Noida präsentiert sich zum Erstaunen vieler Beteiligten im fahrbereiten Zustand

Formel 1 2011

— 27.10.2011

Noida: Begeisterung und Skepsis prägen das Bild

Fahrer und Verantwortliche schildern ihre ersten Eindrücke vom Buddh International Circuit: Layout hervorragend, Infrastruktur noch mit Mängeln

Nach rund zweijähriger Bauzeit erlebt der Buddh International Circuit in Noida vor den Toren der indischen Hauptstadt Delhi am Wochenende seine Formel-1-Premiere. Der von Hermann Tilke entworfene und für rund 150 Millionen Euro aus dem Boden gestampfte Kurs wurde erst vor wenigen Tagen offiziell eröffnet und präsentiert sich bei der Ankunft des Formel-1-Tross noch nicht in astreinem Zustand. Vom abwechslungsreichen Streckenverlauf zeigen sich jedoch alle Beteiligten ausgesprochen angetan.

"Die Strecke ist noch recht schmutzig, aber sie scheint schnell und interessant zu fahren zu sein", urteilt Toro-Rosso-Pilot Sebastien Buemi nach seiner ersten Besichtigungsrunde zu Fuß. McLaren-Pilot Jenson Button bläst ins gleiche Horn: "Für einen Tilke-Kurs ist das Layout recht ungewöhnlich. Die Strecke sieht sehr schnell aus und es gibt eine Menge schneller Kurven, was immer gut ist, denn heutzutage gibt es nicht mehr allzu viele davon." Mit einer errechneten Durchschnittsgeschwindigkeit von 235 km/h ist Noida nach Monza die zweitschnellste Strecke im aktuellen Formel-1-Kalender.

"Der Kurs scheint eine große Herausforderung zu sein", so Button, der am Übergang vom zweiten zum dritten Sektor besonderen Gefallen findet: "Die Passage zwischen Turn 9 und Turn 15 ist sehr schnell. Das ist ein toller Abschnitt der Strecke, auf den ich mich schon sehr freue."

Laut dem McLaren-Piloten gibt es "hier und da noch ein paar Stellen, die die Fahrer ansprechen werden oder bereits angesprochen haben", womit er sich in erster Linie auf die Randsteine bezieht. "Was das Layout betrifft, kann ich nur sagen, dass gute Arbeit geleistet wurde."

Webber lobt Kreativität beim Streckenbau

"Die Strecke sieht wirklich toll aus", urteilt auch Red-Bull-Pilot Mark Webber und präzisiert: "Beim Bau wurde sehr viel Kreativität an den Tag gelegt. Der Kurs besitzt einen guten Mix aus unterschiedlichsten Kurven."

Speziell die verschieden breite Strecke hat es dem Australier angetan. An den Kurveneingängen ist der Kurs stellenweise mehr als 20 Meter breit. An den Scheitelpunkten und Ausgängen einiger Kurven verringert sich die Pistenbreite. "Das macht es für uns Fahrer besonders interessant, da wir es hier anders als sonst nicht mit einer konstanten Streckenbreite zu tun haben", so Webber.

Sobald sich der Staub einmal gelegt hat, erwartet der Red-Bull-Pilot keine schwerwiegenden Probleme. "Nach zwei Tagen sollte die Strecke über ein vernünftiges Griplevel auf der Ideallinie verfügen. Welche Auswirkungen die unterschiedliche Streckenbreite auf den Rennverlauf hat, wird sich erst am Sonntag zeigen, da wir vorher nicht im Pulk unterwegs sein werden."

Als markantesten Punkt der Strecke macht Webber die Haarnadel vor der Gegengeraden aus. "Turn 3 ist die extremste Kurve von allen", so der Australier. "Die Anfahrt ist sehr breit und führt noch dazu bergauf. Der Scheitelpunkt der Kurve liegt deutlich höher als der Rest, was einem fast das Gefühl einer Motocross-Piste vermittelt. Ich finde diese Kurve großartig."

