Champagnerdusche: Jenson Button jubelt inmitten der "roten Bullen"

Formel 1 2011

— 25.09.2011

Wie ein Weltmeister: Vettel dominiert in Singapur!

Ein Punkt fehlt noch: Sebastian Vettel deklassiert beim Nachtrennen die Konkurrenz und gewinnt vor seinem letzten verbliebenen WM-Gegner Jenson Button

Nach der Zieldurchfahrt wurde ber Singapur ein imposantes Feuerwerk gezndet, das Sieger Sebastian Vettel galt. Der Red-Bull-Pilot fuhr heute in seiner eigenen Liga, geriet von der Pole-Position aus nie in Gefahr - aber die Feier anlsslich des zweiten WM-Titels muss trotzdem um zwei Wochen auf Suzuka verschoben werden.

Im Grunde genommen stand Vettel schon nach Monza als neuer und alter Weltmeister fest, doch jetzt sind endgltig alle Rechenspielereien nur noch rein theoretischer Natur. Der einzige Konkurrent, der den Titelverteidiger noch entthronen kann, ist Jenson Button, aber selbst wenn der McLaren-Pilot von nun an alle Grands Prix gewinnen sollte (was hchst unwahrscheinlich ist), wrde Vettel schon ein einziger zehnter Platz zur Fixierung des WM-Triumphs gengen.

Nur noch theoretische Chancen

"Ein guter Tag fr Red Bull, aber solange es nicht vorbei ist, ist es nicht vorbei. Wir mssen es noch zu Ende bringen", grinst Teamchef Christian Horner. Mit einem Vettel in dieser Form reine Formsache, denn was der 24-jhrige Deutsche heute abgezogen hat, lie selbst die Konkurrenz staunen: "Sebastian hat keine Fehler gemacht, ist super gefahren, voller Selbstvertrauen", meint McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh anerkennend.

Vettel erwischte einen guten Start und konnte seine Fhrung locker verteidigen, schon in der ersten Runde um zweieinhalb Sekunden davonziehen. Nach zehn Runden hatte er zehn Sekunden Vorsprung. In weiterer Folge lie er sich weder durch eine Safety-Car-Phase noch durch Lotus-Pilot Heikki Kovalainen vom Weg abbringen, der ihn beim Rausfahren aus der Boxengasse beinahe gegen die Wand gedrngt htte.

Bei der Siegerehrung zerdrckte Vettel dann sogar ein Trnchen - oder doch nicht? "Ich hatte etwas im Auge", lacht der Seriensieger, dem die Trophe bei einem der anspruchsvollsten Rennen der Saison besonders viel bedeutet: "Ich bin sehr gerhrt. Der Sieg hier bedeutet mir sehr viel, denn Singapur ist eine meiner Lieblingsstrecken und die Herausforderung ist riesengro. Es ist ein beinhartes Rennen, das aber auf der anderen Seite unheimlich viel Spa macht."

Am Ende hatte er gerade mal 1,7 Sekunden Vorsprung auf Button, der in den letzten Runden immer nher kam. Der McLaren-Pilot attackierte volles Rohr, weil einige vermuteten, dass Vettel mit dem Benzinverbrauch im roten Bereich sein knnte. "Auf der Ziellinie war es kein groer Abstand, aber ich hatte alles unter Kontrolle", relativiert Vettel. "Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Das Auto war fantastisch. Wenn ich pushen musste, konnte ich locker davonziehen."

Start: Hamilton im Pech

Die einzige Chance fr die Konkurrenz wre wohl der Start gewesen, aber den verpatzte nur ein Red-Bull-Fahrer, nmlich wieder einmal Mark Webber. Der Australier wurde von Button und Fernando Alonso (Ferrari) berholt. Pech hatte Lewis Hamilton (McLaren), der von der Linie hervorragend wegkam, aber von Webber nach links gedrckt wurde, keinen Platz mehr hatte, vom Gas gehen musste und auf Platz acht zurckfiel.

