Stefano Domenicali und Christian Horner nehmen die FOTA-Krise sehr ernst

Formel 1 2011

— 17.10.2011

FOTA-Krise: Teamvereinigung vor der Auflösung?

Christian Horner und Stefano Domenicali fürchten um die Zukunft der FOTA - RRA-Misstrauen muss spätestens in Abu Dhabi beigelegt werden

Gegründet im Jahr 2008, könnte die noch relativ junge Teamvereinigung FOTA (Formula One Teams Association) schon wieder vor der Auflösung stehen. Denn im Zuge der misstrauischen Grundstimmung in Zusammenhang mit dem Ressourcen-Restriktions-Abkommen (RRA) braut sich laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' gerade eine ernsthafte Krise zusammen.

"Ich glaube, dass die FOTA eine Kreuzung erreicht hat, wo sie sich mit einigen der Schlüsselthemen beschäftigen muss - oder wir hören auf, ganz einfach", wird Red-Bull-Teamchef Christian Horner von 'Reuters' zitiert. "Die Schlüsselthemen sind natürlich das Concorde-Agreement, die Richtung, in die es geht, und grundsätzlich das RRA. Wenn wir uns innerhalb der FOTA nicht einigen können, was ist dann der Sinn und Zweck der FOTA?"

Kritisches Meeting in Südkorea

Die FOTA sei ernsthaft in Gefahr, befürchtet der Brite, wenn sich die Teams in den nächsten Wochen nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen können. Anlass für derart offene Aussagen in der Öffentlichkeit war das FOTA-Meeting am Sonntagmorgen in Südkorea, bei dem verschiedene Themen inklusive RRA und Concorde-Agreement diskutiert wurden. Doch danach hatten wohl einige das Gefühl, dass es keine Fortschritte mehr gibt.

Frage an den FOTA-Vorsitzenden: Bist du ernsthaft besorgt um die Teamvereinigung? "Nein, bin ich nicht", entgegnet Martin Whitmarsh und wundert sich über die Offenheit mancher seiner Kollegen gegenüber den Medien: "Die FOTA hält private Treffen ab. Ich habe nie darüber gesprochen, was bei diesen Treffen passiert, denn wir sind keine PR-Maschine." Stärke der FOTA sei bisher immer gewesen, hinter verschlossenen Türen konstruktiv zu arbeiten.

Aber Horner ist nicht der einzige Teamchef, der mit den Medien spricht. "Wir befinden uns an einem Punkt, wo es wichtig ist, entweder eine bestimmte Richtung einzuschlagen oder einzusehen, dass es eine misstrauische Stimmung unter den Teams gibt, die nicht gut ist", gibt Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali zu und fügt an: "Wir haben darüber gesprochen, uns in Abu Dhabi zusammenzusetzen, um eine finale Lösung zu finden."

Die aktuelle Diskussion über das RRA führt seiner Meinung nach "zur Grundsatzfrage, worum es der FOTA geht. Wir wissen, warum die FOTA gegründet wurde, und jetzt müssen wir herausfinden, ob die FOTA noch notwendig ist und was die Ziele für die Zukunft sind. Diese Diskussion führen wir sehr konstruktiv und offen. Ich glaube, es ist wichtig, darüber in den nächsten Wochen zu sprechen", stellt auch Domenicali die Teamvereinigung in Frage.

Sollten die Teams in Abu Dhabi wieder keinen gemeinsamen Nenner finden, was die Mechanismen zur Überprüfung des RRA angeht, droht die Auflösung. Dabei sind sich grundsätzlich alle einig, dass es eine gute Sache ist, die Kosten zu senken: "Es ist gut für die Formel 1, dass die Kosten kontrolliert werden", meint Whitmarshs Stellvertreter Eric Boullier, schränkt aber ein: "Es ist schwierig, so eine Regel in Kraft zu setzen, wenn es nicht durch den Verband geschieht."

RRA-Regeln nicht für alle verbindlich

Denn die im RRA festgeschriebenen Richtlinien basieren weitgehend auf Freiwilligkeit der elf FOTA-Teams (HRT ist nicht Mitglied). Das RRA ist nämlich keine verbindliche FIA-Regel. Daher findet Boullier, dass man vielleicht darüber nachdenken sollte, das für die Zukunft zu ändern: "Wenn sich herausstellt, dass das RRA definitiv gut für die Formel 1 ist, dann brauchen wir vielleicht andere Wege, es durchzusetzen."

Der Haken an der Sache: Laut EU-Vorgaben darf sich die FIA nicht in kommerzielle Angelegenheiten einmischen, doch das Regulieren von Ressourcen würde definitiv in diese Kategorie fallen. Eine andere Möglichkeit wäre aber, das RRA ins Concorde-Agreement zu integrieren, denn dann hätte man eine Grundlage, Strafen gegen jemanden auszusprechen, der gegen die Bestimmungen des RRA verstößt. Boullier kann sich das vorstellen: "Warum nicht?"

Der Status quo sei jedenfalls nicht tragbar: "Einerseits muss in der Formel 1 natürlich Geld ausgegeben werden, andererseits können wir auch versuchen, dem eine Grenze zu setzen. Aber wenn sich niemand daran hält..." Besonders groß ist das Misstrauen gegenüber dem Weltmeister-Team Red Bull, das bei einer stichprobenartigen Prüfung durch den Finanzdienstleister Capgemini angeblich mit Unregelmäßigkeiten aufgefallen ist.

Jetzt hat Red Bull auch noch bekannt gegeben, künftig Ressourcen des Automobilherstellers Infiniti in Japan nutzen zu wollen: "Damit sind wir auf Augenhöhe mit Gegnern wie Mercedes-Benz oder FIAT und Ferrari", relativiert Horner. "Die Kosten müssen trotzdem überschaubar bleiben. Das RRA wird gerade diskutiert. Das ist etwas, was wir lösen müssen, um die Paranoia zu eliminieren, die momentan existiert."

Einer, der die FOTA-Krise sicher nicht beenden wird, ist Bernie Ecclestone. "Es gibt Leute, die nicht wollen, dass die FOTA existiert", sagt Whitmarsh, "aber letzten Endes zählen nur die Teams." Denn klar ist: Wenn über ein neues Concorde-Agreement ab 2013 (und damit auch über eine höhere Einnahmenbeteiligung für die Teams) verhandelt wird, kommt dem Formel-1-Geschäftsführer Uneinigkeit bei seinem Verhandlungspartner sehr gelegen...

Fotoquelle: xpb.cc

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