Der Tod von IndyCar-Ass Dan Wheldon rüttelt die Formel 1 auf

Formel 1 2011

— 19.10.2011

De la Rosa: "Wäre ohne Imola mehr als einmal gestorben"

Neben Sebastian Vettel und der FOTA ist vor allem Pedro de la Rosa vom Tod Dan Wheldons tief betroffen, hält die Formel-1-Piloten für naiv und kritisiert die IndyCar-Serie

Der schreckliche Massencrash beim IndyCar-Ovalrennen in Las Vegas, bei dem der Brite Dan Wheldon in den Fangzaun katapultiert und tödlich verletzt wurde, beschäftigt auch die Formel 1. Während in den USA in den vergangenen Jahren immer wieder auch mitunter tödliche Unfälle passierten, darf sich die Königsklasse des Motorsports glücklich schätzen, seit dem Horror-Wochenende in Imola 1994 - damals starben Ayrton Senna und Roland Ratzenberger - keinen Toten mehr beklagen zu müssen.

Doch in der Formel 1 nimmt man es teils als selbstverständlich hin, dass die Zeit der fatalen Unfälle vorbei ist, schließlich hat man seit den 1990er-Jahren viel Geld und Mühe in die Verbesserung der Sicherheit gesteckt. Weltmeister Sebastian Vettel sieht es angesichts der Wheldon-Tragödie als gefährliche Entwicklung an, dass manche die Formel 1 für "zu sicher" befinden und fordert, dass der eingeschlagene Weg weiterverfolgt wird.

Vettel und FOTA gedenken Wheldon

Er weiß aber auch, dass ein gewisses Restrisiko immer bleiben wird: "Das nehmen wir in Kauf, denn wir lieben den Rennsport - und der ist gefährlich." Den Tod Wheldons hält er für einen "tragischen Verlust." Dem schließt sich auch die Teamorganisation FOTA an, die in einem Schreiben dem verstorbenen IndyCar-Piloten gedenkt und den Hinterbliebenen, seinen Freunden und seinen Fans das Beileid ausspricht.

"Durch Dans einzigartige Persönlichkeit sahen ihn alle in der Rennsportgemeinde als Freund", heißt es. "Er war ein leidenschaftlicher Mitbewerber, ein wahrer Racer und einer der größten IndyCar-Champions. Er war bei allen in der Industrie hochangesehen, nicht zuletzt bei den Mitgliedern der FOTA und bei vielen Fahrern - alle sind sich einig, dass die Motorsport-Welt ohne ihn ein schlechterer Ort sein wird."

De la Rosa hält Formel-1-Piloten für naiv

Auch Ex-Sauber-Pilot und McLaren-Ersatzmann Pedro de la Rosa ist tief betroffen. Der Spanier hatte Wheldon 2005 bei einem von Juan Pablo Montoya organisierten Charity-Kartrennen in Cartagena de Indias kennengelernt und gibt sich gegenüber 'formulasantander.com' "sprachlos".

Er gesteht, dass die Piloten durch die meist harmlosen Folgen von schweren Unfällen die Hemmschwelle immer mehr verlieren und die Gefahren des Motorsports zu leicht nehmen. "Die Fahrer glauben, dass nichts passieren kann", so de la Rosa. "Wir glauben, dass wir den Gefahren durch unser Talent ausweichen können. Es gab Rennen, da habe ich nicht die kleinste Gefahr gespürt - das war naiv, nicht mutig. Abgesehen von diesem falschen Glauben bin ich heute mit der Gewissheit aufgewacht, dass wir alle sterblich sind, dass wir Sportler von der Laune des Schicksals abhängen und vor allem der Sport, den wir lieben, höchstgefährlich ist."

De la Rosa stolz auf FIA-Zusammenarbeit

Er vergleicht das Wochenende in Las Vegas mit Imola 1994 und spricht der FIA ein Lob für die seitdem deutlich verbesserte Sicherheit in der Formel 1 aus: "Es mag ein Zufall gewesen sein, dass damals zwei Piloten am gleichen Wochenende getötet wurden. Dass seitdem aber kein tödlicher Unfall mehr passiert ist, ist sicher kein Zufall."

De la Rosa war eine Zeitlang GPDA-Präsident und Fahrervertreter im Rennstrecken-Komitee der FIA. "Ich kann mit Stolz behaupten, dass ich mit der FIA an der Sicherheit arbeite und gearbeitet habe", so der Mann aus Barcelona. "Ich stehe in der Schuld dieser professionellen Leute, die manchmal zu Unrecht kritisiert werden. Bei den stillen Helden, die dieses Programm ausgelöst haben, kann ich mich nicht bedanken: Ayrton und Roland. Ihr Tod rettete Leben."

IndyCar-Serie sorgt für Wut

De la Rosa schließt sein eigenes Leben mit ein. "Ich sage hier laut und deutlich, dass ich heute ohne die Arbeit der FIA in den vergangenen 17 Jahren nicht hier sein würde", stellt er klar. "Ich wiederhole es gerne: Ich wäre mehr als einmal gestorben. Zufall? Nein. Glück? Ja, denn ich ich lebe in dieser Zeit und bin sichere Autos und auf sicheren Kursen gefahren."

Nun fordert er, dass sich die IndyCar-Serie an der Formel 1 ein Beispiel nimmt, "und ein ähnliches Sicherheits-Niveau erreicht. Vielleicht ist es Zeit, ein paar Dinge zu überdenken, denn wir haben zu viele Freunde in den Vereinigten Staaten verloren. Der Spruch, dass die Show weitergehen muss, ist nicht mehr gültig." Für de la Rosa ist es offensichtlich, "dass der Tod von mehreren Piloten" in den USA "nicht genug war. Vielleicht ist es nun Zeit, dass du, mein Freund Dan, auf den Tisch haust."

Fotoquelle: IndyCar

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