Sam Michael freut sich auf seine völlig neue Aufgabe im McLaren-Team

Formel 1 2011

— 27.09.2011

McLaren: Kann Michael Hamiltons Temperament zügeln?

McLarens künftiger Sportdirektor Sam Michael hofft auf eine frühzeitige Arbeitsfreigabe und freut sich auf die Zusammenarbeit mit Lewis Hamilton

Nachdem er am vergangenen Sonntag in Singapur erneut in eine unnötige Kollision mit Felipe Massa verwickelt wurde, muss sich Lewis Hamilton derzeit eine Menge Kritik anhören. McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh bezeichnet ihn als "manchmal zu ungestüm" und sogar Vater Anthony Hamilton rät seinem Sohnemann, sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren und den Fokus auf das Rennfahren zu schärfen.

Eine Veränderung im Umfeld von Hamilton, die nächstes Jahr für eine Veränderung sorgen könnte, ist die Zusammenarbeit mit Sam Michael. Michael hat in Singapur seinen letzten Grand Prix als Technischer Direktor am Williams-Kommandostand bestritten, wird bei McLaren aber nicht mehr im technischen Bereich, sondern als Sportdirektor arbeiten. Als solcher zählen die operativen Abläufe an der Rennstrecke und damit auch die Zusammenarbeit mit den Fahrern zu seinen Hauptaufgaben.

Racing im Blut

Der Australier glaubt, dass er dem gewachsen sein wird: "Ich bin ein Racing-Mensch und ich verstehe Fahrer sehr gut. Ich habe schon öfter mit schwierigen Fahrern zusammengearbeitet, hatte aber stets ein sehr gutes Verhältnis zu ihnen. Montoya ist ein gutes Beispiel dafür", sagt er. "Ich bin jetzt 40 Jahre alt und verstehe die Mechanismen und Aspekte von solchen Beziehungen. Ich bin mir sicher, dass ich gut mit Lewis und Jenson zurechtkommen werde."

Allerdings hält er es gar nicht für notwendig, Hamilton einer "Spezialbehandlung" zu unterziehen: "Er kriegt das selbst hin", meint Michael. "Meine Aufgabe wird nicht sein, ihn zu managen, sondern zu schauen, wie es besser werden kann. Diese Beziehung wird sich entwickeln. Er ist ja enorm talentiert, schnell wie der Blitz. Er hat schon einmal eine Weltmeisterschaft gewonnen und ich habe keinen Zweifel daran, dass er das wieder schaffen wird."

Jenson Button kennt er schon ein bisschen: "Er hat das Team 2000 verlassen und ich bin 2001 gekommen", gibt der inzwischen ehemalige Williams-Technikchef zu Protokoll. "Ich kenne ihn von Plaudereien auf Flughäfen und auch, weil er ja noch fünf oder sechs Jahre lang Verträge mit Williams hatte, als er gar nicht mehr für Williams gefahren ist. Ich kenne ihn nicht besonders gut, aber ein bisschen besser als manche anderen Fahrer."

Sperre bis 1. März

Michael darf bis 1. März 2012 für kein anderes Team arbeiten, doch der 40-Jährige hofft, dass ihn Williams frühzeitig freigeben wird: "McLaren setzt sich stark dafür ein", berichtet er. "Wenn ich dieses Jahr noch ein Rennen mit McLaren bestreiten könnte, dann könnte ich mir über den Winter viel besser Gedanken machen, um nächstes Jahr in Melbourne von Anfang an bereit zu sein. McLaren will nächstes Jahr vom ersten Rennen an konkurrenzfähig sein. Da würde das helfen."

Unabhängig vom tatsächlichen Arbeitsantritt freut sich Michael auf die neue Herausforderung: "Ich freue mich schon sehr auf McLaren", gesteht er. "Sie haben eine gute Gruppe an Ingenieuren dort, mit soliden Leuten wie Paddy Lowe, Neil Oatley, Tim Goss. Mich dieser Gruppe anzuschließen, ist mir sehr wichtig. Ich glaube, dass ich vielleicht die letzten Puzzleteilchen beitragen kann, damit McLaren wieder Weltmeisterschaften gewinnt."

Dass er sich aus dem Ingenieurswesen verabschieden wird, um sich künftig um sportliche Belange zu kümmern, stört ihn nicht: "Sportdirektor ist eine hauptsächlich sportliche Funktion", beschreibt er und ergänzt: "Ich bin Teil der Senior-Management-Gruppe. Meine Hauptverantwortungsbereiche sind die Rennen, der operative Betrieb und die Organisation. Die Verantwortung, die ich tragen werde, macht den Job ziemlich aufregend. Ich kann es gar nicht mehr erwarten."

Schöne Erinnerungen an Montoya

Williams verlässt Michael nach mehr als zehn Jahren mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Was waren die Highlights deiner Amtszeit, Sam? "Der Sieg in Monaco mit Montoya", erklärt er gegenüber 'Motorsport-Total.com' und zählt weiter auf: "Das 2009er-Auto. Das war ein gutes Auto - es hätte in der Weltmeisterschaft viel mehr erreichen müssen, als es erreicht hat. Und die Arbeit mit Frank (Williams) und Patrick (Head; Anm. d. Red.), ihre Gruppe und ihr Vermächtnis weiterzuführen."

Am Sonntagabend in Singapur scherzte Michael, er habe an seinem letzten Arbeitstag jede Menge Taschentücher gebraucht - in Wahrheit nahm er den Abschied relativ gelassen, wie es seinem analytischen Naturell entspricht. Aber ein paar Spuren hinterließ dieser wehmütige Anlass dann doch: "Schön war, dass viele Kollegen gekommen sind und mir gesagt haben, dass es großartig war, mit mir zu arbeiten", sagt er.

"Wenn du ein Chef von jemandem bist, ist es immer schwierig, Freundschaften zu pflegen, weil du eine gewisse Distanz wahren musst - es ist nicht so, dass man gemeinsam auf ein Bier ins Pub geht", gibt Michael zu. "Ich habe wahrscheinlich mehr Freundschaften aus meiner Jordan-Zeit. Aber jetzt denke ich, dass ich auch bei Williams Freunde hinzugewinnen werde, weil ich den Leuten nicht mehr sagen muss, was sie zu tun haben."

Fotoquelle: Williams

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