Jenson Button, Adrian Newey, Sieger Sebastian Vettel und Fernando Alonso

Formel 1 2011

— 30.10.2011

Vettel schreibt Geschichte: Erster Sieger in Indien!

Mit einer ungefährdeten Vorstellung sicherte sich Sebastian Vettel vor Button und Alonso den Sieg in Noida - Erneute Kollision zwischen Hamilton und Massa

Ohne Fledermäuse, Motten oder Hunde auf der Strecke, ohne Stromausfälle und ohne sonstige nennenswerte Pannen, dafür aber unter einer riesigen Smog-Wolke ist heute der erste Grand Prix von Indien über die Bühne gegangen. Das Rennen auf dem Buddh-International-Circuit zählte nicht zu den aufregendsten dieser ansonsten so spannenden Saison - und lieferte mit Sebastian Vettel den gewohnten Sieger.

Der Weltmeister feierte im 17. von 19 Rennen seinen elften Erfolg, noch dazu lupenrein mit Pole-Position und schnellster Runde. "Ich bin stolz auf euch! Neue Strecke, neue Herausforderung - und wir haben es geschafft", jubelte Vettel nach 60 Runden am Boxenfunk. Dabei wurde ihm vom Team noch eine Schelte erteilt, weil er die explizite Anweisung, kein Risiko mehr einzugehen, missachtete und im 59. und 60. Umlauf jeweils die schnellste Rennrunde markierte (1:27.249 Minuten).

Start-Ziel-Sieg nie in Gefahr

Am Ende hatte Vettel 8,4 Sekunden Vorsprung auf Jenson Button, der ihm das gesamte Rennen hindurch mit einigen Sekunden Abstand gefolgt war. Doch den Eindruck, dass der McLaren-Pilot dem Deutschen gefährlich werden könnte, hatte man eigentlich nie. Die einzige "Panne" leistete sich das Red-Bull-Team, als Stardesigner Adrian Newey bei der Siegerehrung den Hals nicht voll bekommen konnte und sich am Champagner verschluckte...

"Wir haben einen Lauf, schon seit Saisonbeginn", freut sich Vettel, bei dem auch als Weltmeister kein Zeichen von Schwäche erkennbar ist. "Es war ein sehr gutes Rennen. Ich habe die Führung sehr genossen. Es war ein Fernduell mit Jenson, aber bei den Boxenstopps kam er mir immer ein bisschen näher, was wir noch untersuchen müssen. Aber sonst war es ein problemloses Rennen. Mit den harten Reifen fühlte ich mich am Ende fast noch besser."

Der Jubel am Boxenfunk war so laut, als wäre die WM-Entscheidung noch offen, doch nach der Siegerehrung schlug der Triumphator auch nachdenkliche Töne an: "Es sind gemischte Gefühle, denn einerseits freue ich mich darüber, erster Sieger in Indien zu sein, aber andererseits haben wir mit Dan Wheldon und Marco Simoncelli zwei große Motorsportler verloren. Unsere Gedanken sind jetzt bei ihnen", erinnert er an die Tragödien in der IndyCar- beziehungsweise MotoGP-Serie.

Alonso auf der falschen Linie

Schon am Start - wegen des bescheidenen Red-Bull-Topspeeds eine der wenigen Chancen der Konkurrenz - gab sich Vettel keine Blöße und verteidigte die Führung sicher. Button verbesserte sich indes vom vierten auf den zweiten Platz, weil Fernando Alonso (Ferrari) in der ersten Kurve fälschlicherweise die Außenbahn wählte und Mark Webber (Red Bull) am Ende der langen Geraden gegen den aus dem Windschatten kommenden McLaren keine Chance hatte.

Von da an war der Grand Prix von Indien eines der langweiligeren Rennen der Saison 2011. Der Abstand zwischen Vettel und Button wurde sukzessive größer, vor allem vor den Boxenstopps - was darauf hindeutet, dass der Sieger nicht alles geben musste, sondern nur in den entscheidenden Phasen Tempo gemacht hat. Trotzdem betrug sein Vorsprung nach dem zweiten und letzten Boxenstopp nur 2,8 (statt davor 5,0) Sekunden.

"Ich weiß nicht, ob es die Stopps selbst waren oder die Runden nach den Stopps, denn auf den neuen Reifen hatte ich jeweils gleich ein gutes Gefühl", erklärt Button, der mit dem zweiten Platz gut leben kann: "Wir haben perfekte Arbeit geleistet und hätten nichts besser machen können. Ein gutes Rennen. Im letzten Rennen habe ich in der ersten Runde viele Positionen verloren. Das wollte ich hier gutmachen und das ist mir gelungen."

60 Führungsrunden für Vettel

Nach der ersten Runde führte Vettel vor Button, Webber, Fernando Alonso, Felipe Massa (beide Ferrari), Lewis Hamilton (McLaren), Nico Rosberg und Michael Schumacher (beide Mercedes), der aus der sechsten Reihe einen Superstart hatte. Eine der wenigen Positionsverschiebungen auf den vorderen Rängen gab es beim zweiten Boxenstopp, als Alonso durch einen längeren Stint an Webber vorbeischlüpfte und so doch noch auf das Podium kam.

Er habe "keinen perfekten Start" gehabt, gesteht Alonso, denn: "Wir hatten nicht den erwarteten Grip und die andere Seite startete besser als wir." Aber dass es trotzdem mit einem Podestplatz geklappt hat, freut ihn sehr: "Marks Stopp hat uns überrascht. Ich habe zwei Runden mehr gedreht als er, so konnten wir ihn überholen. In einem ersten Rennen in einem neuen Land Champagner zu trinken, ist ein schönes Gefühl!"

Fehler kostet Webber die Podiums-Chancen

Alonso stand nach dem Boxenstopp kurz unter Druck, als er mit kalten Reifen den bereits voll aufgewärmten Webber im Nacken hatte, doch ein leichter Fahrfehler des Australiers brachte die Entscheidung. Am Ende waren die beiden durch 1,2 Sekunden getrennt. Dahinter lieferten sich die Silberpfeile ein heißes Duell um den fünften Platz, das ebenfalls an der Box entschieden wurde - zu Schumachers Gunsten.

Das ganze Wochenende war Rosberg schneller als der siebenfache Weltmeister, und als er zum zweiten Mal an die Box kam, hatte er rund drei Sekunden Vorsprung. Doch Schumacher fuhr einen sehr langen Stint und konnte mit den weicheren Pirelli-Primes (Soft) die besseren Zeiten fahren als Rosberg (Option/Hard). Nach dem Positionstausch gleich der Funkspruch: "Ihr dürft gegeneinander racen, aber macht keinen Unsinn!"

"Normalerweise sind die Plätze sieben und acht das Maximum für uns. Heute hat es sich bezahlt gemacht, unsere Stärken zu nutzen und konstant durchzufahren, während andere Fehler gemacht haben", sagt Schumacher. Dass er den längeren Stint als Rosberg gefahren ist, sei keine absichtliche Strategie gewesen: "Es lag nur einfach daran, dass seine Reifen jeweils früher fertig waren als meine. Das heißt: Er musste an die Box."

Rosberg ärgert sich über frühen Stopp

Rosberg war über die strategische Verschiebung "nicht sauer", aber auch nicht glücklich: "Ist halt schade, denn meine Strategie war im Nachhinein sicherlich die langsamere war. Müssen wir mal schauen, warum das so war, aber ich hatte schon ein schlechtes Gefühl dabei. Und leider ist auch beim Boxenstopp etwas schief gegangen, aber das kann passieren", bedauert er und sagt über die Schlussphase hinter Schumacher: "Versucht habe ich es, aber ich kam nicht näher ran."

Rosberg konnte keine Attacke mehr reiten und rollte als Sechster über die Ziellinie, 17,3 Sekunden vor Hamilton. Der erlebte einmal mehr einen schwarzen Nachmittag: "Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich entschuldige mich beim Team und bei den Sponsoren. Es war ein katastrophales Rennen. Einfach ein katastrophales Jahr", ärgert sich der erneut sichtlich niedergeschlagene Weltmeister von 2008.

Immerhin blieb er diesmal vor den Rennkommissaren verschont, obwohl es in der 24. Runde zum x-ten Mal mit Massa krachte! Hamilton setzte sich innen neben den Ferrari des Brasilianers und war noch nicht auf gleicher Höhe, als dieser die Tür zuschlug. "Ich hatte nicht das Gefühl, einen Fehler gemacht zu haben. Er hat mir keinen Platz gelassen", findet Hamilton. "Ich würde sagen, es war ein Rennunfall." Das sag die Rennleitung anders - und bestrafte Massa!

Kollision wirklich Massas Schuld?

