Sebastian Vettel freut sich einfach nur auf das Formel-1-Nachtrennen in Singapur

Formel 1 2011

— 22.09.2011

Vettel: "Es ist vorbei, wenn es wirklich vorbei ist"

Red-Bull-Fahrer Sebastian Vettel macht sich nichts aus seiner komfortablen WM-Führung und will in Singapur einfach nur einen weiteren Sieg einfahren

112 Punkte beträgt der Vorsprung von Sebastian Vettel in der Fahrer-WM, doch von einem vorzeitigen Titelgewinn will der junge Deutsche in Singapur noch nichts wissen. Die Möglichkeit bestehe zwar, er habe es jedoch nicht darauf abgesehen, möglichst frühzeitig zu triumphieren. Vielmehr geht es Vettel im asiatischen Stadtstaat einfach nur darum, einmal mehr eine starke Leistung zu zeigen und am Ende des Rennens als Sieger abgewinkt zu werden. Weshalb, erläutert Vettel in seiner Medienrunde.

Frage: "Sebastian, du scheinst hier in Singapur eine Art 'Matchball' zu haben. Siehst du das ähnlich?"
Sebastian Vettel: "Ja, kann sein. Ich denke, es ist nicht die Zeit, in der man anfangen sollte, zu rechnen. Vor uns liegen ein langes Wochenende und noch ein langer Weg. Bis jetzt haben wir noch gar nichts gewonnen. Ich glaube, da würden alle zustimmen. Wir befinden uns in einer guten Position, doch wie gesagt: Vor uns liegt noch einiges."

Frage: "Irgendwann wird es aber voraussichtlich so weit sein. Wie gelingt es dir, nicht darüber nachzudenken? Geht das überhaupt?"
Vettel: "Ich denke, das ist die Kunst. Wir alle wünschen uns natürlich, dass es eintritt. Es geht aber nicht darum, wann es eintritt. Zu Beginn des Jahres setzten wir uns das Ziel, die Weltmeisterschaft zu verteidigen. Bisher sind wir auf einem guten Weg."

"Unser Ziel ist aber nicht, die WM in Singapur oder in Indien oder Brasilien zu gewinnen. Es geht uns nur um den Titelgewinn an sich. Daran sollte sich auch jetzt nichts ändern. Es gibt oft Situationen während eines Rennens oder einer Saison, in denen es nicht einfach ist, einen kühlen Kopf zu bewahren oder die Konzentration aufrechtzuerhalten. Ich glaube, das ist eine mögliche Situation."

"Dann kommt es darauf an, nicht an dergleichen zu denken, sondern an das, was gerade wichtig ist. Am Sonntag, wenn ich im Auto sitze, wird das jede Kurve und jede Runde - eine nach der anderen - sein, bevor wir ins Ziel fahren. Dann gibt es genug Leute und man ist sicher auch schlau genug, zu verstehen, was das heißt oder auch nicht."

Vettel verdrängt die WM-Situation bewusst

Frage: "Die Entscheidung steht kurz bevor. Verspürst du da nicht wenigstens ein positives Bauchkribbeln?"
Vettel: "Natürlich ist man angespannt und natürlich ist es eine schöne Art von Anspannung. Man versucht sich nur vor Augen zu führen, wie schnell sich die Dinge ändern können. Es gibt genug Beispiele aus dem Sport generell, in denen der sicher geglaubte Sieger noch geschlagen wurde, weil er vielleicht begann, sich zu sicher zu fühlen und sich nicht mehr auf sein Spiel oder Rennen oder was auch immer konzentrierte."

"Es ist wirklich erst vorbei, wenn es vorbei ist - so einfach das klingt. Ich denke, das muss man sich immer wieder vor Augen führen. Wie gesagt: Gewonnen haben wir bislang noch nichts. Wir haben einen Vorteil gegenüber den anderen. Wir sind in der besseren Position und alle anderen würden gerne mit uns tauschen. So schlau sind wir, um das zu verstehen. Wie gesagt: mehr auch nicht."

