Jenson Button will beim ersten Grand Prix von Indien um den Sieg mitfahren

Formel 1 2011

— 27.10.2011

Button: "Nur zufrieden, wenn ich gewinne"

Jenson Button ist von der Strecke in Noida beeindruckt und rechnet sich gute Siegchancen aus - Unfälle von Wheldon und Simoncelli haben ihn schwer getroffen

McLaren-Pilot Jenson Button kam beim Grand Prix von Südkorea vor zwei Wochen nach zuvor fünf Podiumsplatzierungen in Folge als Vierter ins Ziel und verpasste damit die begehrte Zeremonie auf dem Siegerpodest. Für den Grand Prix von Indien an diesem Wochenende rechnet sich der Brite gute Siegchancen aus, da der Kurs in Noida dem MP4-26 seiner Meinung nach entgegen kommen sollte.

In seiner Medienrunde am Donnerstag spricht Button über seine ersten Eindrücke nach dem Track-Walk, seine Einschätzung des Kräfteverhältnisses an der Spitze, seine Erfahrungen beim ersten Besuch in Indien sowie über die beiden tödlichen Unfälle von Dan Wheldon und Marco Simoncelli. Mit Wheldon lieferte sich Button in den Anfangsjahren seiner Karriere regelmäßig erbitterte Duelle - zunächst im Kart, später auch in der Formel Ford.

Frage: "Jenson, welchen Eindruck hast du von der Strecke in Indien?"
Button: "Ich war heute Morgen zu Fuß und mit einem dieser indischen Gefährte auf der Strecke unterwegs. Das Layout der Strecke war mir aus unseren Simulationen bereits bekannt und dieser Eindruck hat sich im Großen und Ganzen bestätigt. Lediglich die Kurveneingänge sind in der Realität an manchen Stellen breiter als in der Simulation, was nichts Schlechtes ist. Beim Bau der Strecke wurde gute Arbeit geleistet. Die Kurveneingänge sind wie gesagt sehr breit, an den Scheitelpunkten sowie den Ausgängen der Kurven wird die Strecke dann schmaler. Das sollte einige interessante Duelle zulassen. Durch die engen Kurvenausgänge ist man am Scheitelpunkt recht langsam und muss hart abbremsen. Gleichzeitig hat man aber bei der Anfahrt zu den Kurven sehr viel Platz, was das Überholen erleichtern sollte. Nicht dass wir das nötig hätten, denn wir sind was das Überholen betrifft, ohnehin recht gut aufgestellt, aber es ist natürlich immer eine gute Sache."

Frage: "Gibt es für dich auf der Strecke bestimmte Passagen, die besonders herausstechen?"
Button: "Für einen Tilke-Kurs ist das Layout recht ungewöhnlich. Die Strecke sieht sehr schnell aus, was toll ist. Im Simulator hat mir die Strecke schon sehr viel Spaß gemacht. Ich hoffe, dass es in der Realität noch besser sein wird. Es gibt eine Menge schneller Kurven, was immer gut ist. Heutzutage gibt es nicht mehr allzu viele davon. Der Kurs scheint eine große Herausforderung zu sein. Zudem funktioniert unser Auto in schnellen Kurven sehr gut. Die Passage zwischen Turn 9 und Turn 15 ist sehr schnell. Das ist ein toller Abschnitt der Strecke, auf den ich mich schon sehr freue. Es gibt hier und da noch ein paar Stellen, die die Fahrer ansprechen werden oder bereits angesprochen haben. Was das Layout betrifft, kann ich nur sagen, dass gute Arbeit geleistet wurde."

Frage: "Welche Rundenzeit hast du bei der Besichtigung der Strecke mit dem indischen Gefährt geschafft?"
Button: "Ich weiß es nicht genau, ein Rundenrekord war es wohl nicht, da mich Jarno mit dem Motorroller geschlagen hat (lacht; Anm. d. Red.)."

Noida sollte McLaren entgegen kommen

Frage: "Du warst in Korea erstmals seit langer Zeit nicht auf dem Podium. Welche Platzierung hast du dir hier zum Ziel gesetzt?"
Button: "Ich will gewinnen. Nur auf dem Podium zu stehen, reicht mir nicht. Solange ich nicht gewinne, bin ich nicht zufrieden. Wir haben ein tolles Auto und das Team hat gute Arbeit geleistet. Wenn man sich an Suzuka erinnert, so stellt man fest, dass alles perfekt zusammenspielte. Korea war dann genau das Gegenteil. Meine erste Runde war schrecklich, was teilweise meine eigene Schuld war, teilweise war ich aber auch einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Dort hat nichts zusammengepasst. So etwas kommt hin und wieder einfach vor. Mein Ziel für dieses Wochenende ist ganz klar, wieder die oberste Stufe des Podiums zu erklimmen."

