Formel 1 2011

— 06.10.2011

Formel 1 2014: "Wir stecken noch in den Kinderschuhen"

Die Regeländerungen der Zukunft werfen bereits ihre Schatten voraus: Noch ist nicht ganz klar, was die Bestimmungen ab 2014 zur Folge haben werden



Die Rennsaison 2014 wird einige einschneidende Veränderungen für die Formel 1 mit sich bringen, denn ab diesem Jahr gelten die neuen Regeln des Automobil-Weltverbands (FIA). Kernstück dieser Neuerungen ist der 1,6-Liter-V6-Turbomotor, doch auch in anderen Bereichen müssen sich die Teams auf zum Teil große Umwälzungen einstellen. Diese sind bislang aber noch nicht en Detail formuliert.

Aus diesem Grund herrscht in den kommenden Monaten noch Gesprächsbedarf, was die neuen Regularien anbelangt. "Ich habe mir die Regeln für 2014 sehr genau angesehen. Ich denke, darüber müssen wir noch einmal diskutieren", bestätigt James Key. "Die Bestimmungen sind noch jung und uns ist noch nicht klar, was wir von einem in V6-Motor mit 15.000 Umdrehungen erwarten können."

Neue Getriebe für die Formel 1

"All diese Dinge müssen also noch einmal durchdacht werden", findet der Technische Direktor des Sauber-Rennstalls. "In der Technischen Arbeitsgruppe sprachen wir zum Beispiel bereits darüber, wie wir beim Getriebe noch effizienter werden können. Es ist möglich, weniger Übersetzungen pro Saison zu verwenden", erläutert der Brite. Genau darauf zielt das neue Regelwerk ab, meint Sam Michael.

"Wir hatten bisher rund 75 Getriebeübersetzungen, aus denen sich die Ingenieure bedienen konnten", sagt der künftige Sportdirektor von McLaren. "Aktuell stehen wir bei 30 dieser Einstellungen, ab 2014 werden acht plus acht sein, danach acht. Im Zuge dessen verändern sich auch die Getrieberegeln. Du hast vier Einheiten pro Saison und kannst diese einsetzen, wie auch immer du willst", meint Michael.

"Ein Getriebe muss vier bis fünf Rennen aushalten. Das schließt die Freitage mit ein, denn diese Regeln knüpfen an die Motorenregeln an. Dabei geht es um die Kosteneinsparung", erklärt Michael. "Zunächst verlängerten wir die Lebensdauer der Getriebe, im zweiten Schritt folgt die Fixierung der Übersetzung. Danach reduzieren wir deren Anzahl. Das geht aber nur mit dem Turbomotor."

Gibt es bald einen "Boxengassen-Gang"?

Schlussendlich wird die Formel 1 in der Saison 2014 mit insgesamt acht Gängen auf die Strecke gehen, die allerdings noch genau zu definieren sind. Möglich ist nämlich, dass in der Boxengasse ein Elektromotor zum Einsatz kommt, der neue Schwierigkeiten mit sich bringt. "Man könnte einen Gang definieren, der den Charakteristiken des Elektromotors entspricht", hält Key diesbezüglich fest.

Mehr als erste Ansätze sind dies aber nicht, fügt der Sauber-Technikchef hinzu. "Wir stecken da noch in den Kinderschuhen. Es kommt ganz darauf an, wie sich die Motorengeschichte entwickelt. Es könnte darauf hinauslaufen, dass wir einen Boxengassen-Gang haben, um dann auf der Strecke die Gänge von eins bis sieben zur Verfügung zu haben. Dergleichen gilt es noch auszuarbeiten."

Gespannt sind die Experten zweifelsfrei auf die Auswirkungen der neuen Regeln. Michael beschreibt einige Szenarien für 2014 aus seiner Sicht: "In Monaco wird man vermutlich bis in den sechsten, siebten Gang hochschalten, weil man ja durchaus Geschwindigkeiten bis 300 km/h fahren muss. Der achte Gang käme aber wohl nur in Monza zum Einsatz", meint der langjährige Williams-Mitarbeiter.

Teams fordern Mitspracherecht ein

"Im Hinblick auf den verstellbaren Heckflügel (DRS; Anm. d. Red.) könnte dieser achte Gang auch schon in der Qualifikation zum Einsatz kommen. Aktuell geraten die Autos mit DRS in den Begrenzer. Bei einem Achtgang-Getriebe würde man da nichts verlieren", erläutert Michael. Verlierer sieht Eric Boullier allerdings sehr wohl - in den Formel-1-Teams, die zu wenig Regel-Mitspracherecht hätten.

Der französische Renault-Teamchef würde gerne konstruktiv mitarbeiten, statt überrascht zu werden: "Es ist verrückt, dass der Verband über Regeln entscheidet, die große finanzielle Auswirkungen auf die Teams haben können", sagt Boullier. "Wir wollen sicherstellen, dass große Entscheidungen nicht über unsere Köpfe hinweg getroffen werden können. Es scheint, dass in diesem Prozess etwas fehlt."

So sieht Boullier manche Einzelheiten des neuen Reglements für 2014 durchaus kritisch - zum Beispiel den Ansatz, in der Boxengasse lediglich noch Elektromotoren einzusetzen. "Ich verstehe, dass das ein Signal für den Umweltschutz setzen soll, aber es ist möglicherweise gefährlich, ganz leise Autos in der Boxengasse zu haben", meint der Teamchef. Andere Neuerungen seien sinnvoll.

Ferrari möchte noch abwarten

In Zukunft sollen die Fahrzeuge unter anderem über einen Starterknopf verfügen, wodurch der Pilot den Rennwagen in Eigenregie anlassen kann. "Das ist nicht unbedingt Hochtechnologie, aber warum nicht? So könnte ein Fahrer zumindest weiterfahren, wenn er sich gedreht hat", meint Boullier. Der Franzose geht insgesamt davon aus, dass beim Regelwerk noch nicht alles in Stein gemeißelt ist.

"Ich bin mir ziemlich sicher: Wir werden bis 2014 noch viele Änderungen sehen", gibt der Renault-Teamchef zu Protokoll. Wohl auch deshalb hält sich Ferrari vorerst noch zurück: "Es ist zu früh, um sich schon jetzt mit diesem Projekt auseinanderzusetzen", findet Chefdesigner Nikolas Tombazis. In erster Linie gelte es, die aktuelle Saison zu Ende zu bringen und "noch weitere Rennen" zu gewinnen.

"Zweitens möchten wir 2012 mit einer neuen Herangehensweise zu Werke gehen, weil wir fest davon überzeugt sind, in den letzten Jahren nicht nach unseren üblichen Standards operiert zu haben. Die dritte Zielsetzung sieht vor, ein Motorpaket zu haben, das perfekt in das wie auch immer gestaltete Auto für 2014 passt. Mit der Forschung in diesem Projekt haben wir aber noch nicht begonnen."

Fotoquelle: xpb.cc

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