Kimi Räikkönen verschmäht den Le-Mans-Boliden von Peugeot

Formel 1 2011

— 28.10.2011

Kehrt Räikkönen zurück? Der "Iceman" nimmt Stellung

Kimi Räikkönen deutet an, dass ihn Le Mans und der Rallyesport nicht genug befriedigen und meint, dass ein Siegerauto keine Bedingung für ein Comeback ist

Kimi Räikkönen ist bekanntlich kein Mann der großen Worte - bei ihm muss man zwischen den Zeilen lesen. Vor ein paar Monaten echauffierte sich der ehemalige Formel-1-Weltmeister gegenüber dem 'Turun Sanomat' noch über die aktuelle Formel 1: DRS habe nichts mit "echtem Überholen" zu tun. Das sei vielleicht gut fürs Fernsehen, aber nicht für die Fahrer.

In einem aktuellen Interview mit dem Magazin 'F1Racing' klingt das schon etwas anders. "Es war stets sehr schwierig, in der Formel 1 zu überholen, vor allem an der Spitze, denn die Autos sind schneller und es gab keine großen Unterschiede", erklärt der Finne, der mit einem Comeback bei Williams in der kommenden Saison in Verbindung gebracht wird. "Jetzt sieht es einfacher aus, aber zumindest gibt es Überhol-Manöver. Davor gab es Rennen, wo überhaupt nicht überholt wurde. Es sieht so aus, als hätten es die Reifen sehr interessant gemacht - wegen der Art und Weise, wie sie abbauen."

Räikkönen hält sich bedeckt

Räikkönen hat offensichtlich wieder Gefallen an der Formel 1 gefunden. Auch wenn er sich nach wie vor nicht so recht in die Karten blicken lässt. "Ich habe viele verschiedene Optionen und natürlich gibt es viele Spekulationen - das ist normal." Er betont, dass er erst dann darüber sprechen wird, wenn seine Zukunft fixiert ist.

"Schau, ich könnte jetzt sagen, dass ich NASCAR fahre und dann wird es gebracht, aber vielleicht passiert es nicht und dann habe ich Blödsinn geredet", erklärt er. "Ich könnte aber auch sagen, dass ich Crashcar-Rennen fahre, das würde man mir nicht glauben. Aber am Ende sind vielleicht alle überrascht. Siehst du? Solange nichts fix ist, gibt es keinen Grund für Spekulationen, denn es könnte in alle Richtungen gehen."

Räikkönen stellt klar, dass die Zukunft sogar für ihn selbst ein großes Fragezeichen darstellt: "Ganz ehrlich - noch weiß es nicht einmal ich selbst. Wahrscheinlich reden die Leute zu viel, wenn sie sich auf andere Dinge konzentrieren sollten." Der 32-Jährige ist jedenfalls voll motiviert, hat laut 'F1Racing' sein Fitnesstraining intensiviert, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. "Ich habe viele Pläne, will darüber aber nicht sprechen, da ich nicht weiß, ob irgendwas davon umsetzbar ist", gibt er sich geheimnisvoll.

Räikkönen fordert kein Siegerauto

Als Weltmeister Sebastian Vettel, der mit Räikkönen in der Schweizer Heimat übrigens manchmal gemeinsam trainiert, in Monza seinen 18. Grand-Prix-Sieg feierte und mit dem Finnen gleichzog, meinte der Heppenheimer, dass er seinem Kumpel in der Formel 1 noch einige weitere Siege zutraut. "Das weiß ich nicht", gibt sich der Mann aus Espoo bedeckt. "Es hängt davon ab, was in der Zukunft passiert. Zunächst einmal benötigt man in der Formel 1 ein gutes Gesamtpaket. In einem Scheißauto wird man nie gewinnen, selbst wenn man besser als je zuvor fährt. Das ist eine Tatsache, daran gibt es nichts zu rütteln."

Das bedeutet allerdings nicht, dass er ein Formel-1-Comeback ausschließt, sollte er nicht in den Genuss eines Siegerautos kommen - schließlich gäbe es derzeit nur eines: den Red Bull RB7. "Manchmal bauen die Teams gute Autos, manchmal ist das Auto nicht so gut", philosophiert er. "So ist es nun mal: Unser McLaren war 2005 sehr gut, aber er kam nie ins Ziel."