"Zunächst einmal wird es jedoch darum gehen, die Strecke kennenzulernen und herauszufinden, wie unser Auto hier funktioniert. In meinen Augen erinnert die Strecke was die Abstimmung des Autos betrifft eher an Spa oder Suzuka als an Korea oder Singapur. Wir sollten daher gut aussehen, da wir auf dieser Art Strecken derzeit sehr stark sind. Ich würde sagen, wir sind mindestens so stark wie Red Bull, wenn nicht sogar stärker. Ich freue mich auf das Wochenende. Es wäre toll, den ersten Grand Prix von Indien zu gewinnen. Generell macht es aber keinen Unterschied, ob es das erste oder das letzte Rennen auf einer Strecke ist. Gewinnen macht einfach immer Spaß."

Frage: "Verfügt McLaren derzeit über das schnellste Auto und rechnest du dir hier Siegchancen aus?"
Button: "Wenn man das letzte Rennen zu Grunde legt, sieht es nicht danach aus. Verschiedene Strecken kommen aber den verschiedenen Autos unterschiedlich gut entgegen. Unser Auto ist auf langsamen Strecken nicht ganz so stark wie der Red Bull. Auf Strecken, auf denen der Reifenabrieb sehr hoch ist, ist auch der Ferrari sehr stark. Wenn eines dieser drei Teams auf eine Strecke kommt, die dem Auto entgegenkommt, sind die Siegchancen naturgemäß groß. Es ist toll zu sehen, dass es sechs Autos gibt, die das Rennen gewinnen können. Ich bin gespannt darauf zu sehen, welches Team hier die Oberhand behalten wird."

Freundlichkeit der Inder begeistert Button

Frage: "Wie ist dein Eindruck vom Land und den Leuten? Bist du zum ersten Mal in Indien?"
Button: "Ja, ich bin zum ersten Mal hier. Da, wo wir uns aufhalten, sind alle sehr freundlich und jeder hilft dir, wo er nur kann. Das ist sehr schön zu sehen. Bisher haben wir das Hotel kaum verlassen. Gestern waren wir in einem Restaurant essen, aber das war auch schon alles. Ich habe mich die meiste Zeit im Hotel aufgehalten und trainiert. Auch die Zeitverschiebung erfordert eine Anpassung. Viereinhalb Stunden sind doch eine beträchtliche Verschiebung. Unser Hotel liegt in Delhi. Bis zur Strecke sind es also ein paar Kilometer, die eine halbe Stunde aber auch zweieinhalb Stunden dauern können."

Frage: "Ist es für dich frustrierend, nicht mehr Zeit in der Stadt verbringen zu können, um das Land näher kennenzulernen?"
Button: "Ja, aber letztlich bin ich hier, um meinen Job zu erledigen. Das ist das Wichtigste. Ich muss aber sagen, dass die Leute hier alle sehr freundlich sind und auch das Essen ist fantastisch. Es ist toll, in Indien zu sein."

Frage: "Indien war jahrelang ein Land, dass sehr viele Rolls-Royce-Fahrzeuge aus Großbritannien importiert hat. Welche Bedeutung hat die Marke Rolls-Royce für einen Briten?"
Button: "Zunächst einmal steht die Marke für wohlhabende Leute mit einer Menge Geld. Natürlich gibt es diese Leute in Indien. Es gibt hier allerdings genauso die Armut, die man nicht vergessen darf. Wenn du zum ersten Mal in diesem Land bist, ist es nicht einfach. Du erkennst plötzlich, dass es eine große Schere zwischen Arm und Reich gibt. Hoffentlich können wir mit unserem Rennen einen Beitrag leisten. Es ist toll zu sehen, dass es so viele Arbeiter an der Strecke gibt. Hoffentlich trägt das dazu bei, dass ihr Leben etwas einfacher wird."

Frage: "Im Rahmen des Rennwochenendes gibt es ein Metallica-Konzert, zu dem die Fahrer auch eingeladen sind. Wen würdest du gern bei einem der nächsten Konzerte spielen sehen und warum?"
Button: "Ich war noch nie auf einem dieser Rockkonzerte an der Strecke, daher interessiert mich das nicht. Wen ich gern einmal sehen würde, das sind Kings of Leon. Das wird aber wohl so schnell nicht passieren, nachdem sich die Band getrennt hat. Das ist sehr enttäuschend."

