Jenson Button blickt auf eine erfolgreiche Saison bei McLaren zurück

Formel 1 2011

— 10.11.2011

Button: "Keiner erinnert sich an den Vizeweltmeister"

Jenson Button ist mit seiner Position bei McLaren hochzufrieden und peilt den Vizetitel an - Wichtiger sind ihm jedoch Siege und konstante Regeln

McLaren-Pilot Jenson befindet sich auf dem besten Weg zum Vize-WM-Titel. Der zweite Rang im Endklassement der Weltmeisterschaft hat fr den Briten allerdings nicht die grte Prioritt.

In seiner Medienrunde am Donnerstag in Abu Dhabi spricht Button darber, welchen Gegner er im Kampf um Platz zwei vor allem schlagen mchte, ber eine mgliche Teamorder bei McLaren, seine persnliche Saisonbilanz sowie die Vielzahl an Vorfllen in diesem Jahr, bei denen die Rennleitung einschreiten musste.

Frage: "Jenson, worauf legst du bei den beiden verbleibenden Rennen des Jahres den Fokus? Auf das bestmgliche Endresultat oder auf Erkenntnisse im Hinblick auf die kommende Saison?"
Jenson Button: "Fr das Team an sich sind beide Faktoren gleich wichtig. Natrlich wollen wir das Auto im Hinblick auf die neue Saison entwickeln, um damit um die Weltmeisterschaft mitfahren zu knnen. Die laufende Saison mit guten Ergebnissen abzuschlieen, hat jedoch auf die gesamte Arbeit im Winter groen Einfluss. Am Montagmorgen nach einem Sieg mit den roten Teamhemden die Arbeit anzutreten, macht eine Menge aus und verleiht dem gesamten Team groen Auftrieb im Hinblick auf die Entwicklung des neuen Autos."

Frage: "Der Titel ist in diesem Jahr fr dich auer Reichweite. Platz zwei ist noch mglich. Bedeutet dir dies irgendetwas oder ist dir der Vizetitel egal?"
Button: "Wir alle treten an, um Weltmeister zu werden. Wenn du bereits einen Titel gewonnen hast, wird dir klar, dass da nichts anderes heran reicht. Die Saison vor einem Red Bull und vor Fernando im Ferrari sowie vor Lewis zu beenden, ist aber schon etwas, fr das es sich zu kmpfen lohnt. Letztlich konzentriere ich mich aber nach wie vor darauf, Rennen zu gewinnen und werde nicht zurckstecken, nur um den zweiten Rang in der WM-Tabelle abzusichern."

Frage: "Was bedeutet es dir, die Saison vor deinem Teamkollegen Lewis Hamilton abzuschlieen?"
Button: "Es geht nicht nur darum, die Saison vor Lewis zu beenden. Es geht darum, die Saison vor mehreren Weltmeistern zu beenden. Sowohl Lewis als auch Fernando standen bereits an der Spitze dieses Sports. Genauso geht es darum, Mark zu schlagen. Was ihn betrifft, ist es mir sogar noch wichtiger als bei Lewis und Fernando, da er in dem Auto sitzt, das in diesem Jahr die Weltmeisterschaft gewonnen hat. Auch wenn ich derzeit ber einen guten Punktevorsprung auf Mark verfge, wird das bei den verbleibenden zwei Rennen noch ein harter Kampf werden, auf den ich mich freue. Das Jahr vor einem Red Bull abzuschlieen, wre ein gutes Ende einer positiven Saison fr mich."