Frage: "Fragst du während des Rennens nach oder rechnest du vielleicht im Kopf, wie die Lage aussieht?"
Vettel: "Nein. Ich glaube, das Wichtigste, wenn man am Sonntagmorgen aufsteht, ist, dass man das Beste aus sich herausholt. Es ist wurschd, wer auf Platz eins oder vielleicht auf Platz fünf oder je nach dem, wo man selbst liegt, herumfährt."

"Das spielt keine Rolle, denn deswegen fährst du nicht auf einmal eine halbe Sekunde schneller oder langsamer. Ist das der Fall, macht man vorher etwas falsch und verdient es mit Sicherheit nicht, zu gewinnen. Nach dem Rennen hat man genug Zeit, sich so etwas anzuschauen. Man versteht dann schnell genug, was es bedeutet - oder auch nicht."

Frage: "Du bist noch ein sehr junger Bursche. Wie schaffst du es, mit einer solchen Ruhe und Gelassenheit an dieses Thema heranzugehen?"
Vettel: "Nun ja, jetzt ist ja erst Donnerstag. Wir haben noch ein bisschen Zeit, bis es dann losgeht. Kurz vor dem Start ist man dann schon nervös und aufgeregt. Was auch gut ist, weil man dann auch wacher ist und bereit."

"Ansonsten verschläft man vielleicht schon den Start und auch das gesamte Rennen. Andererseits: Ist man zu nervös, kann der Schuss auch nach hinten losgehen. Es geht eben darum, genau diese Mitte zu finden. Ich mag vielleicht noch nicht allzu alt sein, doch ich habe schon viele Rennen gefahren und viele Situationen - gute und schlechte - miterlebt."

"Man zieht für sich die Mitte und versucht eben, aus den gemachten Fehlern oder aus den Rennen, in denen es vielleicht nicht so gut lief, und aus den Rennen, in denen es gut lief, zu lernen und es besser zu machen. Vielleicht auch, um für eine Situation wie diese, in der die Erwartungen und die Anspannung sehr groß sind, bereit und in gewisser Weise gewappnet zu sein, um genau richtig zu agieren. Ob uns das gelingt, werden wir sehen."

Red Bull hat die Formel 1 im Griff

Frage: "Red Bull scheint in diesem Jahr sehr zu dominieren. Was ist die Stärke dieses Teams?"
Vettel: "Ich glaube, das Auto ist in gewisser Weise nicht so stark wie 2010. Im Vergleich zur Konkurrenz ist es nicht so dominant. Meiner Meinung nach konnten wir aber sehr viel aus den beiden vergangenen Jahren lernen - vor allem, was die Ruhe im Team angeht, die Konzentration."

"Dass der Kurs trotzdem beibehalten wird, auch wenn das Boot einmal etwas schaukelt. Dass man sich nicht beunruhigen lässt. Dies führte in meinen Augen auch dazu, dass wir selbst dann viele Punkte mitnehmen konnten, wenn es einmal nicht so gut lief. Waren wir einmal nicht Erster, gelang es uns, Zweiter zu werden oder halt noch gute Punkte zu holen."

Frage: "Ist es deine bisher beste Saison?"
Vettel: "Unsere beste Saison, würde ich sagen. Ich alleine kann mit Sicherheit keine Berge versetzen. Jeder im Team hat seine Aufgabe. So, wie ich im Auto sitzen und es fahren darf, gibt es andere, die eben dafür sorgen, dass der Boxenstopp reibungslos funktioniert, dass wir jedes Mal mit die Schnellsten sind, dass die Strategie passt und dergleichen."

"Es gibt sehr viele Dinge. Als Team haben wir in diesem Jahr in gewisser Weise einen Lauf. Uns passieren nur wenige Fehler und selbst wenn, dann haben diese keine so große Bedeutung für das Endergebnis."

Frage: "Umsetzen musst du es aber trotzdem..."
Vettel: "Klar, aber ich muss es in gewisser Weise auch vorbereitet bekommen, damit ich es umsetzen kann. Jeder hängt wirklich vom anderen ab. Alleine kann man da nicht alles erreichen, denke ich."

Frage: "Du hast in diesem Jahr so oft erste und zweite Plätze belegt, dass man von einem 'einfachen' Jahr für dich sprechen könnte..."
Vettel: "Nun ja, das kommt darauf an. Wir waren als Team so viel besser als in den vergangenen Jahren. Einfacher war es nicht, denn du musst ja nach wie vor auf die Strecke gehen und deine Arbeit machen."

Frage: "Ist es aufregender, um den zweiten Titel zu kämpfen als um den ersten?"
Vettel: "In gewisser Weise, ja. Du musst wissen: Der erste Titel ist immer irgendwie etwas Besonderes. Ich habe zwar noch keinen zweiten Titel gewonnen, also kann ich es nur schwerlich einschätzen."

"Der erste Titelgewinn ist etwas Spezielles und eine große Erleichterung. Vor allem für dich selbst natürlich. Du weißt die gesamte Saison über, dass du ein gutes und starkes Auto, ein gutes Team hast. Damit solltest du im Jahresverlauf genug Punkte sammeln können, um ein Wörtchen um die Titelvergabe mitreden zu können."

"Wenn es näher heranrückt, verstehst du für dich selbst, dass du es schaffen kannst. Der Unterschied ist aber, es tatsächlich zu vollbringen. Dann hast du dir und den anderen bewiesen, dass du gut genug bist, um den Titel einzufahren. Das bedeutet sehr viel."

Vettel ist sehr angetan von Singapur

Frage: "Sprechen wir über Singapur: Wie muss man es sich vorstellen, nachts auf diesem Stadtkurs unterwegs zu sein?"
Vettel: "Wir haben hier ein künstliches Licht. In manchen Ecken ist es ein bisschen dunkel, aber alles in allem hell genug, um zu sehen, wo man hinfährt. Es ist schon etwas anderes. So hell wie am Tag wird es hier nie sein."

"Es ist eben künstliches Licht. In gewisser Weise ist man angespannter und muss sich mehr konzentrieren, dass man die Dinge wirklich sieht und wahrnimmt. Es ist ein bisschen vergleichbar mit Autofahren am Tag und in der Nacht. Die Strecke ist natürlich beleuchtet, denn wir haben ja auch keine Lampen am Auto. Es ist etwas anders und auch die Konzentration ist anders."

Frage: "Magst du diesen Grand Prix?"
Vettel: "Ja. In den beiden vergangenen Jahren waren wir dicht dran, den Sieg zu holen. Es gelang uns aber nicht. Hoffentlich befinden wir uns dieses Mal in einer ähnlich starken Position und schaffen es."

"Es ist ein klasse Rennen und zählt zu meinen Lieblingsrennen. Singapur ist ein toller Kurs, eine Runde ist sehr lang und der Grand Prix ist eine große Herausforderung. Wir sind fast zwei Stunden lang unterwegs, was für Fahrer, Fahrzeuge und Bremsen sehr hart ist. Deshalb bin ich sehr gespannt darauf."

Frage: "Was hast du dir für dieses Wochenende vorgenommen? Du scheinst dich nicht auf den Titelgewinn zu konzentrieren..."
Vettel: "Nein. Das macht mich nicht schneller oder langsamer. Zumindest sollte es das nicht tun. Wir müssen lediglich sicherstellen, schnellstmöglich um den Kurs zu fahren - jedes Mal."

"Es sollte keinen Unterschied ausmachen, ob wir nun viele oder nicht so viele Punkte abgreifen. Wenn sich uns eine Möglichkeit oder eine Lücke darbietet, dann müssen wir eine solche Gelegenheit beim Schopfe packen. Das ist nur normal und nennt sich Rennsport."

"Deswegen sind wir hier. Wenn sich aber keine Chance bietet, wäre es dumm, irgendein Risiko einzugehen. Wir werden sehen. Wir wollen unser Bestes geben und werden versuchen, das Rennen zu gewinnen. Sollen sich andere den Kopf über Zahlen und Rechnungen zerbrechen..."

Fotoquelle: xpb.cc

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