Luca di Montezemolo verhandelt wieder einmal mit harten Bandagen

Formel 1 2011

— 07.11.2011

Ferrari droht (wieder) mit Formel-1-Ausstieg

Zu wenig Tests, zu viel Aerodynamik, keine dritten Autos: Ferrari wünscht sich Änderungen, wenn es nicht aus der Formel 1 aussteigen soll

Es ist fast schon zur Tradition geworden: Jedes Mal, wenn ein neues Concorde-Agreement verhandelt wird (das aktuelle läuft Ende 2012 aus), droht Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo mit dem Ausstieg aus der Formel 1, um seine Position zu stärken. Letztendlich hat er sich dann aber doch stets mit Bernie Ecclestone geeinigt.

Jetzt wird wieder mit den Säbeln gerasselt: "Die Formel 1 ist immer noch unser Leben, aber ohne Ferrari gibt es keine Formel 1 - genau so, wie Ferrari ohne die Formel 1 anders wäre", so Montezemolo am Rande des Ferrari-Weltfinales am vergangenen Wochenende in Mugello. Ferrari könne zwar "sehr geduldig" sein, aber: "Es gibt präzise Bedingungen, die wir uns vorstellen, wenn wir mit unserer Arbeit fortfahren sollen."

Zu wenig Technologietransfer

"Wir fahren nicht nur der Publicity wegen Rennen, sondern vor allem wegen der Forschungsmöglichkeiten für alle Bereiche unserer Straßenwagen-Produktion: Motor, Chassis, mechanische Komponenten, Elektronik, Materialien und Aerodynamik", argumentiert der Italiener und verweist auf den Technologietransfer, "der in den vergangenen 20 Jahren exponentiell gewachsen ist" und für den es in der Formel 1 derzeit nur eingeschränkte Möglichkeiten gibt.

Vor allem stößt sich Montezemolo am Testverbot während der Saison, am seiner Meinung nach zu starken Einfluss der Aerodynamik und am Kundenauto-Verbot: "Ich finde nicht so gut, dass 90 Prozent der Performance rein von der Aerodynamik abhängig sind. Ein weiterer negativer Punkt ist, dass unser Sport der einzige Sport ist, in dem man nicht testen oder trainieren darf. Wir bauen Autos, keine Helikopter, Raketen oder Flugzeuge", sagt er.

Eine Lockerung des Testverbots sei daher unausweichlich: "Natürlich dürfen wir nicht zu den Exzessen von vor ein paar Jahren zurückkehren, aber wir sollten auch nicht in einer Position sein, dass wir den jungen Fahrern der Ferrari-Akademie keine Testmöglichkeiten anbieten können", kritisiert Montezemolo. Derzeit kann Ferrari den Nachwuchshoffnungen aus diversen Formelklassen nur mindestens zwei Jahre alte Formel-1-Boliden zum Testen anbieten.

Und dann wünscht sich Ferrari auch noch die Zulassung von Kundenautos: "Das unterstützen wir weniger in unserem eigenen Interesse als vielmehr im Interesse des Sports allgemein", so der Ferrari-Präsident. "Wir glauben, es ist im Interesse der Fans, Medien und Sponsoren, wenn es mehr konkurrenzfähige Autos auf der Strecke gibt, anstelle von Autos, die zwei oder drei Sekunden langsamer sind und schon nach wenigen Runden überrundet werden."

Privat eingesetzte Ferraris denkbar?

Als Beispiel nennt er den Frankreich-Grand-Prix 1961 in Reims: "Giancarlo Baghetti hat damals mit einem privat eingesetzten Ferrari gewonnen", erinnert sich Montezemolo. "Es wäre doch schön, in Zukunft eines unserer Autos in den amerikanischen oder chinesischen Farben zu sehen, oder auch in den Farben von Abu Dhabi." Ein Modell, mit dem Ferrari naturgemäß viel Geld verdienen könnte...

Daher hat in den vergangenen Tagen ein erster Annäherungsversuch stattgefunden. Ecclestone kann sich dem Vernehmen nach vorstellen, Kundenautos wieder zuzulassen, um Ferrari einen Gefallen zu tun und zur Unterschrift unter das neue Concorde-Agreement zu bewegen. Im Gegenzug könnte Ferrari bei der Frage nach der Einnahmenverteilung etwas weniger hart verhandeln. Und: Wenn Ferrari einmal unterschrieben hat, unterschreibt erfahrungsgemäß auch der Rest.

Aber noch ist es nicht so weit: "Wir werden unsere Ansichten bestmöglich vertreten, aber eines muss klar sein: Wenn man uns zustimmt, ist das schön, aber wenn nicht, dann müssen diejenigen einfach unsere Position akzeptieren", lässt Montezemolo kaum Verhandlungsspielraum. "Wenn die Formel 1 Ferrari will, dann muss sie zum höchsten Forschungsniveau zurückkehren - und gleichzeitig ein Auge auf die Kosten haben. Wir sind als Konstrukteure in der Formel 1, nicht als Sponsoren."

Fotoquelle: Ferrari

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