Sebastian Vettel kann schon an diesem Wochenende Weltmeister werden

Formel 1 2011

— 23.09.2011

Vettel auf WM-Kurs: Bestzeit vor Alonso

Souveräne Performance: Sebastian Vettel am Freitag in Singapur Schnellster vor Alonso und Hamilton - Schumacher Sechster, Button im Pech

Sebastian Vettel kann seinen ersten WM-Matchball nicht aus eigener Kraft verwerten, sondern muss auf Schützenhilfe seiner direkten Gegner hoffen, aber er scheint entschlossen zu sein, seinen Teil zur frühzeitigen Titelentscheidung beizutragen: Der Red-Bull-Pilot sicherte sich in 1:46.374 Minuten die Freitagsbestzeit beim Grand Prix von Singapur und hinterließ heute einen souveränen Eindruck.

Der (laut einhelliger Expertenmeinung) angehende Doppelweltmeister war im ersten und dritten Sektor schneller als Verfolger Fernando Alonso (Ferrari/+0,201), büßte dafür aber im Mittelsektor zwei Zehntelsekunden ein. Im Vergleich zu seiner Freitagsbestzeit vom vergangenen Jahr konnte sich Vettel um knapp drei Zehntelsekunden steigern. Als das Feld noch mit der härteren Soft-Mischung von Pirelli unterwegs war, war der Vorsprung aber zeitweise viel größer als eine Sekunde.

Vettel mit erstem Tag zufrieden

"Soweit war's ganz gut, wir hatten keine Probleme", zeigt sich der 24-Jährige zufrieden mit den ersten 150 Trainingsminuten (das erste Freie Training war wegen Arbeiten an der Fahrbahn um eine halbe Stunde gekürzt worden). "Das Auto fühlt sich ganz gut an. Es ist ziemlich ruppig. Im Vergleich zu allen anderen Strecken im Kalender wird man schön durchgeschüttelt, aber es war ganz gut, denke ich." Auch, weil bis auf Alonso niemand ernsthaft mit ihm mithalten konnte...

Denn der drittplatzierte Lewis Hamilton (McLaren) musste wegen falscher Einstellungen seine ersten beiden Versuche mit den weicheren Pneus abbrechen und büßte in Summe 0,741 Sekunden auf die Spitze ein. "Er hatte einfach einen schlechten Tag", meint 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer. Schlechter Tag bedeutet in Hamilton-Dimensionen: immer noch um fünf Tausendstelsekunden schneller als Felipe Massa im zweiten Ferrari.

Mit 0,891 Sekunden Rückstand wurde Mark Webber (Red Bull), der an Vettels Seite bestenfalls wie ein Statist wirkte, Fünfter - und dann klaffte ein Abstand von über einer Sekunde auf zwei erfreuliche Überraschungen aus deutscher Sicht: Michael Schumacher (Mercedes/+2,044) wurde Sechster, Adrian Sutil (Force India/+2,492) Siebter. Allerdings wäre Jenson Button unter normalen Umständen wohl vor den beiden gelandet.

Button ohne Rückwärtsgang

Der McLaren-Pilot verschätzte sich nach knapp 40 Minuten beim Anbremsen von Kurve 14, rutschte geradeaus und konnte nicht mehr wenden, ohne gegen die Mauer zu fahren. "Du kannst den Rückwärtsgang einlegen", funkte ihm sein Renningenieur ins Cockpit, aber Button antwortete: "Funktioniert nicht!" Also musste er entnervt aussteigen und auf seinen schnellen Run mit den weicheren Pirelli-Reifen verzichten.

Was Nico Rosberg (Mercedes) anscheinend freiwillig tat: Der Deutsche war zwar in der Schlussphase auf der Strecke, als fast alle mit den rot markierten Pirelli-Options testeten, erzielte seine Bestzeit aber mit den härteren Primes - Platz 15 mit fast viereinhalb Sekunden Rückstand. Dafür blieb er im Gegensatz zu seinem Teamkollegen fehlerfrei, denn Schumacher touchierte mit seinem rechten Hinterrad einmal die Barriere in Kurve drei, konnte danach aber weiterfahren.

Buemi: Radaufhängung kaputt

Überhaupt küssten heute einige Piloten die Mauer, bevorzugt im Engpass der Anderson-Bridge. Der einzige Pechvogel, der sich dabei die Radaufhängung rechts vorne abschlug, war Sebastien Buemi (19./Toro Rosso/+5,883): "Ich habe am Ausgang der letzten Kurve die Mauer getroffen", funkte der Schweizer - und übersah, dass es eigentlich die vorletzte Kurve war. Sein Stallkollege Jaime Alguersuari (11./+3,418) hatte bei einer ähnlichen Situation mehr Glück.

Eine unerwartet starke Freitagsleistung zeigten die beiden Sauber-Piloten Sergio Perez und Kamui Kobayashi, die mit jeweils gut drei Sekunden Rückstand Achter beziehungsweise Neunter wurden. Bruno Senna (+3,867) sicherte sich als schnellerer der beiden Renault-Piloten Rang zwölf, unmittelbar vor Paul di Resta (Force India/+3,971), bei dem der Unterboden lange Zeit abmontiert war und die letzte (einzige) schnelle Runde nicht perfekt war.

Ein Randstein-Chaos wie im ersten Training am Nachmittag blieb während der Nightsession in Singapur aus - vielleicht auch, weil Rennleiter Charlie Whiting schon vor Beginn angeordnet hatte, die Kerbs auch innen in Kurve 13 präventiv zu entfernen. Gleichzeitig waren auch die Lotus-Mechaniker beschäftigt, die bei Heikki Kovalainen (18./+5,576) nach dessen Bremsenfeuer einige Teile auswechseln mussten. "Ich spendiere ihnen später einen Drink", grinste der Finne.

Kampf gegen die 107-Prozent-Regel

Übrigens scheiterten mit Jerome D'Ambrosio (Marussia-Virgin) und den beiden HRT-Boliden wieder drei Kandidaten an der gedachten 107-Prozent-Hürde, die zum ersten Mal seit langer Zeit zu einer großen Herausforderung werden könnte. D'Ambrosio und Co. werden daher hoffen, dass die Spitze in Q1 nicht volles Tempo gehen muss, denn bei einem Vettel in Überform könnte es eng werden, die Qualifikation für das Rennen zu schaffen.

Doch die große Frage des Wochenendes ist: Gewinnt Vettel schon am Sonntag den WM-Titel? "Zumal Alonso heute Zweiter war, denke ich nicht, dass er es schafft. Aber Sebastian macht einen Superjob und es ist nur noch eine Frage der Zeit", meint Formel-1-Tourist Nick Heidfeld. Vettel selbst bleibt zurückhaltend: "Es gibt genug Möglichkeiten, die eintreffen könnten. Wir konzentrieren uns darauf, ein gutes Rennen zu fahren. Was die anderen dann machen, werden wir sehen."

Fotoquelle: xpb.cc

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