Eine vertretbare Entscheidung, wie 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer findet: "Massa fährt innen und schaut rüber. Er hat ihn gesehen und zieht trotzdem rein", analysiert der ehemalige Formel-1-Pilot bei den TV-Kollegen von 'Sky' den Aufreger des Rennens. "Meiner Meinung nach hat er es drauf angelegt, dass es kracht. Er kann natürlich versuchen, mitzufahren um die Kurve, aber er kann nicht einfach reinziehen."

Während Hamilton an die Box kommen musste, konnte Massa zunächst an fünfter Stelle liegend weiterfahren. "Ich weiß nicht, ob ihr das sehen könnt, aber ich habe ein Getriebeproblem beim Runterschalten", funkte er seinem Renningenieur Rob Smedley. In der 33. Runde schied er dann mit gebrochener Radaufhängung aus. Ursache war nicht etwa ein Folgeschaden der Kollision, sondern der gleiche Fehler wie im Qualifying: zu aggressiv über die Kerbs geräubert...

Sutil weit vom Podium entfernt

Um die verbleibenden Punkteränge entbrannte ein heißer Kampf, aus dem sich Bruno Senna (Renault) mit einem späten Boxenstopp verabschiedete. So rückte Adrian Sutil noch auf Platz neun auf: "Eigentlich bin ich damit ganz glücklich. Letztendlich ist das die Position, wo wir meistens sind", meint der Force-India-Pilot. "Ich habe mein Bestes gegeben, konnte die Toro Rossos aber nicht schlagen. Wir hatten Glück, dass einer ausgeschieden ist, so habe ich eine Position geerbt."

Sutil kam 15,7 Sekunden hinter Jaime Alguersuari (Toro Rosso) ins Ziel, der eine starke Performance ablieferte. Zehnter wurde Sergio Perez (Sauber), dessen Pace im Renntrimm deutlich besser war. Sein Teamkollege Kamui Kobayashi schied hingegen gleich zu Beginn aus: "Jemand hat mich von hinten angerempelt und dann habe ich mich gedreht, aber ich hatte auch einen Reifenschaden. Ich sah Rauch aus dem Getriebe oder was auch immer und musste anhalten", seufzt der Japaner.

Insgesamt sahen 19 von 24 gestarteten Autos die Zielflagge, darunter auch der bärenstark auffahrende Heikki Kovalainen (Lotus), der phasenweise sogar an zehnter Stelle lag und am Ende 14. wurde, vor Rubens Barrichello im Williams! Dessen Teamkollege Pastor Maldonado zählte zu den fünf Ausfällen: "Wir hatten ein Problem mit dem Getriebe. Ich bin wirklich enttäuscht, denn wir waren flott unterwegs", seufzt der Venezolaner.

Gelungenes Heimrennen für Karthikeyan

Lokalmatador Narain Karthikeyan schlug sich achtbar und kam als 17. ins Ziel, eine halbe Minute vor seinem HRT-Stallgefährten Daniel Ricciardo. Timo Glock (Marussia-Virgin) war hingegen ein Opfer der Startkarambolage: "Ich kam in Kurve eins an und vor mir flogen schon die Teile. Ich versuchte noch, etwas eher zu bremsen, doch irgendwann fuhr ein Sauber direkt vor mein Auto. Wo der herkam, weiß ich nicht", wundert er sich über Kobayashi.

"Ich konnte aber auf jeden Fall nicht ausweichen. Ich fuhr ihm in die Kiste und danach war mein Frontflügel kaputt. Wir tauschten das Teil aus, doch beim Reifenwechsel ging vorne rechts das Rad nicht richtig drauf. Es war nicht richtig befestigt. Ich musste also wieder zurückfahren. Dann bemerkten wir, dass die komplette linke Seite im Eimer war. Es wäre nicht sinnvoll gewesen, weiterzufahren", schildert der Deutsche seinen frühen Ausfall.

In der Fahrer-WM liegt Seriensieger Vettel uneinholbar mit 374 Punkten in Führung. Kurs auf Platz zwei nimmt weiterhin Button (240), gefolgt von Alonso (227) und Webber (221). Auch bei den Konstrukteuren sind die Fronten klar geregelt: Red Bull (595) vor McLaren (442) und Ferrari (325). Weiter geht's in zwei Wochen mit dem Grand Prix von Abu Dhabi. Danach folgt nur noch das Saisonfinale in Brasilien (27. November).

Fotoquelle: xpb.cc

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