Kann Unmut nicht verbergen: Hamilton unzufrieden, Vettel und Button freuen sich

Formel 1 2011

— 08.10.2011

Neun Tausendstel: Vettel doch vor Button!

Lewis Hamilton im Pech, Jenson Button um Haaresbreite geschlagen: Sebastian Vettel startet von der Pole-Position in seine WM-Party in Suzuka

In allen Freien Trainings in Suzuka war Jenson Button am schnellsten, aber ausgerechnet im für die Startpositionen entscheidenden Qualifying musste sich der McLaren-Pilot um neun Tausendstelsekunden geschlagen geben. Die Pole-Position sicherte sich stattdessen der angehende Weltmeister Sebastian Vettel.

Der Red-Bull-Pilot muss morgen nur Platz zehn erreichen, um Weltmeister zu werden, selbst wenn Button den Grand Prix von Japan gewinnen sollte. "Darauf schaue ich aber nicht wirklich", grinst der überlegene WM-Leader, der insgeheim ohnehin weiß, dass er sich längst als Champion fühlen darf. Vielmehr geht es ihm und seinem Team darum, die Weltmeisterschaft würdig abzuschließen - also am besten mit dem dritten Sieg hintereinander in Suzuka!

Hamilton wieder einmal im Pech

Heute sah es zunächst nicht nach der Pole-Position aus, denn vor dem letzten Q3-Run führte noch Lewis Hamilton (McLaren) vor Button - Vettel war mit zwei Zehntelsekunden Rückstand Dritter. Dann aber legte der Deutsche eine Bestzeit von 1:30.466 Minuten vor, auf die Hamilton nicht mehr kontern konnte, weil er seine Runde zu spät begann: "Ich hatte das Gefühl, dass es zumindest noch ein paar Zehntel schneller gegangen wäre, denn mein erster Run war nicht ideal", ärgert er sich.

Vermasselt hat es diesmal übrigens nicht der McLaren-Kommandostand: "Ich dachte, ich kann es mit diesen Jungs aufnehmen, aber in der letzten Kurve war es ziemlich gefährlich", kritisiert Hamilton - sichtlich bemüht, die Fassung nicht zu verlieren. "Ich hatte Mark auf der einen Seite und Michael auf der anderen. Darum konnte ich die Runde nicht mehr fahren." Warum so etwas notwendig sei, könne er nicht nachvollziehen.

Also blieb nur noch Button als Gegner, aber der einzig verbliebene WM-Herausforderer scheiterte um 0,009 Sekunden. Er habe "alles aus dem Auto rausgeholt", meint Button, der glaubt, dass "ein bisschen Übersteuern" während seiner schnellsten Runde letztendlich den Unterschied gemacht haben könnte. Aber: "Auf einer Strecke, wo Red Bull die letzten Jahre dominiert hat, ist der zweite Platz auch ziemlich gut", tröstet er sich.

Vettel doch mit neuem Frontflügel

Vettel plärrte indes wieder einmal "That's what I'm talking about" in den Boxenfunk - kein Wunder, denn mit dieser Pole-Position hatte er nach den ernüchternden Trainingszeiten nicht unbedingt gerechnet. "Es war ein ganz besonderes Qualifying, nicht einfach", freut er sich. Umso größer ist der Jubel, als er über Nacht doch noch die neueste Spezifikation des Frontflügels erhalten hat: "Das ist natürlich der beste Dank, den man dem Team zurückgeben kann!"

Denn den eigentlich für Suzuka vorgesehenen Flügel hatte der 24-Jährige bei seinem Trainingscrash am Freitagmorgen zerlegt. Das war ihm auch im Hinblick auf das morgige Rennen "eine Lehre, denn ich war nur eine Sekunde nicht konzentriert, aber schon hatte ich das Auto verloren". In Q3 war es dann "ganz knapp, aber die Runde war fast perfekt, obwohl ich im ersten Sektor schon fast zu viel probiert habe", sagt Vettel und ist optimistisch für morgen: "Wir haben ein gutes Rennauto."

Button mit Vorsprung bei der Zwischenzeit

Die Entscheidung war besonders dramatisch, denn nach den ersten zwei Zwischenzeiten hatte Button noch Vorsprung auf Vettel - erst im dritten Sektor war der Deutsche (17,5 Sekunden) um einen Hauch schneller als sein britischer Rivale (17,6). Schnellster in jenem Abschnitt war übrigens Fernando Alonso (Ferrari/17,4), mit 311 km/h durch die Mutkurve 130R eine Klasse für sich. Unterm Strich landete der Spanier aber nur auf Rang fünf.