Whrend sich das Feld relativ schnell einsortierte und wenig Action bot, war es wieder einmal Hamilton, der fr Unterhaltung sorgte: Zuerst kassierte er die beiden Mercedes-Piloten Michael Schumacher und Nico Rosberg, dann tat er sich mit Felipe Massa (Ferrari) etwas schwerer. In der 13. Runde brannten ihm schlielich die Sicherungen durch, als er Massa attackierte, sich aber dahinter einreihen musste - und mit dem Frontflgel das Hinterrad des Ferrari aufschlitzte!

"Es ist Lewis, dem immer wieder so ein Schei passiert, das ganze Jahr schon", kritisiert 'Motorsport-Total.com'-Experte die neuerliche Kollision von Hamilton, der dafr von den Rennkommissaren mit einer Durchfahrstrafe belegt wurde. "Er lenkt einfach ein - wie kann man so etwas machen? Lewis hat einfach ein Wochenende zum Vergessen. Es war vllig unntig, denn man kann doch nicht einlenken, wenn man ein Auto neben sich hat."

Im Finish brillierte Hamilton dann aber wieder, als er Massa, Adrian Sutil (Force India), Rosberg und den von seinem Vater Anthony gemanagten Paul di Resta (Force India) gleich zweimal berholte - mit Boxenstopp dazwischen. Das bedeutete am Ende Platz fnf fr den Weltmeister von 2008, 12,3 Sekunden hinter Alonso. Letzterer htte auch Dritter werden knnen, lie sich aber in der entscheidenden Phase des Rennens von Webber berrumpeln.

Webber: Wieder Start verpatzt

Der hatte seine Siegchancen gleich zu Beginn verspielt: "Ich bekomme im Moment nicht die Starts wie im Vorjahr hin", analysiert Webber selbstkritisch. "Daran muss ich arbeiten, denn das macht alles schwieriger, besonders dann, wenn das DRS nicht funktioniert. Singapur ist schwierig fr mich - ich war hier in den vergangenen Jahren nie superschnell. Seb ist ein verdienter Sieger, aber ich kann mit dem Podium auch zufrieden sein."

Genau wie Button, der in Singapur noch nie sonderlich positiv aufgefallen ist, heute aber eine blitzsaubere Performance ablieferte: "Mehr war nicht drin. Ich habe alles aus dem Auto rausgeholt, speziell am Ende des Rennens", seufzt der Weltmeister von 2009. "Wir waren heute einfach nicht schnell genug, um zu gewinnen, aber auf so eine Leistung knnen wir hoffentlich fr das nchste Rennen aufbauen."

Sauer ist er auf einige der Nachzgler: "Ich verstehe, dass es hier schwierig ist, Platz zu machen, noch dazu waren die meisten in Positionskmpfen. Aber sie mssen respektieren, dass sie von den Autos, von denen sie berrundet werden, aus einem Grund berrundet werden, weil die nmlich schneller sind und um bessere Positionen kmpfen. Es gab einige frustrierende Momente im Rennen", rgert sich der Zweite des Nachtrennens.

"Einer war Kobayashi. Ich steckte eine Runde hinter ihm, kam nicht vorbei, bis er endlich zur Seite zog", gibt Button zu Protokoll und erinnert sich noch an eine weitere rgerliche Situation: "Die zwei Williams kmpften gegeneinander. Wenn es in die letzte Runde geht und die Leute sehen, dass sie berrundet werden, denken sie, dass es ihre letzte Runde ist, also pushen sie und kmpfen gegeneinander. Dann kommst du natrlich nicht vorbei."

Force India sammelt wertvolle Punkte

Die positive berraschung des Tages war Force India mit den Pltzen sechs und acht. Di Resta startete als einziger Fahrer mit den hrteren Pirelli-Soft-Primes, lag durch seinen spten ersten Boxenstopp zwischendurch schon an dritter Stelle und hatte Glck, dass das Safety-Car zu einem fr ihn gnstigen Zeitpunkt auf die Strecke ging. "Trotzdem musst du es auch erst einmal umsetzen, gerade beim ersten Antreten in Singapur", klatscht Experte Surer Beifall.

