Sebastian Vettel geht positiv gestimmt in den Großen Preis von Südkorea 2011

Formel 1 2011

— 13.10.2011

Vettel: "Das Ziel ist, weiter oben zu bleiben"

Red-Bull-Fahrer Sebastian Vettel spricht über seinen zweiten Titelgewinn in der Formel 1, das Feeling im Team und die noch ausstehenden Saisonrennen

Das Rennen danach: Vor wenigen Tagen sicherte sich Sebastian Vettel im japanischen Suzuka noch seinen zweiten Fahrertitel in der Formel 1, nun geht der junge deutsche erneut bei einem Grand Prix an den Start. In Südkorea präsentierte sich Vettel im Rahmen seiner Medienrunde fröhlich und so gelassen wie eh und je - und möchte bei den noch ausstehenden Rennen unbedingt weitere Erfolge einfahren. Ein ausführlicher Blick zurück auf die Stunden nach dem großen Sieg fehlte aber nicht...

Frage: "Sebastian, du meintest nach deinem Titelgewinn in Suzuka, dass es schwierig sei, all dies direkt nach dem Rennen zu realisieren. Wie geht es dir eine halbe Woche danach? Bist du dir deiner Errungenschaft nun richtig bewusst?"
Sebastian Vettel: "Mit Sicherheit mehr als direkt in diesem Moment. Gerade die Zeit, die man für sich selbst hat und die man im engsten Kreis genießen kann, macht einen sehr stolz und glücklich."

"Wenn du zurückschaust auf all das, was du von klein auf bis jetzt getan hast. Du denkst an die vielen - auch entscheidenden - Augenblicke in diesem Jahr, an die Vorbereitung beim Testen, wo man sich vielleicht schwer tat. So aus dem Ganzen herauszukommen, ist natürlich etwas Besonderes."

Frage: "Wie sieht ein solcher stiller Moment aus? Steht man da vor dem Spiegel und denk: 'Ja, nicht schlecht.'?"
Vettel: "Ja, zum Beispiel. Das ist immer gerne gesehen. Es kann auch ein Gedanke sein, wenn man schon im Bett liegt, oder ein Gedanke beim Abendessen, wenn es gerade still ist und man plötzlich ein breites Grinsen im Gesicht hat."

Frage: "Wie schön ist die Welt derzeit aus deiner Sicht?"
Vettel: "Die Sonne scheint. Nein, es ist mit Sicherheit nach wie vor ein bisschen schwer zu begreifen. Wir sind alle unheimlich stolz und sehr glücklich. Man läuft morgens herein und hat automatisch gute Laune. Das wollen wir in den nächsten vier Rennen auch umsetzen. Darauf hoffen wir, damit wir diese extragute Laune auch in extragute Ergebnisse ummünzen können."

Ecclestone gratuliert dem Team

Frage: "Was war los nach dem Rennen? Ihr hattet vermutlich euren Spaß..."
Vettel: "Wir hatten viel Spaß, ja. Was in Japan fast Pflicht ist, stand bei uns natürlich ebenfalls irgendwann auf dem Programm: Karaoke."

"Es war also alles dabei. Wir sangen viele Lieder, vor allem von den Beatles. Es waren Songs, die jeder kennt, also tat man sich nicht schwer dabei, sich an die Texte zu erinnern und überhaupt mitzukommen. Es waren viele langsame Lieder, dass auch jeder am Ball bleiben konnte. Es war definitiv lustig."

Frage: "Hattest du auch schon Kontakt zu Bernie Ecclestone?"
Vettel: "Ja. Er gratulierte dem gesamten Team. Er ist sicher nicht ganz zufrieden, denn in gewisser Weise könnte nun das Interesse nachlassen. Nichtsdestotrotz werden wir vier sehr aufregende Rennen sehen."

"Nun können wir etwas befreiter fahren als am Ende der vergangenen Saisons. Natürlich: Der Titelkampf ist entschieden, doch jetzt ist jedes Rennen quasi eine eigene Meisterschaft. Zum Jahresende will natürlich jeder gut abschneiden. Es wird hart, mehr Rennen zu gewinnen, nehme ich an."

Frage: "Wie hältst du deine Motivation hoch? Veränderst du deine Renntaktik?"
Vettel: "Eigentlich nicht. Die Herangehensweise bleibt ziemlich gleich. Wir wollen jedes Mal aufs Neue das Beste aus uns herausholen. Das ist das Ziel für die kommenden Rennen. In Japan sammelten wir viel positive Energie."

"Das wollen wir nun in sehr gute Rennergebnisse umwandeln. Wir setzen uns sehr unter Druck, auch wenn die Leute das nicht von uns erwarten. Fahren wir nun auf den Plätzen neun und zehn ins Ziel, wären die Fans sicherlich enttäuscht von unserer Leistung. Druck gibt es also immer und wir haben die höchsten Erwartungen an uns selbst. Wir wollen siegen."