Frage: "Dank Metallica gibt es jede Menge Heavy-Metal-Fans an der Rennstrecke. Inwiefern siehst du diese als andere Formel-1-Fans an?"
Button: "Ich habe keine Ahnung. Grundsätzlich ist so ein Konzert eine tolle Sache, da es die Leute in eine gute Stimmung versetzt. Ich hoffe, dass Tausende Inder eine tolle Zeit haben werden. Metallica wird auch im Rahmen des Grand Prix die bestmögliche Show zum Besten geben."

Frage: "Inwiefern glaubst du, dass sich die indischen Formel-1-Fans von denen auf der restlichen Welt unterscheiden?"
Button: "Das weiß ich noch nicht, das müssen wir abwarten. Ich freue mich darauf, ihnen eine tolle Show zu bieten. Hoffentlich können wir ihnen zeigen, was die Formel 1 ausmacht."

Unfälle von Wheldon und Simoncelli schlagen aufs Gemüt

Frage: "Am Montag nach dem Grand Prix von Südkorea ereilten uns die schrecklichen Nachrichten über den Tod von Dan Wheldon. Kannst du etwas über ihn erzählen?"
Jenson Button: "Ich habe im Jahr 1988 mit dem Rennsport angefangen. Damals war Dan der Junge, den es zu schlagen galt. Er hatte eine große Startnummer 1 auf seinem Auto. Ich erinnere mich an einige Kartrennen in den Jahren 1989 und 1990, in denen wir Rad an Rad gekämpft haben. Dan, Anthony Davidson und ich, wir haben quasi den Großteil der Rennen in Großbritannien unter uns ausgemacht. Wir haben uns ständig auf der Strecke bekriegt und wollten uns gegenseitig schlagen, aber so ist nun einmal der Rennsport. Dan war einer der Gründe, warum mir der Rennsport zur damaligen Zeit so viel Spaß bereitet hat. Für mich ging es in erster Linie darum, ihn und Anthony zu schlagen."

"Dan und ich, wir kannten uns also von Kindesbeinen an. Nach dem Kartsport haben wir uns ein paar Jahre lang nicht gesehen, bevor wir im Jahr 1998 in der Formel Ford wieder aufeinander trafen. Auch in jenem Jahr haben wir wieder um die Britische Meisterschaft sowie um den Sieg beim Festival gekämpft. Ich hatte das Glück, das Festival mit ein paar Zentimetern Vorsprung vor Dan zu gewinnen. Wenn man Dan geschlagen hat, war das immer ein Triumph. Wir haben uns als Fahrer aber auch abseits der Strecke recht gut gekannt. Sein Tod war ein Riesenschock für mich. Da er seit Jahren in den USA unterwegs war, habe ich ihn eine ganze Weile nicht mehr gesehen, aber ein paar Mal sind wir uns doch über den Weg gelaufen. Das letzte Mal, dass ich ihn sah, war im vergangenen Jahr."

"Bei einem IndyCar-Unfall bei solchen Geschwindigkeiten gibt es nichts, das du tun kannst. Es kommt in diesem Moment nicht mehr auf den Fahrer an. Was immer passiert, das passiert. Dans Tod ist ein schwerer Verlust für die gesamte Welt des Motorsports, nicht nur für die IndyCars. Ganz zu schweigen, vom Verlust für seine Familie, seine Frau und seine Kinder. Seine Eltern kenne ich noch aus unserer gemeinsamen Rennfahrerzeit."

Frage: "Gibt es die Möglichkeit, dass die Formel 1 der IndyCar-Serie unter die Arme greift, um sicherzustellen, dass ein solcher Unfall wie der von Dan Wheldon nicht noch einmal passiert?"
Button: "Die Formel-1-Autos sind in der Herstellung deutlich teurer. Auch für die Crashtests wird deutlich mehr Geld ausgegeben. Ein fertiges IndyCar zu kaufen, ist deutlich billiger, als ein Formel-1-Auto zu entwickeln. Dennoch sind die Autos ziemlich sicher. Das Problem ist, dass es auf den Ovalen zwar die Safer-Barrier gibt, aber direkt dahinter kommt der Zaun, der das größte Problem darstellt. Wenn ein Auto bei diesen Geschwindigkeiten abhebt, ist es sehr schwer, dem Zaun zu entkommen."