Frage: "Viele Fahrer sagen, dass ein zweiter Platz sie nicht interessiert. Die Positionen eins und zwei in der WM-Tabelle lesen sich in einer Karriere aber doch sicher besser als eins und vier oder etwa nicht?"
Button: "Ja, das stimmt, aber im kommenden Jahr erinnert sich niemand an dich, wenn du Zweiter geworden bist. Mir selbst geht es da nicht anders. Du erinnerst dich daran, wer der amtierende Weltmeister ist, aber nicht daran, wer die Weltmeisterschaft hinter ihm auf Platz zwei abgeschlossen hat. So gesehen bedeutet mir der zweite WM-Rang nicht viel, aber es wre dennoch schn. In erster Linie geht es mir aber darum, dieses Rennen hier und auch das nchste zu gewinnen. Dafr wrde ich auch auf die Punkte verzichten. Hoffentlich knnen wir den Fans ein spannendes Rennen bieten und die Red Bulls, insbesondere Sebastian, herausfordern. Das war zuletzt nicht immer einfach, aber wir haben denke ich einen ganz guten Job gemacht."

Frage: "Sebastian Vettel hat in dieser Saison einen Groteil der Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Macht dich das traurig und siehst du deine eigene Leistung dadurch in den Hintergrund gerckt?"
Button: "Unterm Strich haben wir als Team den bestmglichen Job abgeliefert. Ich habe sowohl was das Fahren als auch was die Arbeit mit den Ingenieuren betrifft, stets gute Arbeit geleistet, wie ich glaube. Gleiches gilt fr das Team. Erinnern wir uns an Suzuka, wo wir einen groartigen Sieg herausgefahren haben, weil wir schnell und konstant waren und zudem fantastische Boxenstopps hatten. Dort hat einfach alles gepasst. Nach einem solchen Wochenende trittst du zufrieden die Heimreise an, ganz gleich ob du gewonnen hast oder nicht. In Indien war es hnlich. Auch dort lief alles glatt, aber wir haben das Rennen nicht gewonnen. Wichtig fr uns war, dass wir den bestmglichen Job erledigt haben."

Frage: "Hltst du es fr angebracht, so kurz vor Ende der Saison ber eine Teamorder bei McLaren zu diskutieren?"
Button: "Nein. Um die Weltmeisterschaft zu gewinnen, musst du auch deinen Teamkollegen schlagen. Im WM-Kampf bist du auf dich allein gestellt. Lewis sitzt im selben Auto wie ich und wir haben tolle Duelle, weil wir beide gewinnen wollen. Darber sprechen wir aber nicht, weil es ohnehin ein Fakt ist, der allen bewusst ist. Kein Fahrer fhrt fr seinen Teamkollegen oder dafr, diesen nicht zu schlagen. Das war schon immer so, weshalb es nicht notwendig ist, stndig darber zu sprechen."

Saison 2011 war gut, aber nicht perfekt

Frage: "Deine zweite Saisonhlfte war sehr stark. Siehst du dich persnlich in der besten Form seitdem du im Jahr 2009 den WM-Titel gewonnen hast?"
Button: "Das vergangene Jahr war fr mich ber weite Strecken ein Lehrjahr, in dem es darum ging, mich im neuen Team einzufinden. Nachdem ich zuvor sieben Jahre lang fr dasselbe Team gefahren bin, habe ich eine gewisse Eingewhnungsphase erwartet. Das vergangene Jahr war alles in allem gut, aber ich hatte keinen Einfluss auf die Entwicklungsrichtung des Autos. Auf das diesjhrige Auto hatte ich deutlich mehr Einfluss. Ich konnte das Team bei der Entwicklung in eine Richtung lenken, die mir beim Fahren entgegenkommt. Das betrifft in erster Linie ein stabiles Heck, aber auch eine Menge anderer, kleinerer Dinge. Aus diesem Grund fhle ich mich in diesem Jahr im Auto deutlich wohler als das noch vor einem Jahr der Fall war."

"Die Arbeit, die bei uns gegenwrtig im Windkanal verrichtet wird, befasst sich zum Teil noch mit den verbleibenden Rennen in diesem Jahr, zum Groteil aber bereits mit Entwicklungsteilen fr die kommende Saison. Das ist sehr interessant zu sehen und ich bin mit der eingeschlagenen Richtung sehr glcklich. Ob es dann tatschlich auch auf der Rennstrecke funktioniert, steht aber auf einem anderen Blatt. Das mssen wir abwarten."

