Sebastian Vettel und Christian Horner feierten den (Fast-)WM-Titel im Riesenrad

Formel 1 2011

— 26.09.2011

Niemand zweifelt mehr: Vettel ist Weltmeister!

Eine Zeitung erklärt Sebastian Vettel schon zum Weltmeister und sogar bei Red Bull dämmert langsam die Erkenntnis, dass der Titel nun fixiert ist

Nach dem Sieg beim Ferrari-Grand-Prix in Monza war es im Grunde genommen schon klar, aber jetzt sind auch die allerletzten Zweifler verstummt: Sebastian Vettel sicherte sich gestern mit seinem ersten Triumph beim Nachtrennen in Singapur seinen zweiten WM-Titel hintereinander. Das einzige Szenario, wonach Jenson Button noch Champion werden könnte, ist völlig unrealistisch.

Denn dafür müsste der McLaren-Pilot alle fünf ausstehenden Rennen gewinnen und Vettel dürfte keinen einzigen Punkt mehr holen. Doch Button hat noch nie in seiner Karriere fünf Rennen hintereinander gewonnen (nicht einmal zu Beginn seiner Weltmeistersaison 2009, als er im überlegenen Brawn saß), und dass Vettel in fünf Rennen kein einziges Mal in die Top 10 fährt, gab es zuletzt 2007/08 auf Toro Rosso, als er ab Sao Paulo fünfmal hintereinander ausschied und dann in Istanbul 17. wurde.

Für Zeitung ist Vettel schon durch

Insofern ist die auflagenstärkste deutsche Tageszeitung nicht mehr alleine, wenn sie heute schreibt: "Herzlichen Glückwunsch, Sebastian - 'Bild' erklärt Vettel jetzt schon zum Weltmeister!" Und weiter: "So unglaublich dominierend, wie Vettel in diesem Jahr ist, könnte er beim nächsten Rennen in zwei Wochen in Japan wohl auch mit einem Bobby-Car starten, um den letzten Punkt einzufahren. Vettel ist die Titelverteidigung nicht mehr zu nehmen."

So schön langsam dämmert selbst dem 24-Jährigen, dass er sich wahrscheinlich schon in zwei Wochen hochoffiziell als Doppelweltmeister bezeichnen darf: Er fühle sich "dazu in der Lage", in Suzuka Zehnter zu werden, "aber ich muss es noch erledigen. Natürlich sollte es mit den Rennen, die wir bisher hatten, kein großes Problem sein, aber es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist, nicht davor. Statistisch sind die Chancen auf unserer Seite, aber generell sind im Sport schon viele Geschichten geschrieben worden, und auch diese muss erst abgeschlossen werden."

"Wenn man das einmal mit dem Fußball vergleicht, dann gab es schon Beispiele für Spiele, in denen die eine Mannschaft als der sichere Sieger galt und dann zwei Minuten in der Nachspielzeit noch ein Tor kassiert hat, siehe Champions-League-Finale Bayern gegen Manchester. Bumm, bumm - und das Ding war verloren", erinnert er sich an das denkwürdige Match von 1999 und mahnt daher zur Vorsicht: "Ich glaube, wir haben uns das ganze Jahr bemüht, nicht abzuheben. Das sollten wir auch jetzt nicht zulassen."

Doch dass man bei Red Bull noch nicht feiert, ist wohl ein reiner Automatismus, denn für Suzuka kann der Champagner auf jeden Fall schon eingekühlt werden. Teamchef Christian Horner meinte in einer ersten Stellungnahme noch, es sei nach wie vor nichts entschieden, aber ein paar Stunden nach dem Rennen klang er dann schon anders: "Wir müssten uns schon ziemlich anstrengen, das noch wegzuwerfen, aber es wäre schön, den Titel mit Stil zu fixieren."