Di Resta blieb auch in der gleichen Runde wie Sieger Vettel, wohingegen der siebtplatzierte Rosberg schon berrundet wurde. Fr den Mercedes-Piloten war es ein "durchwachsenes" Rennen: "Das Optimale wre Platz sechs gewesen, ich bin Siebter geworden. Das ist okay, aber ich hatte kein optimales Setup und so haben die Reifen zu stark abgebaut." Zumindest blieb er im Gegensatz zu zwei Landsleuten von einem Crash verschont.

Die grte Schrecksekunde besorgte Schumacher in der 30. Runde: Rosberg lieferte sich erst einen Fight mit Sutil und Sergio Perez (Sauber), baute dann aber einen kleinen Schnitzer ein, durch den Schumacher unerwartet aufschlieen konnte. Der siebenfache Weltmeister attackierte den Perez-Sauber, aber der kleine Mexikaner lie die Tr nicht offen stehen, sodass es krachte. "Fr mich ein klarer Rennunfall", analysiert Surer.

"Es war gewiss nicht ohne, aber es war nicht zu heftig. Mir geht es gut, kein Problem", gibt Schumacher nach seiner unfreiwilligen Flugeinlage Entwarnung. "Mein Vordermann ging etwas frh vom Gas und damit rechnete ich in diesem Moment leider nicht. Er blieb nicht auf der normalen Spur, sondern war halb innen. Deshalb musste er frh lupfen und dafr war ich zu dicht drauf. Ich wollte gerade dazu ansetzen, innen hineinzustechen."

Glock von Ricciardo abgeschossen

Bereits zuvor hatte sich Timo Glock mit gebrochener Radaufhngung verabschiedet: "Leider hat mich ein HRT von hinten am Rad getroffen. Von da an war in meinen Augen entweder der Reifen leicht beschdigt oder die Spur verstellt", sagt der Marussia-Virgin-Pilot. "Das Auto war auf jeden Fall immer sehr nervs, wenn ich in die Linkskurven einlenkte. So war es dann auch in dieser einen Ecke. Mir bracht das Heck aus und ich konnte nichts mehr machen. Das war's."

Hinter Massa sicherte sich Perez als Zehnter immerhin einen Punkt, dennoch liegt Sauber nun schon zwlf Zhler hinter Force India. Pastor Maldonado (Williams) wurde Elfter, Sebastien Buemi (Toro Rosso) Zwlfter. Alle anderen blieben unauffllig - inklusive Bruno Senna (Renault), der seinen dritten Grand Prix seit dem Comeback als 15. beendete und seinem Teamkollegen Witali Petrow (17.) mehr als eine halbe Minute Rckstand aufbrummte.

Weiter geht's in zwei Wochen in Suzuka, doch spannend ist in Wahrheit nur noch der Kampf um den jeweils zweiten Platz in Fahrer- und Konstrukteurswertung. Sogar Vettel lacht schon, wenn er nach seinen WM-Chancen gefragt wird: "Mit der Meisterschaft hat es nicht ganz geklappt, aber die Karten stehen gut, dass es in einem der nchsten Rennen klappen wird." Noch dazu, wo Suzuka vom Streckenlayout her als Red-Bull-Terrain gilt...

Natrlich will nach auen noch niemand aussagen, dass man den WM-Titel bereits in der Tasche hat, aber Red-Bull-Sportchef Helmut Marko findet recht offene Worte, wenn er sagt: "Theoretisch ist die Weltmeisterschaft gelaufen, weil keiner der anderen stark genug ist, um alle fnf Rennen zu gewinnen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass da noch etwas passiert", so der sterreicher. Zweiter Matchball Vettel: 9. Oktober, Suzuka, Japan.

Fotoquelle: xpb.cc

Weitere Formel 1 Themen

News

Top 10: Die dominantesten Autos der Formel-1-Geschichte

News

Formel-1-Live-Ticker: Der Sonntag in der Chronologie

News

Fotostrecke: Die grten Hassduelle der Formel-1-Geschichte

News

Formel 1 Ungarn 2017: Teamorder-Diskussionen bei Vettel-Sieg

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen gnstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung