Niki Lauda mit Red Bulls Schlüsselfiguren Helmut Marko und Sebastian Vettel

Formel 1 2011

— 12.10.2011

Lauda: Der Ex-Jaguar-Teamchef über den Red-Bull-Erfolg

Niki Lauda erklärt, warum sein Ex-Team nun Erfolg hat, wieso er an Vettels Stelle nicht die kompletten Flugkosten für den Flügel übernommen hätte und lobt Helmut Marko

Niki Lauda weiß, wovon er spricht. Der Österreicher hatte Anfang des Jahrtausends versucht, das Red-Bull-Vorgängerteam Jaguar zum Erfolg zu führen. Doch er scheiterte an der Allianz der Engländer, die gegen die Formel-1-Legende mobil machten - bis zu seiner Kündigung Ende 2002 gelang es Lauda nicht, den Riegel der Engländer zu knacken.

Heute ist das Team aus Milton Keynes mit Sebastian Vettel Doppel-Weltmeister in der Formel 1 - die Spannungen aus der Jaguar-Zeit gehören der Vergangenheit an. Das ist auch Lauda aufgefallen, der gegenüber 'ServusTV' bestätigt: "Man spürt diese positive Energie im Team. Die Engländer sind anders als wir Österreicher, aber das merkt man dort nicht. Alles ist dort in einer Linie zusammengeführt worden, alle wollen nur gewinnen."

Wie Red Bull die Engländer in den Griff kriegte

Nach seiner Jaguar-Zeit klagte Lauda, die Engländer würden glauben, die Formel 1 erfunden zu haben - für ausländische Teamchefs oder Eigentümer sei es daher besonders schwierig, Gehör zu finden. Doch nun zollt er seinem Landsmann Helmut Marko Respekt, dessen Aufgabe es als Motorsport-Konsulent von Red Bull war, die österreichischen Eigentümer und das britische Rennteam auf einen Nenner zu bringen: "Er ist dort der harte Hund, arbeitet sehr gut und hält alles zusammen."

Auch das Festhalten an Teamchef Christian Horner, der in weniger erfolgreichen Zeiten durchaus umstritten war, gilt als Schlüsselakt in der Erfolgsgeschichte des Rennstalls - weniger aus Kompetenzgründen, als wegen seiner Funktion, seine Landsleute auf die Red-Bull-Linie einzuschwören.

Der Beweis für Red Bulls Teamgeist

Lauda weiß, dass in Milton Keynes nun alle zusammenarbeiten, Grabenkämpfe gehören der Vergangenheit an: "Hier arbeiten Menschen in einer besonderen Art und Weise zusammen. Wenn man so eine Harmonie vom kleinsten Mechaniker bis zum Chef herstellt und alle am gleichen Strang ziehen, dann kommt so ein herausragendes Resultat heraus. Das gilt für viele Firmen auf der Welt. Wenn alle so wie Red Bull in der Formel 1 arbeiten würden, dann wären sie viel weiter."

Das Geheimnis des Erfolgs: "Niemand arbeitet gegen den anderen, versucht, dem anderen seinen Job wegzunehmen." Für den dreifachen Weltmeister hat auch der Grand Prix von Japan wieder ganz deutlich gezeigt, wie verschworen die Red-Bull-Einheit inzwischen ist. Sebastian Vettel zerstörte im Training seinen neuen Frontflügel, wodurch nur noch ein Stück - am Auto von Teamkollege Mark Webber - verfügbar war.

Lauda hätte mit Marko über Frontflügel verhandelt

Daher bot Vettel an, auf eigene Kosten einen neuen Flügel aus Großbritannien nach Japan einfliegen zu lassen, damit er in Qualifying und Rennen auch in den Genuss des neuen Teils kommt. "Das hat mich überrascht und da sieht man wieder, was die für eine Harmonie haben", kommentiert Lauda. "Würde ich mit meinem Teammanager nicht so auf du und du sein, dann würde mir nie einfallen, den Flug zu zahlen, weil Rennfahrer sind Egoisten. Aber er hat den Fehler ausgelöst und sagt dann, dass er diese Mehrkosten übernimmt, weil er dafür verantwortlich war. Das ist auch ein Teil dessen, was das Team so erfolgreich macht."

