Im Kopf von Adrian Newey geht es ständig darum, den Red Bull zu verbessern

Formel 1 2011

— 17.10.2011

Newey: "Viele dachten an ein Strohfeuer"

Red Bull verdankt Adrian Newey den Aufstieg zum Weltmeisterteam - Im Interview erklärt das Genie, wie er arbeitet und warum Red Bull seit 2009 siegfähig ist

Nach dem Fahrertitel hat Red Bull in Südkorea auch den Titel bei den Konstrukteuren geholt. Spätestens seit dem Jahr 2009 ist das Team konkurrenzfähig und zählt seitdem zu den potenziellen Titelanwärtern. Adrian Newey hat einen großen Anteil an den Erfolgen der Österreicher. Mit dem RB5 legte das Designgenie 2009 den Grundstein für die Erfolge in den Jahren 2010 und 2011. Im Interview berichtet er, wie er an die Entwicklung eines neuen Autos herangeht und welche Fehler man vermeiden sollte.

Frage: "Du hast bei vielen Weltmeisterteams gearbeitet. Haben die Erfolge mit einem Team, dass vor ein paar Jahren bei null angefangen hat, eine höhere Bedeutung?"
Adrian Newey: "Es war ein riesiges Abenteuer, zu Red Bull zu gehen. Die Leute dachten, dass ich dieses Mal einen Fehler begangen hätte und mir zu viel vorgenommen habe. Aber es herrschte eine fantastische Atmosphäre. Ich bin mit dem Anspruch dazugestoßen, Rennen und vielleicht auch Meisterschaften zu gewinnen. Deswegen beginnt man ja mit einem Formel-1-Projekt. Deswegen ist man in der Formel 1."

"Wie dem auch sei, es ist eine Sache, ob man glaubt, dass etwas möglich ist und eine andere, dies umzusetzen. Deswegen war das vergangene Jahr so besonders. Auch 2009 hatten wir ein gutes Jahr, schafften es aber nicht ganz. Es gab sicher einige Leute, die gedacht haben, dass es ein Strohfeuer wäre und wir wieder verschwinden. Dank der harten Arbeit von allen, Engagement und Tatkraft konnten wir uns behaupten."

Evolution oder Revolution?

Frage: "Wie beginnst du mit dem Design eines Autos?"
Newey: "Zuerst einmal hängt das davon ab, ob es eine Änderung bei den Regeln gibt, oder nicht. Vor der Saison 2009 gab es eine umfassende Änderung im Reglement. Deshalb musste man mit einem weißen Blatt Papier beginnen und sich einen Kopf machen, was diese Regeländerungen erfordern und was die besten Lösungen dafür sind."

"Man versucht, vorgefertigte Ideen zu vermeiden und arbeitet erste Grundlagen aus. So entstand der RB5. Die beiden Nachfolgeautos, das aus dem Vorjahr und das aktuelle Auto, waren Evolutionen davon. Zum Glück war es ein solides Auto und hatte Potenzial für Entwicklungen. Seitdem gab es eingreifende Regeländerungen. Doch das waren alles Änderungen, die sich mit der Philosophie des Autos von 2009 verbinden ließen."

"Um die Frage direkter zu beantworten: Es sind 95 Prozent Anstrengungen und fünf Prozent Inspiration. Die Anstrengungen sind Bemühungen, das Auto in Darwin'scher Weise weiterzuentwickeln: Man beobachtet es, kritisiert es, findet heraus, was man besser machen könnte und setzt es später um."

"Eine andere Sache ist es, ein Aha-Erlebnis zu haben, wenn man etwas betrachtet. Vielleicht fühlt man sich ein wenig frustriert davon und grübelt an einer besseren Idee, einer besseren Lösung. Ich komme oft nicht weiter, höre erst einmal damit auf und konzentriere mich auf etwas anderes. Ich kümmere mich offensichtlich für einen Tag, eine Woche, einen Monat nicht mehr darum."

"Aber das Gehirn ist beeindruckend. Diese Probleme sinken ins Unterbewusstsein und arbeiten weiter. Wenn man dann etwas Willkürliches macht, zum Beispiel gerade unter der Dusche steht oder so, kommt die Idee, man muss auf Arbeit hetzen und die Gedanken auf Zeichenbrett bringen. Danach folgt die Entscheidung. Es ist nicht sinnvoll, diese Ideen zu verfolgen, wenn sie das Auto nicht schneller machen."

"Man sieht sehr viele Leute, die stolz auf eine bestimmte Idee sind. Sie verfolgen sie und kommen nicht davon ab, auch nicht wenn sich herausstellt, dass es nicht der richtige Weg ist. Es muss eine Verbindung zwischen dem künstlerischen Denken und der Physik geben. Da muss man zusammenarbeiten und versuchen, sich nicht mit einer Idee aufzuhalten, die sich am Ende als ein Haufen Scheiße herausstellt."

Die Angst vor der Praxis

Frage: "Bist du im Winter nervös, wenn das Auto die ersten Runden dreht?"
Newey: "Beim ersten Test herrscht Nervosität. Man hat die Zahlen aus dem Windkanal und hat Forschungen betrieben. Deshalb sollte man wissen, was es grundsätzlich machen sollte. Man weiß nicht, ob es im Vergleich zur Konkurrenz genug ist, weil man deren Entwicklungen über den Winter nicht kennt. Wenn das Auto zum ersten Mal auf die Strecke geht, hat man immer diese Bedenken und fragt sich, ob es sich genauso verhalten wird, wie die Zahlen aus dem Windkanal vermuten lassen oder ob sich ein Problem versteckt."

"Als der RB6, das Vorjahresauto, zum ersten Mal in Jerez im Nassen gefahren ist, verhielt es sich merkwürdig. Wir hatten einige Probleme. Ich dachte mir, dass es eine lange Saison wird. Nun verfügen wir über Kontrollmittel, die es uns ermöglichen, kleinere Fehler herauszufinden, wenn wir sie clever nutzen."

Frage: "Welchen Anteil hat Sebastian Vettel und was verlangt er von dir?"
Newey: "Zuerst einmal widerlegt Sebastian komplett sein Alter. Er verfügt über Erfahrung und Reife, was erstaunlich ist. Zudem arbeitet er hart, bleibt mit beiden Beinen auf dem Boden und widmet sich dem Auto und dem Fahren. Am Abend verbringt er sehr viel Zeit damit, die Dinge zu analysieren. Er kann ein sehr genaues Feedback geben."

"Ich habe den Eindruck, dass er jedes Mal etwas Neues lernt, wenn er mit dem Auto unterwegs ist. Er ist wie ein kleiner Schwamm. Das ist für jeden belebend und treibt das Team an. Wenn man einen Fahrer hat, der sehr talentiert ist, aber ein mangelndes Engagement hat, kann das in bestimmten Bereichen auf das Team übertragen werden. Sebastian und Mark sind sehr entschlossen und haben sehr viel Antrieb."

Fotoquelle: xpb.cc

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