Damit war er sogar um knapp eine Zehntelsekunde langsamer als sein Teamkollege Felipe Massa, aber solide schneller als Mark Webber (Red Bull). Letzterer fuhr im abschließenden Run absolute Bestzeit im ersten Sektor, schmiss die mögliche erste Startreihe aber im Mittelsektor weg, wo er um sieben Zehntelsekunden langsamer war als Vettel und Button. Im letzten Sektor wäre er wieder konkurrenzfähig gewesen.

"Sehr zufrieden, eigentlich schon das ganze Wochenende" kann indes Michael Schumacher (Mercedes) sein: Startplatz sieben! Dafür musste der siebenfache Weltmeister und Suzuka-Rekordsieger in Q3 nicht einmal mehr eine gezeitete Runde fahren, weil auch Bruno Senna, Witali Petrow (beide Renault) und Kamui Kobayashi (Sauber) ohne Zeit blieben. Schumacher und Kobayashi gingen aber zumindest für einen Showrun auf die Strecke.

Schumacher sieht Aufwärtstrend

"Wir haben gut gearbeitet", stellt Schumacher fest und betont: "Das ist ein Trend, der schon seit drei Rennen anhält. Wir haben ein bisschen was verändert und seitdem läuft es einfach für mich. Morgen nach vorne zu fahren, wird schwierig, aber es muss das Ziel sein, den einen oder anderen Platz zu holen und vielleicht auf Konfusion vor uns zu hoffen." Das trifft auf seinen Teamkollegen Nico Rosberg allerdings noch viel mehr zu...

Der zweite Mercedes-Pilot scheiterte nämlich schon in Q1, wo er zunächst rausging, dann aber an die Box beordert wurde - und kein zweites Mal angreifen konnte. "Es gab ein Problem mit der Hydraulik", bedauert er. "Ich hatte es gar nicht bemerkt. Ich durfte nicht mehr schalten, damit nichts kaputtging. Das Team konnte den Fehler nicht beheben." Aber: "Punkte sind bestimmt noch drin. Ich werde es versuchen, habe ja noch alle Reifen zur Verfügung."

107-Prozent-Hürde nicht geschafft

Ein Hydraulikproblem hatte auch Sergio Perez (Sauber), der aus diesem Grund in Q2 17. und Letzter wurde. Auch Vitantonio Liuzzi (HRT) rollte mit technischem Defekt aus, sodass er und Rosberg theoretisch keine 107-Prozent-Zeit vorweisen können - gut möglich allerdings, dass die FIA-Rennkommissare Gnade vor Recht ergehen lassen werden und beiden eine Ausnahmegenehmigung für die Teilnahme am Rennen zugestehen.

Erwartet spannend war der Kampf in Q2: Zunächst schien Toro Rosso von den Mittelfeld-Teams am besten aufgestellt zu sein, doch Sebastien Buemi und Jaime Alguersuari griffen am Ende nicht mehr an und rutschten so noch auf die Plätze 15 und 16 ab. Nutznießer waren die beiden Force Indias, die beinahe in die Top 10 gekommen wären und sich morgen die sechste Startreihe teilen werden - Adrian Sutil knapp drei Zehntelsekunden vor Paul di Resta.

Mehr wäre nicht drin gewesen: "Wahrscheinlich lag es am Abtrieb oder der Geschwindigkeit. Es ging nicht schneller", analysiert Sutil. "Aus diesem Grund brauchen wir uns nichts vorzuwerfen. Wir haben alles richtig gemacht. Es reichte nicht ganz, aber der elfte Platz ist nicht so schlimm. Wir haben noch einen frischen Reifensatz und das ist sehr wichtig auf dieser Strecke. Das Rennen wird lang. Mit einer guten Strategie fahren wir in die Punkte."

Weiche Reifen halten nur fünf bis sieben Runden

Und gute Strategie bedeutet morgen wahrscheinlich vor allem: mit den Reifen haushalten. "Zwischen drei und fünf Stopps ist alles möglich", unkt Red-Bull-Teamchef Christian Horner über die Pirelli-Mischungen Medium und vor allem Soft, und Schumacher nickt zustimmend: "Die weiche Gummimischung ist schon ziemlich am Limit hier." Das sei aber "für jeden gleichermaßen eine Herausforderung", relativiert der Mercedes-Routinier.

Während also die WM-Entscheidung nur noch Formsache sein sollte, darf man gespannt sein, ob es Button gelingt, Vettel wenigstens nicht mit einem Sieg feiern zu lassen. Auch Hamilton zählt nach seiner starken, aber unglücklichen Performance im Qualifying zu den großen Favoriten. Eine Wetterlotterie steht jedenfalls nicht zu befürchten, denn aktuellen Prognosen zufolge wird sich an den Bedingungen kaum etwas ändern.

Fotoquelle: xpb.cc

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