Dennoch meint Lauda, dass er in Vettels Situation nicht gleich agiert hätte: "Ich hätte den Flug wahrscheinlich auch bezahlt", grinst er, "wäre aber dann sofort zu Dr. Marko gegangen und hätte gesagt: 'Jetzt habe ich mit diesem Flügel die Pole-Position geholt, also erlasse mir wenigstens 50 Prozent.' Das wäre sicher auch eine faire Lösung gewesen."

Lauda rechnet mit Red-Bull-Dominanz 2012

Obwohl Vettel nun die Titelverteidigung sichergestellt hat, muss das Team nun laut Lauda konzentriert weiterarbeiten, will man seinen Vorteil auch in Zukunft bewahren: "Die Höchstleistung muss weiter herausgeholt werden, denn wenn man einen technischen Vorteil hat, muss man natürlich darauf achten, den nicht zu verlieren. Das Reglement wird abgesehen vom Auspuff nicht verändert. Je mehr Red Bull jetzt noch mit dem aktuellen Auto arbeitet und bis zum letzten Rennen entwickelt, desto besser fangen sie nächstes Jahr wieder an."

Die Verfolger von Red Bull stehen währenddessen vor einer Herkulesaufgabe, meint der Wiener: "Ferrari und Mercedes haben ja ein Riesenproblem: Sie sind auf manchen Strecken weit vom Optimum entfernt und müssen ein neues Auto bauen. Red Bull entwickelt also bis Brasilien weiter, dann darf eine Zeitlang nicht gearbeitet werden und dann geht es im Frühjahr wieder weiter. Wenn das richtig gemacht wird, darf man davon ausgehen, dass sie nächstes Jahr wieder dominieren werden."

Mercedes und Ferrari auf dem Holzweg?

Mercedes und Ferrari haben währenddessen keine andere Wahl, als ihre Technikbüros nach zahlreichen Niederlagen auf Vordermann zu bringen. "Teams wie Mercedes und Ferrari wissen ganz genau, dass sie im Technikbereich Schwächen haben", so Lauda. "Sie kaufen überall Leute ein und versuchen das wettzumachen."

Das sei aber nicht zwangsläufig der Weg zum Erfolg: "Wenn andere Leute wo hinkommen, heißt das noch lange nicht, dass sie sich voll harmonisch integrieren können. Solange aber bei Red Bull keiner weggeht - und das tut keiner, weil alle mit dem Erfolg mitwachsen - und Unruhe hineinkommt, sehe ich überhaupt keinen Grund, warum das nicht so weitergehen könnte."

Zumal Red Bull mit Adrian Newey nach wie vor den anerkannt besten Designer der Formel 1 in den eigenen Reihen hat. "Newey weiß immer rechtzeitig, welche Reaktionen Reglementänderungen brauchen, um wieder schneller als die anderen zu sein", meint der ehemalige Ferrari-Star. Und auch die ehemalige Newey-Schwäche, unzuverlässige Autos zu bauen, ist ausgemerzt: "Es ist schon faszinierend, dass Red Bull trotz einiger KERS-Problemen keinen technischen Ausfall hatte. Diese Perfektion bei diesen am Limit gebauten Teilen war eine Höchstleistung, die noch nie erbracht wurde."

Lauda: Webber-Verlängerung war richtig

Um die Dominanz aufrecht zu erhalten, sei vor allem eines wichtig: Stabilität. Insofern steht Lauda auch hinter der Entscheidung, den Vertrag von Vettels Teamkollegen Mark Webber zu verlängern: "Mark ist an guten Tagen wirklich schnell und pusht Sebastian genug, damit der sich noch weiterentwickelt. Die Kombination finde ich im Moment sehr gut."

Dennoch ist Lauda klar, dass Webber im Gegensatz zum Vorjahr eine enttäuschende Saison erlebt. Woran das liegt? "Sein Problem war, dass Sebastian um so viel besser geworden ist", sagt Lauda. "Der hat einen Schritt nach vorne gemacht, hat mehr Selbstvertrauen, weniger Fehler gemacht als letztes Jahr und kontinuierlich an sich gearbeitet. Mark ist dadurch etwas abgefallen."

Fotoquelle: pacepix.com

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