Schumacher als Vorbild und Freund

Frage: "Dass dir Michael Schumacher gratulierte, machte dich ebenfalls stolz, oder nicht? Zusammen bringt ihr es auf neun WM-Titel für Deutschland..."
Vettel: "Ich glaube, er hat zu diesen neun Titeln deutlich mehr beigetragen als ich. Es ist natürlich etwas Besonderes."

"Wir verstehen uns sehr, sehr gut. Am Sonntagabend war er auch noch bei mir und gratulierte persönlich. Ich denke, es herrscht sehr viel Respekt füreinander. Andererseits ist da auch eine gewisse Freundschaft - auch, weil wir uns schon so lange kennen. Für mich ist das natürlich etwas ganz Besonderes."

"Ich kneife mich dann ab und zu und denke: 'Gut, das ist jetzt der Michael.' In erster Linie sieht man bei einem Freund den Menschen und vielleicht nicht, was er beruflich macht. Das ist nebensächlich. Zwickt man sich aber und versteht, dass sein Gegenüber doch auch einiges auf seinem Deckel stehen hat, ist das durchaus etwas Besonderes."

Frage: "Spracht ihr zum Beispiel darüber, wie es wäre, wenn ihr im kommenden Jahr gegeneinander um den Titel fahren könntet?"
Vettel: "Ja, ich würde mich auf jeden Fall freuen. Ich hoffe, dass ich 2012 erneut die Chance haben werde, ganz vorne mitzumischen. Man darf so etwas Großes, das man erreicht hat, auch nicht als selbstverständlich ansehen."

"Du weißt ja nicht, wie lange es noch anhält. Ich hoffe, dass es so weiter geht. Wenn wir das Ganze in Zukunft mit Michael ausfechten könnten oder dürften, wäre es noch einmal etwas ganz Anderes und Besonderes für uns beide. Unterm Strich hat aber jeder Fahrer das Ziel, um die Meisterschaft zu kämpfen. Solange gegenseitiger Respekt besteht, gönnt man das auch jedem, denke ich."

Frage: "Welche Gemeinsamkeiten hast du mit Michael Schumacher und was unterscheidet euch?"
Vettel: "Ich glaube, wir sind von Grund auf verschiedene Menschen. In dieser Hinsicht kann man uns nicht vergleichen. Jeder tickt für sich selbst. Auch wenn ich von Fahrern wie ihm sehr vieles lernen kann, du kannst niemanden kopieren."

"Das wäre meiner Meinung nach auch nicht förderlich. Man muss seinen eigenen Weg finden. Ich denke, das gelang ihm sehr gut. Hoffentlich sind auch wir derzeit auf einem sehr guten Weg, unsere eigene Richtung zu finden. Alles andere sollen die Experten beurteilen, von denen es ja sehr viele gibt."

Nur eine Momentaufnahme?

Frage: "Viele Fans sind der Ansicht, dass es dir einmal gelingen könnte, die Rekorde von Michael Schumacher zu knacken. Wie sehr freut es dich, vom Vertrauen zu erfahren, das die Fans in dein Talent setzen?"
Vettel: "Das Vertrauen ist natürlich sehr viel Wert. Dieser Glaube hilft einem gerade in Momenten, in denen es nicht so gut läuft."

"Was solche Statistiken angeht: Sollten wir zum Beginn der Saison vier schlechte Ergebnisse einfahren und würde die Umfrage dann wiederholt werden, würde das Resultat schon wieder ganz anders lauten."

"Das ist immer eine Momentaufnahme. Man darf nicht vergessen, was Michael erreicht hat - nicht nur im Hinblick auf seine Titel, sondern auf seine gesamte Karriere, die noch nicht zu Ende ist. Es ist sehr schwer vorstellbar, dass das noch einmal jemand erreicht."

Frage: "Manche scheinen jetzt gespannt darauf zu sein, ob du abhebst oder am Boden bleibst. Besteht die Gefahr, dass es so weit kommt?"
Vettel: "Trotz viel Red Bull sind mir bisher noch keine Flügel gewachsen. Letztendlich trifft jeder selbst die Entscheidung, wie er sein Leben gestalten möchte und was er daraus machen will. An der Meinung, dass es nicht clever ist, abzuheben, halte ich noch fest. Alles, was abhebt, muss ja auch irgendwann einmal wieder herunterkommen."

Frage: "Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang dein Fitnesstrainer Tommi Pärmäkoski? Zieht er dich immer wieder runter?"
Vettel: "Nein, er zieht mich nicht in diesem Sinne runter. Er macht mir keine schlechte Laune. Es sind aber eben Leute wie Tommi, die ich um mich herum habe, die man sich zum Teil selbst aussuchen kann. Sie erinnern einen an die wirklich wichtigen Dinge, auch wenn man hier und da mal ein bisschen abschweift oder nicht so sehr Lust hat auf Sachen achtzugeben, die wichtig sind."

"Das Ganze hat auch sehr viel mit Disziplin zu tun. Dafür muss man verstehen: Alle wollen gewinnen, doch am Ende ist auf dem Podest ganz oben nur Platz für einen. Ein kleiner Fehler und schwups, jemand anders ist da, der es dir wegschnappt. Wir alle sind gute Fahrer und wir alle wollen siegen."