Eine seiner besten Erinnerungen im Motorsport ist freilich der überraschende Titelgewinn 2007 - ein Jahr, in dem der Ferrari laut Räikkönen "das beste Auto" war, doch man benötigte Zeit, "das beste herauszuholen." Seiner Meinung nach gibt es oft "nur geringe Unterschiede zwischen einem guten und einem schlechten Auto. Am Ende muss man nur daran arbeiten."

Rallyesport unterschätzt?

Vor nicht ganz zwei Jahren überraschte er mit seinem plötzlichen Ausstieg aus der Königsklasse des Motorsports und entschied sich, in die Rallye-WM einzusteigen. Ein mutiger Schritt, zumal ihm in dieser Disziplin die Erfahrung fehlte und der Rallyesport Rundstrecken-Piloten vor völlig neue Herausforderungen stellt.

"Es hat mich immer interessiert, ob ich es schaffe, auf der Straße zu bleiben und weiter zu pushen", erklärt er die Hintergründe des Sensations-Wechsels. "Das hat mich interessiert, denn wenn man den Jungs zusieht, die das die ganze Zeit machen, dann sieht es so leicht aus. In Wahrheit ist es aber eines der schwierigsten Dinge, die es gibt. Es ist ganz anders als die Formel 1. Jede Kurve ist anders und selbst zwei Kurven mit den exakt gleichen Schriebaufzeichungen - wie rechts zwei - können ganz unterschiedlich sein."

Das Kreuz mit den Medien

Auch die Folgen eines Fehlers unterscheiden sich gravierend: "Wenn du es falsch machst, dann ist da ein Baum oder ein Felsen statt einem Kiesbett. Das ist etwas, was ich probieren wollte." Der "Iceman" deutet an, dass er die Lust am Rallyesport verloren hat. "Man muss es nicht so ernst nehmen. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich nicht weitermachen will, dann kann ich heute aufhören." Vor allem das Zusammenspiel mit dem Copiloten, die ständig wechselnden Kurven einer Sonderprüfung machten ihm zu schaffen - etwas, das er aus der Formel 1 nicht kannte.

Im Rallyesport hatte ihn vor allem die Konzentration auf den Sport gereizt - ein Faktor, der in der Formel 1 oft zu kurz kommt: "Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass die Leute im Rallyesport viel größere Interesse am Sport und an den Geschehnissen auf den Sonderprüfungen haben, als schwachsinnige Geschichten mit großen Headlines zu kreieren. In der Formel 1 sagst du das eine und die Medien interpretieren es komplett anders und machen eine große Story, wo drinnen steht 'Er hat das gesagt' - auch wenn es einfach nicht wahr ist. Sie schreiben mehr über andere Dinge, als über den Sport. Das passiert im Rallyesport seltener, dort gibt es eine andere Denkweise."

Räikkönen verschmäht Le-Mans-Boliden

Kürzlich sorgte Räikkönen auch für Aufsehen, als er den Peugeot 908 testete. Angeblich soll der Finne schon länger Interesse an einem Start bei den 24 Stunden von Le Mans haben. Doch die Begeisterung dürfte nach den Probefahrten etwas abgeebbt sein: "Das Le-Mans-Auto war interessant, aber um ehrlich zu sein war die Lenkung ziemlich beschissen und die Frontscheibe war seltsam - sie stört deine Sicht. Vielleicht, weil sie sehr rund ist. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie sie mit Öl und Schmutz aussieht, nachdem man eine längere Distanz gefahren ist."

Man wird sich also noch gedulden müssen, um über Räikkönens Zukunft Klarheit zu erlangen - es ist aber keinesfalls auszuschließen, dass er schon in der kommenden Saison gegen Weltmeister Vettel im Grand-Prix-Zirkus antreten wird. Der ehemalige Ferrari-Star weiß nur eines: "Sebastian ist ein netter Kerl in einem guten Team und wenn sie weiterhin ein Siegerauto bauen, dann werden sie weiter gewinnen. Er gewinnt vielleicht weiterhin in der Formel 1, aber eines kann ich jetzt schon sagen: Beim Badminton wird er nicht dauernd gewinnen."

Fotoquelle: xpb.cc

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