Bei Mercedes ist man zuversichtlich, dass der Sprung an die Spitze gelingen kann

Formel 1 2011

— 06.10.2011

Mercedes: Volle Kraft voraus

Geoff Willis und Aldo Costa sollen aus dem Mercedes-Team einen WM-Kandidaten formen - Teamchef Ross Brawn erläutert die neue Rollenverteilung

Mercedes lässt nichts unversucht, den Rückstand auf die drei Topteams über kurz oder lang zu verkürzen. Während man der ersten Podiumsplatzierung der Saison 2011 auch nach 14 von 19 Rennen nach wie vor hinterher fährt, wurden in der vergangenen Woche in Bezug auf die mittel- und langfristige Zukunft entscheidende Weichen gestellt.

Die Bekanntgabe, wonach das Team mit Sitz im englischen Brackley mit Geoff Willis und Aldo Costa gleich zwei hochkarätige Neuzugänge verpflichten konnte, sorgt sowohl bei den Piloten Nico Rosberg und Michael Schumacher als auch bei Teamchef Ross Brawn für Aufbruchsstimmung und die Hoffnung auf ein baldiges Ende der länger als ursprünglich eingeplanten "Dürreperiode" bei den Silberpfeilen.

"Es kommt selten vor, dass Leute vom Kaliber dieser beiden in der Formel 1 verfügbar sind", sagt Teamchef Brawn im Hinblick auf die doppelte Verstärkung durch Willis und Costa. "Die Ansprüche des Teams verlangen eine solche Qualität und Besetzung, wenn wir regelmäßig um Spitzenplätze mitfahren wollen", wird der Brite von 'Autosport' zitiert.

Nach Aussage Brawns, der das Team unter seinem eigenen Namen im Jahr 2009 zum doppelten Titelgewinn in Form von Fahrer- und Konstrukteurs-WM führte, sei nun "die grundlegende Basis für Erfolge geschaffen und eine, die in absehbarer Zeit nicht verändert werden wird". Mercedes hatte das Brawn-Team zu Beginn der Saison 2010 mehrheitlich übernommen. In diesem Zusammenhang stießen auch die beiden Piloten Rosberg und Schumacher zum Rennstall.

"Im Moment gibt es drei Teams, die schneller sind als wir, also mussten wir reagieren", begründet der Teamchef die Verstärkung im doppelten Sinne. "Wir sind uns unserer gegenwärtigen Position bewusst geworden und haben uns dafür entschieden, das Team zu verstärken, um in Zukunft bessere Chancen zu haben." In der laufenden Saison brachte es Mercedes in 14 Rennen auf 114 WM-Punkte während Red Bull (491), McLaren-Mercedes (353) und Ferrari (268) allesamt deutlich erfolgreicher waren.

Klare Rollenverteilung im Team

Willis und Costa werden künftig jeweils zwei entscheidende Gruppen im Technikbereich des Teams anführen. Ex-HRT-Technikchef Willis tritt am Montag nach dem Grand Prix von Südkorea seinen Job als Technologieleiter an und berichtet direkt an Technikchef Bob Bell, der seit Februar für Mercedes tätig ist. "Geoff zeichnet für die Technologiegruppe verantwortlich, die sich mit Aerodynamik, Fahrzeugdynamik und Kontrolleinheiten befasst. Darunter fallen die Bereiche Getriebe, Differenzial sowie alle Kontrolleinrichtungen des Fahrzeugs", erklärt Brawn.

Speziell im Hinblick auf das neue Motorenreglement zur Saison 2014 - wenn die aktuellen V8-Saugmotoren durch Sechszylinder-Turbomotoren abgelöst werden - sieht der Boss den Kontrolleinrichtungen eine entscheidende Bedeutung zukommen.

Ex-Ferrari-Technikchef Costa, der genau wie Willis an Bell berichten wird, nimmt am 1. Dezember den Posten des Konstruktionsleiters in Brackley ein. "Aldo wird sich federführend um die Mechanik und das Design des Fahrzeugs kümmern", stellt Brawn heraus und präzisiert: "Das bedeutet, dass alle arbeitenden Elemente des Autos wie Chassis, Kraftübertragung oder Radaufhängung in seinen Verantwortungsbereich fallen." Zudem wird Costa nach Aussage des Teamchefs für den Bereich Forschung und Entwicklung zuständig sein und dort innovative Radaufhängungen und andere Systeme aufbauen.

Aufbruchsstimmung bei den Piloten

Die Fahrer zeigen sich angesichts der internen Neuausrichtung jedenfalls angetan. "Uns ist klar geworden, dass wir uns stärker aufstellen müssen, wenn wir mit den Jungs an der Spitze mithalten wollen", sagt Schumacher. "Wir brauchen sowohl mehr Potenzial vom Auto als auch mehr Kapazitäten. Die Basis dafür ist nun geschaffen." Teamkollege Rosberg ergänzt: "Die Bekanntgabe zeigt, dass das Team verstanden hat, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann, wenn wir die Weltmeisterschaft gewinnen wollen. Jetzt ist alles angerichtet - ein wenig spät zwar, aber es ist ganz eindeutig ein positives Zeichen."

Während einige Beobachter der Szene angesichts der jüngsten Bekanntgabe zu viele große Köpfe im Aufgebot des Mercedes-Teams orten, sieht Brawn die Rollen der beiden Neuzugänge wie beschrieben klar verteilt. Der gegenwärtige Chefdesigner John Owen wird seine Position auch in Zukunft beibehalten und ab Dezember für Costa arbeiten. Unterdessen wird Technikchef Bell das Team neben seiner Aufgabe als Überwacher des Renn- und des Designteams in Reihen der Teamvereinigung FOTA vertreten.

Brawn ist sich allerdings bewusst, dass die beiden Neuzugänge in Bezug auf den Mercedes-Boliden für die Saison 2012 nur bedingt Einfluss nehmen können. Dafür geschah die Verpflichtung in beiden Fällen zu spät. Vielmehr geht der Teamchef davon aus, den wirklichen Nutzen frühestens zur Saison 2013, wenn nicht sogar erst im darauffolgenden Jahr, ziehen zu können.

Gerüchten, wonach Brawn durch die jüngste Bekanntgabe bereits seinen eigenen Rückzug langsam aber sicher vorbereitet, nimmt er entschieden den Wind aus den Segeln. "Im kommenden Jahr wird alles mehr oder weniger beim Alten bleiben. Mein Ziel ist es, Mercedes als Team zum Erfolg zu führen. Erst wenn ich dieses Ziel erreicht habe, werde ich darüber nachdenken, einen Schritt kürzer zu treten."

Fotoquelle: xpb.cc

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