Zweifel hegt der Red-Bull-Pilot lediglich für den unwahrscheinlichen Fall, dass Regen einsetzen sollte. "Ich habe keine Ahnung, wie sich die Drainage dort präsentieren wird, sollte es auf diesem Hügel regnen. Hoffentlich regnet es in Indien nicht allzu oft, sodass man derartige Risiken beim Streckenbau eingehen kann."

Ecclestone findet die Strecke "super"

Renault-Chefingenieur Alan Permane ist vom Layout der Strecke und dessen Umsetzung ebenfalls beeindruckt: "Es ist ein richtig toller Kurs, der von allem ein bisschen beinhaltet. Es gibt einige nette schnelle Kurven, Höhenwechsel und Gefälle. Einige Details sind sehr interessant. Die langsamen Kurven nach den langen Geraden, die sich zum Ausgang hin verengen, sollten das Überholen mit dem verstellbaren Heckflügel begünstigen."

Die Randsteine sollten den Teams und Fahrern laut Permane keine Schwierigkeiten bereiten, da sie "recht niedrig sind und das übliche Profil haben". Hinter den eigentlichen Kerbs warten etwas höhere Randsteine auf die Piloten, die ein Abkürzen in den Kurven verhindern sollen. "Diese sind aber nicht zu groß, als dass sie Schäden am Chassis hervorrufen könnten, wenn es einmal schiefgeht. Das ist immer eine unserer größten Sorgen", so der Renault-Chefingenieur.

Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone bezeichnet den Kurs nach seiner ersten Begehung nach der Fertigstellung gegenüber 'Reuters' als "super". "Es wurde alles umgesetzt, das wir innerhalb der zwei, drei Jahre seit der Vertragsunterzeichnung verlangt haben", so der Brite, der gewohnt trocken anfügt: "In Silverstone hat es 25 Jahre gedauert. So gesehen wurde hier ein guter Job gemacht."

Der dreifache Ex-Weltmeister Jackie Stewart zeigt sich im Anschluss an seinen ersten Besuch ebenfalls beeindruckt: "Wenn du auf das Gelände fährst, haut die die Größe der Anlage schier um", so der Schotte gegenüber 'Reuters'. "In meinen Augen ist die Strecke wunderbar. Sie verkörpert für mich die Neue Welt."

Infrastruktur noch mit Mängeln

Im Gegensatz zum Pistenverlauf ist die Infrastruktur allerdings noch nicht frei von Mängeln. Während der offiziellen FIA-Pressekonferenz am Donnerstag gab es einen Stromausfall, der dazu führte, dass Felipe Massa, Michael Schumacher, Rubens Barrichello, Adrian Sutil, Jarno Trulli und Narain Karthikeyan rund 30 Sekunden lang im Dunkeln saßen.

Im Fahrerlager sowie im Pressezentrum quittierten zudem einige der Wasserhähne und Toilettenspülungen ihren Dienst. Dass in einigen Gebäuden sogar Ratten und Fledermäuse gesichtet wurden, stieß ebenfalls auf wenig Begeisterung. In Bezug auf die mit bereits als "Stairway to heaven" bezeichnete Treppe am Hauptgebäude der Boxenanlage gibt es ebenfalls noch Nachbesserungsbedarf. Die Treppe führt bis zum obersten Stockwerk und endet dort unmittelbar vor einer Brüstung...

Vicky Chandhok, Vater von Lotus-Testfahrer Karun Chandhok und seines Zeichens Vorsitzender des Indischen Motorsportverbandes betrachtet den Buddh International Circuit als "neugeborenes Kind, das erst noch großgezogen werden muss". "Wir alle müssen hier und da noch ein paar Unzulänglichkeiten in Kauf nehmen, aber der Wille ist zumindest da. Das ist das Wichtigste", wird Chandhok von 'Reuters' zitiert.

Nach Aussage des Inders gab es nicht einen Teamchef im Fahrerlager, der nicht zu ihm gekommen wäre und betont hätte, welch tolle Strecke in Noida aus dem Boden gestampft wurde. Für das kommende Jahr sieht Chandhok eine typische indische Gestaltung des Fahrerlagers vor. "Im Moment könnte die Anlage überall auf der Welt stehen", findet er.

Fotoquelle: xpb.cc

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