Stewart wünscht Vettel einen Sieg in Suzuka

Dafür wäre ein Sieg beim Nachtrennen in Singapur ideal gewesen, aber Jackie Stewart hofft, dass Vettel nun auch in Suzuka gewinnen wird: "Er wird die Weltmeisterschaft gewinnen, aber es ist immer schön, das mit einem Sieg zu feiern. Jetzt kann es sein, dass er den nächsten Grand Prix nicht gewinnt, aber Weltmeister wird. Ich hoffe, dass er in Suzuka gewinnt und Weltmeister wird, denn er verdient das", so der dreifache Formel-1-Champion gegenüber 'Motorsport-Total.com'.

Selbst Helmut Marko glaubt nicht mehr, dass noch etwas anbrennen kann: "Theoretisch ist die Weltmeisterschaft gelaufen, weil keiner der Verfolger stark genug ist, um alle fünf ausstehenden Rennen zu gewinnen", analysiert er. "Einer ist auf der Strecke schnell, ein anderer auf einer anderen. Das sind vier Leute: Button, Alonso, Hamilton und Webber. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass da noch etwas passiert."

Aber das Ziel sei ganz klar, "alle noch ausstehenden Rennen zu gewinnen", unterstreicht Red Bulls Motorsportkonsulent. Seinem Kollegen Horner ist indes "völlig egal", dass man gestern noch nicht feiern konnte: "Unser Ziel war, das Rennen zu gewinnen, und Jenson ist verdient Zweiter geworden, denn er ist ein sehr gutes Rennen gefahren. Was die anderen machen, haben wir nicht in der Hand, sondern wir können nur kontrollieren, was wir selbst machen."

"Hoffentlich holen wir den erlösenden Punkt in einem der verbleibenden fünf Rennen. Wir werden in Japan mit genau der gleichen Einstellung antreten wie bei allen anderen Rennen und unser Bestes geben. Wir wollen das Rennen gewinnen", sagt Horner und zeigt sich optimistisch: "Suzuka ist eine Strecke, auf der Sebastian in der Vergangenheit immer sensationell war. Es ist eine Strecke, auf der unsere Autos gut sind, und es wäre großartig, es dort zu Ende zu bringen."

Horner hofft auf erlösenden Punkt

"Noch sind aber fünf Rennen zu fahren und wir werden bis zum Ende der Weltmeisterschaft so hart es geht pushen", gibt der Red-Bull-Teamchef zu Protokoll. "Ich habe mich erst zehn Runden vor Schluss erkundigt, wie die Rechnerei aussieht, weil unser Fokus auf den einzelnen Rennen liegt. In den Weltmeisterschaften haben wir uns in gute Ausgangspositionen gebracht. Der Rest ergibt sich dann hoffentlich ganz von selbst."

Klar ist, dass nur noch Jenson Button den zweiten WM-Titel von Vettel verhindern kann. Bei 125 noch zu vergebenden Punkten liegt der Champion von 2009 124 Zähler zurück; Fernando Alonso könnte mit Vettel zwar rein theoretisch noch gleichziehen, wäre aber dennoch nur WM-Zweiter, weil er bei Punktegleichheit die geringere Anzahl an Grand-Prix-Siegen vorzuweisen hätte. Doch das ist ohnehin nur noch graue Theorie.

Trotzdem gibt McLaren nicht ganz auf: "Es wird schwierig, aber es ist mathematisch noch möglich", sagt Teamchef Martin Whitmarsh. "Adrian (Newey, Technischer Direktor; Anm. d. Red.), Red Bull und Sebastian leisten fantastische Arbeit, aber ich bin froh, dass wir ihre Party vertagt haben. Wir werden weiterkämpfen, denn wer weiß?" Aber er weiß: "Wahrscheinlich werden sie die Party in Japan feiern, denn sie machen einen ziemlich starken Eindruck."

Der vielleicht größte Wermutstropfen aus Vettel-Sicht ist, dass sein Rekord als jüngster Doppelweltmeister der Formel-1-Geschichte durch die Vertagung auf Suzuka um zwei Wochen geschmälert wird. Doch das war dem in der Schweiz lebenden Heppenheimer ziemlich egal, als er nach dem Rennen mit Teamchef Horner im Singapur-Flyer, dem höchsten Riesenrad der Welt, auf den Sieg anstieß...

Fotoquelle: Red Bull

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