vieles erinnert in Singapur an Monte Carlo: maximaler Anpressdruck, nur 170 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit und großteils Zweiter-Gang-Kurven. Die Fahrbahn an sich ist wie bei jedem Stadtkurs recht wellig - bei der Premiere im Jahr 2008 bot die Formel 1 einige spektakuläre Funkenflug-Bilder. Zwischen den Kurven fünf und sieben wurde zwischenzeitlich eine neue Asphaltdecke aufgetragen.

Seit 2009 gibt es allerdings auch noch weitere Neuerungen: Der Ausgang der um einen Zentimeter tiefer gelegten Boxengasse wurde nun hinter die erste Kurve verlegt und die Einfahrt befindet sich jetzt vor Kurve 22 - diese Änderungen sind eine Reaktion auf die Erkenntnisse aus dem Renndebüt 2008. Die Scheitelpunkte der Kurven 13 und 14 wurden leicht verengt, die Schikane um Kurve zehn ("Singapore-Sling") wurde etwas verlangsamt. Weiterhin wurden verschiedene Curbs ausgetauscht, um das Unfallrisiko zu verringern.

Das Griplevel in Singapur ist sehr niedrig. Dementsprechend stellt Pirelli die Laufflächenmischungen Supersoft und Soft aus seiner 2011er-Produktpalette zur Verfügung - also jene Pneus, die vor kurzem bereits beim Ungarn-Event in Budapest zum Einsatz gekommen sind. Sie sollen auf diesem Kurs, dessen Straßenoberfläche zu Beginn vermutlich noch schmutzig sein wird, von Anfang an besonders viel Haftung bieten.

Stadtkurse stellen für die Motoren eine geringe Herausforderung dar. Der Volllastanteil ist niedrig. Dafür belasten die Beschleunigungsphasen aus geringem Tempo die Kraftübertragung stärker. Das Getriebe passt sich mit kurzen Übersetzungen an. Die Motoreningenieure legen die Kennfelder für Einspritzung und Zündung so aus, dass die Achtzylinder bereits bei geringeren Drehzahlen mit viel Drehmoment ansprechen.

Positionierung als Business-Grand-Prix

Abseits der Rennstrecke möchte sich Singapur auch 2011 als Business-Grand-Prix positionieren und Monte Carlo in dieser Hinsicht den Rang ablaufen. Dafür wurden zahlreiche Maßnahmen ergriffen: So ist Singapur eines von nur drei Saisonrennen, bei dem die B2B-Party Amber-Lounge abgehalten wird, deren Veranstalter Sonia Irvine ist. Für die Teams ist das die perfekte Gelegenheit, Sponsoren aus dem asiatischen Raum für die Formel 1 zu begeistern. Um einen hohen VIP-Faktor zu erzielen, finden neben der Formel 1 noch einige Society-Events statt.

Der Name Singapur entstammt aus dem Sanskrit und bedeutet übersetzt so viel wie "Löwenstadt". Ursprünglich war der Name Temasek ("Stadt am Meer"), doch der Legende nach soll im 14. Jahrhundert ein Prinz aus Sumatra in Temasek einem Löwen begegnet sein. Der Prinz hat dabei sein Schwert gezogen und jagte dem Löwen damit so viel Angst ein, dass dieser sich zurückzog. Seit diesem Ereignis trägt Singapur seinen heutigen Namen.

Singapur liegt südlich der Johorstraße unmittelbar vor dem Südende der Hinterindischen und der Malaiischen Halbinsel, auch Malakka-Halbinsel genannt. Dort befindet sich das Land zwischen Malaysia im Norden und Indonesien im Süden auf einer Hauptinsel, drei größeren und etwa 50 weiteren kleineren Inseln. Die höchste Erhebung des Inselstaats mit ist mit 177 Metern der Bukit-Timah-Hill im gleichnamigen Reservat.

Landgewinnung ist Programm

Ursprünglich war nur der Süden am Singapur-River bewohnt. Die restlichen Teile des Landes bestanden aus tropischem Regenwald oder wurden landwirtschaftlich genutzt. Aufgrund der knappen Landfläche spielt für Singapur die Landgewinnung eine große Rolle. Das Erdmaterial wird dazu von eigenen Bergen, dem Meeresboden oder von Nachbarstaaten entnommen. Dadurch stieg die Landfläche von 581,5 in den 1960er-Jahren auf heute 697,2 Quadratkilometer an.

Auf dieser Fläche leben gegenwärtig 4,2 Millionen Menschen (Stand: 2005), die sich in folgende ethnische Gruppen aufteilen: 76,8 Prozent Chinesen, 13,9 Prozent Malaien, 7,9 Prozent Inder und 1,4 Prozent andere. Hinzu kommt eine große Zahl von Gastarbeitern und Ausländern, die sich Schätzungen zufolge auf mehr als 600.000 addiert. Genaue Zahlen werden von der Regierung unter Verschluss gehalten.

Gesellschaftlich gesehen gilt Singapur als sehr westlich orientierter Staat, allerdings natürlich mit stark asiatisch geprägtem Hintergrund. So wird zum Beispiel Höflichkeit ganz groß geschrieben - es ist verpönt, einen Gesprächspartner bloßzustellen oder dessen Visitenkarte sofort einzustecken, denn Visitenkarten müssen respektvoll behandelt werden. Außerdem wird auf Harmonie zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen großer Wert gelegt.

Demgegenüber steht die erzkonservative Gesetzgebung in Singapur. So gelten zum Beispiel Lügen (!), bestimmte Sexualpraktiken oder der Verzehr von einzelnen Kaugummisorten zu strafrechtlich verfolgbaren Tatbeständen. Extrem ist auch die Einstellung der Gerichte zum Konsum von weichen Drogen: Schon der Besitz von 500 Gramm Cannabis wird mit der Todesstrafe geahndet. 2002 sorgte der Fall einer jungen Deutschen auch hierzulande für Aufsehen.

Fischerfamilien waren die ersten Einwohner

Stadtvater von Singapur ist Sir Thomas Stamford Raffles, der 1819 als Agent der British East India Company am alten Handelssitz Singapur die erste Niederlassung gründete. Die Insel war zuvor nur von 20 Fischerfamilien bevölkert und eine Zufluchtstelle für Seeräuber. 1824 hatte die British East India Company die gesamte Insel vereinnahmt, die sie dem Sultan von Johor für 60.000 Dollar und eine Jahresrente von 24.000 Dollar abkaufte.

Bald wuchs die Bedeutung von Singapur als Umschlaghafen aufgrund seiner geografischen Lage entlang der verkehrsträchtigen Schifffahrtswege zwischen China und Europa. Im Zweiten Weltkrieg marschierten Japans Truppen in Malaysia ein und umzingelten die Insel. Die schlecht vorbereiteten britischen Soldaten unter Arthur Percival wurden trotz ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit von der japanischen Armee in der Schlacht um Singapur geschlagen und kapitulierten im Februar 1942.

Die Japaner benannten Singapur in Folge in Shonan-to um und hielten es bis zur japanischen Kapitulation im September 1945. 1945 wurde Singapur an die Briten zurückgegeben und 1959 wurde Singapur eine selbstregierte Kronkolonie, welche nach den von der People's Action Party (PAP) gewonnenen Wahlen 1959 von Lee Kuan Yew als erstem Premierminister regiert wurde. Seit 1. September 1963 ist Singapur vom Vereinigten Königreich unabhängig.

Heute ist das etwa 140 Kilometer nördlich des Äquators gelegene Singapur eine parlamentarische Republik nach dem Westminster-System, dem Vereinigten Königreich ähnlich. Das Staatsoberhaupt ist der Präsident, der mit Vetorechten in einigen Schlüsselbereichen ausgestattet ist und die obersten Richter benennt. Der Präsident wird seit 1999 theoretisch alle sechs Jahre direkt vom Volk gewählt. Die Wahl fällt allerdings aus, wie 1999 und 2006, wenn nur ein Kandidat von der Wahlkommission akzeptiert wird.

Autoritäre Ausprägungen des politischen Systems

Die Legislative ist das Parlament und die Exekutive wird durch das Kabinett gebildet, welches vom Premierminister als Regierungsoberhaupt geleitet wird. Kritiker bemängeln die autoritären Ausprägungen dieses politischen Systems, beispielsweise die Vorschrift, dass eine staatliche Lizenz verlangt wird, wenn mehr als drei Menschen öffentlich über Politik, Religion oder innere Angelegenheiten des Staates reden wollen.

Als Wahrzeichen von Singapur gilt der Merlion, eine Denkmalkombination aus Löwe und Fisch, die an die zuvor erwähnte Sage um den Prinzen und den Löwen erinnern soll. Außerdem sehenswert ist das Raffles-Hotel mit der berühmten Long-Bar, in der der alkoholische Singapore-Sling-Cocktail erfunden wurde. Von Sir Thomas Stamford Raffles wurde im Jahr 1822 übrigens auch der Botanische Garten von Singapur gegründet.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind der Jurong-Vogelpark mit 600 Vogelarten in zum Teil riesigen Volieren, der East-Coast-Park mit vielen Freizeitangeboten sowie einer Reihe von Fischrestaurants, der Fort-Canning-Park mit dem ältesten christlichen Friedhof der Stadt. Außerdem gibt es einen Chinesischen und einen Japanischen Garten sowie den Schmetterlings- und Insektenpark mit mehr als 1.500 Schmetterlings- sowie über 2.500 Insektenarten.

Das Singapore-Science-Centre bietet interessierten Besuchern über 500 interaktive Experimente, das Singapore-Philatic-Museum zeigt seltene Briefmarken aus Asien sowie Exponate zur Postgeschichte des Stadtstaates. Im Schildkrötenmuseum im Chinesischen Garten kann man eine Vielzahl an Schildkröten sehen. Durch die große Sammlung hat es das Museum sogar geschafft, einen Eintrag im Buch der Rekorde zu erhalten.

Riesenrad als Wahrzeichen des Formel-1-Rennens

Eines der Highlights eines jeden Singapur-Trips ist ein Besuch auf dem Mount Faber mit einem 360-Grad-Panoramablick über die Stadt. Eine Seilbahn verbindet den Berg mit dem südlichsten Punkt Sentosa. Wer nicht ganz so weit aus der City will, der sollte sich ein Ticket für den Singapur-Flyer, das Riesenrad direkt an der Rennstrecke, kaufen. Um die Plätze dort reißen sich jedes Jahr die Sponsoren und VIPs, weil es kaum einen spektakuläreren Platz gibt, um das Rennen zu verfolgen.

Womit wir den Bogen zurück zum Motorsport geschafft hätten, denn auch wenn die Formel 1 2008 erstmals in Singapur gastierte, so ist Motorsport keineswegs Neuland für die Singapurer. Zwischen 1961 und 1973 wurden im Norden der Insel, in einer Region namens Upper Thomson, Autorennen gefahren. Die damalige Strecke existiert heute noch und war gespickt mit Haarnadelkurven, Gullydeckeln, Bushaltestellen und Straßenlaternen.

Der erste Sieger dieses Rennens war 1961 Ian Barnwell in einem Aston Martin DB3S, auch wenn ein anderes Auto die eigentliche Sensation war: ein Lotus-Chassis mit einem Ferrari-Motor, das als "Feratus" regionale Berühmtheit erlangte. In den 1960er-Jahren wurden aber noch weitere Helden geboren, etwa der 1962er-Sieger Yong Nam Kee ("Fatso") und Polizeiinspektor Albert Poon, der zu einem Aushängeschild der Motorsportszene in Singapur heranwuchs.

Am stärksten mit den damaligen Rennen in Singapur verbunden ist freilich der Neuseeländer Graeme Lawrence, der zwischen 1969 und 1971 den Hattrick geschafft hat - jedes Mal in einem anderen Auto. Sein erstes Siegerfahrzeug war ein McLaren M4A, den er seinem Freund Bruce McLaren abgekauft hatte. Dann folgte ein Ferrari 246 Dino von Chris Amon und schließlich ein Brabham BT30 mit 1600er-Vierzylindermotor.

Das sagt Robert Kubica über die Strecke:

"Singapur zählt zweifellos zu den härtesten Wochenenden im gesamten Grand-Prix-Kalender. Wir fahren nachts und treffen uns zu den ungewöhnlichsten Zeiten zu Meetings. Der gesamte Zeitplan ist komplett durcheinander."

"2009 bin ich gegen 4:00 Uhr morgens ins Bett gegangen und am Nachmittag wieder aufgestanden. Das Merkwürdige daran: Du merkst diesen scheinbar so merkwürdigen Rhythmus überhaupt nicht. Zum einen kommt dir natürlich die Zeitverschiebung von sechs Stunden entgegen, zum anderen pumpt dir in diesen Tagen so viel Adrenalin durchs Blut und du bist so konzentriert, dass dir die merkwürdigen Begleitumstände gar nicht weiter auffallen. Erst nach dem Wochenende fühlte ich mich im vergangenen Jahr etwas komisch."

"Der Marina-Bay-Street-Circuit ist ziemlich anspruchsvoll, vor allem körperlich, denn es gibt keine langen Geraden, aber sehr viele Kurven. Weil das Durchschnittstempo recht niedrig liegt, dauert das Rennen ziemlich lange. Eine Stunde und 50 Minuten zu fahren, ist ganz schön anstrengend. Hinzu kommt der unebene Fahrbahnbelag. So kannst du auch auf dem längeren geraden Stück von Kurve fünf bis Kurve sieben nicht wirklich entspannen, da du wegen der vielen Bodenwellen das Lenkrad sehr festhalten musst."

"Am Ende dieser Geraden auf der Anfahrt zu Turn sieben bietet sich die wahrscheinlich beste Überholmöglichkeit. Dafür musst du aber gut aus Turn fünf herauskommen, wo es neben der Ideallinie viele Bodenwellen gibt und du das Auto leicht verlieren kannst. Ein weiteres großes Problem auf Straßenkursen ist das niedrige Gripniveau. Auf der Ideallinie wird es im Verlauf des Wochenendes durch den Gummiabrieb zwar kontinuierlich besser, aber abseits davon ist es oft sehr schmutzig und rutschig. Das erschwert das Überholen zusätzlich."

"Turn zehn, die Singapore-Sling-Schikane, ist aus verschiedenen Gründen eine zugleich merkwürdige und faszinierende Passage. Sie ist sehr eng und wegen der hohen Curbs kann bereits ein kleiner Fehler viel Zeit kosten. In der Vergangenheit hat man dort schon einige Autos abheben sehen, vor allem im ersten Jahr. Inzwischen lassen dort wahrscheinlich alle etwas mehr Vorsicht walten, denn Fehler passieren dort so leicht - und der Preis dafür ist hoch."

"Die letzte Kurve hat es ebenfalls in sich, zum Glück finden wir dort aber große Auslaufflächen vor. Es ist eine lang gezogene Doppel-Links, die wir als eine Kurve fahren. Der Scheitelpunkt kommt sehr früh, danach lassen wir uns nach außen tragen und beschleunigen voll durch auf die Start- und Zielgerade. Dabei kann das Auto zum Untersteuern tendieren, und dann bist du froh, dass die Strecke an dieser Stelle recht breit ist. Allerdings sind die Curbs sehr hoch und du kannst den Wagen leicht verlieren."