Red Bull steigerte sich kontinuierlich

Frage: "Was steckt denn dahinter, sowohl beim Team als auch bei dir? Was ist das Geheimnis?"
Vettel: "Im gesamten Team gibt es ja nicht nur die Leute, die dir an der Strecke die Reifen wechseln. Es fängt ja schon Dienstag oder Mittwoch an, wenn das ganze Gerödel aufgebaut wird."

"Was noch entscheidender ist, sind die Leute im Hintergrund. Das gesamte Team besteht aus rund 500 Angestellten, die jeden Tag - auch Samstag und Sonntag - sehr hart arbeiten und versuchen, zwei Fahrzeuge zu bauen, die möglichst konkurrenzfähig sind. Da ist unterm Strich jeder einzelne Tag entscheidend. Das nimmt man als Außenstehender nicht so wahr, denke ich."

"Ein Sportler kann wahrscheinlich besser nachempfinden, dass bei der Vorbereitung jeder einzelne Tag wichtig ist. Man versucht bei jedem einzelnen Rennen, alles herauszuholen. Gleichzeitig lernst du, auf dich selbst und deinen eigenen Körper, dein Bauchgefühl zu hören. Du musst es für dich einschätzen können und dann hoffentlich mehr richtige als falsche Entscheidungen treffen."

Frage: "Du bist mittlerweile erfolgsverwöhnt und scheinst mit einem dritten Platz nicht mehr so zufrieden zu sein. Du legst die Messlatte also selbst sehr hoch. Was machst du, wenn es wieder einmal runter geht?"
Vettel: "Nun, ich denke, darauf muss man vorbereitet sein. Ich weiß nicht, wie lange so etwas anhält. Das Ziel ist natürlich, weiterhin dort oben zu bleiben."

"Es kommen sicher auch wieder schwierigere Zeiten, doch wir hoffen, dass diese noch weit weg sind. Wenn wir eben diese Zeiten durchmachen, wird sich zeigen, aus welchem Holz man geschnitzt ist, um wieder herauszugelangen oder sich im ersten Moment gar nicht so runterziehen lässt."

"Es ist auch immer sehr viel Arbeit im Hintergrund notwendig, damit vorne alles gut aussieht. Nehmen wir das jüngste Rennen als Beispiel: Wenn man selbst weiß, dass es hier und da nicht ganz klappte, und das Team weiß, dass die Stopps vielleicht nicht zu einhundert Prozent perfekt waren, wenn man es ganz knapp verpasst, dann ärgert dich das schon."

"In dem Augenblick, in dem das nicht mehr passiert und man sich nicht mehr ärgert und sich sagt: 'Mensch, war doch trotzdem klasse. Jetzt sind wir zwar Fünfter, aber es sind doch ein Haufen Punkte und ist doch super.' Das ist der erste Schritt in die falsche Richtung, wenn du weißt, dass du hättest Vierter werden können."

Weitere Siege sind in Planung...

Frage: "Weshalb lief es in diesem Jahr eigentlich so gut für dich?"
Vettel: "Nun, der Saisonstart war schon einmal ganz anders als noch 2010. Wir hatten im vergangenen Jahr ein sehr konkurrenzfähiges Auto, das vielleicht sogar noch dominanter war als das aktuelle Fahrzeug. 2011 sind wir als Team aber deutlich stärker."

"Wir zogen unheimlich viel Energie aus dem vergangenen Jahr, sodass uns schier grenzenlose Möglichkeiten offenstanden. Wir lernen weiterhin dazu und versuchen, uns in allen Bereichen weiter zu verbessern. Wir machten nur wenige Fehler und selbst diese hatten nur einen kleinen Einfluss auf unsere Ergebnisse. Das ist, worauf es ankommt - die Konstanz. Einfach war es auf jeden Fall nicht."

Frage: "Sprechen wir über Südkorea: Im vergangenen Jahr kam es hier zum bis dato letzten Doppelausfall bei Red Bull. Du wurdest nach deinem vorzeitigen Aus gewissermaßen abgeschrieben. Habt ihr mit diesem Kurs noch eine Rechnung offen?"
Vettel: "In gewisser Weise schon."

"Für uns war es ein Rennen, nach dem wir am Boden zerstört waren. Entscheidend war aber, denke ich, dass wir sehr schnell wieder aufgestanden sind. In den darauf folgenden Rennen waren wir auf den Punkt da. So konnten wir den Spieß noch einmal herumdrehen, auch wenn viele nicht mehr daran glaubten."

"Wir selbst glaubten daran. Jetzt wieder hier zu sein, nach dem bitteren Schlag von 2010, zeigt, dass wir in verschiedener Weise Größe bewiesen haben. Manchmal ist es ein bisschen Ironie des Schicksals, wie es im vergangenen Jahr war und wie man jetzt hier anreist. Es ist schon etwas Besonderes, sich vorzustellen, dass all dies nur binnen eines Jahres passierte."

Fotoquelle: xpb.cc

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