Frage: "Wo siehst du noch den grten Nachholbedarf?"
Button: "Ich wrde sagen im Qualifying. Das gilt sowohl fr mich selbst als auch fr das Team. Red Bull hat in diesem Jahr in den Qualifyings eine unglaubliche Leistung gezeigt. Sie wurden nur einmal geschlagen und das hat Lewis geschafft. Was mich betrifft, so war ich in den Rennen oft deutlich nher dran als im Qualifying. Wenn du als Dritter oder Vierter losfahren musst, macht das die Aufgabe, jemanden wie Sebastian zu schlagen, umso schwieriger."

"Wir knnen aber auch nicht alles nur auf das Qualifying schieben. Es hat in diesem Jahr eine Menge Rennen gegeben, in denen wir konkurrenzfhig waren, aber auf Sebastian haben uns trotzdem drei Zehntelsekunden gefehlt. Das war sehr frustrierend, so dicht dran und gleichzeitig doch so weit weg zu sein. Unsere Grundgeschwindigkeit ist sicher der Punkt, den wir noch verbessern knnen. Zudem hatte ich zwei Zuverlssigkeitsprobleme, whrend Red Bull keinen einzigen Defekt zu verzeichnen hatte. Wenngleich unsere Zuverlssigkeit im Vergleich zu den Vorjahren groartig war, so ist das dennoch ein Punkt, an dem wir noch arbeiten mssen, denn in diesem Jahr waren mehr oder weniger alle auf diesem Gebiet groartig."

Lob fr Entscheidungen der Stewards

Frage: "Es hat in diesem Jahr eine Menge Strafen seitens der Rennleitung fr misslungene berholmanver gegeben. Glaubst, dass der Bogen berspannt wurde und die Fahrer nun verunsichert sind, wenn sie einen Angriff planen?"
Button: "Das glaube ich nicht. Wir sprechen hier von einem Instinkt, den du nicht vernderst, weil eine mgliche Strafe drohen knnte. Natrlich hat es eine Menge Strafen gegeben. Andererseits muss man auch sagen, dass wir stetig Druck auf die FIA und die Stewards dahingehend ausben, dass sie konstante Entscheidungen treffen. Diese Konstanz ist meiner Ansicht nach gegeben und das ist die Hauptsache. Ob ein Manver zu hart oder nicht, sollten nicht die Fahrer, sondern die Stewards entscheiden. Wir sollten uns da zurckhalten."

Frage: "Erinnern dich die Manver in diesem Jahr an die Anfnge deiner Karriere?"
Button: "Als ich in Italien Kartrennen bestritten habe, war es uns nicht erlaubt, einen Gegner zu blocken. Hast du es doch getan, wurdest du eine Position nach hinten versetzt. In dieser Hinsicht gab es damals ein greres Ma an Respekt, denn du wusstest genau: Blockst du, bekommst du eine Strafe oder ein anderer Fahrer schickt dich von der Strecke. Bei solchen Zwischenfllen konntest du dich in der Regel aber nicht verletzen, da du nicht mit 320 km/h unterwegs warst."

"In der Formel Ford war uns Fahrern alles erlaubt. Ich erinnere mich an ein Rennen, in dem ich hinter einem anderen Fahrer lag, der auf der Geraden sechs oder siebenmal seine Linie gewechselt hat, um mich am berholen zu hindern. Das war sehr frustrierend. So gesehen bin ich froh, dass wir in der Formel 1 Regeln haben, die so etwas unterbinden. Das kommt dem berholen als Ganzes zu Gute. Du brauchst in jedem Sport ein Regelwerk. In unserem Sport sind die Regularien meiner Ansicht nach korrekt."

Fotoquelle: xpb.cc

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