Zeitraffer:

2010:
Der Große Preis von Singapur 2010 stand ganz im Zeichen des Duells zwischen Fernando Alonso (Ferrari) und Sebastian Vettel (Red Bull). Letzterer hatte das Wochenende zunächst klar dominiert, leistete sich aber ausgerechnet in der Qualifikation eine Schwäche und musste die Pole-Position an Alonso abtreten. Dieser dominierte das Rennen schließlich von der Spitze aus und hielt Vettel über fast zwei Stunden hinweg souverän in Schach. Einen ernsthaften Überholversuch konnte der Deutsche zwar nie wagen, doch der Zweikampf der Titelanwärter wusste auch so zu begeistern. Dahinter platzierte sich Mark Webber (Red Bull) dank eines strategischen Glücksgriffs - der Australier stoppte während einer Safety-Car-Phase und profitierte immens - auf Rang drei. Die weiteren Positionen: Jenson Button (McLaren), Nico Rosberg (Mercedes), Rubens Barrichello (Williams), Robert Kubica (Renault) und Felipe Massa (Ferrari). Michael Schumacher (Mercedes), der 2010 erstmals beim Flutlicht-Rennen aktiv war, fuhr nach diversen Berührungen und Kollisionen als 13. über die Linie. Insgesamt sahen nur 16 von 24 gestarteten Rennwagen das Ziel.

2009:
Ein Jahr nach "Crashgate" gab es wieder eine Safety-Car-Phase in Singapur, doch diesmal kam es zu keiner Rennmanipulation - und auch zu keinen nennenswerten Verschiebungen. Den Sieg sicherte sich Polesetter Lewis Hamilton (McLaren), der trotz defekter KERS-Pumpe zu keinem Zeitpunkt gefährdet war - auch nicht nach Mark Webbers (Red Bull) Crash, nach dem er blitzartig reagierte und sofort an die Box kam. Hamilton hatte zu Beginn mit Nico Rosberg (Williams), Sebastian Vettel (Red Bull) und Timo Glock (Toyota) drei Deutsche im Schlepptau, doch Rosberg (Überfahren der weißen Linie am Boxenausgang) und Vettel (Geschwindigkeitsübertretung in der Boxengasse) fielen wegen Durchfahrstrafen zurück. So wurde Glock vor Fernando Alonso (Renault) Zweiter. Jenson Button (Brawn) wurde nach einem unspektakulären Rennwochenende Fünfter und sammelte damit weitere wichtige Punkte für den WM-Titel.

2008:
Mit großer Spannung wurde die Flutlichtpremiere der Formel 1 erwartet - und Singapur sollte den Rennzirkus von Bernie Ecclestone nicht enttäuschen: Eine spektakuläre Kulisse, unzählige Scheinwerfer und eine tolle Streckenführung sorgten für einen außergewöhnlichen Grand Prix. Doch das war leider nicht alles: Die Singapur-Premiere 2008 sollte auch als eines der größten Skandalrennen in die Geschichte eingehen. "Crashgate" kam jedoch erst knapp ein Jahr später ans Licht. Die Untersuchungen des Automobil-Weltverbandes FIA ergaben am 21. September 2009, dass der Rennverlauf manipuliert worden war! Die beiden Ex-Renault-Angestellten Flavio Briatore, Pat Symonds und Fahrer Nelson Piquet jun. hatten vor dem Rennen besprochen, dass Piquet mit seinem Rennwagen verunfallen soll, um eine Safety-Car-Phase zu provozieren. Der Brasilianer setzte dieses Vorhaben perfekt in die Tat um, bescherte seinem Team die gewünschte Neutralisation und seinem Stallgefährten Fernando Alonso den Triumph beim Nachtrennen. Während die Protagonisten dieses Vorgangs zum Teil mit empfindlichen Strafen belegt wurden, blieb das Rennergebnis bestehen: Alonso siegte 2008 vor Nico Rosberg (Williams) und Lewis Hamilton (McLaren). Für Aufsehen sorgte schon damals die kuriose Boxenpanne bei Ferrari: Titelkandidat Felipe Massa kam in Führung liegend zum Service herein, doch die automatische Ampelanlage der Scuderia funktionierte nicht richtig - Massa fuhr zu früh los und riss den Tankschlauch mit...

Fotoquelle: xpb.cc

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