"In der Formel 1 haben wir diese Situationen nicht, in denen wir zu dritt, zu viert nebeneinander und in fünf oder sechs Reihen durch eine Kurve fahren. Dan hat sehr viel Herzblut in die Entwicklung des zukünftigen IndyCar-Chassis gesteckt. In Bezug auf die Sicherheit stellt das neue Fahrzeug einen großen Schritt nach vorn dar, was zu einem großen Teil der Verdienst von Dan ist. Hoffentlich können dadurch in Zukunft die Leben vieler anderer Fahrer gerettet werden."

Frage: "Innerhalb von einer Woche hat es zwei sehr schwere Unfälle im Motorsport gegeben. Siehst du diese Gefahr nach wie vor auch für die Formel 1 oder ist die Formel 1 inzwischen deutlich sicherer als alle anderen Rennserien?"
Button: "Jede Form von Motorsport ist gefährlich. Wenn du mit 300 km/h mit anderen Autos Rad an Rad fährst, ist die Gefahr immer da. Was die Verbesserung der Sicherheit betrifft, so tun wir unser Möglichstes. Der Rennsport als solches wird immer gefährlich bleiben, aber es gibt verschiedene Level der Gefahr in den verschiedenen Rennserien. Auch der Motocross-Sport ist beispielweise gefährlich. Was die MotoGP betrifft, so gibt es nicht viel, das man tun kann. Manchmal kommen einfach sehr unglückliche Umstände zusammen, die eine Tragödie mit Todesfolge nach sich ziehen. Glücklicherweise kommt so etwas inzwischen sehr selten vor, aber es passiert nach wie vor. Wenn es dann passiert, ist das natürlich sehr traurig."

"Die IndyCars fahren mit sehr hoher Geschwindigkeit in überhöhten Ovalen. Dort gibt es zwischen den einzelnen Fahrzeugen in der Regel nur wenige Zentimeter Platz. Wenn dann einer der Fahrer einen Fehler macht oder etwas passiert, gibt es keinen Spielraum mehr. Beides waren schreckliche Unfälle und wir alle hoffen, dass so etwas in der nahen Zukunft nicht mehr passiert. Wir haben zwei großartige Rennfahrer im jungen Alter verloren. Beide haben schon viel erreicht, hätten aber noch viel mehr erreichen können."

Frage: "Kannst du dir eine Formel 1 mit Cockpitkuppeln vorstellen?"
Button: "Nichts gegen die IndyCar-Serie oder die MotoGP-WM, aber ich habe schon das Gefühl, dass der Sicherheitsstandard in der Formel 1 ein anderer ist. Die Gefahr wird es im Motorsport immer geben. Die Rennen bei den IndyCars laufen völlig anders ab als bei uns und auf einem MotoGP-Bike sitzt du komplett im Freien, was es schwierig macht, bei einem Unfall davonzukommen. Beide Rennserien unterscheiden sich sehr stark von der Formel 1."

Frage: "Wie schaffst du es, nach Ereignissen wie den zwei tödlichen Unfällen, beim nächsten Rennen wieder das Visier herunterzuklappen und alles zu geben?"
Button: "Wenn du im Auto sitzt, beschäftigst du dich nicht mit solchen Dingen. Sobald das Visier unten ist, musst du zu 100 Prozent konzentriert sein. Ist das nicht der Fall, kann das schwerwiegende Folgen haben. Die schwierigere Phase ist jene, bevor du ins Auto steigst. Auch nach einem Rennen kommen die Gefühle wieder hoch, was es wiederum schwierig macht. Wenn wir auf der Strecke unterwegs sind, sind wir aber voll und ganz auf das Fahrern konzentriert. Die vergangenen zwei Wochen waren für den Motorsport eine schreckliche Zeit. Marco habe ich persönlich nicht gekannt, aber ich habe seine Rennen natürlich gesehen. Er war ein echter Kämpfer und hat bei den letzten Rennen richtig gute Ergebnisse eingefahren. Ich bin mir sicher, dass er in der Zukunft um den MotoGP-WM-Titel hätte mitkämpfen können. Er ist zu früh von uns gegangen."

"Dan habe ich gekannt, seit wir acht oder neun Jahre alt waren. Wir sind sieben Jahre lang gegeneinander Kart gefahren und haben später auch in der Formel Ford Rad an Rad gekämpft. Dan war einer der Fahrer, bei dem du dich schon morgens beim Aufstehen auf die Duelle gefreut hast, aber gleichzeitig unsicher warst, ob du ihn wirst schlagen können. Auch er war ein echter Kämpfer. Beide haben ihr Leben in einer Rennserie verloren, die sie über alles geliebt haben, aber das ist kein Trost. Sie hätten nicht von uns gehen dürfen."

Fotoquelle: McLaren

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